Eschenburg ist eine Gemeinde im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Sie entstand in den 1970er-Jahren als Großgemeinde im Zuge der Hessischen Gebietsreform (siehe dazu Abschnitt „Gemeindebildung“).
Geografie Geografische Lage miniatur|links|Die Eschenburg, der für die Gemeinde namensgebende Berg Eschenburg liegt im Norden des Lahn-Dill-Kreises, etwa 10 km nordöstlich von Dillenburg. Die einzelnen Ortsteile Eschenburgs liegen an der Dietzhölze und ihren Seitentälern. Diese stoßen westlich an die Ausläufer des Rothaargebirges bzw. naturräumlich – wie auch das Dietzhölzetal zum Dilltal gezählte Struth – östlich ans Gladenbacher Bergland. Einzig der Ortsteil Hirzenhain liegt auf etwa 530 m Höhe bereits auf dem Plateau der Bottenhorner Hochflächen des Gladenbacher Berglandes.
Der niedrigste Punkt der Gemeinde liegt mit 275 m in der Dietzhölzaue, den höchsten mit 609 m bildet die Angelburg. Nach diesem Berg ist allerdings die Nachbargemeinde Angelburg benannt, während die hier namensgebende Eschenburg misst und bereits in unmittelbarer Nachbarschaft zur südlichen Grenze zu Dillenburg liegt.
Nachbargemeinden Eschenburg grenzt im Norden an die Gemeinden Dietzhölztal (Lahn-Dill-Kreis) und Breidenbach, im Osten an die Gemeinden Steffenberg und Angelburg (alle drei im Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Süden an die Gemeinde Siegbach, im Südwesten an die Stadt Dillenburg sowie im Westen an die Stadt Haiger (alle im Lahn-Dill-Kreis).
Gliederung Zu Eschenburg gehören die Ortsteile Eibelshausen, das auch Verwaltungssitz ist, Eiershausen, Roth, Simmersbach, Wissenbach und Hirzenhain.
Rund 2000 ha, das sind 43,8 % der Gemeindefläche, sind bewaldet, davon 985 ha Gemeindewald, der Rest ist Staatswald.
Ortsteil Fläche ha Fläche % Eibelshausen 685,8 15,0 % Eiershausen 548,7 12,0 % Hirzenhain 955,8 20,9 % Roth 783,3 17,1 % Simmersbach 722,0 15,8 % Wissenbach 875,4 19,2 % Eschenburg 4571,0 100,0 %
Geschichte Gemeindegebiet Die Besiedlung der Gemeinde kann aufgrund von Funden bis in keltische Zeiten nachgewiesen werden. Die ersten urkundlichen Erwähnungen gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Schon frühzeitig wurde an verschiedenen Stellen nach Erzen wie Silber, Nickel, Kupfer und Eisen sowie nach Schiefer und Diabasstein gegraben. Dies hat zur Folge, dass Verarbeitungsbetriebe wie Hütten- und Hammerwerke entstanden. Erst in jüngerer Zeit konnten bei archäologischen Ausgrabungen die Fundamente einer mittelalterlichen Waldschmiede im Ortsteil Wissenbach freigelegt werden, die als Geotop Teil des Nationalen Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus ist.
Im Ortsteil Hirzenhain gründete der Lehrer Emil Schäfer im Jahr 1923 einen Segelflugverein und legte einen Flugplatz an. Erste Experimente mit selbst gebauten Fluggeräten scheiterten. Bereits im Jahr 1928 gelang es dem Flugpionier Max Kegel einen Flug von über einer Stunde Dauer durchzuführen. 1932 fand der erste öffentliche Flugwettbewerb statt. Der Flugbetrieb musste 1945 eingestellt werden, aber bereits 1951 wurde er mit dem ersten Deutschen Segelfliegertreffen wieder aufgenommen. Im Jahr 1962 wurde der Flugplatz Hirzenhain an seine heutige Stelle verlegt.
Gemeindebildung Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolgte die Gründung der Gemeinde zum 1. Oktober 1971 durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Eibelshausen, Eiershausen und Wissenbach. Der 589 Meter hohe Berg Eschenburg, sieben Kilometer nordöstlich von Dillenburg, gab der neuen Gemeinde den Namen. Kraft Landesgesetz wurden dann die Gemeinden Eschenburg, Hirzenhain sowie Simmersbach und Roth des ehemaligen Landkreises Biedenkopf zur Großgemeinde Eschenburg zusammengeschlossen. Die Inkraftsetzung erfolgte zum 1. Juli 1974 durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt. Für alle sechs Ortsteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Eibelshausen ist die größte Ortschaft in der Gemeinde. Sie übt die Mittelpunktfunktion im mittleren Dietzhölztal aus, ist Verwaltungssitz und Schulort der Haupt- und Realschule mit gymnasialem Zweig für zehn Dörfer der Gemeinden Eschenburg und Dietzhölztal.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Eschenburg 10.273 Einwohner. Darunter waren 446 (4,3 %) Ausländer, von denen 171 aus dem EU-Ausland, 113 aus anderen europäischen Ländern und 52 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 13,3 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 7,2 %.) Nach dem Lebensalter waren 1998 Einwohner unter 18 Jahren, 4386 zwischen 18 und 49, 1998 zwischen 50 und 64 und 1893 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 4045 Haushalten. Davon waren 1028 Singlehaushalte, 1140 Paare ohne Kinder und 1486 Paare mit Kindern, sowie 327 Alleinerziehende und 73 Wohngemeinschaften. In 336 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2502 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1987: 6601 evangelische (= 70,9 %), 1048 katholische (= 11,2 %), 1667 sonstige (= 17,9 %) Einwohner • 2011: 6790 evangelische (= 66,1 %), 910 katholische (= 8,8 %), 2580 sonstige (= 25,1 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Eschenburg erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 47,0 12 48,5 15 48,5 15 46,9 14 52,9 16 52,6 16 24,1 6 33,5 10 32,0 10 38,1 12 29,9 9 34,0 11 17,8 4 18,0 6 19,5 6 15,0 5 15,8 5 9,3 3 11,1 3 – – – – – – – – – – – – – – – – – – 1,4 1 4,2 1 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 48,3 41,7 37,6 36,7 34,4 43,1 mini|Rathaus in Eibelshausen
Bürgermeister
Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Eschenburg neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und fünf weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2005 der parteiunabhängige Götz Konrad. Er wurde als Nachfolger von Walter Jank (CDU), der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidiert hatte, am 19. September 2004 in einer Stichwahl bei 56,7 Prozent Wahlbeteiligung mit 70,8 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgten drei Wiederwahlen, zuletzt im September 2022.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Eschenburg 2022
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2005–2028 Götz KonradGötz Konrad: Ich stelle mich vor 1993–2004 Walter Jank (CDU) 1972–1992 Otto Friedrich Schlemper (CDU) (zuvor Bürgermeister von Eibelshausen) mini|Flagge der Gemeinde Eschenburg
Wappen und Flagge Am 28. Oktober 1983 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:
Die Flagge der Gemeinde zeigt das Wappen auf einem zweigeteilten Flaggentuch in entsprechenden Farben.
