mini|Kalju Kruusa (2012) Kalju Kruusa (mit bürgerlichem Namen Jaanus Valk; * 10. Oktober 1973 in Tallinn) ist ein estnischer Schriftsteller und Übersetzer.
Leben Kalju Kruusa machte 1992 in Tallinn Abitur und studierte von 1993 bis 1997 an der Universität Tartu Englisch und Semiotik. Dann wechselte er zum Estnischen Humanitarinstitut in Tallinn, wo er Romanistik studierte und das Studium 2008 mit einer Bachelor-Arbeit zu Stéphane Mallarmé abschloss. Das Studienjahr 2004–2005 verbrachte er an der Waseda-Universität in Tokio, wo er unter anderem Japanisch lernte.
Kalju Kruusa ist Mitglied des Estnischen Schriftstellerverbandes und des 2010 wiedergegründeten Estnischen PEN-Clubs. Er lebt in Tallinn.
Werk Kalju Kruusa debütierte Ende der 1990er-Jahre im Rahmen der Gruppierung ErakkondZu übersetzen als „Eremitschaft“, vgl. Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2006, S. 788., zu der unter anderem auch die Lyriker Aare Pilv und Kristiina Ehin sowie die Prosaisten Mehis Heinsaar und Berk Vaher zählten. Seinen „lang erwarteten“Mart Velsker: Meelega tehtud raamat, in: Vikerkaar 5–6/2000, S. 149. ersten Gedichtband legte er 1999 vor, und er wurde umgehend mit dem Betti-Alver-Debütpreis ausgezeichnet. Die Kritik lobte ihn als „klassischen Dichter“ und zog Vergleiche zu Villem Grünthal-Ridala, Jaan KaplinskiIvar Sild: Klassika võidukäik, in: Keel ja Kirjandus 5/2000, S. 364–365., Viivi LuikJanika Kronberg: Luule kui juhus, in: Eesti Päevaleht 11. Dezember 1999, S. 9., Hasso Krull oder Kirsti Oidekivi.Mart Velsker: Meelega tehtud raamat, in: Vikerkaar 5–6/2000, S. 149. Aber auch zu ausländischen Dichtern wie Allen GinsbergHasso Krull: Kalju Kruusa ainuline aken, in: Sirp vom 19. November 1999, S. 7. oder Seamus HeaneyMariliin Vassenin: Kui süda on ainuke loll, in: lugu 7 (2011), S. 26. sah die Kritik später Bezüge. Das Besondere an der Dichtung sei, dass Kruusa „wie ein Medium agiert, er lässt die Welt auf eine Art und Weise durch sich hindurch fließen, dass der scheinbar grenzenlose Bewusstseinsstrom eine Kette von Bilden, Momenten und Stimmungen erzeugt.“Estonian Literary Magazine 10 (2000), S. 41.
Schon der erste Band enthielt, wie auch seine weiteren Gedichtbände, neben estnischer Originaldichtung Übersetzungen, und zwar sowohl ins Estnische (in diesem Fall aus dem Italienischen, Gedichte von Umberto Saba) als auch aus dem Estnischen ins Englische (Gedichte von Aare Pilv) und Finnische (Gedichte von Lauri Sommer), später auch ins Französische (abermals Gedichte von Aare Pilv). Der Band Tühhja bringt neben einer Übersetzung von Pentti Saarikoski zahlreiche Übertragungen japanischer Lyrik von beispielsweise Ibaragi Noriko, Miyoshi Tatsuji, Kaneko Mitsuharu, Tanikawa Shuntarō, Tamura Ryūichi, Yoshino Hiroshi, Nakano Shigeharu, Ishigaki Rin, Ishikawa Takuboku und Miyazawa Kenji. In einer späteren Sammlung finden sich dann auch Übersetzungen aus dem Chinesischen und Koreanischen.
Hierin kann Kruusas „Streben nach Vollkommenheit“Kirsti Oidekivi: Täpselt treffamisi, in: Vikerkaar 6/2004, S. 106. gesehen werden, wie er es auch in einem Gedicht ausdrückt: kui sulle kirjutan / ei taotle ma muud / tydeIn konventioneller estnischer Orthographie tõde. kui tunde / tabamise täpsust ('wenn ich dir schreibe / strebe ich nach keiner anderen / Wahrheit als der Genauigkeit / das Gefühl zu treffen'; Treffamisi, S. 42). Diese Genauigkeit versucht er durch die Vermischung von Sprachen, durch eine eigenwillige Syntax und Interpunktion und durch das Stehenlassen von durchgestrichenen Sätzen zu erreichen. Auch verwendet er teilweise eine eigene Orthographie, in der der estnischen Buchstabe õ, der einen ungerundeten Mittelvokal bezeichnet, mit einem y wiedergibt. Dieses Graphem existiert im Estnischen nicht und wird bisweilen von verschiedenen Autoren für verschiedene Laute, meistens jedoch für das ü, benutzt.Vgl. Mart Velsker: Y eesti kirjanduses, in: Vikerkaar 10/2001, S. 78–86.
