Der Bundesverband Lebensrecht (BVL) ist ein 2001 gegründeter Zusammenschluss deutscher Lebensrechtsgruppen mit Sitz in Berlin. Hauptaktivität des Vereins ist die Organisation des jährlich stattfindenden Marsches für das Leben in Berlin. Vorsitzende ist seit 2017 Alexandra Maria Linder.

Vereinsziele und Tätigkeit Ziel des Vereins ist laut Satzung das gemeinsame Eintreten „für den Schutz der Würde und des Lebensrechts ungeborener und geborener Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod.“ Basis der Zusammenarbeit seien die Menschenrechte und „die elementaren Grundrechte der Verfassung, in denen das biblisch-christliche Menschenbild seinen Ausdruck findet“.Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 61 f.

Der BVL veranstaltet seit 2002 regelmäßig den „Marsch für das Leben“ in Berlin, zunächst unter dem Titel „1000 Kreuze für das Leben“. Diese Demonstration gilt als wichtigste öffentliche Aktionsform der Lebensrechtsbewegung in Deutschland.Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 48 f.

Außerdem organisiert der BVL Weiterbildungen und Symposien und betreibt Lobby-Arbeit. Das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin geht von einer „hervorragende[n] Vernetzung des BVL in die wichtigsten funktionstragenden Kreise der Politik und Kirche“ aus.Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 62

Nach Angaben des BVL würden in Deutschland unter Einbezug einer nach Angabe des BVL hohen Dunkelziffer werktäglich 1000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Diese Zahl ist in der Lebensrechtsbewegung symbolisch aufgeladen.Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 11 So führt der Bundesverband Lebensrecht bei dem Marsch für das Leben 1000 Kreuze mit, die die Abtreibungen symbolisieren sollen. Die Daten des Statistischen Bundesamtes liegen weit darunter. So wurden 2023 rund 106.000, das heißt etwa 460 Schwangerschaftsabbrüche pro Werktag gemeldet.Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 24. April 2024

Geschichte Der Verband wurde 1988 zunächst als „Kölner-Kontakt-Kreis“ gegründet, 1991 in „Kontakt-Stelle Lebensrecht“ und 1994 in „Arbeitsgemeinschaft Lebensrecht“ umbenannt, bevor im Jahr 2001 die Vereinsgründung als „Bundesverband Lebensrecht e. V.“ erfolgte. Gründungsvorsitzende (2001–2009) war die Ärztin Claudia Kaminski, die den Verband bis 2009 leitete und bis 2016 insgesamt 20 Jahre Vorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle war. Claudia Kaminski gründete den BVL gemeinsam mit Johanna Gräfin von Westphalen, Hartmut Steeb u. a. Nachfolger wurde 2009 der Journalist Martin Lohmann, der den Verband bis 2017 anführte. Seit 2017 ist Alexandra Maria Linder Vorsitzende.

Vorstand Der Vorstand besteht aus:https://www.bundesverband-lebensrecht.de/ueber-uns/ Alexandra Maria Linder (Vorsitzende) Paul Cullen (Stellvertretender Vorsitzender, Vorsitzender des Vereins „Ärzte für das Leben“) Elisa Ahrens (Stiftungsmanagerin bei der „Stiftung Ja zum Leben“) Susanne Wenzel (Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben) Dr. Georg Dietlein (im „Vorstand der Juristen-Vereinigung Lebensrecht e. V.“) Andreas Düren (im Vorstand von „sundaysforlife e. V.“) Albrecht Weißbach (Geschäftsführer des Vereins „Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren“ – KALEB e. V.)

