Der Sportclub Riessersee ist ein deutscher Sportverein aus Garmisch-Partenkirchen, der besonders durch seine Eishockeyabteilung bekannt ist, die zwischen 1927 und 1981 zehn Mal Deutscher Meister wurde. Weiterhin brachte die Bob- und Schlittenabteilung mehrere Olympiasieger und Weltmeister hervor. Die Eishockey-Profimannschaft ist seit 1995/96 in die SC Riessersee Eishockey Vermarktungs GmbH ausgegliedert. Die Nachwuchsarbeit, die Damenmannschaft und die Amateurmannschaft sind beim Sport-Club Riessersee-Eishockey Garmisch-Partenkirchen Nachwuchs e. V. angesiedelt, die anderen Sportarten weiterhin beim Sportclub Riessersee e. V. Ihre Heimspiele tragen die Mannschaften des SC Riessersee im Olympia-Eissport-Zentrum aus, welches Platz für 7000 Zuschauer bietet. Die Vereinsfarben sind weiß und blau.
Die GmbH überstand im Sommer 2004 zum zweiten Mal nach 2002 ein Insolvenzverfahren und wurde – nach ihrem Lizenzentzug im Dezember 2003 für die 2. Bundesliga – in die Oberliga aufgenommen. Ab der Saison 2007/08 gehörte der SC Riessersee wieder der 2. Bundesliga an, war anschließend nach erneutem Lizenzentzug in der Saison 2010/11 in der Oberliga aktiv und stieg zur Saison 2011/12 in die 2. Bundesliga (später DEL2) auf. Nach einer weiteren Insolvenz spielt er seit 2018 wieder in der Oberliga Süd. mini|Innenansicht des Olympia-Eisstadions mini|Panorama-Innenansicht des Olympia-Eissport-Zentrums Garmisch-Partenkirchen
Geschichte Anfangsjahre (1920 bis 1945) Platzierungen bis 1944scriessersee.de: Der SCR in Zahlen – Tabellen seit 1923 Saison Vorrunde Finalrunde 1923/24 – Vizemeister 1924/25 – Vizemeister 1925/26 – Halbfinale 1926/27 1. Platz Meister 1927/28 1. Platz Vizemeister 1928/29 1. Platz Vizemeister 1929/30 2. Platz 4. Platz 1930/31 2. Platz unbekannt 1931/32 – Vizemeister 1932/33 1. Platz Vizemeister 1933/34 – Vizemeister 1934/35 1. Platz Meister 1935/36 – Vizemeister 1936/37 1. Platz Vizemeister 1937/38 1. Platz Meister 1938/39 1. Platz Disqualifizierung 1939/40 2. Platz 3. Platz 1940/41 1. Platz Meister 1941/42 1. Platz Meister Gr. D 1942/43 – Finale 1943/44 – – Statistik 1924–1944 Meistertitel 1927, 1935, 1938, 1941 Vizemeister 1924, 1925, 1928, 1929, 1932, 1933, 1934, 1936, 1937 Spiele 68 Punkte 97:39 Tore 242:67 SiegeUnentschiedenNiederlagen 46175
mini|links|Spielstätte in den ersten Jahren: Der Rießersee. mini|Rießersee im Januar 2012 – erste Vorbereitungen zum 2. Pond Hockey Cup. Der Sportclub Riessersee wurde am 12. Oktober 1920 im Kurhotel Riessersee gegründet. Initiatoren waren Hansheinrich Kirchgeßner, Wilhelm von Hillern-Flinsch – welcher zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde – sowie der Besitzer des Hotels, Leonhard Buchwieser, die unter dem Dach des SC die Sportarten Bobsleigh, Eishockey, Eislauf, Eisschießen, -schnelllauf und -tanz sowie Golf, Hockey und Tennis organisierten. Buchwieser stellte hierbei alle bestehenden Sportanlagen rund um den Riessersee an den Verein und am 10. Februar 1922 erfolgte der Eintrag in das Vereinsregister, bei dem bewusst auf die involvierten Ortsteile Garmisch und Partenkirchen im Vereinsnamen verzichtet wurde. Bereits im ersten Jahr verzeichnete der Club 87 Mitglieder.
