mini|Mick Jagger (2022) mini|Mick Jaggers Sprechstimme, Interviewausschnitt von 2012
Sir Michael „Mick“ Philip Jagger (* 26. Juli 1943 in Dartford, Grafschaft Kent, England) ist ein britischer Musiker, Sänger und Songwriter. Berühmt wurde er als Frontmann der britischen Rockgruppe The Rolling Stones. Jagger spielt Mundharmonika, Gitarre und Klavier. Er wirkte auch als Schauspieler, Produzent und Komponist bei mehreren Filmen mit. Er gilt als „Inbegriff des ewig jungen Rockstars“.
Leben mini|Mick Jagger Centre, ein von Jagger unterstütztes Musik- und Kulturzentrum auf dem Gelände der Dartford Grammar School Michael Jaggers Vater, Basil Fanshawe „Joe“ Jagger (1913–2006), stammte aus Nordengland und war Sportlehrer am städtischen Strawberry-Hill-College und Fitnessexperte, der auch bei Mick Jagger sportlichen Ehrgeiz bewirkte. Seine Mutter Eva Ensley Mary Jagger (geborene Scutts, 1913–2000) kam als Teenager von Australien nach England und arbeitete gelegentlich als Avon-Beraterin. Sie sorgte dafür, dass in der Familie Hausmusik betrieben wurde. Mick Jagger war der erste Sohn seiner Eltern. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Christopher „Chris“ Jagger (* 19. Dezember 1947) ist ebenfalls Musiker geworden. Das Elternhaus von Mick Jagger – damals wurde er noch „Mike“ genannt –, eine Doppelhaushälfte, blieb bei den Luftangriffen im Sommer 1944 verschont. Jagger besuchte zunächst die Wentworth Primary School und wechselte dann auf die Dartford Grammar School for Boys, wo sein Vater gegen Ende der 1950er Jahre ein Basketballteam zusammenstellte, dessen Mannschaftskapitän Mick Jagger wurde. Nachdem Mick Jagger und sein Schulfreund Dick Taylor im März 1958 ein Konzert von Buddy Holly and the Crickets in Manchester besucht hatten, begannen beide selbst Musik zu machen. Von Chuck Berry war Jagger begeistert, seit er 1960 Bert Sterns Dokumentation „Jazz on a Summer’s Day“ gesehen hatte, in der Chuck Berry „Sweet Little Sixteen“ sang. Mick Jagger und Dick Taylor gründeten mit Bob Beckwith, die Blues-Band „Little Boy Blue and the Blue Boys“, in der Jagger die Rolle des Sängers übernahm. Im Gemeindesaal von Dartford trat er mit dieser Band erstmals öffentlich auf.Marc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen); deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 27–34 und 36–37.
The Rolling Stones mini|Mick Jagger, 1965 mini|Bei einem Auftritt der Rolling Stones in den 1970er Jahren mini|Mit den Rolling Stones 2005 in Toronto
Bereits als Jugendlicher lernte Jagger Keith Richards kennen, der ebenfalls in Dartford aufgewachsen ist und dort die Wentworth Primary School besuchte. Im Frühherbst 1961, in Jaggers Studienzeit an der renommierten London School of Economics and Political Science (LSE), trafen sich Jagger und der inzwischen 17-jährige Keith Richards zufällig wieder, als sie beide auf den Zug warteten. Jagger, der sich auf einer Heimfahrt vom Hough-Street-Campus der LSE befand, hatte ein paar Schallplatten (darunter Blues von Muddy Waters und Rock ’n’ Roll von Chuck Berry) dabei,Marc Spitz: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. 2012, S. 37–38. und so unterhielten sie sich über Musik und verabredeten sich schließlich, um mit Freunden Blues und Rock ’n’ Roll zu spielen.
