Flieden ist eine Gemeinde und ein Dorf im osthessischen Landkreis Fulda.

Geografie mini|rechts|Flieden (Blick vom Weiler Kautz) mini|rechts|Flieden (Blick vom Eisenküppel) mini|Blick auf den Ort Rückers mit der Marien-Wallfahrtskirche "Mariä-Himmelfahrt Rückers", bis zur Säkularisation, die einzige Marien-Wallfahrtskirche im Hochstift Fulda und den abgetragenen und bebauten Eisenküppel

Geografische Lage Der östliche Teil liegt nordwestlich des Landrückens, des Bindeglieds zwischen den Ausläufern des Vogelsbergs im Westen und der Rhön im Osten, im Fliedener Becken. Die südlichen Ortsteile liegen auf dem Landrücken, die westlichen gehören naturräumlich bereits zum unteren Vogelsberg. Diese Mittelgebirgslandschaft mit Mischwäldern und Ackerflächen bietet mit ihren höchsten Erhebungen, dem Knöschen () bei Buchenrod und dem Storker Küppel () beim Oberstork, weite Ausblicke auf die umgebende Landschaft. Die Gemeindefläche hat mit rund 1000 ha einen Waldanteil von 20 %. Der westliche Teil des Hauptortes Flieden wird vom Magdloser Wasser durchflossen. Nahe der TV-Turnhalle unter der Bahnhofsbrücke bildet sich aus dem Zusammenfluss von Magdloser Wasser und Kautzer Wasser die Fliede. Der Fluss verläuft daraufhin im Fliedetal Richtung Norden nach Neuhof und mündet auf der Höhe von Bronnzell in die Fulda.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Flieden liegt am südlichen Rand des Landkreises Fulda und grenzt im Norden an die Gemeinde Neuhof und im Osten an Kalbach. Im Süden grenzt sie an die Städte Schlüchtern und Steinau an der Straße, die beide im Main-Kinzig-Kreis liegen.

Gemeindegliederung Ortsteil Einwohner Flieden 3962 45 % Rückers 1770 20 % Magdlos 739 8 % Döngesmühle 661 7 % Schweben 505 6 % Höf und Haid 344 4 % Struth 357 4 % Buchenrod 307 3 % Stork 204 2 % gesamt 8849 100 % Stand: 31: Dezember 2022 Die Großgemeinde Flieden ist ländlich geprägt und besteht neben dem Hauptort Flieden aus den Ortsteilen Buchenrod, Döngesmühle (mit den Weilern Weinberg, Kellerei und Rückgrund), Höf und Haid (mit den Weilern Berntal, Fuldaische Höfe, Katzenberg, Kautz, Laugendorf, Steinbruch, Stillerz und Untermühle), Magdlos (mit den Weilern Federwisch, Berishof und Langenau), Rückers (mit den Weilern Keutzelbuch und Leimenhof), Schweben, Stork (mit den Weilern Unterstork, Oberstork und Storker Hof) und Struth.

Eine sprachliche Besonderheit bilden die lokalen Präpositionen in Bezug auf die einzelnen Ortsteile. Während es in Fliedener Mundart wie im Hochdeutschen beispielsweise „nach Magdlos“ heißt, ist nach lokaler Umgangssprache der Wortlaut „auf die Döngesmühle“, „auf die Struth“ oder „zum Stork“ korrekt. zentriert|mini|781x781px|Königreich Flieden (Blick vom Trimm-Dich-Pfad)

Geschichte mini|links|Kirchplatz mit alter Schule und Gasthof „Zur Linde“

Die Mark Flieden wurde im Jahre 806 erstmals in einer Schenkungsurkunde von Bewohnern des heutigen Ortsteils Schweben an das Kloster Fulda erwähnt. Neun Jahre später überließ der Bischof von Würzburg, Wolfgar, dem Fuldaer Abt Ratgar das Zehntrecht über die Bewohner Fliedens. Im Jahr 1000 besaß das Kloster Fulda in Flieden 14 Liden und 23 Dreitagsfröner.

Am 29. Dezember 1012 wurde erstmals der Weiler Langenau in einer Urkunde des ostfränkischen Königs und späteren Kaisers Heinrich II. erwähnt. In der Urkunde, die in der Königspfalz in Pöhlde ausgestellt wurde, schenkte Heinrich II. auf Ersuchen des Abts Brantho dem Kloster Fulda einen Forst mit beschriebenen Grenzpunkten.

