Der Nationalpark La Campana ist ein vom chilenischen Staat betriebenes, in der Region Valparaíso gelegenes Naturschutzgebiet. Es handelt sich um einen der repräsentativsten Naturparks für Flora und Fauna der chilenischen Zentralzone. Darüber hinaus wurde dieser Park zusammen mit dem Gebiet um den Peñuelas-See von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt. Seine Bedeutung ist vor allem dem „Palmenhain von Ocoa“ geschuldet, einem der letzten natürlichen Wälder mit chilenischer Palme (Jubaea chilensis), einer in Chile endemisch vorkommenden Art.Der andere wichtige Palmenhain mit einer beträchtlichen Individuenanzahl liegt in der Gemeinde Las Cabras, Región del Libertador General Bernardo O’Higgins und ist auch ein Naturschutzgebiet: der Nationalpark Las palmas de Cocolán
Lage Der Nationalpark La Campana befindet sich in Zentralchile im chilenischen Küstengebirge. Er umfasst ein Gebiet zwischen 32°55' und 33°01' südlicher Breite und zwischen 71°09' und 71°01' westlicher Länge. Aus Sicht der Verwaltungsregionen gehört er der Region Valparaíso an, nämlich den Provinzen Quillota und Marga Marga, genauer Teilen der Gemeinden Hijuelas und Olmué. Der Zugang über Granizo (Olmué) ist 60 km von Valparaíso, 160 km von Santiago und 29 km von der Stadt Quillota entfernt, während der Zugang über Ocoa etwas weiter von Valparaíso und Quillota entfernt ist(90 km bzw. 37 km), aber mit 112 km Entfernung etwas näher an der Hauptstadt liegt.Elórtegui und Moreira (Hrsg.): Parque Nacional La Campana. 2009, S. 10.
Zugänge mini|Parkeingang über Ocoa
Der Park verfügt über drei Haupteingänge:
Die Bereiche „Granizo“ und „Cajón Grande“ lassen sich über die Autobahn Ruta CH-62 erreichen, die Valparaíso mit La Calera verbindet, mit Ausfahrt in Limache und von dort weiter in Richtung Olmué. Diese Straße ist gepflastert und ganzjährig befahrbar. Von anderen Landesteilen lassen sich diese Bereiche auch über die Autobahn Ruta CH-5 oder Autopista del Aconcagua erreichen, mit anschließender Überquerung der Cuesta La Dormida und dann weiter auf der Straße nach Olmué und Granizo.
Ähnlich gestaltet sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ab Valparaíso, wobei sich die Bus-Endhaltestelle 1 km vor dem Parkeingang im Bereich „Granizo“ befindet, während es von der Haltestelle Nr. 40 auf Av. Granizo bis zum Parkeingang im Bereich „Cajón Grande“ noch 3 km sind. Es gibt öffentlichen Personenverkehr ab Limache bis 1 km vor dem Zugang Cajón Grande.
Den Bereich Hijuelas (Ocoa), erreicht man über die Autobahn Ruta CH-5 oder Autopista del Aconcagua. Bei km 98 nimmt man eine Ausfahrt zur Ortschaft „Estación Ocoa“ (Ocoa Bahnhof) und durchfährt anschließend die Orte Maitenes, Rabuco und Hualcapo; von der Autobahn bis zum Parkeingang sind es 14 km.
Wege, Pfade und Sehenswürdigkeiten mini|Informationstafel mit Wegen und Pfaden am Eingang Granizo
Sowohl am Eingang Granizo wie auch bei den Eingängen zu den Bereichen Ocoa und Cajón Grande gibt es Informationstafeln mit hinreichend präzisen Karten zu den Wegen und Pfaden, auf denen der Besucher den Gipfel des Bergs La Campana oder die anderen Sehenswürdigkeiten des Parks erreichen kann. Am Eingang Granizo werden beispielsweise 11 mögliche Besuchsrouten beschrieben, mit der jeweiligen Dauer in Stunden (zwischen einer und fünf), dem Schwierigkeitsgrad, der Gesamtstrecke in Kilometern und Hinweisen zur eventuellen Nutzung der Pfade zu Pferd oder mit dem Fahrrad. Dabei sollte beachtet werden, dass es sich, wenn nicht ausdrücklich von einem Rundgang die Rede ist, um Entfernungen in nur einer Richtung handelt, dass der Besucher also die doppelte Strecke und doppelte Zeit in Rechnung stellen muss, um eine Rückkehr bei Tageslicht sicherzustellen.
