Sedwitz ist eine 2015 von der Produktionsfirma NSA (Neue System Agentur) im Auftrag des Bayerischen Rundfunks und Mitteldeutschen Rundfunks für Das Erste produzierte sechsteilige deutsche Fernsehserie unter der Regie von Paul Harather (Indien, Schlawiner), der zusammen mit Stefan Schwarz (Die Großrussin, Wir sollten uns auch mal scheiden lassen)Über die Serie Das Erste vom 22. September 2015. auch die Drehbücher zu der Serie verfasste.
Gesendet wurde die Serie vom 3. September bis 8. Oktober 2015 jeweils im Wochenrhythmus vom Ersten, dem Bayerischen Rundfunk und dem Mitteldeutschen Rundfunk, wobei die Folgen jeweils montags vor der Ausstrahlung auch im Internet veröffentlicht wurden.
Handlung Laut Einleitung handelt die Serie von „eine[r] Krise, die unsere Welt an den Rand des Abgrunds geführt hätte, eine[r] Krise, die bis heute in den Geheimarchiven Moskaus und Washingtons schlummert“. Jede Episode beginnt mit Auszügen aus Interviews angeblicher ranghoher Geheimdienstdirektoren. Demnach habe „ein einziger Mann“ „einen fabelhaften Plan“ der Sowjetunion „zunichtegemacht“.Beginn der ersten Folge Im Gegensatz dazu dreht sich die eigentliche Handlung um eher alltägliche Dinge, der Bezug zur Weltpolitik bleibt bei vagen Andeutungen.
Im Mittelpunkt steht der DDR-Grenzoffizier Ralle Pietzsch (Thorsten Merten), der 1988 von einem sterbenden Stasi-Führer den Schlüssel zu einem hoch geheimen Tunnel unter der Grenze erhält. Statt den Schlüssel abzugeben, möchte er seinem Sohn den sehnlichsten Geburtstagswunsch erfüllen und ihm einen Zauberwürfel schenken. Doch den gibt es nur im westlichen Teil des fiktiven thüringisch-fränkischen Ortes Sedwitz.
Nur einmal will Ralle in den Westen, doch dann trifft er auf den notorisch arglosen Bundesgrenzschutzbeamten Hubsi (Stephan Zinner), den geschäftstüchtigen Gastwirt Franz Haueisen (Hannes Ringlstetter) und die hübsche Lehrerin Astrid (Judith Richter). Ehe er sich versieht, steckt Ralle in einem Geflecht von Schmuggel, Korruption und Geheimdienstlichkeiten. Sogar die Akte „Kaiserwalzer“ will man ihm verkaufen, bevor sie Russen oder Amerikanern in die Hände fällt. Vor allem erkennen Ralle und seine neuen Freunde langsam, dass sie sich nur behaupten können, wenn die kleinen Leute westlich und östlich der Grenze zusammenhalten.Über die Serie Das Erste vom 22. September 2015.
Charaktere Oberleutnant Ralf „Ralle“ Pietzsch
Thorsten Merten spielt Ralf „Ralle“ Pietzsch, einen ostdeutschen Grenzoffizier. Die Familie steht für ihn an erster Stelle. Dann erst kommt der Job. Und wenn ihn seine Frau Kerstin daran erinnert, dass das Leben in der Sperrzone auch für die Kinder Kathleen und Ole Probleme mit sich bringt, dann nimmt sich Ralle das zu Herzen. Den Zauberwürfel braucht er ganz dringend, um seinen Sohn zum Geburtstag davon abzulenken, dass seine Freunde keine Lust haben, mit ihm in der Sperrzone von Sedwitz zu feiern.Thorsten Merten ist Ralf „Ralle“ Pietzsch Das Erste vom 22. September 2015.
Hubert „Hubsi“ Weisspfennig Stephan Zinner spielt Hubert „Hubsi“ Weisspfennig, den BGS-Grenzbeamten. Grundsätzlich gutmütig nervt er seine Zeitgenossen wie seinen neuen Freund Ralle mit langen Rede-Ergüssen, zum Beispiel über das Verhältnis der Haarfarbe zur sexuellen Lust der Frauen. Immerhin verhilft ihm das bei Frauen wie Debbie Haueisen zu dem einen oder anderen Date im fröhlich wackelnden BGS-Bus.Stephan Zinner ist Hubert „Hubsi“ Weisspfennig Das Erste vom 22. September 2015.
Feldwebel Ingo Schnaider Matthias Jentsch spielt Feldwebel Ingo Schnaider, der für die in Sedwitz stationierten Grenztruppen der DDR unverzichtbar ist. Er funktioniert meistens reibungslos – und bleibt doch unberechenbar. Die gelegentlichen Insubordinationen, wenn er sich mit seinem Vorgesetzten Ralle auf Augenhöhe wähnt, werden von diesem konsequent abgeblockt. Grundsätzlich ist dieser Schnaider ein positiver Mensch, der sich in seiner strukturierten Existenz eingerichtet hat – bis der Weg in den Westen lockt.Matthias Jentsch ist Feldwebel Ingo Schnaider Das Erste vom 22. September 2015.
