Whittingham & Mitchel Limited, mitunter kurz als W & M bezeichnet,Nick Walker: A–Z British Coachbuilders: 1919–1960. Herridge & Sons Limited, Shebbear 2007, ISBN 978-0-954-99816-5, S. 187 f. ist ein ehemaliges britisches Unternehmen, das über die Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Branchen tätig war. Bekannt wurde es insbesondere durch seine Aktivitäten zwischen 1931 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als Karosseriebaubetrieb für Automobile, als der Firmensitz im Westen Londons lag.Zum Firmennamen: In der (Fach-)Literatur und auf Internetseiten findet sich auch die Schreibweise Whittingham and Mitchel mit dem Bindewort „and“ statt des Et-Zeichens „&“. Mitunter findet sich auch die Falschschreibung „Mitchell“.

Das Unternehmen war vor allem auf offene, häufig viersitzige Tourer-Aufbauten spezialisiert, baute aber auch sportlich gestaltete Roadster und geschlossene Saloons auf. Der Stil war in der Regel zurückhaltend bis elegant-sportlich. Gegen Ende kamen jedoch auch ausgefallenere, aerodynamisch beeinflusste Limousinen und Coupés mit gerundetem Dach und tief heruntergezogenem Fließheck hinzu.

Anfänglich nutzte die Whittingham & Mitchel Ltd. überwiegend Fahrgestelle der automobilen Mittelklasse, wandte sich in den späten 1930er-Jahren aber verstärkt auch Oberklasse-Modellen zu. Typisch waren Chassis von Wolseley, Rover, Vauxhall, Singer und MG. Seltener, jedoch verstärkt gegen Ende, nutzte Whittingham & Mitchel Fahrgestelle exklusiverer Marken wie Lancia, Alvis, Frazer Nash-BMW, Railton, Allard und in zumindest einem Fall auch Rolls-Royce.

Viele Karosserieentwürfe stammen von dem damals bekannten britischen Designer H. W. Allingham, zu Beginn gelegentlich auch von Freddie March, dem damaligen Earl of March, späteren Duke of Richmond und Begründer der Rennstrecke von Goodwood.

Eine Besonderheit von W & M gegenüber vielen zeitgenössischen Konkurrenten ist der Umstand, dass die Karosserien regelmäßig nicht im Auftrag von Privatkunden entstanden, sondern zumeist in Kleinserie für andere Unternehmen. Der zu Beginn wichtigste Auftraggeber war Eustace Watkins, ein damals sehr erfolgreicher, auf Wolseley-Fahrzeuge spezialisierter Automobilhändler, der für mehrere Jahre auch Eigentümer des Unternehmens Whittingham & Mitchel wurde. Parallel fertigte W & M spezielle Karosserievarianten im Werksauftrag für viele verschiedene Automobilhersteller, für externe Designbüros und weitere große Autohäuser.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlegte W & M den Firmensitz in das Londoner Umland. Es entstanden nur noch einzelne Karosserieaufbauten und das Unternehmen wandte sich bis zu seinem Ende 1964 anderen Tätigkeitsfeldern zu.Das Unternehmen Whittingham and Mitchel auf der Webseite von Grace’s Guide, abgerufen am 12. August 2015 (englisch)

Die Unternehmensgeschichte Die Zwischenkriegszeit miniatur|hochkant=1.3|Ein Wolseley Hornet E W Daytona Sports mit einer offenen viersitzigen Sportwagen-Karosserie von Whittingham & Mitchel aus dem Jahr 1932. Diese Karosserievariante entstand in Kleinserie und wurde exklusiv über das Autohaus Eustace Watkins verkauft. miniatur|hochkant=1.3|Ein Vauxhall 14 ASX Stratford Sports Tourer mit einer offenen viersitzigen Tourenwagen-Karosserie von Whittingham & Mitchel aus dem Jahr 1933. Das Design dieses Sechszylindermodells stammt von H. W. Allingham, der Verkauf erfolgte als Serienmodell über das reguläre Vauxhall-Händlernetz.

