miniatur|Völker des Kaukasus: Osseten in Hellgrün mini|hochkant=0.6|Nord- und Südossetien Als Ossetien kann man die Gebiete bezeichnen, in denen die Osseten neben anderen Bewohnern die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Diese Gebiete gehören heute politisch nahezu ausschließlich zu zwei Territorien: die Republik Nordossetien-Alanien innerhalb Russlands und das völkerrechtlich zu Georgien gehörende Südossetien, das aber de facto unabhängig agiert und von der russischen Armee militärisch unterstützt wird.

Geographie Ossetien ist ein gebirgiges Gebiet im zentralen Kaukasus. Es grenzt im Nordwesten an Kabardino-Balkarien, im Norden an die russische Region Stawropol, im Nordosten an Inguschetien und Tschetschenien (siehe auch Nordossetien-Alanien), sowie im Süden, Südosten und Südwesten an Georgien (siehe auch Südossetien).

Sprache und Religion Das Ossetische ist eine iranische Sprache. Im Nordwesten wird der digorische Dialekt gesprochen, im Osten und Zentrum Ossetiens ist der ironische Dialekt verbreitet. Der ironische Dialekt wird aufgrund seiner größeren Verbreitung auch vornehmlich für Publikationen genutzt.

Die Osseten sind zumeist Christen der russisch-orthodoxen Kirche. Etwa ein Fünftel – vorwiegend, aber nicht nur Digor-Osseten aus dem Westen Nordossetiens – sind sunnitische Muslime. Außerdem sind, wie bei vielen kaukasischen Ethnien, vorchristlich-vorislamische religiöse Praktiken erhalten und ein Teil der Bevölkerung ist nach der sowjetischen Zeit nicht oder kaum religiös.

Siedlungsgeschichte und politische Geschichte Frühe Alanen und Etablierung im Kaukasus mini|Ungefähre Ausbreitung des Königreichs Alanien um 1060 n. Chr. Die Osseten sind eine der wenigen iranischen Ethnien, die im Kaukasus leben. Umgeben sind sie von Ethnien (Inguschen, Kabardiner, Georgier) die Sprachen der drei kaukasischen Sprachfamilien verwenden. Im 1. Jahrtausend v. Chr. wanderten iranische reiternomadische Stämme der Skythen, später Sarmaten in das Steppenvorland des Nordkaukasus ein. Die Osseten gehen auf den sarmatischen Stamm der Alanen zurück, die in schriftlichen Quellen zum ersten Mal im 1. Jahrhundert v. Chr. auftauchen. Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. lebten sie an den Nordhängen des Kaukasus, überwiegend im zentralen Teil, wo sie allmählich vom nomadischen zum halbnomadischen und sesshaften Lebensstil übergingen und Burgen und städtische Zentren bildeten. Im 9. Jahrhundert n. Chr. entstand der Staat Alanien. Einige Bauwerke aus dieser Zeit sind heute noch vorhanden.Die Presse: Ossetien von 1198 bis heute In georgischen Quellen bezeichnet man diesen Staat mit dem Namen Owseti/Osseti (die russische Bezeichnung für die Osseten kommt aus dem Georgischen). Die Verbindungswege von Georgien nach Ossetien liefen durch das Tal des Flusses Terek (georgisch Tergi), am Oberlauf die Darialschlucht. Die Bezeichnung Dariali ist persischen Ursprungs: Dar-i alan heißt übersetzt Tor der Alanen. Auch wenn durch erhaltene Sprachdenkmäler bewiesen ist, dass die Sprache der (meisten) Alanen eine frühe Variante des Ossetischen war, halten es Fachleute aufgrund von Stammesnamen und erhaltenen Orts- und Flurnamen für Berge und Flüsse und zahlreichen Lehnwörtern im Ossetischen für möglich, dass einige assoziierte Stammesverbände auch andere Idiome verwendeten, wie die in den höchsten Lagen des Kaukasus von georgisch-mittelalterlichen Quellen erwähnten Dwali und westlich davon die Malchi, die vielleicht nachische Dialekte der nordostkaukasischen Sprachen sprachenWladimir Kusnezow: Alanen-Owsen und Georgien, erster Teil. (russisch), 7.–4. letzter Absatz. Kapitel 9 aus Очерки истории алан (deutsch: Abriß der alanischen Geschichte). Wladikawkas 1992., wie auch sich seit dem 12. oder seit dem 6. Jahrhundert im Westen Alaniens Turkdialekte als Vorläufer des heutigen Karatschai-Balkarischen ausgebreitet haben könntenWladimir Kusnezow: Alanen-Owsen und Georgien, erster Teil. (russisch), neunter Absatz. Kapitel 9 aus Очерки истории алан (deutsch: Abriß der alanischen Geschichte). Wladikawkas 1992.. Ein großer Teil des heutigen Südossetiens gehörte damals zum Königreich Georgien, und die nördlichen Teile um die Kaukasuspässe und ihre Umgebung im Hochgebirge wurden von Alanien kontrolliert, fielen aber zur Zeit von Dawit IV. dem Erbauer um 1120 unter georgische Kontrolle.

