Al-Gharqad () bezeichnet in der islamischen Überlieferung einen Baum oder Strauch, der in der endzeitlichen Schlacht zwischen Juden und Muslimen eine Rolle spielen soll. In einer Überlieferung aus dem „Kitāb al-fitan“ im Ṣaḥīḥ von Muslim, in dem der Verfasser eschatologische Hadithe über die Versuchungen am Tage des letzten Gerichts gesammelt hat, wird berichtet, dass Abū Huraira den folgenden, Mohammed zugeschriebenen Spruch überliefert haben soll:
Varianten des Spruches werden auch dem 2. Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb nach dem Propheten zugeschrieben. In der großen Traditionssammlung der sog. musnad-Hadithe von Ahmad ibn Hanbal erscheint dieser Spruch in einer Gruppe mehrerer Prophetendicta eschatologischen Inhalts in der Überlieferung vom oben genannten Abū Huraira ebenfalls.Ibn Ḥanbal: al-Musnad. Bd. 2. S. 417. (Ausgabe Būlāq, Kairo)
Der Baum Der Friedhof Baqīʿ al-Gharqad in Medina trägt den Namen al-Gharqads. „Baqīʿ“ bedeutet ursprünglich „weites Land mit verschiedenartigen Bäumen“. Edward William Lane: Arabic-English Lexicon, s.v. b - q - ʿ und: Michael Lecker: Muslims, Jews&Pagans. Studies on Early Islamic Medina. Brill, Leiden 1995, S. 15. Gemäß Lane wurde die Stelle als Friedhof benutzt, nachdem man dort die Bäume gefällt hatte.
Es bleibt allerdings unklar, um welchen Strauch oder Baum es sich bei al-Gharqad gehandelt hat. Einigkeit scheint darin zu bestehen, dass al-Gharqad dornenbewehrt und nutzlos war.Anne Marie Oliver und Paul Steinberg: The Road to Martyrs' Square : A Journey into the World of the Suicide Bomber, Oxford 2005, S. 22. The Encyclopaedia of Islam. New Edition bezeichnet die Pflanze als eine Art Brombeere.The Encyclopaedia of Islam. New Edition, s.v. Baḳīʿ al-Gharḳad Der Orientalist Tilman Nagel schreibt, dass der Baqīʿ al-Gharqad mit Christusdorn bestanden gewesen sei, bevor er als Friedhof genutzt worden sei.Tilman Nagel: Mohammed. Leben und Legende. München 2008, S. 802.
Heute bezeichnet al-Gharqad die Pflanzenfamilie Nitrariaceae.
Heutige Verwendung Im Rahmen des Palästinensisch-Israelischen Konflikts ist dieser Hadith beispielsweise Bestandteil von Artikel sieben der Hamas-Charta. Nach der Vorstellung fundamentalistischer Muslime pflanze Israel den al-Gharqad vermehrt an, um sich beim Tag des Gerichts dahinter zu verstecken. Die Vorstellung des al-Gharqad ist ein Beleg für die Existenz von Antisemitismus in islamistischen terroristischen Strömungen.Bundeszentrale für Politische Bildung: Antisemitismus und Antizionismus in der Charta der Hamas. Eine Fallstudie zur Judenfeindschaft im islamistischen Diskurs.
Einzelnachweise
Kategorie:Eschatologie (Islam) Kategorie:Mythologischer Baum