Von Franz Kreisel und Karl Neustifter wurde am 23. Dezember 1923 nach dem Übertritt vieler Spieler des MTV München von 1879 und den MEV 1883 München die Eishockey-Abteilung gegründet. Bereits am 13. Januar des darauffolgenden Jahres erfolgte das erste Spiel gegen den MTV München, aus dem die Mannschaft von der Zugspitze mit 2:1 siegreich hervorging und einen gestifteten Pokal gewann.Gerdy Sperger: 1923–2003. 80 Jahre Eishockey Sportclub Riessersee. 2003, S. 16 ff. Nach der Auflösung der Eishockeyabteilung des MTV und dem Beitritt der Spieler zum SCR trat die Mannschaft 1924 erstmals bei internationalen Turnieren und um die deutsche Meisterschaft an. Dabei wurden die Oberbayern hinter dem Berliner Schlittschuhclub nationaler Vizemeister. Aufstellung bei der ersten deutschen Meisterschaft Matthias Leis • Hans Schmid • Franz Kreisel • Alex Gruber • Martin Schröttle • Emil Rau • Marquard Slevogt • Fritz Rammelmayr Neben den parallel stattfindenden Bayerischen Meisterschaften und dessen Gewinn durch die zweite Mannschaft fand am 6. Februar 1927 die deutsche Meisterschaft am Kobelhang in Füssen statt, bei der der SC Riessersee im Finale den SC Charlottenburg mit 2:1 besiegte und damit den ersten deutschen Meistertitel gewann. Im Dezember 1927 nahm die Mannschaft des SCR am Spengler Cup in Davos teil, wo sie in der Vorrunde auf die University of Oxford (1:0) und den Berliner Schlittschuhclub (1:2 n. V.) traf und sich für das Spiel um Platz 3 qualifizierte.Österreichische Nationalbibliothek-Anno, (Wiener) Sporttagblatt 31. Dezember 1926 Dort unterlag sie der Mannschaft aus Cambridge mit 1:2.Österreichische Nationalbibliothek-Anno, (Wiener) Sporttagblatt 3. Januar 1927
Gleichzeitig stellten die Garmisch-Partenkirchener einen Großteil der nationalen Auswahlspieler, die an Olympia- und Weltmeisterschaften teilnahmen. Im weiteren Verlauf der deutschen Meisterschaft belegte die Mannschaft 1928 sowie ein Jahr später den zweiten Rang hinter dem damaligen „Dauerrivalen“ Berliner Schlittschuhclub. Das Jahr 1930 stellte den vorläufigen Höhepunkt des deutschen Eishockeys dar. Nach dem Gewinn der Bayerischen Meisterschaft über den EV Füssen vertraten vier Spieler des SC Riessersee die deutsche Auswahl, welche den Europameistertitel und die Vizeweltmeisterschaft errungen. Die nationale Meisterschaft wurde 1932 auf dem Riessersee ausgetragen, konnte jedoch aufgrund der Witterungsbedingungen nicht zu Ende geführt werden. Das Ergebnis des „kleinen Finales“ im Spiel um Platz drei zwischen dem SCR und dem Münchner Eislauf-Verein ist unbekannt.Stephan Müller: Deutsche Eishockey Meisterschaften. Books on Demand, Norderstedt 2000, ISBN 3-8311-0997-4, S. 6–7.
Im Olympiajahr 1932 – so gewannen sechs einheimische Spieler bei den Olympischen Spielen 1932 in Lake Placid mit der deutschen Nationalmannschaft die Bronzemedaillescriessersee.de, Chronik des SC Riessersee – wurde die Mannschaft erneut durch Spieler des MEV 1883 München verstärkt und wurde Vizemeister. Durch die Eröffnung einer Kunsteisbahn in München stand den Spielern nun auch eine regelmäßige Trainingsstätte zur Verfügung.mev-eisschnelllauf.de: , abgerufen am 9. August 2009. Durch die nationalen Erfolge und den positiven Ruf des Vereins kam es am 31. Dezember 1931 im Rahmen der „Tour of Europe“ zu einem freundschaftlichen Aufeinandertreffen mit den Edmonton Superiors,azhockey.com: , abgerufen am 9. August 2009. einem damals erfolgreichem Team aus Kanada. Im Finale der deutschen Meisterschaft standen sich auf der Glaspalast-Bahn in München erneut der BSC und der SC Riessersee gegenüber. Das Spiel endete mit 2:1 nach Verlängerung, wurde allerdings aufgrund eines Torrichterfehlers annulliert und konnte wegen des einsetzenden Tauwetters zunächst nicht wiederholt werden. Erst Anfang der folgenden Saison gab es ein Nachholspiel im neugebauten Prinzregentenstadion in München, welches die Berliner mit 1:0 gewannen und die Oberbayern damit zum fünften Mal Vizemeister wurden. Dies wiederholte sich im darauf folgenden Jahr, als sich die Mannschaft wieder im Endspiel dem SC Brandenburg-Berlin geschlagen geben musste.
