Tobisch ist der Name einer alten deutschböhmischen Familie, die aus der Gegend um Kaaden stammte. Das Geschlecht brachte diverse Gelehrte, katholische Geistliche und Dichter hervor.

Geschichte Die Familie Tobisch gehört zu den ältesten Familien Deutschböhmens. Erstmals erwähnt wurde der Name, der sich vermutlich von der tschechischen Form des Vornamens Tobiáš (Tobias) ableitet, im Jahre 1366.Ernst Schwarz: Sudetendeutsche Familiennamen aus vorhussitischer Zeit, Böhlau 1957, S. 320. Der Name war anfänglich hauptsächlich in der Gegend von Kaaden bis Brüx verbreitet. Später waren Namensträger in nahezu allen Landstrichen des Sudetenlands ansässig.

mini|Ehemaliges Herrenhaus der Familie Tobisch in Deutsch Trebetitsch Obwohl die meisten Nachkommen der Familie Tobisch ihr Auskommen in der Land- und Forstwirtschaft fanden, brachte sie auch zahlreiche Akademiker und Gelehrte hervor.Marianne Eggersberg: J. Karl Tobisch. Ein Erinnerungsblatt zu seinem 100. Geburtstag, in: Böhmens Deutsche Poesie und Kunst. Jahrbuch in Monatsheften über alle Gebiete des Schönen, 1893 (3), S. 614–617. Als eifrige Förderer erwiesen sich unter anderem Grundherren wie Joseph Johann Graf von Thun und Hohenstein (1767–1810), Herr auf Klösterle, der mehreren Söhnen der Familie Tobisch den Besuch der von Piaristen geführten Gymnasien in Kaaden und Prag ermöglichte und als deren Gönner auftrat.

Überregionale Bekanntheit erlangten Mitglieder der Familie Tobisch vor allem auf dem Gebiet der Heimatkunde und Heimatdichtung. Der Breslauer Professor Johann Karl Tobisch widmete seiner alten Heimat Böhmen, aber auch seiner neuen Heimat Schlesien, zahlreiche Gedichte.Rudolf Hemmerle: Ein vergessener Gelehrter und Dichter. Vor 100 Jahren starb Johann Karl Tobisch, in: Sudetendeutsche Zeitung, 26. März 1955, S. 6. Dessen Bruder Franz Wenzl Tobisch war ebenfalls dichterisch tätig.Josef Hoßner: Ein stiller Winkel des Egertales – Die Brüder Tobisch, in: Erzgebirgszeitung 24 (1913), Nr. 10/11. Bekanntheit erlangte auch der katholische Geistliche Franz Xaver Tobisch, der unter dem Pseudonym „Jung-Klaus“ als Bienenvater und Dichter. Er veröffentlichte mehrere Bücher mit Gedichten und Prosa über Bienen. In einer Würdigung der Familie Tobisch schrieb ein Bewunderer im Jahre 1934: „Es ist der Landadel, welcher der Dichter- und Gelehrtenfamilie Tobisch im Blute steckt: heimatgebundene Wesensart, aus ihrem eigenen Ich heraus schaffende Werte zu erzeugen, die unabänderlich und unvergänglich ihre heimatliebende Seele ausfüllen; diese bewahrenden wertvollen Schätze bleiben solange unvergänglich als sich ihre Menschen als Glied dieser langen Ehrenkette von Ahnen fühlen“.Ferdinand Schwirtlich: Wir blättern im Geschichtsbuche der Dichterfamilie Tobisch, in: Deutsche Imker, Monatsschrift für die Interessen der Bienenzucht, Band 47 (1934), S. 358–360 (359).

Nachkommen der Familie Tobisch besaßen weiterhin landwirtschaftliche Güter und Höfe in Deutsch TrebetitschEdmund Tobisch: Geschichtliches aus Deutsch-Trebetitsch, abgedruckt in: Heimatbrief Saazerland, Folge 964, April 2020, S. 17–18., Groß Witschitz, Kettowitz, Radschitz, Kunitz, Atschau und Männelsdorf.

