Korporal (von lat. corpus bzw. corporis für der Körper, engl. corporal, frz. caporal) ist in vielen Streitkräften der unterste Rang der Unteroffiziere. In der Bundeswehr ist der Korporal ein Dienstgrad für Mannschaften. In der Schweiz, in Belgien und in Luxemburg wird dieser Rang auch bei der Feuerwehr verwendet. In früheren deutschen Heeren wurde der unterste Unteroffiziersdienstgrad ebenfalls zeitweise mit Corporal bezeichnet.

Deutschland

Korporal ist ein am eingeführter Dienstgrad der Bundeswehr in der Dienstgradgruppe der Mannschaften.Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldatinnen und Soldaten (BPrDGrUnifAnO) ()

Geschichte Im Rahmen der Personalentwicklung der Bundeswehr zur „Modernisierung der Laufbahnen“ wurde die Neukonzeption der Laufbahnen der Mannschaften des Truppendienstes gebilligt und die Einführung der neuen Dienstgrade Korporal und Stabskorporal als Spitzendienstgrad für Mannschaften beschlossen. Es wird sich zunächst um ein Pilotprojekt handeln. Die ersten Korporale der Bundeswehr wurden am in diesen Dienstgrad befördert. Das Ziel der Einführung der mit einem höheren Sold verbundenen Dienstgrade ist es, die Laufbahn der Mannschaften attraktiver zu machen. Bis sollten 1400 Korporale und Stabskorporale ernannt werden.Korporale ernannt, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Dezember 2021

Befehlsbefugnis und Dienststellungen In der Bundeswehr ist der Korporal ein Mannschaftsdienstgrad. Auf Grund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Mannschaften könnten Korporale auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung niemandem allein auf Grund ihres Dienstgrades Befehle erteilen. Wie alle Mannschaftsdienstgrade können sich Korporale daher auch in Notlagen nicht selbst zu Vorgesetzten gemäß § 6 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund eigener Erklärung“) der Vorgesetztenverordnung erklären.

Korporale besetzen besonders anspruchsvolle Dienstposten, die eine besondere Erfahrung benötigen. Dazu zählen beispielsweise Verwendungen als Instandsetzer auch komplizierter technischer Systeme (Bordwaffen, Funkgeräte, optische und elektronische Aufklärungsmittel, Drehflügler usw.), in Stäben als besonders qualifizierte Stabsgehilfen oder als Bediener technischer Systeme auf Kommandobrücken oder Gefechtsständen. Korporale werden auch als Ausbilder, Truppführer oder (dann aber meist nur übergangsweise nach § 5 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund besonderer Anordnung“) der Vorgesetztenverordnung) Gruppenführer eingesetzt. Auf Grund ihrer Erfahrung, die meist der Erfahrung von Unteroffizieren entspricht, sind Korporale in Stäben häufig mit Aufgaben betraut, die erhebliches Fachwissen und eine hohe Verantwortung bedingen. Auf Grund dieser und ähnlicher Dienststellungen und Aufgabenbereiche können Korporale in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen und in den dort genannten Grenzen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen.

Ernennung Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Korporal enthält die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die noch zu ändernde Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 20/7. Zum Korporal können Soldaten auf Zeit und beorderte Reservisten der Laufbahnen der Mannschaften ernannt werden.Da die Soldatenlaufbahnverordnung den Wechsel von Korporalen in andere Laufbahnen ermöglicht, gibt es aber auch Soldaten anderer Laufbahnen, die den Dienstgrad Korporal führen. Soldaten können 7 Jahre nach Eintritt in ein Dienstverhältnis der Bundeswehr zum Korporal ernannt werden.Aktive Soldaten können in der Praxis nach 7 Jahren Dienstzeit zum Korporal ernannt werden. Für Reservisten gilt entsprechend, dass die Beförderung erst 7 Jahre nach Eintritt in ein entsprechendes Dienstverhältnis erfolgen kann. Reservisten und aktive Soldaten werden insoweit gleichgestellt, als dass die Ernennung in diesen Dienstgrad für Reservisten nicht früher erfolgt als für Soldaten, die in einem anderen Wehrdienstverhältnis „verblieben sind“. Reservisten werden also in dieser Hinsicht so behandelt, als ob sie ununterbrochen in der Bundeswehr gedient hätten. Die Dienstzeit fällt für Reservisten jedoch insgesamt meist wesentlich kürzer aus, da jeweils nur relativ wenige Tage Wehrdienst beispielsweise in Form von Wehrübungen vor Ernennung in einen höheren Dienstgrad abzuleisten sind. Voraussetzung ist ferner in der Regel eine Dienstzeit von mindestens einem Jahr im Dienstgrad Oberstabsgefreiter.Beachte auch: ZDv 20/7 auf Grundlage der Soldatenlaufbahnverordnung ( Das Bundesministerium der Verteidigung hat angekündigt, die Beförderungen hauptsächlich nach dem Prinzip der Bestenauswahl und nicht überwiegend nach Dienstalter durchzuführen. Das Bundesministerium plant darüber hinausgehend, anfänglich nur Bewerber zu berücksichtigen, die mindestens drei Jahre als Soldat auf Zeit im Dienstgrad des Oberstabsgefreiten gedient haben und die sich noch mindestens zu einer Restdienstzeit von drei Jahren verpflichten bzw. bereits verpflichtet haben.Entsprechende ähnliche Voraussetzungen gelten für Bewerber in einer Laufbahn der Reserve.