Vorzugsweise an den Wochenenden fuhren Jagger und Richards von Dartford nach London, um in den angesagten Clubs der Stadt Live-Musik zu hören. So trafen sie auf Alexis Korner, spielten von Zeit zu Zeit in dessen Band Blues Incorporated mit, die regelmäßig samstags im Ealing Club und dann daneben auch donnerstags im Marquee Club auftrat, und lernten den aus Cheltenham stammenden Gitarristen und Mundharmonikaspieler Brian Jones und dessen Freund Ian Stewart kennen.Marc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen); deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 42–43 und 48. Zusammen mit Brian Jones gründeten sie The Rolling Stones. Die Band hatte im Juli 1962 ihren ersten Auftritt im Marquee Club an der Londoner Oxford Street.
Mick Jagger und Brian Jones sowie später auch Keith Richards bezogen damals ein kleines möbliertes Apartment in der Edith Grove in Chelsea (London). Ihr erstes Engagement hatten die „Stones“ 1963 im Crawdaddy Club.Marc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen); deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 46 und 52–53. Mick Jagger als Sänger und Keith Richards an der Rhythmusgitarre führten die Gruppe zu Weltruhm. Jaggers markante Stimme wurde zum Markenzeichen der Stones. Für seine Bühnenshow als extrovertierter Frontman war James Brown Vorbild.Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book. 20 der schönsten Songs für Akustikgitarre. Gerig Music, ISBN 3-87252-249-3, S. 24. Mick Jagger und Keith Richards komponierten zusammen hunderte Lieder, darunter Klassiker wie Tell Me, The Last Time, (I Can’t Get No) Satisfaction, Paint It Black, Lady Jane, Under My Thumb, Out of Time, Ruby Tuesday, Sympathy for the Devil, Jumpin’ Jack Flash, Street Fighting Man, Honky Tonk Women, Gimme Shelter, You Can’t Always Get What You Want, Brown Sugar, Wild Horses, Angie und Start Me Up. Die Musikzeitschrift Rolling Stone würdigte diese Songwriting-Partnerschaft mit Rang sechs in ihrer Liste der „100 größten Songwriter aller Zeiten“. In einer weiteren Liste des von dem eng mit Jagger befreundeten Jann Wenner herausgegebenen Magazins belegt Jagger Rang 16 der „100 größten Sänger aller Zeiten“. Im Musikmagazin Blender nahm Jagger, der in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wie Brian Jones und Keith Richards LSD konsumiert hatte, den Rang 13 in der 2003 veröffentlichten Liste der 50 schlimmsten Rockstars aller Zeiten ein.Marc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen); deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 13 und 99–101.
Andere musikalische Projekte mini|links|Mick Jagger (1982)
Im Jahr 1972 wirkte er bei Carly Simons Anfang 1973 erschienenem Song You’re So Vain (erstmals musikalisch unabhängig von den Stones) als Sänger beim Refrain nach der zweiten Strophe mit (Simon und er hatten sich im Mai 1971 bei einer Party anlässlich der Veröffentlichung von Brown Sugar kennengelernt). Als begehrter Gesangspartner beteiligte er sich auch an Musikveröffentlichungen von Daryl Hall, Michael Jackson (um 1984 beim selben Label wie die Stones unter Vertrag), John Lennon, Bette Midler und John Phillips.Marc Spitz: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. 2012, S. 196–209 (The Ballad of a Vain Man) und 250. Sein erstes Soloalbum, She’s The Boss, das 1985 erschien, war so erfolgreich, dass Jagger weitere Soloaktivitäten plante. So trat er anlässlich des Live-Aid-Konzerts am 13. Juli 1985 mit Tina Turner in Philadelphia auf. Zusammen mit David Bowie veröffentlichte er Dancing in the Street. Die Single erreichte international Top-Positionen, das Video zum Lied fand viel Beachtung, und für das Live-Aid-Projekt gab es die Erlöse aus den Verkäufen.
Die Solokonzerte im März 1988 in Japan sowie im September und Oktober 1988 in Australien, bei denen auch sehr viele Stones-Klassiker zu hören waren, brachten Keith Richards derart in Rage, dass eine gemeinsame Zukunft der Glimmer Twins mit den Rolling Stones kaum mehr möglich schien.
