mini|hochkant=1.5|Unterschrift von Anna Magdalena Bach unter einem Dokument vom 25. Mai 1742 mini|hochkant=1.5|Eintrag im Nachlassverzeichnis von Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), dem Stiefsohn von Anna Magdalena Bach. Dieses Gemälde ist verschollen. Es gibt heute keine Darstellung mehr von ihr, die als authentisch angesehen werden kann.Eberhard Spree: Wie sah Anna Magdalena Bach aus? Blog. Anna Magdalena Bach geborene Wilcke (auch Wülcke, siehe rechts, * 22. September 1701 in Zeitz; † 27. Februar 1760 in Leipzig) war eine deutsche Sopranistin, die im Alter von 20 Jahren den Kapellmeister Johann Sebastian Bach heiratete.Bach-Dokumente. Band II, S. 83.
Leben Herkunft und Ausbildung Anna Magdalena Bach kam am 22. September 1701 in einer Musiker-Familie zur Welt. Ihr Vater Johann Kaspar Wilcke (1660?–1731) war am Hofe von Sachsen-Zeitz Fürstlicher Hof- und Feldtrompeter. Ihre Mutter Margarethe Elisabeth Wilcke geborene Liebe (1666?–1746) stammte aus einem Organistenhaushalt. Drei Schwestern von Anna Magdalena heirateten Hoftrompeter. Ihr Bruder Johann Kaspar (1691–1766) ist ab 1717 als Trompeter am Hofe von Anhalt-Zerbst nachweisbar. In etlichen amtlichen Dokumenten, wie ihrem Taufeintrag oder bei Einträgen zu ihr in den Leipziger Sterberegistern, erscheint ihr Geburtsname in der Schreibweise „Wilcke“.Maria Hübner: Anna Magdalena Bach – Ein Leben in Dokumenten und Bildern. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 28.Eberhard Spree: Die Frau Capellmeisterin Anna Magdalena Bach. Ein Zeitbild. Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2021, S. 225. Diese setzte sich in der Forschung schließlich durch.Bach-Dokumente. Band V, S. 367. Sie selbstEberhard Spree: Die Frau Capellmeisterin Anna Magdalena Bach. Ein Zeitbild. Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2021, S. 11, 66, 76. oder auch ihr EhemannMartin Petzoldt: Bachs Leipziger Kinder. Dokumente von Johann Sebastian Bachs eigener Hand. Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Leipzig 2008, S. 31, 58, 102. wählten die Variante „Wülcke“. Spätestens 1718 zog die Familie nach Weißenfels um, wo ihr Vater eine Anstellung als Fürstlicher Hof- und Feldtrompeter am Hofe von Sachsen-Weißenfels erhalten hatte.
Die Sopranistin Ab 1721 ist Anna Magdalena Wilcke in Köthen nachweisbar. In Taufeinträgen, in denen sie im September als Patin aufgeführt ist, wird sie als „fürstl. Sängerin“ bzw. „Cammer-Musicantin“ bezeichnet.Maria Hübner: Anna Magdalena Bach – Ein Leben in Dokumenten und Bildern. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 40. Um den damit verbundenen Anforderungen gerecht zu werden, muss sie eine entsprechende Ausbildung erhalten haben. Es ist möglich, dass dabei die berühmte Sängerin Christiane Pauline Kellner, genannt Paulina (1664–1745), eine Rolle spielte, die am Hofe von Sachsen-Weißenfels tätig war.Hans-Joachim Schulze: Anna Magdalena Bach – Gesangsschülerin der Paulina. In: Peter Wollny (Hrsg.): Bach-Jahrbuch 2013. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2013, S. 279–295. Die Clavier-Büchlein für Anna Magdalena Bach, die 1722 und 1725 angelegt wurden und anspruchsvolle Werke Johann Sebastian Bachs enthalten, legen nahe, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend auch im Spiel auf Tasteninstrumenten unterrichtet wurde.