Besoldung Soldaten auf Zeit im Dienstgrad Korporal werden nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A 6 besoldet. Damit steht der Korporal in der Eingangsbesoldungsgruppe des Dienstgrads Stabsunteroffizier, ohne aber wie dieser in Besoldungsgruppe A 7 aufsteigen zu können. Ein Freiwillig Wehrdienst Leistender erhält stattdessen Wehrsold nach dem Wehrsoldgesetz (), ein Reservistendienst Leistender Leistungen nach dem Unterhaltssicherungsgesetz ().

Dienstgradabzeichen

Das Dienstgradabzeichen für Korporale zeigt einen breiten Schrägstreifen auf beiden Schulterklappen bzw. für Marineuniformträger auf den Oberärmeln.In der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten werden für Marineuniformträger die Ärmelabzeichen beschrieben. Für einige Anzugarten für Marineuniformträger sind jedoch nach Zentraler Dienstvorschrift 37/10 Schrägstreifen auf beiden Schulterklappen wie für Heeres- und Luftwaffenuniformträger vorgesehen.

Äquivalente, nach- und übergeordnete Dienstgrade Den Dienstgrad Korporal führen sowohl Heeres-, Luftwaffen- als auch Marineuniformträger. In den Streitkräften der NATO ist der Korporal zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OR-4 äquivalent.

In der Laufbahngruppe der Mannschaften ist der Korporal im Sinne der entsprechend noch zu ergänzenden ZDv 20/7 über dem rangniedrigeren Oberstabsgefreiten und unter dem ranghöheren Stabskorporal eingeordnet.

Österreich Bundesheer

Im österreichischen Bundesheer ist Korporal ein Chargendienstgrad (Verwendungsgruppe MZCh). Er entspricht annähernd den Dienstgraden Hauptgefreiter oder Stabsgefreiter in der deutschen Bundeswehr (also nicht dem deutschen Korporal). Der Korporal kann im Frieden Kommandantenaufgaben von Trupp-Stärke bis eventuell Gruppen-Stärke übernehmen.

In Auslandseinsätzen wird er auf Englisch als Corporal (Cpl) bezeichnet.Die Dienstgrade im internationalen Vergleich (NATO rank class system) (Internetseite des Bundesministeriums für Landesverteidigung, engl.), aufgerufen am 16. April 2026 Gemäß dem NATO Rank Class System entsprechen ihm die Bundeswehrdienstgrade Obergefreiter und Hauptgefreiter bzw. in der Schweizer Armee der Obergefreite (NATO-Code: OR-3).

Die Distinktionssterne ähneln einem stilisierten Alpen-Edelweiß, einer Alpenblume, die in Österreich traditionell in vielen Bereichen symbolische Bedeutung besitzt. Die Rangabzeichen des Bundesheeres der 2. Republik orientieren sich an den bis 1918 gebräuchlichen alt-österreichischen Kragendistinktionen, variieren diese jedoch, besonders auffällig bei den Unteroffizieren (Wachtmeister bis Vizeleutnant). Das Kragenabzeichen des Korporals an der Gesellschaftsuniform kommt allerdings dem damaligen Muster sehr nahe.Urrisk (1994), S. 111 f. Dazu eine weiß-graue Schulterspange mit Schuber, wie alle Chargen.

Soldaten, die in der Ausbildung zum Unteroffizier (HUAK) oder zum Offizier (EF) stehen, tragen eine eigene Version des Dienstgrades mit silberfarbenem Querbalken am Oberrand. Diesen gibt es nur für den Dienstanzug 75/03.