1160 wurde erstmals der Ortsteil Rückers in den Gesta Marquardi Abbatis des Abtes Markward erwähnt und 1244 fand die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrei statt, die sich über das gesamte Fliedetal erstreckte. Ab 1250 gehörte die Mark Flieden zu dem von Fürstabt Heinrich IV. von Erthal (1249–1261) errichteten Verwaltungsbezirk des Schlosses Neuhof. Flieden war im Hochmittelalter Verwaltungs- und Gerichtssitz mit ersten Stadt- und Bürgerrechten. Die verkehrsgünstige Lage des Ortes an der Via Regia, einer alten Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig (auch „Alte Heerstraße“ genannt), brachte sowohl Vorteile als auch Nachteile. Einerseits verdienten die Bewohner an der Versorgung der Reisenden mit Proviant und Dienstleistungen, andererseits wurden sie durch vorbeiziehende Truppen ungewollt an kriegerischen Ereignissen beteiligt.

1359 wurden zum ersten Mal die Ortsteile Kautz sowie Höf und Haid erwähnt, 1366 Buchenrod und 1386 Magdlos. Ein Bergwerk am östlich von Flieden liegenden Eisenküppel wurde 1465, nachdem es zuvor bereits stillgelegt worden war, erneut in Betrieb genommen. Im ältesten noch vorhandenen Kirchenbuch von 1644 wird ein Kirchendiener und Lehrer genannt, der 53 Schüler aus dem gesamten Pfarrgebiet hatte. Wenig später gab es eine erste Zweigschule in Rückers., von Raimund Henkel

1708 wurden im Urbar 596 Einwohner sowie gewisse Stadt- und Bürgerrechte verzeichnet, die auf eine zunehmende Bedeutung der Gemeinde hinweisen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts litt der Ort unter einer Pestepidemie. Nachdem die Seuche zwei Jahre lang viele Opfer gefordert hatte, gelobten die Bürger im Jahre 1716, den Kreuzauffindungstag als Feier- und Opfertag zu begehen. Der Fliedener Pfarrer Johann Valentin Ignaz Schmidt vermerkte dazu in einer Urkunde von 1722:

Diese Tradition setzte sich bis in die Gegenwart fort; noch heute wird in Flieden am 3. Mai mit einer Prozession zum Pestkreuz und anschließender Messfeier der Verlobte Tag im Gedenken an die Pestepidemie von 1716 begangen.

Im Zuge des Baus der Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen entstand 1867 der Bahnhof Flieden und war zunächst Endbahnhof. 1873 wurde die Verbindung zur Spitzkehre im Bahnhof Elm zur Überwindung des Landrückens weitergeführt. Die Bahnanbindung beförderte die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes. Im Jahr 1882 wurde der Fliedner Darlehenskassenverein gegründet, aus dem die heutige Raiffeisenbank Flieden eG hervorgegangen ist.

Während der Novemberpogrome am 8. November 1938 wurde die Synagoge verwüstet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zogen etwa 1000 Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten nach Flieden.

Großgemeinde Flieden Durch die hessische Gebietsreform wurden die bisher eigenständigen Gemeinden Buchenrod, Höf und Haid, Magdlos und Stork am 1. April 1972 zur Großgemeinde Flieden zusammengeschlossen, Rückers und Schweben folgten durch Landesgesetz am 1. August 1972.

Zur 1175-Jahr-Feier 1981 wurde ein 7,5 ha großer Sport- und Freizeitpark Am Weiher mit Stadion, Paddelteich, Festplatz und Parkanlagen errichtet.

1995 wurde das Gewerbegebiet Flieden-Süd an der B 40 eröffnet, in dem sich unter anderem eine Musterhaussiedlung und eine Logistikzentrale des Pharmalogistikers Grieshaber Logistics ansiedelten. Nachdem die dortigen Gewerbeflächen immer mehr ausgenutzt wurden, ist ein weiteres Gewerbegebiet Flieden-Mitte in unmittelbarer Nähe zur 2007 eröffneten Autobahnanschlussstelle entstanden.

„Königreich Flieden“ Zur Entstehung des überregional bekannten Beinamens „Königreich“ des Hauptortes Flieden gibt es verschiedene Überlieferungen.

Zur Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte meldeten sich junge Männer aus ganz Deutschland zum Kriegsdienst. Ein General fragte seine Truppe, die aus allen Landesteilen kam, nach Namen und Herkunft und die Soldaten nannten dabei jeweils ihre Herkunftsländer Königreich Sachsen, Königreich Westphalen, Königreich Preußen und andere. Unter diesen Soldaten befand sich auch ein Fliedener, der aufgrund der zur damaligen Zeit häufig wechselnden politischen Zugehörigkeit nicht wusste, zu welchem Land sein Heimatort gerade gehörte. Nach kurzem Überlegen soll er gesagt haben: „Johann Adam Klug, Königreich Flieden!“

Die zweite Anekdote handelt von den Bauhandwerkern aus den Dörfern des oberen Fliedetals, die zur Jahrhundertwende im Rhein-Main-Gebiet arbeiteten und „halb Frankfurt“ aufgebaut haben sollen. Weil diese für die Heimreise an den Wochenenden am Frankfurter Hauptbahnhof übermäßig viele Fahrkarten nach Flieden gelöst haben, soll ein Schalterbeamter gesagt haben: „Flieden muss ja ein ganzes Königreich sein!“

Die Krone des „Königreichs“ ist wegen der großen lokalgeschichtlichen Bedeutung ins Fliedener Wappen eingegangen.

