Der Palazzo Farnese liegt im Stadtteil Regola an der Piazza Farnese in Rom. Er ist eines der bedeutendsten Bauwerke der italienischen Renaissance und nach dem Adelsgeschlecht der Farnese benannt. Der erste Bauherr, Kardinal Alessandro Farnese, der spätere Papst Paul III., manifestierte seine dynastischen Machtansprüche durch einen der größten Paläste Roms. Am Entwurf und der Ausführung waren die bedeutendsten Architekten der Zeit beteiligt, wie Antonio da Sangallo der Jüngere, Michelangelo, Giacomo Barozzi da Vignola und Giacomo della Porta. Die Bauzeit erstreckte sich über ca. 75 Jahre.

Die Künstler Daniele da Volterra, Francesco Salviati, Brüder Taddeo und Federico Zuccari, Guglielmo della Porta und andere schufen die wertvolle Innenausstattung. Die Galleria Farnese, ein Freskenzyklus der beiden Künstler Agostino und Annibale Carracci aus Bologna markieren Ende des 16. Jahrhunderts den Übergang in eine neue kunsthistorische Phase, den italienischen Frühbarock. Berühmtheit erlangten die einstmals außergewöhnlichen und reichen Farnesischen Kunstsammlungen, die mehrere Generationen der Familie zusammengetragen hatten. Teile davon befinden sich heute in der Skulpturensammlung im Archäologischen Nationalmuseum Neapel und der Gemäldesammlung im Museo di Capodimonte, ebenfalls in Neapel.

Der Palast ist seit 1874 Sitz der französischen Botschaft in Rom und der École française de Rome.

Lage und Standort Der Palazzo Farnese liegt in der historischen Altstadt im VII. Rione, dem Stadtteil Regola in Rom, nahe dem Campo de’ Fiori. Er erstreckt sich über ein ganzes Straßengeviert und grenzt mit seiner nordwestlichen Seite an die Via dei Farnesi und südöstlich an die Via del Mascherone, die im Zuge des Baus reguliert oder erweitert wurden. Die Hauptfassade ist auf die Piazza Farnese ausgerichtet, die Teil der Gesamtkonzeption des Palastes ist und seine monumentale und repräsentative Wirkung mit unterstreicht. Der Palast reicht in südwestlicher Richtung bis an die Via Giulia, die unter Papst Julius II. um 1508 eingezogene Verbindungsstraße zwischen dem nie vollendeten Palazzo dei Tribunali und dem Vatikan.