Im Jahr 1993 trat er in New York mit Songs aus seinem Solo-Album Wandering Spirit auf.Marc Spitz: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. 2012, S. 291.
Im Mai 2011 gründete Jagger seine neue Band SuperHeavy. Bandmitglieder sind neben dem Eurythmics-Gitarristen David A. Stewart die Solokünstler Joss Stone, A. R. Rahman sowie Damian Marley.
Aktivitäten im Filmgeschäft Neben der Musik war Jagger auch immer wieder im Filmgeschäft tätig. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte er im Herbst 1957 als Vierzehnjähriger gemeinsam mit seinem Vater in einer Folge der BBC-Sendung Beeing Sport über Turnschuhe.Marc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen); deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 32. In Nicolas Roegs Kultthriller Performance hatte er 1968 an der Seite von Anita Pallenberg seine erste Hauptrolle. Aus dem Film-Soundtrack stammt ein Lied, das immer wieder aufgeführt wird, wenn es um Beispiele für Mick Jaggers Gesangsleistungen geht: Memo from Turner, in dem die Zeile „The baby’s dead, my lady said“ auf die im Sommer 1968 geschehene Fehlgeburt des Kindes von Faithfull und ihmMarc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen); deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 156–157 und 318. anspielt. Es folgte ein Film von Tony Richardson über den australischen Outlaw Ned Kelly, in welchem Jagger die Titelrolle und Marianne Faithfull dessen Schwester spielt. In der ersten, unvollendeten Fassung von Werner Herzogs Film Fitzcarraldo spielte Jagger die Nebenrolle des Wilbur. Nach einer Unterbrechung der Dreharbeiten musste er jedoch wegen einer Tournee mit den Stones auf eine Fortführung der Arbeit verzichten. Da Herzog Jagger nicht durch einen anderen Schauspieler ersetzen wollte, strich er die Rolle aus dem späteren Film. Eine Szene mit Jagger ist in Werner Herzogs Mein liebster Feind enthalten. Gute Kritiken erhielt der Science-Fiction-Film Freejack. Mick Jagger sang 1987 das Titellied Ruthless People des gleichnamigen Films. Er betätigte sich auch als Filmproduzent (Enigma – Das Geheimnis) und -komponist (2004-Remake von Alfie). Für das Filmlied Old Habits Die Hard erhielt er 2005 den Golden Globe. Zuletzt arbeitete Jagger neben Martin Scorsese als Produzent der HBO-Serie Vinyl. Mick Jagger gründete zudem seine eigene Produktionsfirma Jagged Films, die neben Enigma unter anderem auch The Women – Von großen und kleinen Affären produzierte sowie bei der Produktion von Get on Up beteiligt war.Marc Spitz: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. 2012, S. 275–276 und 283.
Image und Privatleben mini|Mick Jagger und Marianne Faithfull, 1967
Neben der Anerkennung für seine künstlerische Arbeit fand in der Boulevardpresse auch immer Jaggers Privatleben Beachtung. Ab 1962 war seine erste feste Freundin Chrissie Shrimpton, die Schwester der damals berühmten Jean Shrimpton, was durchaus zum Bekanntwerden Jaggers und der Rolling Stones beigetragen hat. Wie Keith Richards zog er 1965 aus der Wohngemeinschaft Oldham und Chrissie Shrimpton aus. Zu seinen Affären gehörten unter anderem auch Anita Pallenberg, Pamela Des Barres, Bebe Buell und Pattie Boyd, Carla Bruni und Sophie Dahl sowie Jerry Hall. Ab 1966 hatte er mit der Sängerin Marianne Faithfull, der Ehefrau von John Dunbar, eine Liebesbeziehung. Mit Faithfull lebte Jagger in einem Stadthaus am Cheyne Walk. Im siebten Schwangerschaftsmonat erlitt Faithfull eine Fehlgeburt der im Herbst 1968 erwarteten Tochter Corrina. Später erwarb Jagger ein eigenes Anwesen in Newbury.Marc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen); deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 50–52, 74–83, 86, 100, 123–124, 145, 156, 235–238 und 240–241.