mini|296px|Kirn vom Loh aus gesehen mini|296px|Kirn von der Kyrburg aus gesehen Kirn an der Nahe ist eine Stadt mit Einwohnern auf einer Fläche von 16,53 km² in der Verbandsgemeinde Kirner Land im Landkreis Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz. Die Ortsteile Kirn-Sulzbach, dreieinhalb Kilometer flussaufwärts im Nahetal, sowie Kallenfels, am Fuße der gleichnamigen Burgruine, kamen 1969 zur Kernstadt. Kirn ist Mittelzentrum für einen Bereich an der Nahe und im Hunsrück.

Geografie Lage Kirn liegt im Nahetal, etwa 15 Kilometer nordöstlich des bereits zum Landkreis Birkenfeld gehörenden Idar-Oberstein. Von der eigenen Kreisstadt Bad Kreuznach ist die Kleinstadt etwa 35 Kilometer südwestlich gelegen.

Nachbargemeinden sind im Norden Oberhausen bei Kirn, im Nordosten Hochstetten-Dhaun, im Osten Meckenbach, im Süden Heimweiler, im Südwesten Bärenbach, im Westen Bergen.

Landschaft Die Landschaft wird geprägt durch das Nahetal und das tief in den Lützelsoon eingeschnittene Tal des Hahnenbachs. Die Talsohlen sind teilweise dicht besiedelt, wohingegen die steilen Hänge im oberen Bereich größtenteils unbebaut und bewaldet sind. An mehreren Stellen ragen frei stehende, bis zu 30 Meter hohe Quarzitfelsen über die Baumkronen hinaus („Kirner Dolomiten“). Besonders markant sind die Oberhauser Felsen, der Kallenfels und die Wehlenfelsen nördlich der Stadt. Die beschauliche Innenstadt wird vom im Hunsrück entspringenden Hahnenbach durchflossen, der wenig später in die Nahe mündet. Das Stadtbild wird geprägt von dem oberhalb des Zentrums gelegenen Steinbruch, der sich bis zur östlichen Stadtgrenze erstreckt.

Klima Der Jahresniederschlag beträgt etwa 540 mm. Die Niederschläge liegen im Lee des umliegenden Berglandes unterhalb der in Deutschland erfassten mittleren Werte. Die trockensten Monate sind Februar und März, die meisten Niederschläge fallen im August. Insgesamt sind die Niederschläge recht gleichmäßig übers Jahr verteilt.

Geschichte mini|Stadt Kirn mit Befestigungsanlagen, 1760 Die im Schnittpunkt wichtiger alter Handelsstraßen (Keltenweg Nahe–Mosel, Naheschifffahrt und Höhenweg Soonwaldsteig) an der mittleren Nahe gelegene Stadt hat sich aus einer vorgeschichtlichen Siedlung entwickelt. Benannt wurde Kirn wahrscheinlich nach dem Kyrbach, dem Oberlauf des Hahnenbachs. Dieser leitet sich vom keltischen Wort keiro- („dunkel“) ab, könnte aber ebenso vom keltischen Wort Kyr („Wasser“) abstammen.Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon, München, 1967/1980, S. 278 Die Weiterentwicklung des Namens könnte parallel zum ahd./mhd. Synonym für Mühle (Kere, Kire → Kern, Kirn) entstanden sein. Durch die Lage am Hahnenbach und an der Nahe war Kirn mit Wasser und durch Wasserkraft angetriebene Getreidemühlen stets reich gesegnet. Beide Gewässer waren außerdem wichtig als Transportweg, zum Gerben des Leders, für den Fischfang, aber auch für Tierzucht und Landwirtschaft und zum Bierbrauen.

Die erste urkundliche Erwähnung Kirns als Chira (ähnlich Kirchberg als Chiriperg) geht auf das Jahr 841 zurück und findet sich in Urkunden des Klosters Fulda. Im 10. Jh. setzten die Salier als Grafen im Nahegau die Emichonen als ihre Untergrafen ein: Beamte, welche die Gerichtsbarkeit ausübten, den Heerbann anführten, die Polizeigewalt besaßen und die königlichen Besitzungen verwalteten. Nach einer auf dem Kyrberg errichteten Burg nannte sich eine Linie dieses Geschlechts in den Jahren nach 1100 Wildgrafen von Kyrburg. Von hier aus verwalteten sie ihre ausgedehnten Güter zwischen Mosel und Pfrimm.

Bei einem Judenpogrom in Kirn (קירא) nach dem Tod des 16-jährigen Werner von Oberwesel wurden am 11. Tischri AM 5048 (21. September 1287) sechs Personen umgebracht.Siegmund Salfeld: Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches (= Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland. Band 3). Leonhard Simion, Berlin 1898, S. 26, 99, 159 und 281 (Digitalisat); Gottfried Kneib: Juden in der kurmainzischen Stadt Sobernheim während des ausgehenden Mittelalters. In: Mainzer Zeitschrift 104 (2009), S. 107–132, bes. S. 107 und 111 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).

