Das Rogers Centre (bis 2005 SkyDome) ist ein Stadion mit schließbarem Dach in der größten kanadischen Stadt Toronto, Hauptstadt der Provinz Ontario. Es ist die Heimspielstätte der Toronto Blue Jays aus der Major League Baseball (MLB). Das Rogers Centre wird neben Sportveranstaltungen auch für Konzerte sowie für Messen und weitere Veranstaltungen genutzt. Im Juli 2015 wurde es bei den XVII. Panamerikanischen Spielen als Austragungsort der Baseballwettbewerbe genutzt und diente für die Eröffnungs- und Schlussfeier.

Das im Juni 1989 nach zweieinhalbjähriger Bauzeit eröffnete Stadion gilt als Reaktion auf das Olympiastadion des in innerkanadischer Konkurrenz stehenden Montreal. Es ist das erste Stadion, dessen Dach sich automatisch vollkommen öffnen lässt. Die Baukosten betrugen knapp 600 Mio. CAD. Im Januar 2005 fand die Umbenennung des Stadions in Rogers Centre nach dem kanadischen Telekommunikationsunternehmen Rogers Communications statt.

Lage Das Rogers Centre befindet sich inmitten des Entertainment District von Torontos südlicher Innenstadt in unmittelbarer Nachbarschaft zum östlich gelegenen CN Tower. Nördlich des Stadions verläuft die Bahnlinie, die 600 Meter östlich in den Hauptbahnhof mündet. Im Süden befindet sich ein zur Arena gehörender Bus- und PKW-Parkplatz. Unmittelbar südlich davon verläuft parallel zur Bahnlinie die Stadtautobahn Gardiner Expressway. Nördlich der Bahngleise gelangt man über eine Fußgänger-Hängebrücke zum Metro Toronto Convention Centre.

Durch die zentrale Lage ist das Rogers Centre sowohl mit der U-Bahn als auch mit Straßenbahnen und Bussen zu erreichen. Über den rund 500 Meter langen überdachten Fußweg Skywalk, der bis an den CN Tower führt, ist das Rogers Centre seit 1989 an den Hauptbahnhof und die unterirdischen Passagen des PATH angeschlossen. Durch eine weitere 180 Meter lange Skywalk-Brücke von der Simocoe Street gelangt man als Fußgänger vom Norden ebenfalls zum Stadion über die Bahngleise, welche die Stadt wie eine Schneise trennen. (PDF; 177 kB)

Geschichte Hintergrund Die Idee für ein geschlossenes Sportstadion geht auf November 1982 zurück, als in einem Spiel des Grey Cups im Exhibition Stadium ein enorm heftiger Regenschauer Tausende von Zuschauern in den überdachten Teil des Stadions drängte. Die Zuschauer flüchteten durchnässt in die völlig überfüllten Waschräume. Unter den Zuschauern befand sich Bill Davis, der damalige Premierminister von Ontario. Gleichzeitig verfolgten über 7.862.000 Zuschauer das Spiel am Fernsehen – was gleichzeitig die bis dahin höchste Einschaltquote war (englisch) – und wurden Zeugen der unzumutbaren Bedingungen. Als am Folgetag bei der City Hall zehntausende Sportfans die Gewinner des Grey Cups feierten, skandierten sie gleichzeitig „We want a dome! We want a dome!“ (). Damit begann die Diskussion um ein allwettertaugliches Stadion.

Im Juni 1983 kündigte Premierminister Davis offiziell an, einen Ausschuss einzurichten, der die Machbarkeit der Errichtung einer Kuppel am Exhibition Stadium prüfen werde. Mitglieder des Ausschusses waren Paul Godfrey, Larry Grossman und der ehemalige Vorsitzende von Ontario Hydro Hugh Macaulay. In den nächsten Jahren entstanden verschiedene Vorschläge. Beispielsweise wurde erwogen, ein Stadion mit einer luftgestützten Kuppel zu bauen, ähnlich dem BC Place Stadium in Vancouver. 1985 wurde ein internationaler Architekturwettbewerb ins Leben gerufen. Neben einem entsprechenden Entwurf für das Stadion suchte man auch einen geeigneten Standort. Ursprünglich standen der Exhibition Place, der Downsview Airport und die York University zur Diskussion. Schließlich setzte sich ein Grundstück in unmittelbarer Nähe zum CN Tower durch, das nahe einem wichtigen Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt in Toronto lag. Damit wertete man auch das CityPlace genannte Viertel in der südlichen Innenstadt auf, welches früher von der Canadian National Railway (CN) als Güterbahnhof genutzt wurde. Daher kaufte man für 150 Millionen Kanadische Dollar das Grundstück der Bahngesellschaft CN ab.