Es scheint, als würde eine einzige Sprache dem Dichter nicht reichen, und so tauchen gelegentlich auch japanische Schriftzeichen auf. In der Überschrift seiner fünften Gedichtsammlung wurden chinesische Schriftzeichen verwendet. Deren Titel kann man in der Transkription als 'Ing wer tee' lesen und als 'Ingwertee' auffassen, in der Übersetzung aus dem Chinesischen jedoch als 'Geist Blut Tee'Margus Ott: Kruusa hõng, in: Vikerkaar 6/2009, S. 7–8/2013, 147. interpretieren. Somit ist das Fremde nicht mehr fremd, wie es noch bei Ilmar Laaban der Fall war, der eine seiner Sammlungen Eigene Dichtung und Fremdes (1990) nannte. Kruusa gibt seinen Sammlungen den Untertitel Eigenes und Bekanntes.Rebekka Lotman, Miikael-Aadam Lotman: Üks imetleb kuud, teine imeb näppu, in: Keel ja Kirjandus 4/2014, 304.
Deswegen ist Kalju Kruusas Dichtung explizit als „Sprachdichtung“ bezeichnet worden. Hasso Krull zufolge gibt es ein spezifisches „Kaljukruusaisch, was gleichzeitig Estnisch ist, aber genauer, empfindlicher und nuancierter als das gewöhnliche.“Hasso Krull: Leiva-saia-suutra eesti keeles. Märkmeid Kalju Kruusa kolmanda luuleraamatu puhul, in: Looming 2/2009, S. 280.
Auszeichnungen 1999 Betti Alver-Debütpreis 2006 Lyrikpreis von Looming 2009 Gustav-Suits-Stipendium 2009 Literaturpreis der Universität Tallinn 2012 Jahrespreis des estnischen Kulturkapitals, Sparte Lyrik
Bibliographie Meeleolu ('Stimmung'). Tsitre: Erakkond 1999. 79 S. treffamisi ('Treffen'). Tallinn: Tuum 2004. 79 S. Pilvedgi mindgi liigutavadgi ('Auch die Wolken auch mich auch bewegen'Sic, auch im Estnischen ist der Titel orthographisch bewusst fehlerhaft und syntaktisch unkonventionell.) Tallinn: koma 2008. 128 S. Tühhja ('Ins Leere'). Tallinn: Ussimunni 2010. 91 S. ING VERI TEE. Oma luulet ja tuttavat ('Ing-wer-tee' bzw. 'Geist-Blut-Tee. Eigene Dichtung und Bekanntes'). Tallinna: Säutsipau 2013. 112 S. Äädikkärbsed: oma luulet ja tuttavat ('Taufliegen. Eigene Dichtung und Bekanntes'). Tallinna: Kirimiri 2015. 121 S.
Sekundärliteratur Ivar Sild: Klassika võidukäik, in: Keel ja Kirjandus 5/2000, S. 364–365. Mart Velsker: Meelega tehtud raamat, in: Vikerkaar 5–6/2000, S. 149–154. Kirsti Oidekivi: Täpselt treffamisi, in: Vikerkaar 6/2004, S. 105–106. Neeme Lopp: Asja-olu, in: Looming 9/2004, S. 1422–1424. Hasso Krull: Leiva-saia-suutra eesti keeles. Märkmeid Kalju Kruusa kolmanda luuleraamatu puhul, in: Looming 2/2009, S. 273–280. Alari Allik: Liigutamise lühikursus, in: Vikerkaar 6/2009, S. 98–103. Kaupo Meiel: Missa Kruusast kriitikutad, endal nina punane, in: Looming 6/2011, S. 875–877. Mariliin Vassenin: Kui süda on ainuke loll, in: lugu 7 (2011), S. 26. Salmo Salar: Luuletajaluule, in: Vikerkaar 10–11/2011, S. 166–169. Alari Allik: Igavese ahelluuletaja tagasitulek, in: Vikerkaar 6/2009, S. 7–8/2013, 139–143. Margus Ott: Kruusa hõng, in: Vikerkaar 6/2009, S. 7–8/2013, 144–149. Rebekka Lotman, Miikael-Aadam Lotman: Üks imetleb kuud, teine imeb näppu, in: Keel ja Kirjandus 4/2014, 304–308. Veronika Kivisilla: Kruusagi mindgi liigutabgi, in: Looming 11/2014, S. 1574–1590. Mihkel Kaevats: Taskud Kruusa täis, tripp…, in: Looming 6/2015, S. 879–881.
Weblinks
Hasso Krull: Rock Gravel. Kalju Kruusa as a Public Figure, in: Estonian Literary Magazine 39 (Autumn 2014), S. 12–15
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der Universität Tallinn Kategorie:Literatur (Estnisch) Kategorie:Lyrik Kategorie:Übersetzer aus dem Estnischen Kategorie:Übersetzer aus dem Italienischen Kategorie:Übersetzer aus dem Japanischen Kategorie:Übersetzer aus dem Koreanischen Kategorie:Übersetzer ins Englische Kategorie:Übersetzer ins Estnische Kategorie:Übersetzer ins Finnische Kategorie:Übersetzer ins Französische Kategorie:Pseudonym Kategorie:Schriftsteller (Tallinn) Kategorie:Este Kategorie:Geboren 1973 Kategorie:Mann