Die Frau Capellmeisterin mini|hochkant=1.5|Clavier-Büchlein vor Anna Magdalena Bachin Anno 1722. In die Innenseite des vorderen Deckels trug Anna Magdalena Bach den Titel ein. Am Köthener Hof wirkte als Capellmeister seit 1717 Johann Sebastian Bach, dessen Ehefrau im Juli 1720 verstorben war. Am 3. Dezember 1721 ging Anna Magdalena Wilcke mit ihm die Ehe ein. Als Sopranistin war sie weiter am Köthener Hof tätig. Abrechnungen aus der Zeit nach ihrer Eheschließung zeigen, dass sie nach dem Capellmeister und dem Concertmeister das dritthöchste Gehalt erhielt.Günther Hoppe: Köthener politische, ökonomische und höfische Verhältnisse als Schaffensbedingungen Bachs (Teil 1). In: Cöthener Bach-Hefte 4, Historisches Museum Köthen 1986, S. 16 ff
Für sie war diese Eheschließung ein sozialer Aufstieg. Da sie als Ehefrau das Recht hatte, die Titel ihres Mannes zu tragen, wurde sie die Frau Capellmeisterin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann stand sie nun einem Hauswesen vor. Dabei hatte sie sich ihm unterzuordnen, wobei nicht bekannt ist, wie das beim Ehepaar Bach gehandhabt wurde. Allen anderen Mitgliedern des Hauswesens war sie weisungsberechtigt. Dazu gehörten dort lebende Privatschüler und Verwandte, das Dienstpersonal, das zum Teil auch dort wohnte, und die Kinder. Catharina Dorothea (1708–1774); Wilhelm Friedemann, genannt Friedemann (1710–1784); Carl Philipp Emanuel, genannt Carl (1714–1788) und Johann Gottfried Bernhard (1715–1739) hatte Johann Sebastian Bach aus seiner ersten Ehe mit in den Haushalt gebracht. Anna Magdalena Bach gebar folgende Kinder: Christiana Sophia Henrietta (1723–1726); Gottfried Heinrich (1724–1763); Christian Gottlieb (1725–1728); Elisabeth Juliana Friederica, genannt Lieschen (1726–1781); Ernestus Andreas (1727–1727); Regina Johanna (1728–1733); Christiana Benedicta (1729–1730); Christiana Dorothea (1731–1732); Johann Christoph Friedrich, genannt Friedrich (1732–1795); Johann August Abraham (1733–1733); Johann Christian, genannt Christel (1735–1782); Johanna Carolina (1737–1781) und Regina Susanna (1742–1809).Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. Fischer, Frankfurt am Main 2005, S. 432–434. Wie den Lebensdaten zu entnehmen ist, starben etliche ihrer Kinder sehr früh.Eberhard Spree Wie viele Kinder hatte Anna Magdalena Bach zu versorgen? Teil I Blog. Dadurch lebten zum Beispiel nur vom Juni bis August 1732 für zehn Wochen fünf Kinder im Haushalt, die jünger als zehn Jahre waren. Ansonsten waren es vier oder weniger. Im Sommer 1732 waren hingegen die drei ältesten Kinder bereits achtzehn Jahre und älter.Eberhard Spree: Wie viele Kinder hatte Anna Magdalena Bach zu versorgen? Teil II Blog. Zur Zeit von Anna Magdalena Bach galt: Alle Arbeiten – außer der Entbindung – konnten als Lohnarbeit delegiert werden,Heide Wunder: Er ist die Sonn’, sie ist der Mond. Frauen in der Frühen Neuzeit. Verlag C. H. Beck, München 1992, S. 100. und davon machte sie Gebrauch. Damit waren ihre Schwangerschaften und die Geburten nicht weniger beschwerlich oder die Trauer um gestorbene Kinder geringer. Es war nicht die Aufgabe einer Frau ihres Standes,Die Thomasschule Leipzig zur Zeit Johann Sebastian Bachs. Ordnungen und Gesetze 1634.1723.1733. zusammengestellt und mit einem Nachwort von Hans-Joachim Schulze, Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1987, Ordnung 1634, S. 24–25 (Ordnung 1723). in der Küche das Essen zu kochen, die Wohnung zu reinigen oder die Wäsche zu waschen. Dafür hatte die Familie Bach Dienstpersonal. Die Säuglinge wurden durch Ammen gestillt.Eberhard Spree: Die Frau Capellmeisterin Anna Magdalena Bach. Ein Zeitbild. Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2021, S. 80–90. Die Frau Capellmeisterin stand einem Hauswesen vor, in dem mit Musik der Lebensunterhalt verdient wurde, in welchem Umfang sie als Musikerin teilhatte, konnte sie jedoch nicht frei bestimmen.