Gut Meseritz mini|Gut Meseritz bei Kaaden, seit dem 17. Jahrhundert, bis 1945/1946 im Besitz der Familie Tobisch Ein Zweig der Familie Tobisch lässt sich seit mindestens 1637 als Besitzer des Bauernguts Meseritz bei Kaaden nachweisen. Dieser Zweig lässt sich (bisher) gesichert auf den Bauern Martin Tobisch (* um 1590, † 1652 in Meseritz) zurückführen. Meseritz wurde erstmals 1460 Jiřina Růžková und Josef Škrabal: Historický lexikon obcí České republiky 1869–2005, S. 367 (377). urkundlich erwähnt. Der Weiler bestand aus zwei abgeschlossenen, großen landwirtschaftlichen Gehöften, die von einem Bach voneinander getrennt waren. Grundherren waren die Herren von Thun und Hohenstein, die 1621, nach der Schlacht am Weißen Berg, die Herrschaft Klösterle erworben hatten.

Das der Familie Tobisch gehörende Bauerngut auf der Gemarkung der Gemeinde Dörnthal (heute Suchý Důl bei Klášterec nad Ohří) umfasste knapp 60 österreichische Joch und verfügte über einen umfangreichen Waldbesitz. In den Grundbüchern von 1765 wird das Tobisch’sche Bauerngut als „Geschürr-Guth“ ausgewiesen, was darauf hinweist, dass auf dem Hof Zugtiere gehalten wurden. Andere Höfe in den ebenfalls zur Grundherrschaft Klösterle gehörenden Dörfern wurden dagegen überwiegend als „Häußl“ oder „Handscharrgütl“ bezeichnet. Diese hatten zum einen wesentlich geringeren landwirtschaftlichen Grundbesitz, zum anderen hatten deren Besitzer auch umfangreicheren Frondienst (österreichisch Robot bzw. Handrobot) gegenüber dem Grundherren zu leisten. Trotz entsprechender Reformen unter Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II., wurde diese Form des Frondienst erst durch das Grundentlastungspatent von 1848 in Österreich aufgehoben.

1822 veräußerte der Bauerngutsbesitzer Franz Josef Tobisch das Gut Meseritz für 4000 fl. an seinen Schwager Franz Anton Bernt. Seither befanden sich beide Meseritzer Güter, mit einem Grundbesitz von 130 österreichischen Joch, im Besitz der Familie Bernt. Deren Nachkommen, die gleichzeitig über Theresia Bernt geb. Tobisch auch von der Familie Tobisch abstammten, bewirtschafteten die Höfe bis zur Vertreibung der Sudetendeutschen 1945/1946. Heute ist lediglich eines der beiden Güter, der ehemalige Landsitz der Familie Tobisch, erhalten und wird für die Landwirtschaft genutzt. Das andere Gut (Bernt) wurde zwischen 1960 und 1990 abgetragen.

Stammliste Tobisch Anton Tobisch (1721–1782) – Bauer und Richter ⚭ Maria Elisabetha Herr Maria Anna Tobisch (1748–1832) ⚭ Franz Anton Viereckl Rosalia Viereckl (1777–1861) ⚭ Johann Georg Tobisch Franz Joseph Tobisch (1805–1873) – Wirtschaftsbesitzer und Richter ⚭ Theresia Kosch Joseph Wenzl Tobisch (1834–1906) – Jurist, k.k. Bezirksrichter von Podersam und Kaaden ⚭ Theresia Müller Joseph Norbert Tobisch (1868–1943) – Oberbezirksarzt in Karlsbad und k.k. Obersanitätsrat Anton Tobisch (1837–1890) – Jurist, k.k. Landesadvokat und Stadtrat von Bilin ⚭ Juliane Antonie Adalberte Edle von Helmburg Alois Joseph Tobisch (1839–1896), Jurist, Notar und k.k. Oberstleutnant Johann Josef Tobisch (1750–1798) – Bauer und Richter ⚭ Maria Theresia Viereckl (Tante des k.k. Universitätsprofessors Franz Joseph Viereckl) Franz Josef Tobisch (1788–1880) – Wirtschaftsbesitzer, Ziegeleibesitzer und Gemeindevorsteher, Vorkämpfer der Bauernbefreiung in Böhmen ⚭ Maria Anna Johanna Goppold Wenzl Tobisch (1819–1854) – Wirtschaftsbesitzer und Bergwerksbesitzer ⚭ Anna Stanka (Nichte des k.k. Universitätsprofessors Johann von Waller) Eduard Tobisch (1847–1896) – Wirtschaftsbesitzer ⚭ Maria Friedmann Hugo Eduard Tobisch (1875–1928) – Fabrikant und OrnithologeKurt Loos: Vierzehnter Bericht über die Tätigkeit der ornithologischen Station des Lotos in Liboch a. d. Elbe für das Jahr 1927. In: Lotos. Band 77, S. 101 und 106 (Hugo Tobisch, ). Edmund Karl Tobisch (1885–1976) – k.k. Revierförster, Heimatdichter und OrnithologeKurt Loos: 12. Bericht über die Tätigkeit der Ornithologischen Station des Lotos in Liboch a. d. Elbe für das Jahr 1927. In: Lotos. Band 77, S. 299 und 304 (Edmund Tobisch, ). Julius Tobisch (1849–1907) – Wirtschaftsbesitzer ⚭ Julie Pohnert (Nichte des k.k. Reichsrats Karl von Pohnert, Tante des k.k. Professors Ludwig Pohnert) Wenzl Tobisch (1851–1907) – Wirtschaftsbesitzer ⚭ Anna Pohnert (Nichte des k.k. Reichsrats Karl von Pohnert, Tante des k.k. Professors Ludwig Pohnert) Marie Julie Tobisch (1879–1930) – Wirtschaftsbesitzerin ⚭ Josef Schuh Wenzl Tobisch (1884–1954) – Wirtschaftsbesitzer ⚭ Emma Eisenkolb Ottomar Tobisch (1853–1896) – Wirtschaftsbesitzer ⚭ Maria Amalia Tobisch (Cousine) Franz Wenzl Tobisch (1791–?) – Wirtschaftsbesitzer und Richter ⚭ Anna Franziska Josepha Dittrich Maria Theresia Tobisch (1810–1857) ⚭ Carl Seemann (Bruder des k.k. Generalauditors Wenzel Seemann von Treuenwart) Eduard Seemann (1850–?) – Gutsbesitzer ⚭ Hermine Seemann von Treuenwart (Cousine) Franz Karl Tobisch (1794–1862) – k.k. Staatsbuchhaltungs-Rechnungsrat ⚭ Ludmilla Drtina Vincenz Ignatz Tobisch (1835–1891) – k.k. Bergingenieur und Verwalter der Gruben Petersburg, Dux und Johnsdorf Eduard Karl Theodor Tobisch (1840–1927) – Jurist, Vizepräsident des Oberlandesgerichts und k.k. Hofrat ⚭ Rosa Emilie Klinger Eduard Josef Karl Tobisch (1868–1899) – Dr. med. und k.k. Regimentsarzt Franz Anton Tobisch (1756–1821) – Bauer ⚭ Maria Anna Tschochner Franz Wenzel Tobisch (1788–1873) – katholischer Geistlicher, Erzdechant, Kanoniker und bischöflicher Notar in Teplitz. Ehrendomherr der Kathedrale zu Leitmeritz und Träger des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. Ehrenbürger der Stadt Teplitz. Johann Karl Tobisch (1793–1855) – kgl. preußischer Professor für Mathematik, Physik, Geschichte und Latein am Friedrichsgymnasium in Breslau, Dichter und SchriftstellerKurze Biografie Prof. Johann Karl Tobisch (ab 1819 evangelisch) ⚭ Charlotte Sophie Grünewald Johann Nepomuk Tobisch (1796–1835) – Bauer und Richter ⚭ Johanna Männl Johanna Theresia Tobisch (1820–1913) ⚭ Aloys Karl Peinl Marianne Naaff-Eggersberg geb. Peinl (1852–1938) – Dichterin und Schriftstellerin ⚭ I. Franz Xaver Rippaus – Großkaufmann, Unternehmer und Stadtrat von Kaaden; II. Anton August Naaff – Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift Die Lyra Vincenz Eugen Tobisch (1800–1852) – kgl. preußischer Professor für Mathematik, Geschichte, Deutsch und Latein am Friedrichsgymnasium in BreslauKurze Biografie Prof. Vinzenz Eugen Tobisch (ab 1822 evangelisch) ⚭ Emilie Mücke (Tochter des Stiftrats und Kanzlers Mücke in Heinrichsau) Hermann Gustav Adolf Tobisch (1832–1900) – kgl. preußischer Intendanturrat Karl Victor Hugo Tobisch (1835–1909) – Dr. phil, Professor für Agrikultur und Direktor der Landwirtschaftsschule Großau bei Raabs, später Friedberg in Hessen (gegr. 1855) ⚭ Anna Catharina Alwine Beyse Maria Clara Tobisch (1759–1783) ⚭ Johann Wenzl Moritz Franz Wenzl Moritz (1781–1854) – Müllermeister und Richter ⚭ Theresia Kosch Franz Wenzl Moritz (1813–1875) – Müllermeister und Richter ⚭ Maria Anna Heger Franz Xaver Moritz (1855–1923) – katholischer Geistlicher, Katechet und Träger des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone Franziska Moritz (1819–?) ⚭ Franz Josef Ziener Theresia Ziener (1840–1914) ⚭ Anton Tobisch Franz Xaver Tobisch (1865–1934) – katholischer Geistlicher, Dechant, bischöflicher Notar und Schriftsteller