Gefreiter Dirk Stordel Kevin Wilke ist Gefreiter Dirk Stordel. Er hat keine Chance, aber er nutzt sie. Der Gefreite Dirk Stordel ist der Jüngste in der Truppe. Er wird gern ein bisschen herumgeschubst und -kommandiert. Aber für Stordel ist das Leben so in Ordnung. Bis seine Freundin ihm schreibt, dass sie einen Ausreiseantrag gestellt hat und ihm so zu verstehen gibt, wie wenig ihr an ihm liegt.Kevin Wilke ist Gefreiter Dirk Stordel Das Erste vom 22. September 2015.
Major Neubert Olaf Burmeister spielt Major Neubert, den Kommandanten in Sedwitz. Seine kleinen Zauberkunststücke sollen beweisen, was für ein geschickter Kerl dieser Kommandant doch ist. Dass ihn keiner so richtig für voll nimmt, ahnt Neubert bestenfalls. Er ist viel mehr damit beschäftigt, die Demütigungen des Lebens vor sich und anderen zu begründen. Etwa, wenn er fassungslos zusieht, wie der Kameramann, den er gutmütig eine Leiter an die Mauer lehnen lässt, die Chance zur Flucht ergreift.Olaf Burmeister ist Major Neubert Das Erste vom 22. September 2015.
Astrid Hillebrand Judith Richter ist Astrid Hillebrand. Die Lehrerin ist eine Seele von Mensch und politisch aktiv. Wenn sie mit ihrer Klasse die Grenze besucht, dann hat sie vorher Papierflieger basteln lassen, die dann von der freien in die unfreie Welt segeln als Zeichen an die armen DDR-Bürger, dass man an sie denkt. In Astrid Hillebrands großes Herz passt sogar Ralle, den sie bei seinem ersten Besuch im Westen mit einem Rabenvater verwechselt, dessen Sohn unter der Trennung der Eltern leidet. Er schwärmt ihr gegenüber so liebevoll von seinem Sohn – da schmilzt Astrid dahin und schafft sich im Geiste schon ein großes Doppelbett an. Aber es gibt ein böses Erwachen für sie …Judith Richter ist Astrid Hillebrand Das Erste vom 22. September 2015.
Folgen Folge 1 – Trafo 257 Wir schreiben das Jahr 1988. Das im thüringisch-fränkischen Grenzgebiet gelegene Örtchen Sedwitz ist geteilt. Die Mauer hat Familien und Existenzen vor langer Zeit entzweit. Wenn der Bundesgrenzschutzbeamte Hubert „Hubsi“ Weißpfennig mit Debbie, der attraktiven Gattin des geschäftstüchtigen Gastwirts Franz Haueisen, im Schatten der Mauer ein Stelldichein hat, schauen die DDR-Grenzer Dirk Stordel und Ingo Schnaider eher desinteressiert zu. Das routinierte Ignorieren findet ein jähes Ende, denn Veteran Atze Stahlmann liegt im Sterben. Von den anderen unbemerkt vertraut dieser DDR-Grenzoffizier Ralf „Ralle“ Pietzsch vor seinem Ableben einen Schlüssel an. Der gehört zum Trafohäuschen 257, in dem ein geheimer unterirdischer Gang in den Westen beginnt. Weil er seinem traurigen Sohn Ole mit dem ersehnten Zauberwürfel zum Geburtstag eine Freude machen will, nutzt Ralle den Tunnel für einen ersten Ausflug in den Westen – ohne Wissen seiner Frau Kerstin. Doch das erste Auto, in das er einsteigt, gehört ausgerechnet Hubsi – und der bildet sich eine Menge auf seine Menschenkenntnis ein. Nur dumm, dass Ralles selbstgefälliger Vorgesetzter, Major Neubert, nichts von dessen Aktivitäten ahnt.
