mini|Schema der Morsezeichen Der Morsecode (auch: Morsealphabet oder Morsezeichen genannt, selten geschrieben auch: Morsekode)wikt:Morsecode ist ein früher sehr gebräuchlicher Telegrafencode zur telegrafischen Übermittlung von Buchstaben, Ziffern und weiterer Zeichen. Er bestimmt das Zeitschema, nach dem ein diskretes Signal ein- und ausgeschaltet wird. Benannt ist er nach Samuel Morse, der jedoch nicht die heute gebräuchliche Form des Codes vorschlug, sondern eine deutlich davon abweichende Vorform desselben (siehe auch: Amerikanischer Morsecode).

Der Morsecode wurde nach einigen kleineren Änderungen an der Kodierung der Buchstaben und kompletten Änderung der Zahlen, auf der International Telegraph Convention bei der dritten und letzten Sitzung am 17. Mai 1865 in Paris von der International Telegraph Union (dt. Internationaler Telegraphenverein) dem dem Vorläufer der heutigen ITU (en. International Telecommunication Union) verabschiedet. In der drahtlosen Funktechnik bezeichnet man die Verwendung von Morsezeichen (unter Zuhilfenahme einer Morsetaste oder Terminals) auch als Funktelegrafie, Tastfunk oder kurz und prägnant als CW (Continuous Wave), wobei Continious Wave (CW) von der ITU unter Modulationsarten für einen umodulierten Träger mit A0 spezifiziert ist. Die Tastung eines unmodulierten Trägers wird als On Off Keying of a Carrier (OOK, dt. ein-/Aus-Tastung eines unmodulierten Trägers) mit A1 bezeichnet.

Geschichte

Morse begann ab 1832 mit der Entwicklung seines Electromagnetic Telegraph und des Codes zur Übertragung von Nachrichten über Drahtleitungen. Der um ca. 1837 vorgestellte Code nutzte definierte Längen für Punkte, Striche und Pausen zwischen Buchstaben, Ziffern und Zeichen entsprach aber noch nicht ganz dem heutigen von ITU standardisierten morse-Code Die Informationen wurden über Drahtleitungen übertragen und vom Empfänger auf einem fortlaufend transportierten Papierstreifen wurden die empfangenen Punkte, Striche und Pausen im Morsecode aufzuzeichnen. Die Bediener der Morse Telegraphen lernten jedoch rasch aus den Klicks bei der Aufzeichnung die gesendeten Morsezeichen zu dekodieren.

Erst später wurden Morsezeichen auch als Tonsignal, als Funksignal, als elektrischer Puls mit einer Morsetaste über eine Telefonleitung, mechanisch oder optisch (etwa mit blinkendem Licht) übertragen werden – oder auch mit jedem sonstigen Medium, mit dem zwei verschiedene Zustände (wie etwa Ton oder kein Ton) eindeutig und in der zeitlichen Länge variierbar dargestellt werden können. Dieses Übertragungsverfahren nennt man Morsetelegrafie.

Das manchmal bei Notfällen beschriebene Morsen, durch Klopfen an metallischen Verbindungen, erfüllt diese Forderung daher nur bedingt, ist aber mit einiger Übung aufgrund des charakteristischen Rhythmus von Morsezeichen verständlich. Es ist abgeleitet von den „Klopfern“ aus der Anfangszeit der Telegrafentechnik, bestehend aus einem Elektromagneten mit Anker in einem akustischen Hohlspiegel. Beim Einschalten erzeugte er ein lautes und beim Abschalten ein etwas leiseres Klopfgeräusch. So konnte man den Klang der Morsezeichen schon vor der Erfindung des Lautsprechers selbst in größeren Betriebsräumen hörbar machen.

Ursprung mini|Morses erster Apparat (1837) mini|Der Amerikanische Morsecode Samuel Morse erfand 1837 einen einfachen elektromagnetischen Schreibtelegrafen. Der verwendete Code umfasste bei ihm damals nur die zehn Ziffern. Die übertragenen Zahlen mussten mit Hilfe einer Tabelle in Buchstaben und Wörter übersetzt werden.

Alfred Lewis Vail, ein Mitarbeiter Morses, entwickelte ab 1838 den ersten Code, der auf Buchstaben basierte. Neben „Punkten“ (·) und „Strichen“ (–) gab es bei ihm auch „verlängerte Striche“ und sogar einen „extra-langen Strich“, außerdem Pausen unterschiedlicher Längen innerhalb einzelner Buchstaben (Bild).