Jahr König 1995 Bruno Stupp 1997 Thorsten Bischof 1999 Pascal Beßler 2001 Thomas Wolf 2003 Peter Klug 2006 Simon Müller Zwischen 1995 und 2006 wurde alle zwei Jahre ein König gekürt, der sich im Rahmen des Königreichfestes durch spielerische Aufgaben, Jurybewertung und Publikumswahl gegen Bewerber aus anderen Ortsteilen durchsetzen muss. Zu den Aufgaben des Königs gehört es, Flieden nach innen und außen zu repräsentieren, wobei er einen ähnlichen Status wie Weinköniginnen und andere Majestäten innehat. Die Ausrichtung des Königreichfestes und die Wahl eines neuen Königs sind seit 2006 ausgeblieben.

Ortsname Die Siedlung ist erstmals 806 als „in villa Fliedinu“ nachzuweisen. Der Ortsname geht auf den Fluss Fliede zurück, der erstmals im 8. Jh. als „fluvio Fliedina“ schriftlich bezeugt ist. Es liegt die indogermanische Wurzel *pleut- (rinnen, fließen) zugrunde, die ein häufiges Basismorphem für Hydronoyme in Europa darstellt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1000 14 Liden und 23 Dreitagsfröner 1512 3 Siedler 1516 93 Nachbarn 1708 596 1791 2943 heutige Großgemeinde 1895 1435 1939 2399 1961 3405 1970 3913 1983 7846 ab hier Großgemeinde 2004 8811 2005 8840 2006 8755 2007 8717 2008 8814 Daten + Zahlen – flieden.de 2009 8644 2012 8693 2013 8738 2015 8811

Religion mini|Frontportal der katholischen Pfarrkirche St. Goar mini|Hochaltar in St. Goar

Konfessionsstatistik Die Gemeinde Flieden ist wie fast der gesamte Landkreis Fulda römisch-katholisch geprägt. 2013 waren 74 % der Einwohner römisch-katholisch, 14 % evangelisch und 13 % gehörten einem anderen oder keinem Glauben an. Im Mai 2022 sind 66,2 % der Einwohner römisch-katholisch, 13,0 % evangelisch und 20,8 % gehören einem anderen oder keinem Glauben an.

Katholische Kirche In Flieden bestehen drei römisch-katholische Kirchengemeinden, die zum Pastoralverbund Christus-Erlöser Flieden/Hauswurz des Dekanats Neuhof-Großenlüder im Bistum Fulda gehören:

Der Pfarrei Sankt Goar Flieden mit den Filialkirchen Heilige Familie in Döngesmühle und Herz Jesu in Schweben gehören rund 4400 Katholiken an. Der Fliedener Ehrenbürger Pfarrer Gerhard Benzing war 33 Jahre in der Pfarrei tätig und blieb nach seiner Pensionierung bis zu seinem Tod am 10. Mai 2008 in Flieden.Glocken läuteten! Ehrenbürger und Pfarrer Gerhard BENZING (76) verstorben – Osthessennews.de Die Pfarrei Mariä Himmelfahrt Rückers wurde mit Urkunde vom 14. November 1872 durch den Fuldaer Bischof Christoph Florentius zur eigenständigen Pfarrei Rückers erhoben. Erstmals erwähnt wurde die als Wallfahrtskirche bekannte Kirche in Rückers bereits im Jahr 1451. Die Pfarrei Sankt Josef Magdlos gehört ebenfalls zur Großgemeinde und zum Pfarrverbund.

Evangelische Kirche mini|Die Evangelische Kirche in Flieden Das Gebäude der evangelischen Kirche diente bis 1938 als Synagoge, deren Innenraum in der Reichspogromnacht zerstört wurde. Im Zuge einer Innenrenovierung ab 2018 wurden mittels einer Spende der US-Bürgerin Marie Ariel durch den US-Künstler Barney Zeitz, der deutsche Vorfahren hat, neue Fenster gestaltet, um die Erinnerung an die Vergangenheit dieses Bauwerks lebendig zu halten.

Gemeindepfarrer der zur evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gehörenden Evangelischen Kirchengemeinde Flieden-Neuhof (Pfarrbezirk 2) ist seit dem 15. August 2008 Holger Biehn. Der Pfarrbezirk der Kirchengemeinde erstreckt sich über das gesamte Gemeindegebiet sowie die zu Neuhof und Kalbach gehörenden Ortsteile Eichenried, Hauswurz, Kauppen, Rommerz, Veitsteinbach und Weidenau.

Ökumenischer Jakobsweg