mini|200px|rechts|Die ossetischen Stammesverbände der Iron, Digoren und Tual bis zum 13./17. Jahrhundert und ihre Ausbreitung danach. Das Gebiet östlich von Ossetien am oberen Terek ist seit dem 18. Jahrhundert georgisch besiedelt. Die Tual sprechen Unterdialekte des Iron-Ossetischen. Im 13. Jahrhundert wurde Alanien von den Mongolen verwüstet und das Königreich als Staat zerstört. Die meisten Alanen/Osseten flüchteten entweder höher ins Kaukasusgebirge, als Jász nach Ungarn oder stellten sich in mongolische Dienste, wo die Reisenden Wilhelm von Rubruk und Giovanni de Marignolli einige tausend Alanen innerhalb des mongolischen Heeres beschreiben. Es gilt einigen Historikern als wahrscheinlich, dass der Name des südlichen Stammesverbandes der Tual auf den Namen der hochmittelalterlichen Dwal(i) zurückgeht, der vielleicht erst in dieser Zeit durch den Zuzug iranisch sprechender Flüchtlinge sprachlich iranisiert. Während die Gebirgsregionen südlich des Hauptkammes des Kaukasus unter der Oberhoheit der Nachfolgestaaten Georgiens, der Königreiche Kartlien und Kachetien verblieben, die ihrerseits Vasallen des persischen Safawidenreiches wurden, fielen die nördlichen Siedlungsgebiete unter den Einfluss der von Westen zugewanderten tscherkessischen Kabardiner. Zur Oberschicht des Fürstentums Kabarda gehörten auch ossetische und balkarische Fürsten- und Adelsfamilien und die Siedlungsgebiete gehörten neben dem der Inguschen zur Kabarda.

Ossetische Migration und Angliederung an Russland Mit den Krisen des Safawidenreiches, den folgenden Kriegszügen von Nader Schah, der Zand-Dynastie und schließlich des ersten Kadscharen-Schahs Aga Mohammed Khan im 17.–18. Jahrhundert wurden auch die Bergstämme des relativ dicht besiedelten Großen Kaukasus unruhig und gerieten in Bewegung.Der Kaukasushistoriker Artur Zuzijew (Tsutsiev) aus Wladikawkas zeigt die Entwicklung in dieser Karte (russisch) für die Jahre 1774–83. Alle Pfeile zeigen Migrationsbewegungen der Bergstämme zu dieser Zeit, darunter auch hellrot im Zentralkaukasus Ausbreitungen der Osseten nach Norden und Süden. Die Oberhoheit der geschwächten georgischen Staaten ließ nach und viele ossetischen Dörfer, Clans und Stammesgruppen wurden faktisch selbstständig.Zuzijew stellt diese uneinheitliche Situation dar, indem er die südossetischen Berggebiete gepunktet einzeichnet: ein Teil der Dörfer, meist ossetisch bewohnt, waren faktisch selbstständig, ein Teil, meist georgisch bewohnt, weiterhin unter der Herrschaft georgischer Adelsfamilien. Die Migrationsbewegungen der Osseten verstärkten sich, als der Eristawi (=Herzog) von Aragwi (Sitz in Ananuri) im 18. Jahrhundert die Umgebung der Darial-Schlucht am oberen Terek eroberte und mit georgischer Bevölkerung sicherte, die Tual-Osseten der Region größtenteils verdrängte. Gleichzeitig versuchten georgische Adelige die Bevölkerungsverluste des 18. Jahrhunderts auszugleichen, indem sie teilweise ossetische Bauern anwarben, wodurch auch im Süden Südossetiens und in Innerkartlien ossetische Dörfer entstanden (vgl. oberste Karte).

