mini|Selbstbildnis von Jacopo Amigoni, ca. 1730–1735
Jacopo Amigoni (andere Namensvarianten: Giacomo Amiconi;Anonymus: Farinelli. In: The Westminster Magazine: or, The Pantheon of Taste, Band 5, 1777, S. 396–397, hier: S. 396, () im Deutschen auch: Jakob Amigoni;Auch in: Leo Weber SDB: Kloster Benediktbeuern, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 2003, S. 54 in Spanien auch: Santiago Amiconi;Amigoni, Jacopo. In: Allgemeines Künstlerlexikon: die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker [sogenannter Saur], Verlag Saur/De Gruyter, München/Berlin, 1992, Bd. 3, S. 216–218 * 1682 in Neapel;Amigoni, Jacopo, in: Lexikon der Kunst, Bd. 1, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 177–178 † 21. oder 22. August 1752 in MadridHoller gibt den 21. August 1752 als Sterbedatum an. Wolfgang Holler: Amigoni (Amiconi), Jacopo, in: Ian Chilvers (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Art (3 ed.), Oxford University Press, 2003, S. 1, (englisch; Abruf nur mit Abonnement).Bieri gibt den 22. August an. Pius Bieri: Jacopo Amigoni, Biografie in: Süddeutscher Barock, 2015) war ein italienischer Maler, Freskant, Zeichner und Kupferstecher des Spätbarock und des Rokoko. Er wird zur venezianischen Schule der Malerei gerechnet und gilt nach und zusammen mit Sebastiano Ricci und Giovanni Antonio Pellegrini als einer der ersten Rokokomaler. Da er im Laufe seines künstlerischen Schaffens in halb Europa wirkte, spielte Amigoni eine bedeutende Rolle bei der internationalen Verbreitung des neuen Stils. Amigoni zählte zu den bedeutendsten italienischen Porträtisten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Leben mini|Hochaltar mit Jacopo Amigonis Die hl. Anastasia als Fürbitterin für Kranke, um 1725, Anastasiakapelle im Kloster Benediktbeuern
Jugend Über Amigonis Herkunft, Jugend und Ausbildung ist bis heute erstaunlich wenig bekannt. Früher wurde angenommen, dass er 1675 geboren wurde, seit 1933–1934 ist jedoch bekannt, dass der Maler selber 1750 in Spanien bei einer Zeugenaussage erklärte, dass er in Neapel geboren und zu dem Zeitpunkt 68 Jahre alt sei („natural de Napoles y de 68 anños de edad“) – demnach wäre er um 1682 geboren, was von den meisten Autoren akzeptiert wird. Einige modernere Autoren zweifeln allerdings Amigonis Aussage an, so erklärt beispielsweise Holler, dass Geburtsjahr und -ort des Malers unbekannt seien.Holler gibt „ca. 1685“ als Geburtsjahr an, im laufenden Text erklärt er: „Neither the place nor date of Amigoni’s birth is known,…“. Wolfgang Holler: Amigoni (Amiconi), Jacopo, in: Ian Chilvers (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Art (3 ed.), Oxford University Press, 2003, S. 1, (englisch; Abruf nur mit Abonnement).
1711 war Amigoni in der Malerzunft (der sogenannten „fraglia dei depentori“) von Venedig eingetragen – allerdings als abwesend. Wie, wann und warum Amigoni nach Venedig kam und wie lange er dort lebte, ist nicht bekannt.Holler äußert den Verdacht, dass seine Eltern (oder zumindest ein Elternteil?) Venezianer waren, das ist nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch reine Spekulation. Siehe: Wolfgang Holler: Amigoni (Amiconi), Jacopo, in: Ian Chilvers (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Art (3 ed.), Oxford University Press, 2003, S. 1, (englisch; Abruf nur mit Abonnement). Folglich ist auch über seine malerische Ausbildung nichts bekannt, was viele Vermutungen über Einflüsse z. B. durch neapolitanische Maler wie Luca Giordano oder Solimena rein spekulativ erscheinen lässt.
Aus Amigonis früher venezianischen Zeit ist nur ein Bild bekannt, ein Altarbild mit den Heiligen Andreas und Katherina in der Kirche San Stae.Wolfgang Holler: Amigoni (Amiconi), Jacopo, in: Ian Chilvers (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Art (3 ed.), Oxford University Press, 2003, S. 1, (englisch; Abruf nur mit Abonnement).