Die Whittingham & Mitchel Ltd. wurde 1921 in London gegründet und hatte ihren ersten Firmensitz im Stadtteil Fulham im eher vornehmen Westen der Stadt. Das Unternehmen begann als Blech verarbeitender Betrieb.Nick Walker: A–Z British Coachbuilders: 1919–1960. Herridge & Sons Limited, Shebbear 2007, ISBN 978-0-954-99816-5, S. 187. 1929 erfolgte eine Umstrukturierung mit Kapitalerhöhung, um einen Kraftfahrzeug- und Karosseriebaubetrieb übernehmen zu können.Das Unternehmen Whittingham & Mitchel auf der Webseite von Grace’s Guide unter Bezug auf The Times (Zeitung) vom 7. Juli 1964, abgerufen am 13. August 2015 (englisch)

1931 bezog das Unternehmen größere Räumlichkeiten an der Adresse 126, New King’s Road, Fulham, London S.W. 6,The Autocar (Zeitschrift), Band 71, 1933, S. 629 (englisch) die zuvor einmal von dem Kutschen- und Karosseriebauer Regent Carriage Company genutzt worden waren. Zu dieser Zeit war die W & M Ltd. vor allem als Fahrzeuglackiererei bekannt, weitete das Angebot aber rasch auf den Karosseriebau aus.

Einer der ersten Aufträge dieser neuen Sparte stammte von dem Designer Earl of March, der eine selbst entworfene Karosserievariante des Wolseley Hornet bei W & M bauen ließ. Sie wurde vor allem über Kevill-Davies & March vertrieben, ein Handelsunternehmen für exklusive Automobile, das der Designer mitbegründet hatte.

1932 trat die Whittingham & Mitchel Ltd. erstmals auf der British International Motor Show im Londoner Olympia auf und wurde als Karosseriebauer beschrieben, der auf Sportwagenaufbauten auf Basis des Wolseley Hornet spezialisiert sei. Ausgestellt waren vier Wolseley Hornet E W Daytona Sports. E W stand für den Auftraggeber Eustace Watkins, den zeitweilig größten Wolseley-Händler des Vereinigten Königreichs, und Daytona war ein ergänzender Markenname. Beide Unternehmen waren zu dieser Zeit geschäftlich derart eng miteinander verbunden, dass Eustace Watkins die Whittingham & Mitchel Ltd. schließlich vollständig erwarb. Da das Unternehmen Kevill-Davies & March ein unmittelbarer Wettbewerber von Eustace Watkins war, verlor W & M den Earl of March-Auftrag nach dem Aufkauf durch Watkins an den konkurrierenden Karosseriebauer John Charles & Company.

Dafür konnte Whittingham & Mitchel ab dem Modelljahr 1932/33 den Automobilhersteller Rover für mehrere Jahre als neuen Auftraggeber für eine Reihe offener viersitziger Sportwagen gewinnen, die auf unterschiedlichen Fahrgestellen aufgebaut werden konnten. Von da an galt das Unternehmen in Großbritannien als wichtigster unabhängiger Hersteller von offenen Werkskarosserien. Der nächste und in der Folgezeit größte Kunde war ab 1933 der Automobilhersteller Vauxhall mit verschiedenen Modellen und Karosserievarianten, gefolgt von Singer ab 1934 sowie auf dem Höhepunkt ab 1935 auch British Salmson, MG, Talbot und weitere.Nick Walker, A–Z British Coachbuilders: 1919–1960, Herridge & Sons Limited, Shebbear, Devon, Vereinigtes Königreich, 2007, ISBN 978-0-954-99816-5, S. 188.

Noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gingen jedoch viele größere Automobilhersteller dazu über, weniger Karosserievarianten ab Werk anzubieten und diese aus Gründen der Rationalisierung verstärkt selber zu fertigen. Zudem verloren offene Tourenwagen auch in Großbritannien angesichts der möglichen höheren Geschwindigkeiten und der gestiegenen Komfort-Ansprüche der Kunden zunehmend an Bedeutung. Hinzu kam eine Rezession infolge des sich anbahnenden Krieges.

In den letzten Vorkriegsjahren arbeitete die Whittingham & Mitchel Ltd. daher verstärkt für kleinere, dafür exklusivere britische Automobilhersteller. Vermutlich trennte sich Eustace Watkins in dieser Zeit von dem Unternehmen. Dieses firmierte fortan als Whittingham & Mitchel Motors und war gleichermaßen als Karosseriebauer und Kraftfahrzeug-Reparaturbetrieb tätig.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit miniatur|hochkant=1.3|Ein Allard J1 competition open sports mit einer zweisitzigen Karosserie von Whittingham & Mitchel aus dem Jahr 1946, einer der seltenen Nachkriegsaufbauten dieses Karosserieherstellers.