Magdalenenhochwasser 1342: Auch in Kirn/Nahe trat im Juli 1342 der Hahnenbach (vormals Kyr (aus dem keltischen für Wasser)) 6 Meter über die Ufer. 23 Menschen starben bei einer damals wohl 3-stelligen Einwohnerschaft. Auch im Hunsrück entstanden dabei große Erosionsschluchten durch vorherige Abholzung der Wälder. Auch 680 Jahre später würde ein Pegel von 6 Meter über normal die Innenstadt in Kirn bis mindestens zum 1. Stock überfluten. In den letzten 50 Jahren wurden Überschwemmungsflächen wie die Kyrau mit Schulen und Häusern zugebaut.

Nach dem Aussterben der Wildgrafen ging die Grafschaft bis 1408 vollständig an die Rheingrafen über, die sich seitdem Wild- und Rheingrafen nannten. Mit dem ersten Tag des 17. Jahrhunderts wurde die Leibeigenschaft der Kirner durch ihre Herren, die Rheingrafen Otto und Adolph Heinrich, gegen eine Entschädigung von 4000 Gulden aufgehoben. Damit war Kirn die erste Stätte eines freien Bürgertums in der Rheingrafschaft.Das malerische und romantische Nahe-Thal und die Rhein-Nahe-Eisenbahn. 2. Auflage, Verlag R. Voigtländer, Kreuznach 1872. Bis zur Besetzung (1794) und Annexion durch Frankreich (1798), war Kirn Hauptort jener Wild- und Rheingrafen, die in den letzten Jahrzehnten ihrer Herrschaft mehrere erhalten gebliebene prachtvolle Gebäude im Zentrum der Stadt errichten ließen. Seit 1743, der Erhebung der Brüder Philipp Joseph und Johann Dominik zu Salm-Kyrburg zu Reichsfürsten, war Kirn die Hauptstadt eines reichsunmittelbaren Fürstentums. Unter Philipp Josephs Sohn Friedrich III., der als Hauptresidenz das Hôtel de Salm in Paris vorzog und während der Terrorherrschaft dort hingerichtet wurde, entstanden in den 1780er Jahren Ansätze, die Stadt zu einer Sommerresidenz auszubauen.

In der Kirner Gegend trieb Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, sein Unwesen. Er wurde 1796 in Kirn verhaftet und erhielt eine Prügelstrafe, konnte aber schon in der ersten Nacht fliehen. Ein Jahr später pflegte Bückler mit der Moselbande wieder seine Kontakte nach Kirn. Von Frühjahr bis Winter 1797 begingen Philipp Ludwig Ernst Mosebach, der Anführer, Bückler, Hannjörg von Lanscheid, Jakob Fink, Johann Niklas Nagel und Johann Niklas Nau zahlreiche Viehdiebstähle. 47 Hammel aus diesen Viehdiebstählen kaufte allein der Metzger Franz Andres aus Kirn.Udo Fleck: Diebe-Räuber-Mörder. Studie zur kollektiven Delinquenz rheinischer Räuberbanden an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Diss. Trier 2003, S. 53 f.

Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurde Kirn 1815 Teil der preußischen Rheinprovinz. Stadtrechte erhielt es erst im Jahre 1857.

Am 4. und 5. August 1875 gab es ein größeres Hochwasser in Kirn, 26 Einwohner der Stadt kamen in den Fluten ums Leben.

Beim Novemberpogrom 1938 wurden fast alle jüdischen Privatwohnungen und zwei Geschäfte durch SA- und NSDAP-Mitglieder unter Führung des Ortsgruppenleiters demoliert. Die Synagoge wurde nicht niedergebrannt, da die enge Bebauung in der Amtshofstraße andere Häuser gefährdet hätten; die Einrichtungsgegenstände wurden herausgerissen und öffentlich verbrannt. Die letzten elf in Kirn lebenden jüdischen Bürger wurden im Sommer 1942 deportiert. Das ehemalige Synagogengebäude wurde um 1950 abgerissen. Am ehemaligen Standort der Synagoge in der Amthofstraße erinnert ein Denkmal an die jüdische Gemeinde und ihr Gotteshaus. Am 6. September 2025 wurden Stolpersteine zur Erinnerung an die jüdischen Einwohner verlegt.

Am 7. Juni 1969 wurden die beiden zuvor selbständigen Gemeinden Kallenfels und Kirnsulzbach eingemeindet.