Deutschland ca. 1711–1729
Laut George Vertue (1684–1756) arbeitete Amigoni (eventuell schon 1711) „nach seinen Studien einige Zeit am kurfürstlichen Hof in Düsseldorf“ bei dem venezianischen Barockmaler Antonio Bellucci, der dort ab 1705 für die malerische Dekoration von Schloss Bensberg verantwortlich war.Pius Bieri: Jacopo Amigoni, Biografie in: Süddeutscher Barock, 2015 Da im Werk Amigonis deutliche und nachhaltige stilistische Einflüsse durch Bellucci zu erkennen sind, wird manchmal davon ausgegangen, dass dieser schon vorher einer seiner Lehrer war. Weitere Inspirationen können zu dieser Zeit auch von Giovanni Antonio Pellegrini ausgegangen sein, der um 1713–1714 ebenfalls in Düsseldorf war.
mini|hochkant=1.4|Deckenfresko mit Kampf zwischen Turnus und Aeneas (ca. 1720–1725) im Großen Saal im Neuen Schloss Schleißheim, München mini|hochkant=1.4|Deckengemälde Dido empfängt Aeneas (ca. 1720–1725) im Viktoriensaal im Neuen Schloss Schleißheim, München
Amigonis eigenständige Karriere begann im Jahre 1715, als er für die Münchener Frauenkirche das Altarbild Christus der Auferstandene begegnet seiner Mutter malte, das sich heute in der Kirche der Abtei Frauenwörth auf der Insel Frauenchiemsee befindet, wo es allerdings zu bestimmten Zeiten im Jahreszyklus durch ein Gemälde der seligen Irmengard von Chiemsee ersetzt wird.erzbistum-muenchen.de:
In Süddeutschland blieb Amigoni mit kurzen Unterbrechungen bis 1729 und wurde dort zum unangefochtenen Vorreiter des Rokoko. Während er in den ersten Jahren vor allem Altarbilder und andere Ölgemälde schuf, wie die Predigt Johannes des Täufers für den Würzburger Dom oder das mythologische Bild Venus und Pan für die Münchner Residenz, folgten ab 1719 die ganz großen und bedeutenden Dekorationsaufträge. In diesem Jahr malte er für den bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel das Deckenfresko Allegorie des Tages in der Badenburg im Park von Schloss Nymphenburg und im Kloster Ottobeuren auf Wunsch des Abtes Rupert Neß das Deckenfresko Herkules und Selene im Vorsaal zur Stiftsbibliothek – letzteres war zunächst nur als Probestück gedacht.
In den folgenden Jahren dekorierte er bis zum Tode des Kurfürsten im Jahr 1726 große Teile von Schloss Schleißheim – zwei große Säle und acht kleinere Salons im Piano nobile – mit einem Freskenzyklus über das Leben des Aeneas. Hinzu kamen Ölgemälde für die übrige Ausstattung des Schlosses.
Während seiner letzten Jahre in Bayern ab 1725 wirkte er wieder in Ottobeuren, wo er unter anderem die Deckenfresken in der AbtkapelleHier ist nicht die berühmte Klosterkirche gemeint, die erst später gebaut wurde.Siehe die Werkliste in: Amigoni, Jacopo, in: Allgemeines Künstlerlexikon: die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker [sogenannter Saur], Verlag Saur/De Gruyter, München/Berlin, 1992, Bd. 3, S. 216–218 ff des Klosters malte.Wolfgang Holler: Amigoni (Amiconi), Jacopo, in: Ian Chilvers (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Art (3 ed.), Oxford University Press, 2003, S. 2, (englisch; Abruf nur mit Abonnement). Nach einem Heimaturlaub in Venedig im Jahr 1726 malte er im Kloster selber auch die Dekorationen des Vestibüls zur Sankt Benediktkapelle (1728) und die nach ihm benannten Amigonizimmer (1728–1729) in einer speziellen Mischtechnik „mit einer Öl-Eiweisstempera auf dunkeltonigem vorgestrichenem Putzgrund“ aus.