Geschichte Österreich-Ungarn (bis 1918) In der k.u.k. Armee zählte der Korporal noch zu den Unteroffizieren (und legte dementsprechend das gelb-schwarze Unteroffiziersportepee an). Im frühen 19. Jahrhundert existierte zusätzlich die Dienststellung des Zugs-Corporals, die den vier dienstältesten der 12 Korporale einer Kompanie oblag. Am 25. Jänner 1857 entstand aus der Funktion die Charge des Zugsführers.

Der Korporal führte von Mai 1848 bis Mitte Jänner 1850 zwei weißtuchene Horizontalstreifen als Kragendistinktion, dann zwei weiße, sechsspitzig Kragensterne. Diese waren übereinander angeordnet und bestanden zunächst aus Tuch, seit 1901 aber aus Zelluloid. Der Zugs-Corporal ähnlich, doch zusätzlich ein gelbseidenes, gezackt dessiniertes Börtchen nahe des Kragenrands (das Börtchen wie jenes des Feldwebels ab 1857).

Volkswehr der 1. Republik (1918–1920) Nach dem Ende der Habsburgermonarchie gerieten alle bisherigen Rangabzeichen in Fortfall, aber auch die Dienstgrade Gefreiter (bis 19. Mai 1923 nun Schwarmführer genannt) und Korporal (erst am 22. Dezember 1927 wiedereingeführt).Heeresgeschichtliches Museum Wien (Hg.): Die Streitkräfte Der Republik Österreich, 1918-1968. Katalog Zur Sonderausstellung im Heeresgeschichtlichen Museum Wien, 1968, S. 194Urrisk (1993), S. 31, S. 45

Bundesheer der 1. Republik (1920–1938) Mit dem Wehrgesetz vom 18. März 1920 schlug die Geburtsstunde des Bundesheeres der 1. Republik, in das man am 1. Oktober 1920 die Bataillone der Volkswehr überführte.Urrisk (1993), S. 24 Am 5. Mai 1920 wurden neue Rangabzeichen („Dienstzeichen“) verordnet.Urrisk (1993), S. 18 Diese waren nun auf beiden Unterärmeln zu tragen und bestanden aus Horizontalborten, wobei auf der obersten eine kreisrunde „Kriegerschleife“ saß, ähnlich dem Elliotsauge der k. u. k. Marine. Für Offiziere waren die Abzeichen silbern, für Chargen und Unteroffiziere dunkelgrün.

Ab dem 11. September 1923 bis zum 31. Mai 1933 folgten die Rangabzeichen weitestgehend dem Vorbild der deutschen Reichswehr. Der erst am 22. Dezember 1927 wiedereingeführte Dienstgrad Korporal übernahm die beiden, mit der Spitze nach unten weisenden, silbernen Winkel des Zugsführers (dieser nun drei Winkel).Urrisk (1993), S. 46 Abweichend von der deutschen Praxis, wurde das Abzeichen nicht nur am linken, sondern auch am rechten Oberarm getragen.Urrisk (1993), S. 44 Es entsprach damals jenem des deutschen Gefreiten (dieser besaß erst ab Oktober 1936 nur noch einen Rangwinkel, der Obergefreite dann zwei statt drei, weil zeitgleich der deutsche Oberschütze seinen bisherigen Rangwinkel mit einem Rangstern getauscht hatte).

Mit dem 1. Juni 1933 erfolgte der Wechsel zu alt-österreichischen Kragendistinktionen (bis 1938).Urrisk (1993), S. 89 Bei den 1936 offiziell enttarnten Luftstreitkräften (amtlich: Fliegertruppe) folgten die Rangabzeichen, zumindest bei den Offizieren, indes den Ärmeldistinktionen der k. u. k Kriegsmarine bis 1918. Die Ärmelwinkel der Chargen, inklusive des Korporals, waren allerdings blaufarbig und wiesen mit der Spitze nach oben.Urrisk (1993), S. 94, S. 196

Überführung in die Wehrmacht (1938) Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde das Bundesheer zum 14. März 1938 in die Wehrmacht überführt. Bei der endgültigen Festlegung der neuen Dienstgrade stufte man die Korporale meist als Obergefreite ein.Steinböck (1988), S. 108 f.

Schweiz

In der Schweizer Armee ist der Korporal (kurz: Kpl) der niedrigste Unteroffiziersgrad (NATO-Rangcode: OR-4). Er steht eine Rangstufe über dem Mannschaftsdienstgrad Obergefreiter.