Im Frühjahr 1723 wurde Johann Sebastian Bach in Leipzig zum Kantor an der Thomasschule und Musikdirektor der Stadt gewählt. Am 22. Mai 1723 bezog die Familie die über 200 Quadratmeter große Dienstwohnung in der Thomasschule. Anna Magdalena Bach war weiterhin als Sängerin aktiv. Abrechnungen für Auftritte in Köthen aus den Jahren 1724, 1725 und 1729Bach-Dokumente. Band II, S. 144, 153 und 190. machen deutlich, dass sie auch in den Leipziger Jahren auf einem sehr hohem Niveau sang. Dazu musste sie regelmäßig üben. Ohne die Aussicht auf regelmäßige Auftritte vor Publikum ist ein solcher Aufwand nicht vorstellbar.Eberhard Spree: Die Frau Capellmeisterin Anna Magdalena Bach. Ein Zeitbild. Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2021, S. 63–72. Möglichkeiten dafür gab es im Collegium Musicum, das ihr Ehemann leitete.Andrew Talle: Wer war Anna Magdalena Bach? In: Peter Wollny (Hrsg.): Bach-Jahrbuch 2020. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2020, S. 316. Sie hätte auch öffentliche Konzerte in Eigenregie organisieren können, wie es durch Zeitungsanzeigen von anderen Sängerinnen belegbar ist.Leipziger Zeitungen. 30. April 1749, S. 276. Es ist aber fraglich, ob solche Auftritte ihrem Stand als Frau Capellmeisterin entsprachen. Sie konnte sich in anderen Kreisen präsentieren. mini|Ausschnitt aus der Sopranstimme der Kantate O angenehme Melodei (BWV 210). Die zwei Textfassungen trug Johann Sebastian Bach ein, die Noten wurden von Anna Magdalena Bach geschrieben. Für gemeinsame Auftritte mit seiner Ehefrau dürfte Johann Sebastian zum Beispiel die Kantate für Sopran solo BWV 210a eingerichtet haben. Sie wurde bei einem Besuch des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels aufgeführt, erklang mit einigen Änderungen zu Ehren des Grafen Flemming sowie für namentlich ungenannte werthe Gönner. Mit einem anderen Text (BWV 210) wurde sie als Hochzeitskantate verwendet.Hans-Joachim Schulze: Zumahln da meine itzige Frau gar einen sauberen Soprano singet…. In: Friderun Bodeit (Hrsg.): Ich muss mich ganz hingeben können. Frauen in Leipzig. Verlag für die Frau, Leipzig 1990, S. 34. Bei solchen Auftritten wirkten auch weitere Familienmitglieder mit. Als Johann Sebastian Bach 1730 in einem Brief schrieb, dass er mit ihnen ein Concert Vocaliter u. Instrumentaliter formieren könne, sprach er von sehr guten ausgebildeten Musikern.Bach-Dokumente Band I, S. 68. Gemeinsam konnten zusätzliche Einnahmen erwirtschaftet werden.
Anna Magdalena Bach unterstützte ihren Ehemann bei der Vorbereitung der sonntäglichen Kantatenaufführungen, wofür sie Kopien anfertigte.Maria Hübner: Anna Magdalena Bach – Ein Leben in Dokumenten und Bildern. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 187–188. Sie war in der Lage, Kantatenaufführungen zu organisieren. Nach dem Tod ihres Mannes bestellte der Leipziger Rat im August 1750 die Ratswahlkantate bei ihr.Bach-Dokumente Band II, S. 194. Im Haushalt der Familie Bach wurde ein Musikalienhandel betrieben, für den Anna Magdalena ebenfalls Kopien anfertigte. Eine wichtige Rolle spielte die Ausbildung von Privatschülern, die zum Teil auch im Haushalt der Familie Bach wohnten. Anna Magdalena war nicht nur für deren Unterbringung und Versorgung zuständig. Die Generalbasslehre, die sie in ihr Clavier-Büchlein von 1725 eintrug, zeigt, dass sie auch in Ausbildungsprozesse involviert war. Die von ihr in dieses „Notenbüchlein“ eingetragenen kleinen Stücke eignen sich für die Ausbildung von Anfängern.Eberhard Spree: Die Frau Capellmeisterin Anna Magdalena Bach. Ein Zeitbild. Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2021, S. 91–127.
Es gibt kaum Hinweise auf besondere Liebhabereien Anna Magdalena Bachs. In ihrem Auftrag bestellte ein Verwandter spezielle Blumen und einen Singvogel.Maria Hübner: Anna Magdalena Bach – Ein Leben in Dokumenten und Bildern. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 66–72. Wie intensiv sie diesem Hobby nachging, ist allerdings nicht bekannt. In Leipzig waren in vielen Fensternischen Blumenkästen und Vogelbauer zu sehen.Johann Christian Müller: Meines Lebens Vorfälle und Nebenumstände. Teil 1: Kindheit und Studienjahre 1720–1746. Hrsg. von Katrin Löffler und Nadine Sobirai. Lehmstedt Verlag, Leipzig 2007, S. 47. Es sind zwei Geschenke nachweisbar, die sie machte. In beiden Fällen waren es Bücher.Maria Hübner: Anna Magdalena Bach – Ein Leben in Dokumenten und Bildern. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 75, 82.
Die verwitwete Frau Capellmeisterin