Folge 2 – Zauberwürfel Fast wäre der Westausflug von Ralle Pietzsch aufgeflogen. Der BGS-Beamte Hubsi Weißpfennig fuchtelt jedenfalls gefährlich mit seiner Dienstwaffe vor Ralles Nase herum. Doch der redet nur vom Zauberwürfel und dann rettet ihn der Wirt Franz Haueisen, der Hubsi seinen Lottoschein mitgeben will und in seinem Gasthaus wieder krumme Dinge dreht. Major Neubert verliert indessen im Ostteil seinen Glauben ans Fernsehen. Denn statt ihn ordentlich ins Bild zu setzen, nutzt der Kameramann die Gunst der Stunde und türmt per Leiter in den Westen. Ralle lässt sich von Hubsi zur Schule in Coburg chauffieren, wo er endlich den ersehnten Zauberwürfel organisieren will. Doch Ralle landet mitten im Elternsprechtag, wo ihn Bruno Patzelt und Miriam Stendelbrecht in eine absurde Diskussion verwickeln, der sich Ralle durch die Flucht nach vorn in das Sprechzimmer von Lehrerin Astrid Hillebrand entzieht. Die hält ihn für den schwerreichen Vater eines Jungen, dessen Eltern sich trennen wollen. Aber am Ende bekommt Ralle den ersehnten Zauberwürfel. Wieder daheim im Osten, will Ralle endlich den Triumph genießen, dass er den Zauberwürfel für Oles Geburtstagsfeier organisiert hat. Er ahnt nicht, dass der LPG-Boss Schuschke mehr als einen Hintergedanken hat, wenn er Ralles Frau Kerstin ausfragt. Und dann erlebt Ralle eine Überraschung: Beim Grenzkontrollgang mit Schnaider und Stordel entdeckt ihn Hubsi von der anderen Seite des Grenzzauns.
Folge 3 – Echtgeld Während Feldwebel Schnaider und der Gefreite Stordel mit dem Maschinengewehr auf Wildschweinjagd gehen, will Ralle Pietzsch seine Frau Kerstin schick ins Interhotel ausführen. Doch obwohl innen gähnende Leere herrscht, verweigert man dem Ostpaar den Eintritt mangels Westgeld. Von Sigge Wetzel erfährt Ralle, dass man für Antiquitäten im Westen ordentlich Geld kassiert. Beim Versuch aus einer Scheune ein altes Spinnrad zu organisieren, um es im Westen zu Geld zu machen, wird er von Schnaider und Stordel überrascht. Geistesgegenwärtig deklariert Ralle die Aktion zum Test, den seine Untergebenen leider nicht bestanden hätten. In der Kaserne wartet der russische Offizier Wladislaw auf ihn. Er fragt Ralle, ob ihm Atze Stahlmann nicht noch etwas gesagt oder anvertraut hätte – schauderlich übersetzt von Major Neubert. Währenddessen wird Hubsi auf der Westseite von Geheimdienstler Dieter Meyer dazu angehalten, dem Stufe-10-Agenten „Ernst Thälmann“ jede Hilfe zuteilwerden zu lassen. Das Spinnrad, das Ralle im Westen zu Geld machen wollte, wird von Lehrerin Astrid Hillebrand als vermeintliche Spende beim Dorffest angenommen und für 100 DM versteigert. So viel bekommt Ralle dann aber auch, als er beim Preisschießen den Hauptgewinn holt – und danach von der Lehrerin rückhaltlos angehimmelt wird. Astrid steckt ihm sogar ihre Telefonnummer zu. Dabei nutzt Ralle die 100 DM, um endlich mit seiner Frau einen schönen Abend im Interhotel verbringen zu können. Am nächsten Morgen fehlt sein Dienstausweis. Ralle rast zum Trafohäuschen und wird auf frischer Tat von Schnaider und Stordel ertappt.
Folge 4 – Der Mond ist aufgegangen Bei der nächtlichen Grenzkontrolle wird der Gefreite Stordel bei der Vorstellung ganz sentimental, dass seine in den Westen ausgereiste Freundin Anja auch gerade den schönen Vollmond sieht. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Heißluftballon mit Republikflüchtlingen, die entkommen können, da Feldwebel Schnaider seine Munition in eine andere Richtung verschießt. Ralle muss seine Frau Kerstin trösten, die ihm beichtet, dass in ihrer LPG-Kasse 10.000 Mark fehlen. Wenn das Geld in drei Wochen nicht wieder auftaucht, wandert sie für drei Jahre ins Gefängnis. Gleich am nächsten Tag kauft Ralle dem Bauern Sigge Wetzel zwei alte Truhen ab, um sie mit Stordels und Schnaiders Hilfe durch den Tunnel auf die Westseite zu bringen, wo ihnen Franz Haueisen 160 DM plus seine Jeansjacke dafür zahlt. Hubsi Weisspfennig offenbart Ralle auf dem Wirtshausklo, er habe aus höchsten Kreisen erfahren, dass er ein Top-Agent sei und auf seine Hilfe bauen könne. Sofort muss Ralle Hubsis Dienste auch in Anspruch nehmen, denn Stordel ist verschwunden. Ralle lässt sich mit Schnaider nach Hof chauffieren, denn dort will Stordel im Krankenhaus seine Freundin Anja zur Rede stellen. Ralle kann ihn gerade noch von diesem aussichtslosen Unterfangen abhalten und gemeinsam geht es zurück nach Sedwitz – pünktlich zum Wachwechsel. Doch vor dem Tunnel parkt ein Bagger. Die Lage scheint aussichtslos.
Folge 5 – Kaiserwalzer