Im Jahr 1840 erweiterte Vail den Code um weitere Zeichen, um ihn möglichst allgemein verwenden zu können. Er schätzte die Häufigkeit der Verwendung von Buchstaben in der englischen Sprache ab, indem er die beweglichen Lettern zählte, die er in den Setzkästen einer Lokalzeitung in Morristown, New Jersey fand. Dieser Code wurde ab 1844 betrieblich eingesetzt (als Morse Landline Code oder American Morse Code bei amerikanischen Eisenbahnen und den dortigen Telegrafenunternehmen bis in die 1960er-Jahre).

Standardisierung mini|Frühe Morsetaste Die unterschiedlich langen Pausen stellten eine Unzulänglichkeit des Codes dar, so dass Friedrich Clemens Gerke ihn 1848 zur Inbetriebnahme der elektromagnetischen Telegrafenverbindung zwischen Hamburg und Cuxhaven umschrieb. 1851 wurden die deutschen Umlaute (Ä Ö Ü) hinzugefügt.Deutsch-Österreichischer Telegraphenverein, 1851. The Deutsch-Österreichischer Telegraphenverein officially adopted Gerke's redaction / revision of Morse code in 1851. Dieser Code wurde nach einigen weiteren kleinen Änderungen 1865 auf dem Internationalen Telegraphenkongress in Paris standardisiert.Règlement de service international (Paris 1865), § VII. Mit der Einführung der drahtlosen Telegrafie wurde auch hier der Morsecode verwendet. Von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) wurde der internationale Morsecode erst 2004 in der ITU Recommendation ITU-R M.1677-0 festgelegt. Die derzeitige gültige Version ist ITU-R M.1677-1 vom Oktober 2009.

mini|Solche Schreibtelegrafen von G. Hasler (Bern) waren bei der Gotthardbahn im Einsatz (um 1900) mini|Automatischer Morseschreiber (1939) Ein Seenotruf wurde erstmals 1909 über Funk gemorst. Dieses Ereignis führte zur breiten Einführung des Seefunks, nachdem die eher konservativen Reeder die neue Technik zuerst abgelehnt hatten.Ralf Klee, Broder-Jürgen Trede: 100 Jahre Seenotruf: Morsen bis zum Untergang. einestages, 23. Januar 2009; abgerufen am 25. Januar 2017.Virginia Lovelace: January 23rd, 1909 – The day when Jack Binns became the first hero of wireless acclaimed throughout the world for his efforts during a daring rescue at sea. Auf Jack Binns – Wireless Hero. Online auf JackBinns.org, abgerufen am 25. Januar 2017.

Telegrafie über Leitungen

Morsetelegrafie wurde mit der Einführung von Fernschreibern aus den Telegrafennetzen verdrängt. Im Funkbetrieb behielt sie aufgrund ihrer Einfachheit lange Zeit Bedeutung, jedoch wurden z. T. auch Fern- oder Hellschreiber eingesetzt, bis sie auch hier nach und nach durch andere Verfahren ersetzt wurde. Ein großes Einsatzfeld hatte sie noch im Seefunkverkehr, bis sie dort mit Einführung des weltweiten Seenot- und Sicherheitsfunksystems (GMDSS) zum 1. Februar 1999 ihre Bedeutung verlor.

Drahtlose Telegrafie

Morsezeichen werden heute noch in der Luft- und Schifffahrt verwendet. Dabei ist zwischen der Nutzung von Lichtsignalen, z. B. zwischen Schiffen, und der Nutzung von elektromagnetischen Wellen (Funk) als Übertragungsmedium zu unterscheiden. In der Luft- und Seefahrt werden Ungerichtete Funkfeuer (engl. Non Directional Beacon, NDB) durch die Betriebsfrequenz und durch eine Morse-Kennung als Identification, (Id, dt. Kennung) identifiziert.

Bei Flugnavigationsfunkanlagen kann die Id bei einem NDB durch Tastung des Trägers (A1A) oder durch Tastung eines Tons auf einem amplitudenmodulierten Träger (A2A)) erfolgen. Bei anderen Flugnavigationsfunkanlagen, (D)VOR (en. (Doppler) VHF Omnidirectional Range), Instrumentenlandesystem (engl. Instrument Landing System – Localizer, ILS‑LLZ), -Marker und -Locator wird ausschließlich A2A genutzt. Beim DME (en. Distance Measuring Equipment) und TACAN (en. Tactical Air Navigation) wird der 1350‑Hz-Tastton durch Filterung aus hierfür ausgesandten Identification-Pulsgruppen gewonnen. Beim Mikrowellenlandesystem (engl. Microwave Landing System, MLS) ist die Kennung Bestandteil des ausgesandten Datenformats und wird nicht gesondert als Signal abgestrahlt, sondern im Empfänger aus dem von der Bodenstation empfangenen Datenpaket generiert.