Im Dezember 1934 fanden zum ersten Mal Eishockeyspiele im Olympiastadion statt. Der erste Gegner hierbei war der HC Milano. In der deutschen Meisterschaft belegte der SCR nach der Vorrunde den ersten Platz und besiegte am 17. Februar 1935 den EV Füssen mit 2:1 und wurde damit zum zweiten Mal Deutscher Meister. Nach dem bayerischen Meistertitel 1937 zwei weiteren deutschen Vizemeistertiteln errang der Verein 1938 wieder im heimischen Olympiastadion die Meisterschaft. Im Jahr darauf wurde der SCR vom Gauführer XVI des NSRL wegen unsportlichen Verhaltens anlässlich eines Spieles beim Drei-Städtewettkampf Berlin–München–Wien disqualifiziert und durfte nach einem ersten Platz nach der Vorrunde nicht in der Endrunde im Berliner Sportpalast teilnehmen. Trotz Kriegsbeginn wurden im Winter 1939/40 weiterhin sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Neben der „5. Internationalen Wintersportwoche“ erreichten die Garmisch-Partenkirchener den dritten Platz in der Finalrunde um die deutsche Meisterschaft. Unter dem späteren Reichstrainer Bobby Bell wurde der SCR 1941 zum vierten Mal zur besten deutschen Vereinsmannschaft gekürt, nachdem die Mannschaft zunächst die Bayerische Meisterschaft gewonnen hatte. In den Folgejahren wurden die Finalrunden jeweils nur bis zum Halbfinale gespielt, da viele Mannschaften aufgrund der Kriegsereignisse und -einberufungen mit Aufstellungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten. Am 4. August 1944 gab der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen schließlich bekannt, dass die Reichsmeisterschaften im deutschen Sport eingestellt werden und somit in den letzten Kriegsmonaten keine Sportwettbewerbe mehr ausgetragen wurden. Damit kam zunächst auch das Eishockey unter der Zugspitze zum Erliegen.
Anknüpfen an frühere Erfolge (1945 bis 1982) Platzierungen 1947 bis 1982 Saison Liga Klasse Finalrunde 1946/47 – I Meister 1947/48 – I Meister 1948/49 OL I 3. Platz 1949/50 OL I Meister 1950/51 OL I 3. Platz 1951/52 OL I 2. Platz 1952/53 OL I 2. Platz 1953/54 OL I 5. Platz 1954/55 OL I 3. Platz 1955/56 OL I 2. Platz 1956/57 OL I 2. Platz 1957/58 OL I 2. Platz 1958/59 BL I 4. Platz 1959/60 BL I Meister 1960/61 BL I 3. Platz 1961/62 BL I 3. Platz 1962/63 BL I 4. Platz 1963/64 BL I 3. Platz 1964/65 BL I 5. Platz 1965/66 BL I 6. Platz 1966/67 BL I 7. Platz 1967/68 OL I I OL-Meister 1968/69 BL I 9. Platz 1969/70 BL I 3. Platz 1970/71 BL I 5. Platz 1971/72 BL I 3. Platz 1972/73 BL I 5. Platz 1973/74 BL I 6. Platz 1974/75 BL I 8. Platz 1975/76 BL I 9. Platz 1976/77 BL I 7. Platz 1977/78 BL I Meister 1978/79 BL I 2. Platz 1979/80 BL I 3. Platz 1980/81 BL I Meister 1981/82 BL I 5. Platz Statistik 1947–1982 Meistertitel 1947, 1948, 1950, 1960, 1978, 1981 Vizemeister 1952, 1953, 1956, 1957, 1958, 1979 Spiele 866 Punkte 1053:699 Tore 4213:3105
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es erst wieder im November 1946 eine zunächst „Inoffizielle deutsche Meisterschaft“, bei der der SC Riessersee teilnahm. Zur regulären Saison kam Gustav Jaenecke zum SCR, der das Team 1947 zur ersten deutschen Meisterschaft nach dem Krieg führte, als das Endspiel gegen den Berliner Schlittschuhclub mit 10:1 gewonnen wurde. Ein Jahr später konnte die Meisterschaft erneut errungen werden. In dieser Spielzeit traten zwei Mannschaften aus Garmisch-Partenkirchen an, der SCR München und der SCR Garmisch-Partenkirchen, welche auch das Auftaktspiel in die Saison bestritten. Im Sommer 1948 wurde die eingleisige Oberliga gegründet und in der zweiten Oberligasaison konnte sowohl die Senioren- als auch die Juniorenmannschaft die deutsche Meisterschaft gewinnen. In einem vorentscheidenden Spiel der Saison 1951/52 gewann der SCR zunächst das Spiel gegen den Rivalen Preussen Krefeld mit 6:5, allerdings legten die Rheinländer wegen eines irregulären Treffers Protest ein und es musste am Saisonende ein Entscheidungsspiel zwischen beiden Mannschaften geben, welches die Krefelder letztlich gewannen. Gründungsmitglieder der Eishockey-Bundesliga SC Riessersee • EV Füssen • EC Bad Tölz • Mannheimer ERC • Preussen Krefeld • Krefelder EV • Düsseldorfer EG • EG SC Weßling/TSV Starnberg