Abgesehen von den am häufigsten genutzten Pfaden (dem „Andinistenpfad“, dem „Rundweg El Guanaco“ oder dem Pfad „La Cascada“), existieren andere weniger bekannte Wege, die zu interessanten und fast unerforschten Orten führen. Dies ist der Fall des „Las Palmas“-Pfads, der durch die Quebrada de Los Ángeles („Engelsschlucht“) führt, eine schöne und feuchte Landschaft dichten hygrophilen Waldes. Ab dem Ende dieses Pfades besteht die Möglichkeit, zu Orten wie „El Agua del Manzano“ oder „Los Penitentes“ aufzusteigen, oder zu den Hochtälern im „Cajón Grande“. Ab hier sind die Pfade weniger offensichtlich zu erkennen (aber es besteht die Möglichkeit, die Dienste eines Viehtreibers als Führer in Anspruch zu nehmen).Elórtegui und Moreira (Hrsg.): Parque Nacional La Campana. 2009, S. 15.
mini|Ein altes Exemplar des Quillay (Quillaja saponaria) am Wegrand des Rundgangs „La Canasta“
Zur Planung eines Besuchs sollte davon ausgegangen werden, was man besichtigen möchte, wie viel Zeit zur Verfügung steht und wie fit die Teilnehmer sind.
Besucher mit einer sportlichen Bergsteigermotivation, oder die aus anderen Gründen den Gipfel direkt, in wenigen Stunden, auf einem sicheren, gut ausgeschilderten Weg erreichen wollen, wählen meist den „Andinistenpfad“ (Sendero del Andinista). Dies ist eine relativ einfache Route, auf der der Gipfel in fünf bis sechs Stunden erreicht werden kann (etwa drei bis zur Mine und weitere zwei bis drei von dort zum Gipfel, in Abhängigkeit von der Kondition). Vom Gipfel aus sieht man an klaren Tagen das gesamte Aconcagua-Becken, von der Andenkordillere bis zum Pazifik.
Wer Interesse hat, die chilenische Palme in ihrer ganzen Pracht zu beobachten, zu fotografieren oder zu studieren, wird meist dem „Amasijo-Pfad“ (Sendero El Amasijo) im Bereich Ocoa folgen, der durch den am dichtesten bewachsenen Palmenhain (113 Exemplare pro Hektar) zum Ocoa-Pass hinaufführt. Es ist auch möglich, einen Großteil des Parks, praktisch von einem Ende zum anderen, auf dieser Route zu durchqueren, wofür allerdings etwa zwölf Stunden erforderlich sind. Für diese Wanderung ist es notwendig, bei Sonnenaufgang vom Zugang in Ocoa aufzubrechen. Nach etwa sieben Kilometern (auf einfach zu bewältigenden Wegen) erreicht man den Pass, von wo aus noch einmal eine ähnliche Strecke bis zu einem der Zugänge auf der anderen Seite (Granizo oder Cajón Grande) vor einem stehen.
Der Rundweg „La Canasta“ im Bereich Granizo entspricht den Erwartungen für eine Inaugenscheinnahme der Flora im Park. Es handelt sich um einen kurzen Rundgang, der in weniger als einer Stunde durchgeführt werden kann (d. h. auch als Anfangsabstecher, bevor man beispielsweise den „Andinisten-Pfad“ einschlägt). Hier kann man eine großartige Vielfalt von Arten beobachten, die mit ihren wissenschaftlichen und ortsüblichen Namen beschildert sind, und darüber hinaus weitere Informationen zur Flora im Park aufgenommen werden, die auf Tafeln an den „Stationen“ des Rundgangs enthalten sind.Elórtegui und Moreira (Hrsg.): Parque Nacional La Campana. 2009, S. 17.
Ortsnamen und Morphologie mini|Ansicht des Bergs La Campana
Der Name des Parks verweist auf den Berg La Campana (1828 m ü. d. M.), dessen Name wiederum daher rührt, dass er vom Aconcagua-Tal aus gesehen die Form einer Glocke zu haben scheint. In der Umgebung des Nationalparks gibt es außerdem weitere Gipfel, die in der Landschaft hervorstechen, wie der Berg „El Roble“ (2222 m ü. d. M.), der seinen Namen den Buchenwäldern an seinen Hängen verdankt, die „El Litre“-Kuppe (1621 m ü. d. M.) und die „El Imán“-Spitze (2035 m ü. d. M.).