Konfessionsstatistik Mit Stand 31. Januar 2020 waren von den Einwohnern 44,6 % evangelisch, 23,1 % römisch-katholisch und 32,3 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Kirn Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand Mai 2025 lag der Anteil der evangelischen Bürger bei 37,7 %, der katholischen bei 19,9 % und der Sonstigen bei 42,4 %.Gemeindestatistik (PDF; 0,3 MB), Stadt Kirn, abgerufen am 21. Juni 2025

Einwohnerentwicklung

Politik Stadtrat Der Stadtrat in Kirn besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Bürgermeister als Vorsitzendem.

Sitzverteilung: Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt 2024 8 6 5 5 24 Sitze 2019 10 6 5 3 24 Sitze 2014 13 6 3 2 24 Sitze 2009 11 6 6 1 24 Sitze 2004 11 9 2 2 24 Sitze FWG = Freie Wählergemeinschaft Kirner-Land e. V.

Bürgermeister Frank Ensminger (FDP) wurde am 1. April 2020 Stadtbürgermeister von Kirn. Bei der Direktwahl am 22. März 2020 war er mit einem Stimmenanteil von 58,1 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 52,7 % mit einem Stimmenanteil von 69,4 % ohne Gegenkandidat in seinem Amt bestätigt.

Ensmingers Vorgänger Martin Kilian hatte das Amt des Bürgermeisters seit 2014 hauptamtlich ausgeübt, war zum Jahresende 2019 aber in den vorzeitigen Ruhestand getreten.

Städtepartnerschaften Fontaine-lès-Dijon, Frankreich (seit 10. Mai 1986) Marange-Silvange, Frankreich (seit 7. November 2010)Noch eine Partnerschaft mit einer französischen Stadt. In: Rheinzeitung. 8. November 2010.

Sehenswürdigkeiten mini|Kyrburg mini|Blick vom rechten Naheufer auf die katholische St. Pankratiuskirche; rechts davor der Bahnhof

Evangelische Kirche mini|Blick von der Kyrburg auf Rathaus (links) und evangelische Kirche (rechts)

Die neugotische, ursprünglich dem Hl. Pankratius geweihte evangelische Hallenkirche mit spätgotischem Chor und romanischem Turm aus dem 11. und 12. Jahrhundert wurde 1992/1993 wieder in ihrer ursprünglichen Form und Innenausstattung instand gesetzt. Im Innern befinden sich mehrere sehenswerte Grabmale der Wild- und Rheingrafen. Zwischen 1681 und 1892 diente die Kirche beiden Konfessionen als Simultankirche. Während dieser Phase trennte eine Mauer den vorderen evangelischen Teil vom hinteren Chorraum, der der katholischen Gemeinde vorbehalten war. Nach dem verheerenden Hochwasser von 1875 wurde ein teilweiser Neubau der Kirche notwendig; die katholische Gemeinde entschloss sich aus diesem Anlass zum Bau einer eigenen Kirche am Halmer Weg.

Fürstliche Kellerei Das fürstliche Kellereigebäude entstand um 1771 im Auftrag des Fürsten Dominik von Salm-Kyrburg. Das hufeisenförmige Gebäude, dessen Front das noch im Original erhaltene Wappen der Fürstenfamilie ziert, wurde durch den Baumeister Johann Thomas Petri aus Schneppenbach errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990 beherbergte das Gebäude eine Fruchtsaftkelterei. Nach mehrjährigem Leerstand wurden der linke Gebäudeflügel mit dem Hauptportal 2005 zu einem Hotel mit Restaurant umgebaut. Die restlichen Gebäudeteile dienen Wohnzwecken.

Kyrburg Das Wahrzeichen Kirns ist die oberhalb der Stadt gelegene Kyrburg.

Rathaus alternativtext=Blick über den Marktplatz auf das Rathaus|mini|Marktplatz mit Rathaus Das heutige Rathaus entstand in den Jahren 1752 bis 1771. Der Baumeister Johann Thomas Petri errichtete hier wiederum im Auftrag des Fürsten Johann Dominik ein Piaristenkolleg, das als solches allerdings nur wenige Jahre genutzt wurde. Später diente das Gebäude über ein Jahrhundert als Progymnasium bzw. Realschule, bevor es 1938 von der Stadtverwaltung bezogen wurde. Die ehemalige Klosterkapelle beheimatet heute den Sitzungssaal. Zu dem Gebäude gehört ein Pavillon, der ursprünglich in der weitläufigen Gartenanlage stand. Heute befindet sich das achteckige Gebäude auf der rechten Seite des Hahnenbachs am Marktplatz.

Weitere Sehenswürdigkeiten Bismarcksäule auf dem Gauskopf von 1901 Burgruine in Kallenfels (→ Steinkallenfels) Fachwerkhäuser, insbesondere die ehemaligen Gerberhäuser in der Innenstadt Hellberg (Größte Blockschutthalde nördlich der Alpen)