Außerdem wirkte Amigoni wahrscheinlich um 1725 auch in Benediktbeuern, wo er die Altarbilder für die Anastasiakapelle schuf; heute (2022) sind vor Ort nur noch zwei von ursprünglich drei Amigoni-Bildern zu sehen: Die hl. Anastasia als Fürbitterin für Kranke auf dem Hauptaltar und die künstlerisch besonders bedeutende Maria Immaculata an einem der Nebenaltäre.Amigoni malte die Bilder für die ursprüngliche Anastasiakapelle, die heutige Kapelle wurde erst 1751–1753 gebaut. Amigonis drei Gemälde wurden zwar zunächst übernommen, aber eines (Die Taufe Christi) wurde 1803 im Zuge der Säkularisation gegen ein Schutzengel-Bild von Martin Knoller ausgewechselt. Die originale dekorative Einheit ist dadurch bedauerlicherweise gestört. Siehe: Leo Weber SDB: Kloster Benediktbeuern, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 2003, S. 54 Daneben malte er auch ein Porträt seines Auftraggebers, des Abtes Magnus Pachinger.vgl. Eintrag Amigoni, Jacopo in Felix Joseph Lipowsky: Baierisches Künstler-Lexikon. Erster Band. Von A. bis O. S. 5–6 sowie Eintrag Amigoni, Jacopo. In: Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon …. Schwarzenmann & Schumann, Leipzig, S. 101–102, ()
In München wurde der Kupferstecher Joseph Wagner sein Schüler.
England ca. 1729–1739 mini|hochkant=0.85|Porträt des berühmten Soprankastraten Farinelli, gekrönt von der Muse der Musik, 1734–1735, Muzeul Național de Artă al României. Das Gemälde wurde von Amigonis Freund und Mitarbeiter Joseph Wagner in Kupfer gestochen.
Von 1729 oder 1730 bis 1739 lebte Amigoni in London, abgesehen von einem vorübergehenden Abstecher nach Paris, das er 1736 besuchte.
Auch für den englischen Adel schuf er größere Dekorationen, wie eine berühmte Serie großer Leinwände über Jupiter und Io, die noch heute in Moor Park (Herts) zu sehen sind. Er arbeitete außerdem für Lord Thonkerville (oder Tankerville ?), sowie in Powi House, und schuf das Deckengemälde Die Musen präsentieren Apollo den Dichter Shakespeare für das 1732 neu erbaute Covent Garden Theatre. Das letztere Werk wurde bereits 1784 beim Umbau des Theaters zerstört, auch anderes ist nicht erhalten.
Daneben schuf er für private Kunden zahlreiche mythologische und biblische Szenen. Besonders lagen ihm dabei galante Themen mit mythologischen Liebespaaren wie Venus und Adonis, Diana und Endymion oder Zephyr und Flora, die er oft in mehreren, ganz verschiedenen Varianten malte, teilweise auch als Serien.Wolfgang Holler: Amigoni (Amiconi), Jacopo, in: Ian Chilvers (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Art (3 ed.), Oxford University Press, 2003, Online-Version auf , S. 2–3 Ein besonders exquisites Bildpaar sind die beiden Gemälde Bacchus und Ariadne (siehe Abb. unten rechts) und Venus und Adonis aus einer Privatsammlung in Lyon, die (2013 ?) bei Sotheby’s versteigert wurden.Beschreibung bei Sotheby’s (englisch; Abruf am 19. März 2022) Daneben war er ein gesuchter Porträtmaler der englischen Aristokratie, und malte unter anderem Mitglieder der königlichen Familie von George II. und Königin Caroline. Dabei war er auch offen für künstlerische Anregungen aus der englischen Bildnistradition nach Van Dyck und Peter Lely, sowie von französischen Malern wie Nicolas de Largillière.
In London lernte Amigoni um 1734–1735 – also etwa um die Zeit, als er das Covent Garden Theatre dekorierte – auch den Komponisten Nicola Porpora kennen und freundete sich offenbar vor allem mit dessen Schüler, dem berühmten Kastratensänger Farinelli an, die beide etwa zwei bis drei Jahre für die sogenannte Adelsoper arbeiteten, dem Konkurrenzunternehmen der von Händel geleiteten Royal Academy of Music.Anonymus: Farinelli. In: The Westminster Magazine: or, The Pantheon of Taste, vol. 5 (1777), S. 396–397, hier: S. 396 (zu Amigoni besonders auch die Fußnote) (). Amigoni malte zu dieser Zeit zwei Porträts von Farinelli, darunter ein besonders poetisches, auf dem der Sänger von der Muse der Musik gekrönt wird (siehe Abb. rechts).Die Behauptung, der Kontakt zu Farinelli sei erst während eines Aufenthaltes in Paris 1736 zustande gekommen, wie sie das BLKÖ bringt, stimmt offensichtlich nicht. Siehe: