mini|Alexander I. Fürst von Bulgarien

Alexander I. (* 5. April 1857 in Verona; † 17. November 1893 in Graz), geboren als Prinz Alexander Josef von Battenberg, war von 1879 bis 1886 als gewählter Knjaz (Fürst) der erste Monarch des Fürstentums Bulgarien.

Leben Geboren wurde Alexander Joseph von Battenberg (in der Familie „Sandro“ genannt) als zweiter Sohn des Prinzen Alexander von Hessen und bei Rhein und der Gräfin Julia Hauke, einer ehemaligen Hofdame seiner Tante, der russischen Zarin Maria Alexandrowna. Die Ehe seiner Eltern war morganatisch. Seine Mutter erhielt deshalb von ihrem Schwager, Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein (vulgo: Hessen-Darmstadt) den Titel einer Gräfin, später den einer Prinzessin von Battenberg. Alexander führte darum bis 1889 wie seine Brüder den Titel eines Prinzen von Battenberg. Kindheit und Jugend verbrachte er größtenteils auf Schloss Heiligenberg in Jugenheim, dem Stammsitz des Hauses Battenberg/Mountbatten.Karl Eckhart Heinz (Hg.): "Erzieher der Prinzen Battenberg 1862-1871 - Aus den Erinnerungen des Kirchenrats Dr. Heinrich Hager" Bonn, IAIS-Verlag 2003, 198S, ISBN 978-3938502006. Als Jugendlicher war er Schüler des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt und der Schnepfenthaler Erziehungsanstalt. 1873–75 absolvierte er die Kadettenanstalt Dresden. Danach kehrte er auf seinen Posten als Leutnant in das 2. Großherzoglich Hessische Dragonerregiment Nr. 24 zurück, dem er schon seit April 1873 angehörte.

mini|Alexander v. Battenberg als Leutnant beim 2. Hessischen (Leib-)Dragonerregiment No.24 Alexander nahm auf eigenen und ausdrücklichen Wunsch mit Genehmigung Kaiser Wilhelms zusammen mit seinem Burschen KamuffStiftung Heiligenberg, Sandro, S. 33 und 80. als einziger deutscher Soldat in seiner hessischen Dragoneruniform 1877–78 als Beobachter zuerst im Hauptquartier des Großfürsten Nikolaus, danach im Stab des Kavalleriegenerals Gurko, den er auch in den harten, aber siegreichen Gefechten am Schipkapass begleitete, am Russisch-Osmanischen Krieg in Bulgarien teil und marschierte mit diesem siegreich in Plowdiw ein. Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit machte, sollten ihm wenige Jahre später vor Sliwniza von großem Nutzen sein. Als Auszeichnung wurde er im Mai 1879 zum kaiserlichen Generalmajor befördert, mit dem russischen St. Georgs Kreuz IV. Klasse dekoriert und in Potsdam in das Regiment Gardes du Corps aufgenommen.

mini|Alexander I. in Paradeuniform

Fürst von Bulgarien Als ein Ergebnis des Berliner Kongresses entstand das autonome Fürstentum Bulgarien, und das von diesem abgetrennte Ostrumelien als nomineller Vasallenstaat des Osmanischen Reiches. Gegen diese Entscheidungen brach noch der erfolglose Kresna-Raslog-Aufstand aus, der von den osmanischen Truppen brutal niedergeschlagen wurde. Die Teilnahme Alexanders am Feldzug gegen das Osmanische Reich und seine nahe Verwandtschaft mit dem Zaren Alexander II. von Russland, dessen Neffe er war, und über seine Brüder mit Queen Victoria prädestinierten ihn zum Oberhaupt des neuen Fürstentums. Alexander wurde am 29. April 1879 von der bulgarischen Nationalversammlung unter dem Vorsitz des Exarchen Anthim I. einstimmig zum Fürsten gewählt. Er hielt am 8. Juli in Tarnowo seinen Einzug und leistete den Eid auf die neue Verfassung des Fürstentums, schlug aber seine Residenz in Sofia auf.

