Der Westdeutsche Rundfunk Köln (WDR) ist der 1956 gegründete öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehsender im Land Nordrhein-Westfalen. Die Anstalt des öffentlichen Rechts (Landesrundfunkanstalt) hat ihren Hauptsitz in Köln.
Der WDR betreibt Hörfunk, Fernsehen und damit verbundene Aktivitäten im Internet. Er ist die größte Sendeanstalt der ARD und – gemessen an der Anzahl der Beschäftigten – nach der BBC der zweitgrößte Sender Europas. Seine Vorgänger waren die Westdeutsche Funkstunde und der NWDR.
Geschichte Die Anfänge Westdeutsche Funkstunde AG (WEFAG) ab 1924
Zwischen Oktober 1923 und September 1924 wurde das deutsche Reichsgebiet mit einem Netz von Rundfunksendern überzogen. In den nach dem Ersten Weltkrieg von alliierten Truppen besetzten Gebieten an Rhein und Ruhr war der Aufbau deutschsprachiger Sender zunächst untersagt. Deswegen richtete man im nicht besetzten Münster den ersten Sender für das Ruhrgebiet ein. Erste Versuchssendungen wurden am 17. Juli 1924 mittels eines Lorenz-Senders aufgenommen und am 15. September 1924 die Westdeutsche Funkstunde AG (WEFAG) gegründet, die am 10. Oktober ihren regulären Betrieb aufnahm und Hörfunksendungen unter der Kennung „Münster I“ ausstrahlte. Die Wellenlänge von 410 m ermöglichte eine unerwartet hohe Reichweite. Die Funkstunde leitete Hermann Krome, anfangs mit einem Vier-Mann-Orchester und wenigen Schallplatten ausgestattet. Bei Sendebeginn hatte die WEFAG 6114 angemeldete Hörer, einen Monat später bereits 9099.
Im Mai 1925 wurde in Berlin als Dachorganisation der regionalen Rundfunkgesellschaften die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) gegründet, der zunächst die Gesellschaften Nordische Rundfunk AG (NORAG, Hamburg), Mitteldeutsche Rundfunk AG (MIRAG, Leipzig), Südwestdeutsche Rundfunk AG (SÜWRAG, Frankfurt/Main), Ostmarken Rundfunk AG (ORAG, Königsberg i. Pr.) und Schlesische Funkstunde (Breslau) beitraten. Nach langwierigen Verhandlungen schlossen sich die WEFAG, die Funk-Stunde Berlin und die Süddeutsche Rundfunk AG (SÜRAG, Stuttgart) ebenfalls an, während aufgrund finanzieller Engpässe der Bayerische Rundfunk (bis 1930 Deutsche Stunde in Bayern) erst 1931 Mitgesellschafter der RRG wurde.
Als im Sommer 1925 die Ruhrbesetzung durch alliierte Truppen endete, erwarben Tausende dort lebender „Schwarzhörer“ Rundfunklizenzen; die Zahl der offiziellen Radiohörer stieg im Jahr 1925 von 13.950 auf 83.400. Am 1. November 1925 fand aus dem Preußenstadion in Münster vermutlich die erste Sportübertragung des deutschen Rundfunks statt, bei der der Reporter nicht im Studio, sondern am Mikrofon vor Ort stand.Zur ersten Sportreportage im deutschen Rundfunk gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Am 13. Juli 1924 sendete die Nordische Rundfunk AG (NORAG, Vorläufer des NDR) eine Reportage der über einen Ruderwettbewerb auf der Hamburger Alster. Die Besonderheit an der Sendung aus Münster ein Jahr später, ebenfalls bei einem Ruderwettbewerb, war vermutlich, dass hier erstmals das Mikrofon außer Haus und zur Sportveranstaltung hingetragen wurde. Der Kommentator war Bernhard Ernst. Das Rundfunk Jahrbuch 1933 beschreibt das Ereignis als die „erstmaligen Versuche, das Mikrophon aus dem engen Senderaum herauszuholen und mitten in das Leben zu stellen, […] um nach einem sorgfältig vorher aufgestellten Plan den Betrieb eines Ruderrennens zum Erstaunen der Hörer weiterzugeben. Heute können wir uns die damalige Begeisterung über das außerordentliche Neue kaum noch vorstellen, und nur die wenigsten der damaligen Hörer werden sich im Augenblick bewußt geworden sein, daß dies der Ausgangspunkt des heute so wichtigen Zeitfunks geworden ist.“Rundfunk Jahrbuch 1933, Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft von Verlegern offizieller Funkzeitschriften sowie der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft, Verlag J. S. Preuß, Berlin 1932, S. 28f. Das Buch befindet sich in der Bibliothek des Museums für Kommunikation Frankfurt.