Den Entwurf für das Stadion selbst gewannen der Architekt Rod Robbie und der Ingenieur Michael Allan, die mit ihrem Konzept vor allem deswegen überzeugten, weil es das größte bewegliche Dach aller Finalisten vorsah und technisch ausgefeilt war.

Bau Der Generalunternehmer Ellis-Don Construction aus London in Ontario führte die Konstruktion des Stadions aus. Verschiedene Faktoren erschwerten die Bauarbeiten. So musste zunächst eine funktionierende Wasserpumpstation auf dem Grundstück umgesiedelt werden. Zudem war der Boden durch industrielle Nutzung kontaminiert. Da das Gelände zuvor der Bahngesellschaft CN gehört hatte, mussten entsprechende Gebäude abgerissen oder verschoben werden. Wegen archäologischer Funde war eine besondere Sorgfalt bei den Grabungsarbeiten für das Fundament notwendig. Die Pumpstation St. John wurde einige Meter verschoben und befindet sich heute südlich des Stadions. Die Grundsteinlegung erfolgte am 3. Oktober 1986.

Das komplett einfahrbare Dach des Stadions war weltweit das erste seiner Art. Weil man großen Wert auf die funktionale Zuverlässigkeit legte, hielten die Konstrukteure die Technik bewusst einfach. Gleichzeitig sollte die Gestaltung des Daches an eine Kuppel erinnern. Mit dem Einsatz bewährter Technologien sollten verschiedene Probleme, die beim Bau des Montrealer Olympiastadions aufgetreten waren, vermieden werden.

Finanzierung Die Baukosten von rund 570 Millionen Dollar teilten sich die kanadische Bundesregierung, die Provinzregierung von Ontario, die Stadt Toronto und ein Konsortium von über 30 Unternehmen.Rich Romell: Tax money for stadium site backed. In: Milwaukee Journal Sentinel, 16. Mai 1989 Dabei trug die öffentliche Hand nur rund 30 Millionen der Kosten. Die drei kanadischen Brauereien Labatt’, Molson und Carling O’Keefe trugen je fünf Millionen Dollar. Dazu kamen zahlreiche Unternehmen, die eine der 161 sogenannten Skyboxes finanzierten. Diese speziellen Lounges bieten Platz für jeweils 16 bis 40 Personen, beinhalten neben vier Parkplätzen auch ein eigenes Werbefeld und konnten für 150.000 bis 225.000 Dollar pro Jahr (1989) geleast werden.

Das Finanzierungsmodell stieß auf einige Kritik. Zum einen gab es keine öffentliche Ausschreibung für die Lieferungen und Ausrüstungen. Zum anderen empfand man die Exklusivität für Unternehmen, die sich mit fünf Millionen Dollar beteiligten und damit eine bis zu 99 Jahre dauernde Vertragslaufzeit erhielten, als unfair. Zu den unterzeichnenden Unternehmen gehörten Coca-Cola, TSN und CIBC. Diese Form der Ausschließlichkeit galt auch für Werbeverträge. Dadurch ergab sich die Situation, dass es Pepsi nicht erlaubt war, ihre Werbebanner bei einem Madonna-Konzert anzubringen. Pepsi erklärte damals, dass sie bereit gewesen wären, für die Vertragsbedingungen weit über 5 Millionen Dollar zu zahlen. Lokale Medien bezeichneten den Beitrag für die Werbung als „skandalös niedrig“.NOW, 3. Dezember 1998

Namensfindung und Eröffnung In einem 1987 von der Zeitung Toronto Sun gesponserten, weltweiten Namensfindungwettbewerb wurde der Name ermittelt. Über 150.000 Einreichungen mit 12.897 verschiedenen Namen gingen an die Auswahlkommission ein. Die vier verbliebenen Favoriten waren Towerdome, Harbourdome, SkyDome und The Dome. Über 2.000 Wettbewerbsteilnehmer hatten SkyDome vorgeschlagen. Per Losverfahren wurde Kellie Watson aus Wallaceburg in Ontario als Siegerin ermittelt, die damit eine lebenslange Eintrittskarte für alle Veranstaltungen des SkyDome gewann.