In der russischen offiziellen Geschichtsschreibung wird seit dem 19. Jahrhundert ein Treueeid einiger ossetischer Clans 1774 (unmittelbar nachdem das gesamte Fürstentum Kabarda im Friede von Küçük Kaynarca zum Klientelstaat Russlands wurde) als jährlich gefeierter freiwilliger Eintritt der Osseten ins Russische Reich zelebriert. Informationen der Republik Südossetien Mangels gesamtstaatlicher Struktur war das ein Vasalleneid mehrerer großer Ossetenclans im Osten des heutigen Nordossetiens, nicht aller Osseten. Wurden solche Treueeide von Russland oft als „ewige Unterwerfung“ interpretiert, schlossen sie die Bergclans als Vasalleneide bei gegenseitigem, vorübergehenden Nutzen und vernachlässigten sie auch schnell, in diesem Fall begann durch den Ausbau russischer Festungen am Nordeingang der Darialschlucht eine dauerhafte russische Herrschaft, wobei auch der Einfluss der orthodoxen Kirche unter den Osseten zunahm. Nach der Niederschlagung eines großen Aufstandes kabardinischer Fürsten gegen Russland 1779–1785 gliederte Russland die nordossetischen Siedlungsgebiete größtenteils aus der Kabarda aus und erlaubte die bereits begonnene Ansiedlung der Osseten in nördliche Ebenen, die bis dahin vorwiegend von Kabardinern bewohnt waren.Zu allen Ereignissen 1774–1787 und ihren Einschätzungen vgl. Jeronim Perović: Der Nordkaukasus unter russischer Herrschaft, Köln 2015, S. 59–61. (Der Osteuropa-Historiker Michael Kemper: Herrschaft, Recht und Islam in Daghestan Wiesbaden 2005 teilt diese Einschätzung der sehr begrenzten Reichweite der Vasalleneide im Kapitel Vasalleneide: Die große Unverbindlichkeit, S. 129–132.) Damit war das Gebiet der Osseten unter den ersten in der Kaukasusregion, die unter russische Oberhoheit gerieten. Unter kaiserlich-russischer Herrschaft richteten sich die Grenzen der internen Verwaltungseinheiten nach den geographischen (Kaukasushauptkamm) und historischen Gegebenheiten: Nordossetien gehörte zur Oblast Terek des Russischen Reiches, Südossetien zum Gouvernement Tiflis, ein kleiner westlicher Teil auch zum Gouvernement Kutaissi.

Entwicklung Nordossetiens In der Zeit des sehr blutigen Russischen Bürgerkrieges nach den Revolutionen 1917 gehörte das nördliche Ossetien anfangs zur Bergrepublik, geriet aber ab März 1918 zunehmend unter den Einfluss der Bolschewiki. Schon damals bildete sich ein nationalistischer Konflikt im Osten rund um die Stadt Wladikawkas, wo seit dem 17. Jahrhundert Osseten und Inguschen gemischt lebten. Beide Ethnien hatten hier frühe Versammlungsorte und religiöse Zentren, frühe moderne Schulen unter russischer Herrschaft und frühe kulturell-historisch interessierte Kreise moderner Dichter und Vordenker der Nationalbewegungen, weshalb nationalistische Osseten und Inguschen diese Region als ihr Kerngebiet stilisierten. Schon im April 1918 kam es zu ersten gewaltsamen Zusammenstößen, die aber der regionale bolschewistische Kommissar Samuil Buatschidse, genannt Noj, beilegen konnte.Perović, S. 217. Nachdem der selbst zu den gemäßigten Menschewiki gehörende, gebürtig ossetische Ataman der Terekkosaken Georgi Bitscherachow im Juli 1918 einen Aufstand gegen die Ansiedlungspolitik von Tschetschenen am mittleren Terek und die Umsiedlung der Terekkosaken nach Norden anführte, eroberte er mit Hilfe ossetischer Einheiten im August auch Wladikawkas und Umgebung von den Bolschewiki, die die Region kurz danach nur mit Hilfe inguschischer Milizen zurückerobern konnten. Dabei kam es zu gegenseitigen Pogromen an inguschischer und ossetischer Bevölkerung und Wladikawkas war nach Erinnerung des Kosakenoffiziers Baratow seit Spätsommer 1918 „eine tote Stadt, die zu einem Fünftel zerstört wurde.“Perović, S. 219.

mini|Die Berg-ASSR mit ihren Stadtkreisen und Nationalen Kreisen.