Westdeutsche Rundfunk AG (WERAG) ab 1927 mini|WERAG Organigramm 1929 mini|Ehemaliges WERAG-Funkhaus Hitzelerstraße, Teilansicht (2018)
Die Beliebtheit ihrer Sendungen bewog die WEFAG zur Ausdehnung nach Westen und zur Eröffnung zweier Nebensender am 18. und 19. September 1925 in Dortmund (Sender Dortmund-Dorstfeld) und Elberfeld (). Am 29. Oktober 1926 beschloss der WEFAG-Aufsichtsrat die Verlegung des Sitzes von Münster nach Köln bei gleichzeitiger Umbenennung in „Westdeutsche Rundfunk AG“ (WERAG) zum 1. Januar 1927. Sie bezog ein Gebäude in der Dagobertstraße 38. Die WERAG ging am 15. Januar 1927 um 20.00 Uhr mit der Inbetriebnahme des neuen Senders Langenberg auf dem Hordtberg bei Langenberg (heute Stadtteil von Velbert) erstmals auf Sendung.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 203. (Der Standort Langenberg dient heute als Fernseh-Grundnetzsender und zur Verbreitung des Hörfunks über UKW und DAB+.)
Die Sendeanlage Langenberg erwies sich jedoch als zu schwach, um das südlich gelegene Köln mit seinem Umland zu versorgen. Daher wurden im Mai 1927 die Bauarbeiten für den Sender Köln-Raderthal aufgenommen. Als Standort für den Kölner Sender hatten sich 94 Orte beworben, doch war es dem Kölner Oberbürgermeister, Konrad Adenauer, gelungen, die Entscheidung im Sinne Kölns zu beeinflussen. Der Sender in der Hitzelerstraße begann am 1. September 1927 erfolgreich den Probebetrieb auf Welle 283 mit 4 kW Sendeleistung. Am 15. Dezember 1927 erfolgte die offizielle Inbetriebnahme.
Die WERAG gab ab Ende 1926 eine Programmzeitschrift unter dem gleichnamigen Titel heraus. Sie erschien wöchentlich im hauseigenen Rufu-Verlag.Werag – Offizielles Organ der Westdeutschen Rundfunk AG Köln, Rufu-Verlag Köln. Später erschienen im selben Verlag nach dem Vorbild der BBC-Yearbooks die Jahrbücher des Westdeutschen RundfunksEtwa das Jahrbuch des Westdeutschen Rundfunks 1929, Rufu-Verlag Köln. mit Interna des Senders, vor allem jedoch mit über lange Strecken abgedruckten Sendungsmanuskripten. In der ersten Ausgabe der Werag – Offizielles Organ der Westdeutschen Rundfunk AG Köln vom Dezember 1926 gratulierten der Reichspostminister und sein Reichsrundfunkkommissar zum offiziellen Start des Westdeutschen Rundfunks. Während Postminister Karl Stingl den „Rundfunk im Rheinland […] dazu berufen“ sah, „die Deutschen an Rhein und Ruhr in ihrem Volkstum zu festigen“, lenkte Rundfunkkommissar Hans Bredow das Augenmerk auf die Errungenschaften der Technik:
Im Jahr 1926 wurde auf Empfehlung Adenauers der Schriftsteller Ernst Hardt als Intendant berufen. Er geriet jedoch bald ins Visier der rechtsgerichteten Presse; so zitierte die Rundfunkzeitschrift Der Deutsche Sender im Januar 1932 den Westdeutschen Beobachter:
Über Hardts Gehalt schrieb der Westdeutsche Beobachter:
Zeit des Nationalsozialismus Nach der Machtergreifung im Januar 1933 baute Propagandaminister Joseph Goebbels die deutsche Rundfunklandschaft innerhalb weniger Wochen um. Zunächst entließ er alle Intendanten (bis auf Alfred Bofinger in Stuttgart). Bereits im Februar waren fast alle Sender auf NS-Linie, der Kölner Sender jedoch noch nicht. Die NS-Presse warf Intendant Hardt vor, im Jahr 1927 das „Problem der Kriegsdienstverweigerung ernsthaft diskutiert“ zu haben. Er habe dabei Heinrich Mann zu Wort kommen lassen, der in der Sendung die Kriegsdienstverweigerung als einen Akt der Zivilcourage bezeichnete. Es gelte, so Der Deutsche Sender im Februar 1933, also „auch unter den Rundfunkintendanten noch aufzuräumen“.