Zusätzlich zu den eigentlichen Navigationssignalen wird die Id einer Flugnavigationsfunkanlage mindestens alle 30 s bis 40 s ausgesendet. Die Id kann aus bis zu drei Zeichen bei einem NDB, TACAN oder (D)VOR bestehen und bis zu vier Zeichen bei einem ILS‑LLZ, MLS und DME bestehen, zum Beispiel die IDs BAM (− · · ·   · −   − −) beim VOR Barmen. Bei Markern des ILS werden nur Punkte, Striche oder alternierend Punkte und Striche ausgesendet.

Auch in der Seeschifffahrt finden Morsezeichen noch Anwendung: Radarantwortbaken antworten ebenfalls mit einem Echo, dem ihre Kennung in Morsecode aufmoduliert ist. Der Leuchtturm Kiel beispielsweise gibt alle 30 s das akustische Zeichen KI (− · −   · ·). Ausbreitungsbaken auf Cubesat-Satelliten verwenden typischerweise ebenfalls Morsesignale.

mini|Empfang von Morse­code mit­hilfe eines modernen Amateur­funk-Trans­ceivers (Icom IC‑7300), hier im 20‑m-Band (2023) Eingesetzt wird der Morsecode auch noch im Amateurfunk, was dann jedoch i. d. Regel nicht als Morsetelegrafie, sondern als Betriebsart „CW“ bezeichnet wird. Die Bezeichnung CW ist aber bei der ITU (en. International Telecommunication Union, dt. Fernmeldeunion) als Continious Wave definiert, d. h. die dauerhafte Aussendung eines unmodulierten Trägers oder NON, was bei der ITU die Bezeichnung für die Designation of Emission (DOE, dt. Bezeichnung der Aussendung) ist.

Im Amateurfunk wird Morsetelegrafie jedoch durch Ein/aus-Tastung eines Trägers mit A1A oder durch Tastung eines Tons bei Nutzung von SSB-Sendern (Single Side Band, Amplitudenmodulation mit einem Seitenband ohne Träger, DOE A3J) erzeugt, wodurch es sich bei CW-Telegrafie nicht um die dauerhafte Aussendung eines unmodulierten Trägers handelt.

In Deutschland war der Nachweis von Morsekenntnissen bei der Prüfung zur Erlangung einer Amateurfunklizenz bis 2003 vorgeschrieben, um die Amateurfunk in Deutschland zugewiesenen Frequenzbänder unterhalb 30 MHz (Kurzwellenfrequenzen) nutzen zu können.

Im Dezember 2014 verkündete die deutsche Kultusministerkonferenz, dass die Morsetelegrafie in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wird.Auszeichnung von 27 Kulturformen als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland – Genossenschaftsidee wird Ende März bei der UNESCO nominiert. (PDF; 93 kB) Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz, 16. März 2015, auf KMK.org; abgerufen am 25. Januar 2017. In seiner Begründung erwähnte die Deutsche UNESCO-Kommission die besondere Bedeutung der Funkamateure, die die Regeln und Gebräuche der Morsetelegrafie aufrechterhalten und so sicherstellten, dass die Formen und Funktionen der Anwendung lebendig bleiben.Morsetelegrafie. Deutsche UNESCO-Kommission, Aufnahmejahr 2014, UNESCO.de; abgerufen am 25. Januar 2017.

Internationaler Morsecode Die Übertragung von Morsetelegrafie verwendet in der einfachsten Version nur die Ein‑Austastung eines unmodulierten Trägers, genannt Modulationsart A1A oder A3J, bei Ein‑Austastung eines des Modulationstons bei Nutzung eines SSB‑Senders. Bei beiden Varianten ist das vom Empfänger wahrgenommene Signal identisch, erfordert aber, da ein unmodulierter Träger keine demodulierbaren Signalanteile besitzt, zur Umwandlung des getasteten Trägers in Töne einen zusätzlichen BFO (en. Beat Frequency Oscillator, Schwebungsoszillator). Der Frequenzversatz des empfangenen Trägers zu der Frequenz des BFO auf der Zwischenfrequenz des Empfängers bestimmt die Tonhöhe des getasteten Trägers.

Dadurch sind die Sender weitaus einfacher und vor allem energieeffizienter als Sender für die tönende Telegrafie z. B. A2A als andere Modulationsarten für die Funkkommunikation. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei A1A aufgrund der geringen Bandbreite sowohl bei ungünstigem Signal-Rausch-Verhältnis als auch bei Störungen oder in anderen Signalen noch elektronisch dekodiert werden kann. Es wird jedoch nicht die Fähigkeit von erfahrenen Funkern erreicht, gezielt ein Morsesignal innerhalb von anderen Signalen oder innerhalb von Störungen wahrzunehmen.