Da die von radikalen russophilen Agitatoren beherrschte Deputiertenkammer seinen Bestrebungen für das Volkswohl und die Unabhängigkeit Hindernisse in den Weg legte und seine durch die Verfassung schon sehr eingeschränkte Macht zu einem Schatten herabdrückte, erklärte er durch eine Proklamation vom 9. Mai 1881, die Krone niederlegen zu müssen, wenn ihm nicht außerordentliche Regierungsvollmachten zugestanden würden. Dadurch eingeschüchtert setzte die Große Volksversammlung am 13. Juli in Swischtow die Verfassung außer Kraft und übertrug Alexander alle gewünschten Vollmachten für sieben Jahre. mini|Telegramm zur Verkündigung der Vereinigung Bulgariens mini|Manifest zur Verteidigung des Landes

Sein Regime der Vollmachten scheiterte jedoch auf Grund des Widerstandes der Russophilen und der in der Regierung und Armee eingesetzten Russen. Am 16. September 1883 sah er sich gezwungen, die Verfassung wieder in Kraft zu setzen, konnte jedoch eine Regierung aus den beiden im Land vorhandenen, zerstrittenen Parteien (Liberalen und Konservativen) bilden, die ihn nun stützten. Verärgert stellte Russland, welches vorher einen Staatsstreich gegen ihn zu initialisieren versucht hatte, die Zusammenarbeit weitgehend ein.

Je nach außenpolitischer Situation widersetzte er sich mitunter Plänen, die auf die Befreiung weiterer Landesteile zielten, die noch unter der Herrschaft der Hohen Pforte standen (West- und Ostrumelien) und die einen Zusammenschluss aller bulgarischen Gebiete anstrebten, wie sie eine nach dem Vorbild der Inneren Revolutionären Organisation aufgebaute Organisation vertrat, das Bulgarische Geheime Zentrale Revolutionäre Komitee (kurz BGZRK). Obwohl er sich im Juli und August 1885 auf diplomatischem Wege die Billigung Großbritanniens und Österreich-Ungarns sicherte, konnte er sich gegen die negative Haltung des russischen Hofes gegenüber einer Vereinigung nicht durchsetzen. Es war auch nicht lange her, dass der Fürst, der von der Hochzeit seines Bruders Heinrich mit der Tochter der britischen Königin, Beatrice, zurückgekehrt war, den russischen Außenminister Nikolai Giers in Franzensbad getroffen und ihm versichert hatte, dass die Frage der Vereinigung noch nicht reif sei und dass er sie jedenfalls nicht aufrechterhalten würde.

Am 29. August, während einer Übung der fürstlichen Truppen, wurde er von den Vertretern des BGZRKs Dimitar Rizoff und Sawa Mutkurow in Schumen mit der Bitte um Unterstützung besucht. Er war überhaupt nicht bereit, sich zu einer so folgenschweren Frage zu äußern. Seine ersten Worte waren, dass er kein Recht habe, Bulgarien in ein so schreckliches Abenteuer zu stürzen. Der Fürst wagte es anfänglich nicht, dieses doppelte Risiko einzugehen. So willigte er zunächst nicht ein, er versprach lediglich, die anlässlich der Manöver einberufenen Reserven nicht aufzulösen. Wahrscheinlich hatte der Fürst dennoch vor der vorzeitigen Abreise Mutkurows positivere Versprechungen gegeben, denn letzterer telegrafierte dem Komitee nach Plowdiw, dass er auf einen Erfolg hoffe. Rizoff beorderte Alexander I. zu seiner fürstlichen Sommerresidenz am Schwarzen Meer, Exinovgrad. Bei einem weitern Gespräch dort, versicherte Rizoff dem Fürsten, dass die Vereinigung unumkehrbar war und dass nur ein großes patriotisches Werk wie die Vereinigung seinen Thron vor ausländischen Übergriffen retten könne.So Dimitar Rizoff in seine Memorieren: Батенберг и Съединението (zu Deu: Battenberg und die Vereinigung), Zeitschrift Мисъл, 1895, Buch І. Alexander I. sah nun in der Vereinigung eine Möglichkeit, sein Ansehen unter der bulgarischen Bevölkerung zu stärken und sicherte seine Unterstützung zu.Simeon Radrew: Die Erbauer des modernen Bulgariens. Band 2, S. 490–491. Gleichzeitig suchte Premierminister Petko Karawelow das Vorhaben aus außenpolitischen und finanziellen Erwägungen zu unterbinden, doch wurden alle Beteiligten von den Ereignissen überholt. Als Rizoff mit dem fürstlichen Adjutanten Marinow auf dem Weg nach Sofia war, um Waffen für die Bewegung entgegenzunehmen, war die Vereinigung bereits ausgerufen.Simeon Radrew: Die Erbauer des modernen Bulgariens. Band 1, S. 522.