Im April 1933 wurde Hardt entlassen und inhaftiert. Sein Nachfolger wurde der NSDAP-Funktionär, SS-Mann und Archivar Heinrich Glasmeier. Goebbels war bei der Amtseinführung Glasmeiers am 24. April 1933 anwesend. Die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft lobte die Berufung Glasmeiers zum Intendanten, denn als Archivar habe er seine „nationalsozialistische Grundanschauung von Blut und Boden“ bewiesen.Mitteilungen der RRG vom 30. März 1933, zitiert nach Ansgar Diller: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. In: Hans Bausch (Hrsg.): Rundfunk in Deutschland. Band 2, dtv 3184, München 1980, ISBN 3-423-03184-0, S. 114. Erst neun Jahre später fiel Glasmeier bei Goebbels in Ungnade, weil er als Reichsrundfunk-Intendant zu viele Sinfonien spielte, statt unterhaltsamere Musik. Siehe Goebbels-Tagebücher 1941, S. 71. Auch rund 13 % der Belegschaft der WERAG erhielten ab April 1933 die Kündigung.Ansgar Diller: Rundfunk bis 1945. Band 2, 1997, S. 126. Die Gleichschaltung verlief schnell: Im September 1933 wurde der Programmbeirat aufgelöst; am 20. März 1934 die WERAG selbst (der preußische Staat musste seine Anteile abtreten) und in „Reichssender Köln“ umbenannt. Dieser wurde Teil des späteren Großdeutschen Rundfunks.
Das Propagandaministerium griff Bestrebungen auf, die schon in der Weimarer Republik angedacht worden waren, nämlich die Programme der lokalen Sender zusammenzuschließen. Dieser Prozess begann im Sommer 1933 mit der Zusammenlegung des Kölner Senders mit dem Frankfurter und Stuttgarter Sender zur „Sendergruppe West“. Angekündigt wurde das mit einer Sendung, die den Hörern im gemeinsamen Sendegebiet live den Wechsel eines Programms auf das andere vorführte. Was nach außen als technische Meisterleistung verkauft wurde, diente primär der Einsparung von 4 Millionen Reichsmark durch die Zusammenlegung der Programme. Die drei Anstalten teilten sich auf Anweisung der Reichsrundfunkgesellschaft fortan die Ressorts. So war Köln für die große symphonische Musik und körperliche Ertüchtigung (Gymnastiksendungen etc.) zuständig. Die Proteste, vor allem der Kirchen, waren erheblich. Stuttgart durfte nur evangelische, Köln nur katholische Messen senden. Der Zentralisierung fielen zahlreiche Sendungen zum Opfer, mit Einbußen für die beteiligten Künstler und Autoren. Selbst Reichspropagandaminister Goebbels kam diese Zentralisierung zu rasch, und er begann, Ende 1933 die Sendergruppen wieder aufzulösen. Um den Zorn arbeitslos gewordener linientreuer Rundfunkautoren zu besänftigen, wies er zudem eine Sonderausschüttung von 100.000 Reichsmark an, „damit Hunderten von freien Künstlern eine Weihnachtsfreude bereitet werden kann“.Mitteilungen der Reichsrundfunkgesellschaft vom 21. Dezember 1933, zitiert nach Diller, S. 171 f., wie oben.
Die Radiosendung Der frohe Samstagnachmittag, die vom 24. November 1934 bis zum 31. Dezember 1939 in beinahe 150 Folgen ausgestrahlt wurde, entwickelte sich mit ihren Musikdarbietungen deutscher Tanzorchester und Sketchen zu einer der beliebtesten Sendereihen jener Zeit. Deshalb wurde sie von Mai 1935 an reichsweit auch über die anderen Sender übertragen.Konrad Dussel: Deutsche Rundfunkgeschichte, 2004, S. 98. Am 21. Januar 1935 wurde die Sendereihe Wo bist du – Kamerad ? begonnen.Wo bist du – Kamerad ?
Am 10. Oktober 1935 zerstörte eine Windhose den Sendeturm in Langenberg bei Velbert. Am 1. März 1936 begann der „Reichssender Köln“ seine Zusammenarbeit mit der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln.Zeitschrift „hör mit mir“ vom Februar 1936 NS-Intendant Glasmeier wurde am 19. März 1937 zum „Reichsintendanten des Deutschen Rundfunks“ ernannt und war damit Vorgesetzter der Intendanten aller Reichssender. Am 9. Juni 1940 wurde das „Reichsprogramm“ als Gemeinschaftsprogramm aller Reichssender eingeführt, denen allein das Vormittagsprogramm in eigener Regie blieb.Hans Jürgen Koch, Hermann Glaser: Ganz Ohr: Eine Kulturgeschichte des Radios in Deutschland. 2005, S. 141.
„Bis er unter den Bombentreffern verstummt, gilt der ‚Reichssender Köln‘ als die fröhliche Ecke des NS-Reichsrundfunks und steht für ‚rheinischen Frohsinn‘. Wenn samstags die ‚drei frohen Gesellen aus Köln‘ auftreten, werden überall die Volksempfänger lauter gedreht.“