Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der tschechoslowakischen Fußballnationalmannschaft, die von 1959 bis 1980 für die Tschechoslowakei bei Europameisterschaften bzw. bis 1992 zu den Qualifikationen dazu antrat. Die Tschechoslowakei konnte sich dreimal für die Endrunde der Europameisterschaft qualifizieren, erreichte einmal das Finale und konnte es 1976 mit dem ersten Elfmeterschießen einer EM-Endrunde gewinnen. Nach der Aufspaltung der Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten trat die tschechische Nationalmannschaft ihre Nachfolge an und nahm erstmals an der Qualifikation für die EM 1996 teil, wo sie sich auf Anhieb und danach immer qualifizieren konnte. Die Erfolge der Mannschaft der Tschechoslowakei werden von der UEFA nun Tschechien zugerechnet. Die Slowakei konnte sich dagegen bisher nicht qualifizieren.
Übersicht
Die tschechoslowakische Fußballnationalmannschaft nahm dreimal an der Endrunde der Europameisterschaft der Nationalmannschaften teil, wobei immer mindestens Platz 3 erreicht wurde. Als größter Erfolg gilt der Gewinn des Titels 1976 im Endspiel gegen Deutschland. Sechsmal konnte sich die Mannschaft nicht für die Endrunde der besten vier bzw. acht Mannschaften qualifizieren.
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960Frankreich Spiel um Platz 3 Frankreich DritterRudolf Vytlačil 1964Spanien nicht qualifiziert In der Vorrunde an der DDR gescheitert, die sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1968Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Titelverteidiger Spanien gescheitert, der sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1972Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Rumänien gescheitert, das sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1976Jugoslawien FinaleDeutschland Europameister Václav JežekSieg im Elfmeterschießen; einziger Titelgewinn. 1980Italien Spiel um Platz 3 Italien DritterJozef Vengloš Sieg im Elfmeterschießen 1984Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Rumänien gescheitert. 1988BR Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Dänemark gescheitert. 1992Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich gescheitert.
EM 1960 An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, nahm auch die Tschechoslowakei teil und musste dazu in der einzigen Vorrundenpaarung gegen Irland antreten. Vor der Qualifikation wurde Rudolf Vytlačil alleinverantwortlicher Nationaltrainer. Sein erstes Spiel war das Hinspiel der Vorrunde, das am 5. April 1959 in Dublin mit 0:2 verloren wurde. Da das Rückspiel am 10. Mai 1959 in Bratislava mit 4:0 gewonnen wurde, wobei Torhüter Imrich Stacho bereits in der vierten Minute das 1:0 per Elfmeter erzielte, erreichte die Mannschaft die eigentliche Qualifikation.Tschechoslowakei 4-0 Republik Irland Im Achtelfinale war dann Dänemark der Gegner und nach einem 2:2 in Kopenhagen wurde das Rückspiel in Brünn mit 5:1 gewonnen. Damit stand die Tschechoslowakei im Viertelfinale. Dort trafen sie auf Rumänien und mit zwei Siegen ohne Gegentor wurde die Endrunde erreicht, die in Frankreich ausgetragen wurde.
Am 6. Juli 1960 fand in Marseille das erste EM-Endrundenspiel der Tschechoslowakei statt und mit 0:3 verlor die Mannschaft gegen die Fußballnationalmannschaft der UdSSR. Im anschließenden Spiel um Platz 3 gegen Gastgeber Frankreich wurde dann aber mit 2:0 gewonnen. Halbfinalgegner UdSSR besiegte dann im Endspiel die Jugoslawen und wurde erster Europapokalsieger der Nationen.
EM 1964 Vier Jahre später wollten schon mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen. Daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde mit noch mehr Mannschaften vorgeschaltet. Die Tschechoslowakei, die bei der WM 1962 immerhin das Finale erreicht hatte, musste in der Vorrunde gegen die DDR antreten. Nach einem 1:2 in Ost-Berlin reichte das 1:1 im Rückspiel nicht, um das Achtelfinale zu erreichen, in dem die DDR an Ungarn scheiterte. Im Juni 1963 endete die Amtszeit von Vytlačil, der dann die Olympiamannschaft trainierte, mit der er 1964 in Tokio die Silbermedaille errang. Sein Nachfolger als Nationaltrainer wurde Václav Jíra, dem aber in sieben Spielen nur ein Sieg gelang und der nach zwei verlorenen Spielen in der Qualifikation für die WM 1966 seinen Posten verlor, den Jozef Marko übernahm.
EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Die Tschechoslowakei musste gegen Titelverteidiger Spanien, Irland und die Türkei antreten. Die Tschechoslowakei begann die Qualifikation erst, nachdem die anderen drei Mannschaften schon drei Spiele bestritten hatten, konnte dann aber ihre ersten drei Spiele gewinnen, darunter mit 1:0 gegen Spanien. Das Rückspiel in Spanien wurde dann aber verloren. Selbst nach einem 0:0 in der Türkei bestand noch die Hoffnung, sich durch einen Punkt gegen Irland im letzten Spiel für das Viertelfinale zu qualifizieren, da die Spanier in den anderen Auswärtsspielen nur zu torlosen Remis gekommen waren. Die Mannschaft ging in Prag auch in der 58. Minute durch ein Eigentor des Iren John Dempsey mit 1:0 in Führung, musste aber nur fünf Minuten später den Ausgleich hinnehmen, der aber noch verkraftet werden konnte. In der 86. Minute konnten die Iren aber durch einen verwandelten Elfmeter das Spiel gewinnen.Tschechoslowakei 1-2 Republik Irland Damit fehlte am Ende der eine Punkt, den Iren nützte der Sieg aber auch nichts mehr. Spanien scheiterte dann im Viertelfinale an Weltmeister England. Jozef Marko blieb zunächst im Amt und führte die Tschechoslowaken zur WM 1970, schied dort aber in der Gruppenphase in einer Todesgruppe mit Titelverteidiger England und dem späteren Weltmeister Brasilien aus.
EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich die Tschechoslowakei dann auch nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Rumänien, Wales und Finnland wurde punktgleich mit den Rumänen aber der schlechteren Tordifferenz wieder nur der zweite Platz belegt. In die Qualifikation wurden sie von Antonín Rýgr geführt, der aber nach dem 1:1 im ersten Heimspiel gegen Finnland von Ladislav Novák und Ladislav Kačáni abgelöst wurde. Diesem gelang zwar, mit vier Siegen die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen, durch eine 1:2-Niederlage in Rumänien im letzten Spiel wurde aber die Qualifikation verpasst und Rumänien Gruppensieger. Die Rumänen scheiterten dann im Viertelfinale an Ungarn, die dafür nach zwei Unentschieden aber ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz benötigten.
EM 1976 mini|Startaufstellungen im Finale 1976
1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Die Tschechoslowakei musste sich dazu in der Gruppenphase gegen England, Portugal und Zypern qualifizieren. Die Tschechoslowakei, die seit 1972 von Václav Ježek trainiert wurde, verlor das erste Spiel in England mit 0:3, konnte dann aber drei Spiele gewinnen, u. a. das Rückspiel gegen England. Nach einem 1:1 in Portugal reichte ein 3:0 in Zypern, um Platz 1 zu belegen, da England und Portugal sich zweimal remis trennten. Im Viertelfinale war dann die UdSSR der Gegner. Nach einem 2:0 in Bratislava konnte das 2:2 im Rückspiel verkraftet werden, um die Endrunde zu erreichen.
Die Endrunde wurde in Jugoslawien ausgetragen und im Halbfinale traf die Mannschaft auf den favorisierten Vizeweltmeister Niederlande, der noch mit acht Spielern des WM-Finales antrat. Die Tschechoslowakei ging aber durch Anton Ondruš in der 19. Minute mit 1:0 in Führung. Ab der 60. Minute musste die Mannschaft aber in Unterzahl spielen, da Jaroslav Pollák die Rote Karte erhalten hatte und in der 73. Minute unterlief Ondruš ein Eigentor. Drei Minuten später wurde aber auch Johan Neeskens in die Kabine geschickt. Da keine weiteren Tore fielen, kam es zur Verlängerung. In dieser gelang dann Zdeněk Nehoda in der 114. Minute das 2:1 und in Überzahl – Wim van Hanegem hatte eine Minute später ebenfalls rot gesehen – gelang František Veselý noch das 3:1. Damit stand die Mannschaft im Finale und traf auf Weltmeister Deutschland, der noch mit sechs Spielern aus dem WM-Finale antrat und für den Franz Beckenbauer sein 100. Länderspiel bestritt. Diesmal gingen die Tschechoslowaken bereits in der 8. Minute durch Ján Švehlík in Führung und in der 25. Minute erhöhte Karol Dobiaš auf 2:0. Aber bereits drei Minuten später gelang Dieter Müller mit seinem vierten Turniertor – mit seinen ersten drei hatte er Deutschland überhaupt erst ins Finale gebracht – der Anschlusstreffer. Danach blieben die Angriffsbemühungen beider Mannschaften zunächst erfolglos und erst in der letzten Spielminute gelang Bernd Hölzenbein der Ausgleich. In der anschließenden Verlängerung fielen dann keine weiteren Tore, so dass es zum ersten Elfmeterschießen der EM-Geschichte kam. Hier waren die ersten vier Tschechoslowaken und die ersten drei Deutschen erfolgreich. Dann schoss Uli Hoeneß über das Tor. Als letzter Spieler der Tschechoslowaken versetzte dann Antonín Panenka den deutschen Torhüter Sepp Maier durch den nach ihm benannten „Panenka-Heber“, womit die Mannschaft Europameister wurde.
EM 1980 Die Fußball-Europameisterschaft 1980 wurde erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen und erstmals stand der Gastgeber vorab fest, so dass er sich nicht qualifizieren musste. Als Ausrichter hatten sich die Bundesrepublik Deutschland, England, Griechenland, Italien, die Niederlande und die Schweiz ins Spiel gebracht.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Europameisterschaft, Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-89533-553-2 Am 19. Oktober 1977 teilte die UEFA mit, das England oder Italien die EM ausrichten sollten und am 12. November 1977 wurde Italien als Ausrichter bekannt gegeben. Die Tschechoslowaken mussten, da der Titelverteidiger anders als bei Weltmeisterschaften nicht automatisch qualifiziert war, in der Qualifikation gegen Frankreich, Schweden und Luxemburg antreten. Die Tschechoslowaken wurden seit September 1978 von Jozef Vengloš trainiert, gewannen fünf Spiele und verloren nur in Frankreich. Da sich Franzosen und Schweden im ersten Spiel 1:1 getrennt hatten, wurden die Tschechoslowaken Gruppensieger. Damit waren sie für die Endrunde qualifiziert, da es kein Viertelfinale mehr gab.