Baugeschichte mini|Raffael: Kardinal Alessandro Farnese (Papst Paul III.) mini|Hugues Pinard: Ausschnitt (1555); Palast noch ohne Rückfassade mini|Tempesta: Ausschnitt (1645)mit dem Passetto, dem Palazzetto di Odoardo und der Kirche Santa Maria dell’Orazione e Morte mini|Giuseppe Vasi (1750) Alessandro Farnese, aus niederem Feudaladel stammend, wurde auf Grund der engen Beziehung seiner Schwester Giulia zu Papst Alexander VI. bereits 1493 mit 25 Jahren zum Kardinal-Diakon ernannt. Er verfügte in Rom über keine eigene Residenz. Deshalb mietete er sich in der ehemaligen Residenz des katalanischen Kardinals Pedro Ferriz ein. 1495 erwarb er den Palazzo Ferriz für 5.500 Dukaten von den Augustinern des Klosters Santa Maria del Popolo, die den Palast 1478 geerbt hatten.U.Gnoli: Le Palais Farnèse, S. 202 Alessandro bewohnte den Palazzo Ferriz, von Zeitgenossen bereits als Palazzo dei Farnesi bezeichnet, bis zum Baubeginn des neuen Palastes (1517).U.Gnoli: Le Palais Farnèse, S. 203 Der Palazzo Ferriz, mit der Fassade zur Via della Regola und einem großen Garten an der Tiberseite, lag an einer der beiden Hauptverkehrsadern im westlichen Teil des Campo Marzio, einem in der Renaissancezeit strategisch wichtigen Durchzugsgebiet von Pilgerzügen und Prozessionen und auch Zentrum des städtischen Lebens. Als mächtiger Kurienkardinal pflegte er beste Beziehungen zu den nachfolgenden Päpsten Julius II., sowie seinem Studienfreund Leo X., was ihm eine Reihe weiterer ertragreicher Bistümer und kirchlicher Pfründen eintrug. Dies versetzte ihn in die Lage, umliegende Gebäude und Grundstücke zu erwerben, um einen repräsentativen Palast für sich und seine Familie, insbesondere für seine beiden Söhne Pier Luigi und Ranuccio,Giorgio Vasari: Le Vite 1550, S. 837 erbauen zu lassen. Geplant war ursprünglich eine rechteckige Residenz im florentinischen Stil,Connaissance des’Arts wie sie sich bereits andere römische Adelsfamilien und Kardinäle in Rom hatten erbauen lassen. 1515 erteilte er dem aus Florenz stammenden, 34-jährigen Architekten Antonio da Sangallo dem Jüngeren – Schüler von Donato Bramante und Raffael und als Baumeister von St. Peter tätig – den Auftrag zum Neubau des Palastes. Etwa 1517 begannen die Arbeiten und der Abriss des Palazzo Ferriz.U.Gnoli: Le Palais Farnèse, S. 204 Als der 66-jährige Farnese 1534 zum Papst gewählt worden war, ließ er als Paul III. die Baupläne ändern, um den neuen repräsentativen Erfordernissen und der Inszenierung des Machtanspruchs seiner Familie gerecht zu werden. Die ursprüngliche Planung wurde durch Sangallo zu einer vierflügeligen Anlage erweitert. Das betraf sowohl den Außenbau als auch den Cortile, der von drei auf fünf Arkaden vergrößert wurde, was einem Neubau des Palastes gleichkam.U.Gnoli: Le Palais Farnèse, S. 206Vasari: Le Vite 1568 – Antonio da Sangallo: Rovinate dunque alcune case che gli erano intorno e le scale vecchie, le rifece di nuovo e più dolci, accrebbe il cortile per ogni verso e parimente tutto il palazzo (Nachdem er also einige Gebäude, die im Wege standen und die alten Treppen abgerissen hatte, machte er sie neu und sanfter, erweiterte den Hof auf jeder Seite und gleicherweise den ganzen Palast) Der Papst trieb den Bau des Palazzo wie eine Staatsangelegenheit voran und traf persönlich für seine Errichtung wichtige Entscheidungen.Volker Reinhard: Die großen Familien Italiens, S. 268 Sein Sohn Pierluigi unterzeichnete am 29. März 1541 den Vertrag mit den Maurermeistern, was nichts anderes bedeutet, als dass Sangallo seine neuen Pläne bereits fertig hatte.Leo Bruhns: Die Kunst der Stadt Rom, S. 399

Der endgültige Baukörper wurde von Sangallo als freistehender, dreistöckiger, festungsartiger Außenbau mit einem Atrium und einem Peristyl nach antiken Prototypen, entsprechend Vitruvs Beschreibung des römischen Hauses, angelegt.Vitruv: Buch VI, 3L.Ch. Frommel: Die Architektur der Renaissance in Italien; S. 164 ff. Die Vorbilder für diesen Palasttyp, jedoch in sehr viel kleinerem Ausmaß, finden sich in Florenz, wie der Palazzo Medici Riccardi, der Palazzo Strozzi oder der Palazzo Pandolfini. Die südwestliche Seite des Baukörpers ist auf den Tiber ausgerichtet, während die nordöstlich gerichtete Hauptfassade die Piazza Farnese dominiert. Von Anfang an war ein großer Vorplatz, die heutige Piazza Farnese mit einer Verbindungsstraße zum Campo de’ Fiori geplant. Die gegenüber der Fassade, an der einstigen Via della Regola stehenden Gebäude, darunter eines dem Sigismondo Chigi gehörig, wurden gekauft und abgerissen. In der Ausführung stammen von Sangallo im Wesentlichen die Hauptfassade, die Arkadengeschosse und die unteren Geschosse des Cortile sowie das dreischiffige Vestibül.

Als Sangallo im Jahre 1546 starb, waren die Außenmauern fast fertig. Ein Bericht über den Baufortschritt 1547 an Pierluigi Farnese stellt fest, dass die Fassade bis zu den obersten Fensterreihen mit Ausnahme des Gesims fertig gestellt und die Mehrzahl der Räume bewohnbar seien.U.Gnoli: Le Palais Farnèse, S. 208 Michelangelo übernahm die Bauleitung, wie er auch in St. Peter diese von Sangallo übernahm, bis zum Tod von Papst Paul III. Er erhöhte das dritte Geschoss der Fassade und gestaltete die zentralen Fenster über dem Portal zu einer Ehrenloggia als Blickfang und zentralen Punkt der Fassade um. Er schloss die Fassade mit einem weit ausladenden, umlaufenden Kranzgesims oben ab und ließ dieses um den gesamten Außenbau ausführen. Die Gestaltung des quadratischen Cortile veränderte er durch die Schließung der offenen Arkaden im ersten Obergeschoss an zwei Seiten, was im 19. Jahrhundert auch an den beiden anderen geschah (die Balustraden zeugen noch von der ursprünglichen Gestaltung) und legte das zweite Obergeschoss als eine Fensterfront mit Pilasterordnung an.Stefan Grundmann: Architekturführer Rom, S. 142 In der südwestlichen Verlängerung der Achse vom Hauptportal zum Tiber beabsichtigte er eine Brücke über den Tiber zu schlagen und so eine Verbindung zu den Besitzungen der Farnese in Trastevere zu schaffen.Vasari: Le Vite 1568 – Vita di Michelangelo Buonarroti Fiorentino Der Plan kam allerdings nie zur Ausführung.C.L. Frommel: Die Farnesina und Peruzzis architektonisches Frühwerk, S. 54 Gleichzeitig wurde die erste Freskenbemalung im Palast in Auftrag gegeben: um 1547 wurde der im Gefolge von Michelangelo tätige Daniele da Volterra beauftragt, das Zimmer des Kardinals im Piano Nobile künstlerisch auszugestalten.