Die 8000 ha des Parks sind klar in drei Bereiche gegliedert: „Granizo“, „Palmas de Ocoa“ und „Cajón Grande“, die die drei Hauptbecken der Zone einnehmen. Das kleinere dieser Becken ist das von Granizo, dessen höchste Stelle vom Berg La Campana eingenommen wird und dessen niedrigste von der „La Troya“ genannten Talsohle (auf 600 m ü. d. M.). Die Wasserscheide zwischen diesem Becken und dem größeren von Ocoa verläuft über eine Bergkette, die die Kuppe von „El Litre“ mit einschließt und sich vom Berg La Campana bis zum Berg „Los Roblecitos“ (1280 m ü. d. M.) erstreckt. Das Becken von Cajón Grande liegt östlich von Granizo und südlich des Ocoa-Beckens. Es ist von letzterem durch die Wasserscheide getrennt, die die Berge El Roble und Los Roblecitos miteinander verbindet und weiter über die Gipfel der Berge „El Imán“, „Cerro Pedregoso“, „Cerro Sin Nombre“ und „Cerro Los Penitentes“ verläuft. Der Parkeingang in diesem Bereich liegt an der tieften Stelle des Beckens (300 m ü. d. M.). Der Ocoa-Pass (auch bekannt als „Puerta Ocoa“, das „Ocoa-Tor“), verbindet das Tal von Cajón Grande mit einem der Quelltäler des Ocoa-Beckens.
Aus geologischer Sicht besteht der älteste Teil von La Campana in der Bergkette, die sich von „Las Campanitas“ bis „Santa Teresa“ erstreckt und aus den kristallinen Felsen des Batholithen besteht, der die Lo-Prado-Formation intruierte (letztere aus vulkanosedimentärem Gestein aus der Unterkreide).T. Manríquez: Geomorfología. 2009, S. 27.
Bergbau, Lagerstätten und Mineralisierung Die Erzlagerstätten im Nationalpark La Campana stehen hauptsächlich mit jener vulkanosedimentären Gesteinsfolge der Formation Lo Prado in Verbindung, wodurch ihre Lage entlang einer im Süden und Südwesten des Cerro La Campana verlaufenden Linie bestimmt wird:
Mine „Hierro“: mit Mineralisierung aus Magnetit, Hämatit, Pyrit und Chalkopyrit. Mine „Guanaco“: Chalkopyrit, Magnetit und Pyrit. Mine „Pronosticada“: Zinkblende, Chalkopyrit, Galenit, Arsenopyrit, Dyskrasit (ein seltenes Silbererz) und Enargit. Mine „Felicidad“: Chalkopyrit, Pyrit, Molybdänit, Zinkblende, Magnetit und Gold. Mine „Veta Grande“: Chalkopyrit, Pyrit, Arsenopyrit und Pyrrhotin. Mine „Opositora“: Chalkopyrit, Bornit, Chalkosin, Magnetit, Molybdänit, Gold und Silber.T. Manríquez: Geomorfología. 2009, S. 29.
Außer diesen auf einer Linie gelegenen Minen existieren auch einige unregelmäßig angeordnete Lagerstätten in der Umgebung des Cerro El Roble. mini|La Campana: Beim Anstieg auf dem Wanderweg sieht man die flache Erscheinung des Gipfels, die zur Entstehung der Legende anregte.
Das Bergbaugewerbe auf dem Gebiet des Parks ist ausgesprochen alt, bis hin zu einem gewissen legendären Charakter. Die Ureinwohner (Picunche) waren mit der Tätigkeit der Konquistadoren auf Goldsuche an ihrem heiligen Berg, La Campana, ziemlich unzufrieden. Die Machi (Schamaninnen) entwickelten Strategien, um den Störenfrieden in „Gulmué“ (Olmué) zu begegnen. Mittels einer magischen Beschwörungsformel, so will es die Legende, hätten die Zauberer versucht, das Edelmetall an der Spitze des Bergkegels verschwinden zu lassen, der seinerzeit den Gipfel von La Campana krönte. Hierzu hätten sie Blitze auf den Berg fallen lassen, um den Bereich des Goldes zu zerstören (den nicht existierenden Bergkegel auf dem Gipfel von La Campana) und seither habe dieser Gipfel die flach anmutende Gestalt, wie wir ihn heute kennen. Dieser magische Eingriff der Picunche habe die Konquistadoren von ihrer Suche abgebracht. Angesichts der Unmöglichkeit, nach der indianischen Beschwörung noch Gold zu finden, hätten sie die Gegend verlassen.
Wie im folgenden Abschnitt zur Geschichte des Parks weiter behandelt wird, ist diese Version der Legende nur ein Ausdruck des Wunsches der einheimischen Bevölkerung, die wenig mit den tatsächlichen Ereignissen zu tun hat. Tatsache ist stattdessen, dass hier schon immer Bergbau betrieben wurde. Nachdem Pedro de Valdivia die Einheimischen unterworfen hatte, nahm der Bergbau sehr zu und hielt die Kolonialzeiten durch an. Nach Chiles Unabhängigkeit wurde er fortgeführt und ab Mitte des 19. Jahrhunderts industriell geführt. Mit dem Auf und Ab der Metallpreise in der Aktivität schwankend hielt er sich noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Geschichte Erste Besiedlung