Mitgliedsverbände 2022 sind 16 Organisationen im BVL organisiert:

Ärztevereinigung St. Lukas e. V., Essen Aktion Lebensrecht für Alle e. V. (ALfA), Augsburg Ärzte für das Leben e. V., Marktoberdorf Christdemokraten für das Leben e. V. (CDL), Münster Durchblick e. V., Östringen Europäische Ärzteaktion in den deutschsprachigen Ländern e. V., Salzburg Institut für Ethik & Werte, Gießen Juristen-Vereinigung Lebensrecht e. V. (JVL), Köln Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren e. V. (KALEB), Berlin Lebensrecht Sachsen e. V., Zwönitz Pro Conscientia e. V., Heidelberg Rahel e. V. – Erfahrungen nach Abtreibung, Rheinstetten Stiftung Ja zum Leben, Meschede sundaysforlife e. V., Augsburg Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen e. V. (TCLG), Stuttgart Weißes Kreuz e. V., Kassel

Ehemalige Mitglieder: Arbeitskreis Lebensrecht und Familie, AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie, Christen für Deutschland, Berlin (im März 2015 mit der Partei Bibeltreuer Christen zum Bündnis C – Christen für Deutschland fusioniert) pro mundis e. V., Bonn

Kritik Im Oktober 2010 veröffentlichten 30 Organisationen – darunter der Bundesverband von pro familia, die Giordano-Bruno-Stiftung und der Humanistische Verband Deutschlands – einen offenen Brief an die Mitglieder des deutschen Bundestages, in dem sie sich gegen die Unterstützung des Bundesverbandes Lebensrecht durch Annette Schavan, Karl-Theodor zu Guttenberg, Peter Müller und weitere prominente Mitglieder der CDU und CSU aussprachen. Bei den Teilnehmern des Marsches für das Leben handle es sich ihrer Ansicht nach um Abtreibungsgegner mit einem „fundamentalistisch-christlichen Weltbild“, die das Ziel des ausnahmslosen Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen verträten, „auch bei Schwangerschaften, die durch Vergewaltigung und Inzest ausgelöst wurden oder die Gesundheit der Frau beeinträchtigen“. Die Ziele des Verbandes seien „zutiefst undemokratisch“, so die Verfasser. Zudem unterhalte er „offenkundig Kontakte zu rechtsextremen Organen“, zu denen nach Auffassung der Unterzeichner die Wochenzeitung Junge Freiheit zähle. Kritik an den jährlichen Demonstrationen übten auch verschiedene Politiker von Bündnis 90/Die Grünen, u. a. Monika Lazar. Die ALfA setzt sich nach eigener Darstellung differenziert mit Schwangerschaftsabbrüchen in Ausnahmesituationen, wie nach einer Vergewaltigung, der nicht gegebenen Lebensfähigkeit des Ungeborenen und lebensbedrohlichen Umständen der Schwangeren auseinander.

Die Politikwissenschaftler Astrid Bötticher und Miroslav Mareš ordnen den BVL dem religiösen Extremismus zu. Alexandra Maria Linder, die Vorsitzende des BVL, äußerte in einem Interview nach dem Vorwurf des christlichen Fundamentalismus beim „Marsch für das Leben“ gefragt, dass sie dies als Versuch sehe, durch Totschlagdiffamierung das ganze zu diskreditieren.

Die Juristin und Geschäftsführerin des Familienplanungszentrums Balance in Berlin, Sybill Schulz, führt das Erstarken der Abtreibungsgegner auf das Zurückdrängen der sexuellen Selbstbestimmung zurück. Zudem gebe es wieder ein starkes Gefühl von Schuld unter den Frauen, wenn sie ungewollt schwanger würden. Die Märsche in verschiedenen Großstädten Deutschlands bezeichnet Schulz als „kampagnenartiges radikales Vorgehen“. Die BVL-Vorsitzende, Alexandra Maria Linder, spricht hingegen im Kontext von pränatalen Bluttests, Leihmutterschaft und Spätabtreibungen von extremistischen Reaktionen und Forderungen, die durch eine Mischung aus falsch verstandenem Feminismus und „moderner“, rücksichtsloser Selbstverwirklichung begründet seien.

Weblinks

Literatur

Kirsten Achtelik, Eike Sanders, Ulli Jentsch: Kulturkampf und Gewissen: medizinethische Strategien der „Lebensschutz“-Bewegung. Verbrecher Verlag Berlin 2018, ISBN 978-3-95732-327-9.Rezensionen von „Kulturkampf und Gewissen“. In: Perlentaucher.de.

Einzelnachweise

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