Rýmařov (deutsch Römerstadt) ist eine Stadt im Okres Bruntál im mährischen Moravskoslezský kraj (Tschechien).

Geographische Lage Die Stadt liegt in den Sudeten im Tal des Podolskybachs (Podolský potok) zwischen den Berghängen des Niederen Gesenkes (Nízký Jeseník) und Altvatergebirges (Hrubý Jeseník), etwa 50 km nördlich der Stadt Olmütz. miniatur|300px|Römerstadt südlich von Breslau, westlich von Troppau und südwestlich von Freudenthal auf einer Landkarte von 1909

Geschichte hochkant|miniatur|Straßenzug im Stadtzentrum Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1351. Die Stadterhebung folgte 1406. Wirtschaftlich bestimmend war für die Stadt zunächst vor allem der Gold- und Silberbergbau. Nach dem Erlöschen der Vorkommen war spätestens ab dem 19. Jahrhundert die Leinenweberei der wichtigste Industriezweig.

Am 15. Oktober 1878 erhielt Römerstadt Bahnanschluss durch die Staatsbahn Kriegsdorf–Römerstadt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Römerstadt eine Oberrealschule, eine Fachschule für Weberei, eine landwirtschaftliche Winterschule, verschiedene gewerbliche Betriebe und war Sitz eines Bezirksgerichts.

Der politische Bezirk Rýmařov kam 1938 nach dem Münchner Abkommen als Landkreis Römerstadt zum Regierungsbezirk Troppau des Reichsgaus Sudetenland des Deutschen Reichs.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam Römerstadt an die Tschechoslowakei zurück. Die deutschmährische Bevölkerung wurde – bis auf wenige Facharbeiter der Industrieunternehmen – mehrheitlich vertrieben (→ Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei).

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1834 2.887 deutsche Einwohner (mit Ausnahme von sechs Evangelischen sämtlich Katholiken)Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren. Topographisch, statistisch und historisch geschildert. Band 5: Ölmützer Kreis. 2. Auflage, Brünn 1846, S. 464–468. 1869 5.014 mit dem Vorort HarrachsdorfK. K. Statistische Central-Commission: Statistische Jahrbuch für das Jahr 1873. Wien 1876, S. 17. 1900 4.762 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig und Wien 1909, S. 99. 1930 5.837 davon 175 Tschechen 1933 6.108 Gemeindegrenzen von 1939 1939 5.858

Am 22. Mai 1947 hatte Römerstadt 4.230 Einwohner.Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 374. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.

Bürgermeister 1896–1899: Hermann Franke 1899–1903: Adolf Steffan 1903–1907: Leopold Rösner 1907–1907: Alois Kutschker 1907–1910: Josef Rücker 1910–1919: Max Springer 1919–1922: Albin Oppler 1922–1938: Viktor Habermann 1938–1942: Gröger 1942–1945: Karl Klos 1946–1947: Ladislav Dragoun 1947–1948: Antonín Malínek 1948–1949: Josef Študent 1949: Richard Plesník 1949–1951: Jaroslav Vávra 1951–1952: Jaroslav Crhonek 1952–1954: Ondřej Rozbroj 1954–1957: Vladimír Liebars 1957–1960: Jaroslav Crhonek 1960–1970: Karel Sklenář 1970–1985: Jiří Toman 1985–1989: Oldřich Vaníček 1989–1994: Miroslav Slováček 1994–2002: Pavel Kolář seit 2002: Petr Klouda

Stadtgliederung Die Stadt Rýmařov besteht aus den Ortsteilen Edrovice (Edersdorf), Harrachov (Harrachsdorf), Jamartice (Irmsdorf), Janovice (Janowitz), Ondřejov (Andersdorf), Rýmařov (Römerstadt) und Stránské (Zechitz).http://www.uir.cz/casti-obce-obec/597783/Obec-Rymarov Grundsiedlungseinheiten sind 8. května, Edrovice, Harrachov, Harrachovský kopec, Holý vrch, Jamartice, Janovice, Janovický les, Janušov (Johnsdorf), Mlýnský vrch, Na stráni, Ondřejov, Pod Novopolským potokem, Rudé armády, Rýmařov-střed, Skalka, Sokolovská, Stráň, Stránské, U nemocnice und Žižkova.http://www.uir.cz/zsj-obec/597783/Obec-Rymarov

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Edrovice, Jamartice, Janovice u Rýmařova, Janušov, Ondřejov u Rýmařova, Rýmařov und Stránské.http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/597783/Obec-Rymarov

Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche Filialkirche (die Lindenkirche genannt) Pfarrhaus (im Renaissancestil gebaut) Rathaus historischer Hauptbahnhof – technisches Denkmal Schloss Janovice mehrere Barockstatuen Das historische Zentrum steht seit 2003 unter Denkmalschutz (památková zóna), obwohl es in den letzten Jahrzehnten maßgeblich umgestaltet wurde. Die schwersten Zeiten erlebte die Stadt zwischen 1955 und 1974, als viele Bürgerhäuser am Marktplatz und zwei Kirchen abgerissen wurden. Nach 1989 begann man die historischen Sehenswürdigkeiten zu restaurieren. Am Marktplatz befindet sich ein Heimatmuseum.

Tourismus Durch Rýmařov verläuft der Bergwanderweg Eisenach–Budapest.

Partnerstädte Schotten, Deutschland Zeil am Main, Deutschland

Söhne und Töchter der Stadt Josef Berger (1891–1947), österreichischer Buchhändler Sebastian Gorčík (* 1995), deutsch-tschechischer Eishockeyspieler Johann Christoph Handke (1694–1774), Barockmaler, geboren in Johnsdorf Eugen Jettel (1845–1901), österreichischer Maler, geboren in Johnsdorf Gina Klaber-Thusek (1900–1983), österreichisch-polnisch-italienische Bildhauerin, Malerin und Grafikerin Wilfried König (1939–2004), deutscher Chemiker Otto Marburg (1874–1948), österreichischer Neurologe Harald von Petrikovits (1911–2010), deutscher Historiker, Archäologe Johann Pohl (1842–1913), österreichischer Agrarwissenschaftler Rudolf Scheinost (1907–1978), deutscher Ingenieur, Konstrukteur und Hochschullehrer Tomáš Ujfaluši (* 1978), tschechischer Fußballspieler

Literatur Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren. Topographisch, statistisch und historisch geschildert. Band 5: Ölmützer Kreis. 2. Auflage, Brünn 1846, S. 464–468. Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks

Website von Rýmařov (tschechisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1351