Während des Zweiten Weltkriegs baute Whittingham & Mitchel Komponenten aus Leichtmetall, darunter Teile für das Jagdflugzeug De Havilland DH.98 Mosquito.Das UnternehmenWhittingham & Mitchel auf der Webseite von Grace’s Guide unter Bezug auf Martin Sharp, Michael C. F. Bowyer, Mosquito, Crecy Books, 1995 und The Times (Zeitung), 7. Juli 1964, abgerufen am 18. August 2015 (englisch)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog W & M nach Staines in der Grafschaft Surrey am westlichen Rand Londons um, während der kleine Automobilhersteller Allard die bisherigen Räumlichkeiten in London als eine von mehreren Fertigungsstätten übernahm. Für kurze Zeit setzte Whittingham & Mitchel den Karosseriebau am neuen Standort in geringem Umfang fort. Neben Allard verblieb als einzig größerer Kunde zunächst noch Sunbeam-Talbot, Folgeaufträge blieben jedoch aus.

Das Unternehmen richtete sich neu aus und spezialisierte sich auf Schiffsausrüstung aus Leichtmetall bis hin zu ganzen Booten. Der Firmensitz und die Produktionsstätte wurden innerhalb Surreys mehrfach verlegt, so zeitweilig nach Byfleet nahe der ehemaligen Rennstrecke von Brooklands und 1956 nach Chertsey. Vorübergehend belieferte der Betrieb auch große Bauunternehmen mit vorgefertigten Bauelementen. 1964, im letzten Jahr als selbständiges Unternehmen, machte der Bau von Schiffen und Schwimmdocks rund zwei Drittel des Umsatzes aus. Das zweite Standbein war zuletzt die Produktion von größeren Einrichtungsgegenständen aus dem Kunststoff Thermoplast wie Wasch- und Spülbecken für Küchen, Waschräume und Badezimmer. Zu diesem Zweck unterhielt Whittingham & Mitchel auch das Tochterunternehmen Robinson Formings Limited in North Hayling.

Ende 1964 wurde W & M schließlich durch das Unternehmen Woods of Colchester aufgekauft und verlor seine rechtliche Selbständigkeit.Das Unternehmen Whittingham & Mitchel auf der Webseite von Grace’s Guide unter Bezug auf The Times (Zeitung), 12. Dezember 1964, abgerufen am 18. August 2015 (englisch)

Die Auftraggeber In den vergleichsweise wenigen Jahren, in denen die W & M Ltd. als Karosseriebauer aktiv war, hatte sie eine ungewöhnlich große Anzahl von Auftraggebern, die zum Teil stark miteinander konkurrierten. Im Mittelpunkt stand die Fertigung von Kleinserien, wohingegen exklusive Einzelstücke die Ausnahme blieben. Zu den Kunden gehörten viele namhafte britische Automobilhersteller, externe Designbüros und mehrere große Automobilhändler, anders als bei vielen anderen Karosseriebauern hingegen im Allgemeinen keine Privatkunden.

Britische Automobilhersteller Unter den Kunden von Whittingham & Mitchel finden sich viele Massenhersteller von britischen Automobilen wie Rover, Vauxhall, Singer und MG, vor allem gegen Ende aber auch verschiedene exklusive Marken wie Rolls-Royce, Lagonda, British Salmson, Alvis, Allard und Railton.

Allard Die Geschäftsbeziehung zwischen der W & M Ltd. und dem jungen Automobilhersteller Allard begann in den letzten Jahren vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Belegt sind jedenfalls offene zweisitzige Sportwagenkarosserien für einen Allard V12 von 1939 mit V-12-Zylindermotor aus dem Lincoln Zephyr, von dem jedoch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nur drei Exemplare gebaut wurden,Michael Sedgwick, Cars of the 1930s, R. Bentley, 1970, S. 355 (englisch) ferner für den Allard J1 Competition Whittingham & Mitchel Open Sports von 1946.Bild eines Allard J1 Competition Whittingham & Mitchel Open Sports auf dem Portal pinterest.com, abgerufen am 18. August 2015 (englisch) Neben W & M arbeitete Allard vor dem Krieg parallel auch mit den Karosseriebauern Coachcraft und Ranalah, danach parallel mit Paramount Sheet Metal. 1946 kleideten W & M und Paramount zusammen sieben Allard-Fahrzeuge ein, 1947 insgesamt 173.Nick Baldwin u. a.: The World Guide to Automobile Manufacturers, Facts on File Publication. Oxford 1987, ISBN 0-8160-1844-8, S. 21.

Die Beziehung zwischen der Whittingham & Mitchel Limited und Allard ist auch deshalb eine besondere, weil Allard nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die vormaligen Werkstätten von W & M in der Londoner New King’s Road als eine von mehreren Fertigungsstätten übernahm.

Alvis