Bulgarische Krise Die Vereinigung Ostrumeliens mit dem Fürstentum Bulgarien wurde am 6. September 1885 ausgerufen. Sie war eines der größten Ereignisse der Geschichte des jungen Staates wie auch im Leben des jungen Fürsten. In diesem Zusammenhang soll er gesagt haben: „Ich riskiere meinen Thron und mein Leben, doch was soll ich machen? Ich liebe Bulgarien!“ Nach der Nachricht von der Vereinigung richtete Fürst Alexander am 8. September ein Manifest an das bulgarische Volk, in dem er offiziell den Akt anerkannte und die Nation aufrief, die gerechte Sache zu verteidigen. Am nächsten Tag fuhr er in die ehemalige Hauptstadt Ostrumeliens, Plowdiw, wo er von der Bevölkerung begeistert empfangen wurde.

Am 23. September befahl der russische Zar Alexander III. allen russischen Offizieren in der bulgarischen Armee, ihre Posten zu verlassen und nach Russland zurückzukehren. Fürst Alexander bot seinem Cousin hierauf erneut den Thronverzicht an, doch lehnte dieser ab, da er die Schaffung eines Märtyrers verhindern wollte.Corti: Alexander von Battenberg. S. 196. Was eigentlich als Schwächung der bulgarischen Armee gedacht war, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall, da an Stelle meist korrupter russischer Offiziere hochmotivierte nationalbegeisterte Bulgaren die frei gewordenen Stellen besetzten.Corti: Alexander von Battenberg. S. 220. Angesichts der drohenden Bulgarischen Krise verschickte Alexander persönliche Schreiben an den österreichischen Kaiser, den russischen Zaren, den osmanischen Sultan und an das Britische Empire mit dem Ersuchen, die Vereinigung anzuerkennen. Weiter trat er in direkte diplomatische Verhandlungen ein, um die Unzufriedenheit des serbischen Fürsten Milan zu lindern. Am 2. November jedoch erfolgte die offizielle Kriegserklärung Serbiens. Während noch am selben Tag die ersten serbischen Einheiten die Grenze passierten, rief Alexander per Manifest die bulgarische Bevölkerung dazu auf, „das Land gegen die Aggressoren zu verteidigen“, da die bulgarische Armee an die bulgarisch-osmanische Grenze verlegt worden war, weil man von dort einen Angriff erwartet hatte.

Die bulgarischen Truppen waren gut aufgestellt, die ostrumelischen und Freiwilligenverbände aber noch deutlich unterversorgt. Es wurde eine Kriegswirtschaft eingeführt, Stoffe requiriert und Schneider zwangsverpflichtet. Beim Schuhwerk griff Alexander auf die volkstümlich in jedem Haushalt vorhandenen Opanken zurück. Nachdem er sich bei der Pforte rückversichert hatte, führte er seine Truppen von der osmanischen Grenze in Gewaltmärschen nach Nordosten, während er bereits die Stellungen in Sliwniza, vor den Toren der bulgarischen Hauptstadt, befestigen ließ. Waren die Bulgaren am 18. November mit rund 10.000 Mann gegenüber 52.000 Serben noch klar in der Minderzahl, so kamen stündlich neue Kräfte hinzu.Corti: Alexander von Battenberg. S. 221. Alexander kam zur Taufe seines Patenkindes Alexander Walther Menges nach Sofia und organisierte dort parallel dazu am 21. November die Vereitelung eines serbischen Umgehungsversuches, um tags darauf an die Front zurückzukehren.Corti: Alexander von Battenberg. S. 222. Nach dem Ende der Schlacht bei Sliwniza gelang es ihm, die Serben in deren eigenes Territorium zurückzutreiben. Nach Angaben des k.k.-Diplomaten Graf Orsini-Rosenberg standen am Ende vor Pirot 27.000 Serben mit teils weniger als 5 Schuss Munition 56.000 Bulgaren gegenüber, mit rund 8.000.000 Schuss in den Depots.Corti: Alexander von Battenberg. S. 226. Nachdem die bulgarische Armee im Sturm Pirot einnahm und Serbien kapitulierte, konnte erst eine Intervention von Kaiser Franz Joseph auf Basis des Geheimvertrages zwischen Österreich-Ungarn und Serbien den bulgarischen Vorstoß vor Niš stoppen.

Nach dem Frieden von Bukarest vom 3. März 1886 weigerte sich der russische Zar Alexander III. aus rein persönlicher Abneigung (die auf Gegenseitigkeit beruhte) seinen Cousin Fürst Alexander I. als Herrscher des vergrößerten Bulgariens anzuerkennen. Das Osmanische Reich hingegen erkannte im Tophane-Vertrag die Vereinigung und die Hoheit des bulgarischen Fürsten über Ostrumelien an. Sultan Abdülhamid II. ernannte ihn offiziell zum Generalgouverneur von Ostrumelien.

Putsch und Thronverzicht