Tobisch von Dobischau Mit den Brüdern Johann und Maximilian Tobisch wurden am 20. Oktober 1734 zwei Zweige der Familie in den erblichen Adelsstand mit dem Prädikat Tobisch von Dobischau nobilitiert. Deren Nachkommen ließen sich später in Österreich nieder.

Daniel Tobisch ⚭ Dorothea NN Johann Tobisch von Dobischau – Sekretär der böhmischen Hofkanzlei, am 20. Oktober 1734 in den erblichen Adelsstand erhoben, ⚭ Maria Anna Theresia Tobisch von Dobischau (1728–?) Johanna Christoph Tobisch von Dobischau (1730–?) Franz Maximilian Laurenz Tobisch von Dobischau (1696–1770) – Ratsmann, Primator, Kircheninspektor und 49 Jahre Bürgermeister der Stadt Kaaden, am 20. Oktober 1734 in den erblichen Adelsstand erhoben, ⚭ Maria Anna Roth, Tochter des Johann Baptist Roth, Ratsmann und Bürgermeister von Kaaden Franz Anton Tobisch von Dobischau (1722–1792) – k.k. Wundarzt ⚭ I Catharina Anna Brigitta Seeling, ⚭ II Carolina Gräfin von Tattenbach Anna Theresia Antonia Tobisch von Dobischau (1756–?) Anna Theresia Tobisch von Dobischau (1728–?) ⚭ Johann von Prauß – Hauptmann im Regiment Clemens von Kolowrat Johann Karl Wenzl Tobisch von Dobischau (1731–1794) ⚭ Anna Maria Farnschau

Wappen mini|Wappen der Familie Tobisch von Dobischau (Adelsbrief von 1898)