Nach dem Tod des Farnese-Papstes im November 1549 wurden die Bauarbeiten an dem riesigen Palast im Auftrag seines Enkels, des Großen Kardinals Alessandro Farnese fortgeführt. Dieser beauftragte 1552 den Bologneser Baumeister Giacomo Barozzi da Vignola, der für die Farnese auch mit bei Ausführung der Villa Farnese in Caprarola und der Kirche Il Gesù in Rom tätig war. Michelangelo hatte seit 1547 die Bauleitung am Petersdom inne und war so kaum mehr verfügbar. Unter Vignola erfolgte die Fertigstellung des rückwärtigen Traktes mit der Galerie und die dem Tiber zugewandte Fassade. Im Auftrag des Kardinals Ranuccio Farnese schuf der Maler Francesco Salviati 1552 die Bemalung der Sala dei Fasti, die 1565 von Taddeo Zuccari vollendet wurde. Als Ranuccio im Alter von 35 Jahren 1565 starb, übernahm erneut sein älterer Bruder der Große Kardinal Alessandro, den weiteren Ausbau des Palastes, obwohl er als Vizekanzler im Palazzo della Cancelleria residierte.

1573 wurde dem aus der Lombardei stammenden Architekten Giacomo della Porta, einem Schüler Michelangelos, die Leitung der Arbeiten übertragen, nachdem Vignola im gleichen Jahr verstorben war. Della Porta vollendete die Gartenfassade mit der offenen Loggia und brachte den Gesamtbau 1589 zum Abschluss – nach fast 75 Jahren Bauzeit, die oftmals aus Geldmangel, wegen dynastischer Konflikte, während des Sacco di Roma und auf Grund anderer Widrigkeiten der Geschichte immer wieder unterbrochen werden musste. Die endgültige Fertigstellung ist in einer Inschrift an der Gartenfassade des Palastes festgehalten mini|links|Inschrift an der Gartenseite: ALEX CAR FARNESIVS VICECAN / EPISCOPVS OSTIENSIS / AEDES A PAVLO III PON MAX / ANTE PONTIFICATVM INCHOATAS / PERFICIT AN MDXXCIX (Alexander Kardinal Farnese, Vizekanzler, Bischof von Ostia hat das von Papst Paul III. vor dessen Pontifikat begonnene Gebäude 1589 fertig gestellt)

Unter Kardinal Odoardo Farnese, einem Sohn des Herzogs von Parma, Alessandro Farnese und Nachkommen der 3. Generation Papst Pauls III., wurde die Innenausstattung des Palastes fortgeführt. Die Brüder Annibale und Agostino Carracci kamen durch die Unterstützung des Hofes in Parma 1595 nach Rom, um die Fresken der Camerino d’Ercole (Kabinett des Herkules) anzulegen. Nach deren Vollendung 1597 erteilte Kardinal Odoardo Annibale Carracci den Auftrag für die Fresken in der Galerie, die unter dem Namen Galleria Farnese in die Kunstgeschichte als Schlüsselwerk der Barockmalerei eingehen sollten. Ein Teil des Plans Michelangelos, den Palast über eine Brücke mit dem anderen Tiberufer zu verbinden, hat Kardinal Odoardo 1603 doch noch ausgeführt, indem er den Passetto über die Via Giulia errichten ließ, der ihm einen bequemen Zugang zu seinem Rückzugsort am Tiberufer, den Palazzetto di Ordoardo, ermöglichte. Nach dem Tod Odoardos 1626 wohnte kein Farnese mehr im Palast, die museale Residenz wurde von den Herzögen von Parma vermietet und als Fundus wertvoller Antiquitäten zur Ausstattung ihrer Villen und Paläste gesehen.