Ortspartnerschaften Seit 1990 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Altenfeld, seit 2019 Ortsteil der Stadt Großbreitenbach in Thüringen.
Seit Mai 2018 besteht eine Partnerschaft mit Bečov nad Teplou in Tschechien.
Kultur, Freizeit und Sehenswürdigkeiten
Museen Das Heimatmuseum in Eibelshausen sowie der Kulturkreis Eschenburg-Dietzhölztal bieten Ausstellungen und ein Kulturprogramm.
Sehenswürdigkeiten Über 750 Jahre alt ist das Dorf Hirzenhain. Dort besteht der zweitälteste Segelfliegerverein auf der Welt.
Auf der Gemarkung des Ortsteils Simmersbach erinnert die Philippsbuche an die Rückkehr des Landgrafen Philipp von Hessen aus fünfjähriger spanisch-niederländischer Gefangenschaft am 10. September 1552.
Turn-, Sport- und Freizeitstätten In Eschenburg gibt es viele Sportvereine, in denen man fast alle Disziplinen betreiben kann, vom Fußball, Handball über Leichtathletik bis zum Turnen, Gymnastik, Tennis etc.
Grillplätze und Freizeitanlagen sind in den Ortsteilen vorhanden. Waldlehrpfade, Wanderwege, Vogelschutz- und Landschaftsschutzgebiete laden zu Wanderungen ein.
Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Die größten in Eschenburg ansässigen Unternehmen sind: Bosch Thermotechnik GmbH, Werk Eibelshausen Rittal RGS Großschaltschränke GmbH, Werk Wissenbach Kettenbach Medical Dental GmbH, Eibelshausen Giebeler Kunststofftechnik, Wissenbach IVG Industrieverpackungen, Wissenbach Fritz WEG GmbH Technischer Großhandel, Wissenbach Reich GmbH Armaturen, Wissenbach Westerwald Bio GmbH, Roth
Öffentliche Einrichtungen Freiwillige Feuerwehren in jedem Ortsteil Hallenbad „Freizeitbad Panoramablick“ Jugendzentrum in Eibelshausen Rettungswache (Rettungsdienst Eschenburg GmbH) evangelische oder freie Kindertagesstätten in jedem Ortsteil katholische Kindertagesstätte in Eibelshausen Gemeindebücherei Bürgerhäuser in jedem Ortsteil Mehrzweckhalle in Wissenbach
Bildung Grundschulen in Eibelshausen, Wissenbach, Hirzenhain, Simmersbach und Eiershausen Holderbergschule (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) in Eibelshausen
Persönlichkeiten (Johann) Daniel Müller (* 1716–nach 1786) Violinist, Bratschist, Konzertdirektor und radikalpietistische Religionsstifter, geboren in Eschenburg-Wissenbach Erich Klingelhöfer (1919–1985), Historiker, Altphilologe und Oberstudiendirektor, geboren in Eschenburg-Eibelshausen Klaus Holighaus (1940–1994), Segelflugzeugkonstrukteur und -pilot, geboren in Eschenburg-Eibelshausen Roderich Feldes (1946–1996), deutscher Schriftsteller und P.E.N.-Mitglied, lebte in Eschenburg-Eibelshausen Wolfgang Linsenmaier (* 1949), Richter am Bundesarbeitsgericht, geboren in Eibelshausen Esther Weitzel-Polzer (* 1950), Soziologin und Hochschullehrerin, geboren in Eschenburg Hella Heizmann (1951–2009), christliche Liedermacherin, wirkte in Eschenburg Ingrid Kretz (* 1959), Autorin und Liedtexterin, wuchs in Eschenburg-Wissenbach auf Harry Voss (* 1969 in Eibelshausen), Autor Thomas Rompf (* 1969 in Herborn), Rechtswissenschaftler und bekannter Vertragsarztrechtler (stv. Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Kassenarztrecht) Stefanie Kühn (* 1973), Finanzberaterin und Autorin, wuchs in Hirzenhain auf Tina Hermann (* 1992) Weltmeisterin 2016 im Skeleton, geboren in Eschenburg-Hirzenhain
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Gemeindegründung 1971