Die offizielle Eröffnungsfeierlichkeit fand am 3. Juni 1989 unter dem Motto „The Opening of SkyDome: A Celebration“ statt. Sportreporter Brian Williams moderierte die live vom Fernsehsender CBC ausgestrahlte Feier. Den über 50.000 Besuchern wurden an diesem Tag mehrere verschiedene Aufführungen dargeboten. An der Eröffnung anwesend waren unter anderen der Jazzpianist und Komponist Oscar Peterson, die Schauspielerin Andrea Martin, der Künstler André-Philippe Gagnon und die Rockband Glass Tiger. Der damalige Premierminister von Ontario, David Peterson, aktivierte das Öffnen des Daches durch einen Laserstrahl. Im Laufe der Feierlichkeiten ergoss sich ein Wolkenbruch über die Stadt. Trotzdem wurde das Dach nicht geschlossen, da im späteren Ablauf eine Gruppe von Fallschirmspringern Teil des Programms waren.

Am 5. Juni 1989 fand mit einem Baseballspiel der Toronto Blue Jays das erste Sportereignis im SkyDome statt.

Probleme in den 1990er Jahren Das Stadion geriet bereits wenige Jahre nach seiner Eröffnung zum finanziellen und damit auch zum politischen Problem für den liberalen Premierminister David Peterson. Im Jahr 1990 gewann Bob Rae von der Ontario New Democratic Party die Wahlen. Er ließ die finanzielle Situation überprüfen, die einen enormen Schuldenstand aufdeckte. Das Stadion hätte an 600 Tagen im Jahr ausgebucht sein müssen, um wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Im ersten Jahr waren durch das operative Geschäft 17 Millionen Dollar erwirtschaftet worden. Dem gegenüber standen 40 Millionen Dollar zur Tilgung der Schulden. Es wurde festgestellt, dass die sofortige Eingliederung eines Luxushotels und eines Wellness-Clubs durch die Stadium Corporation of Ontario Limited (Stadco) zusätzliche Kosten in Höhe von 112 Millionen Dollar aufbürdeten.

Da die Provinz in eine Rezession schlitterte, ernannte Bob Rae die Hochschulprofessoren Bruce Kidd und Bob White zu den Vorsitzendes der Stadco, um den wachsenden Schulden Herr zu werden. Es gab allerdings keine Möglichkeit, die Kosten rückgängig zu machen. Da die Provinzregierung in der Haftung stand, schwand die Unterstützung in der Öffentlichkeit für das Stadion mit seinen aufgeblähten Kosten und wurde damit zum sogenannten „weißen Elefanten“. Im März 1994 war Rae gezwungen, alle ausstehenden Schulden durch das Finanzministerium der Provinz begleichen zu lassen, und musste das Stadion zu einem sehr geminderten Preis von 151 Millionen Dollar an private Konsortialträger verkaufen.

Im November 1998 musste Gläubigerschutz beantragt werden. Einer der Hauptgründe war, dass die meisten Verträge für die Skyboxes zur Verlängerung anstanden und aufgrund eines Versehens die Mietverträge nur für zehn Jahre ausgelegt worden waren. Das gesunkene Marktinteresse an den zwei im Stadium beheimateten Sportteams führte damit bei weiteren Unternehmen zu einem sinkenden Interesse, sich an einer Skybox zu beteiligen. Dazu kam, dass das nahe gelegene Air Canada Centre im Bau befindlich war und die Spiele der in der Stadt besonders beachteten Mannschaften, Toronto Maple Leafs und der Emporkömmling Toronto Raptors, künftig dort stattfinden würden. Viele Unternehmen konnten es sich auch finanziell nicht leisten, in beiden Stadien eigene Lounges zu unterhalten.

Ende 1998 kaufte Sportsco International LP das Stadion für 85 Millionen Dollar aus dem Insolvenzschutz.Rogers Centre. ballparks.com

Erwerb durch Rogers und Umbenennung mini|Logo seit der Umbenennung in Rogers Centre 2004 erwarb das in Toronto ansässige kanadische Telekommunikationsunternehmen Rogers Communications, das auch Muttergesellschaft der Blue Jays ist, für 25 Millionen Dollar Anteile am SkyDome. Am 2. Februar 2005 verkündete der Firmengründer und damalige CEO Ted Rogers, dass sein Unternehmen die Unterstützung der Blue Jays signifikant auf 210 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre erhöhen werde und ein Vertrag zur Umbenennung des SkyDoms unterzeichnet werde. Nach dem Kauf für nur 25 Millionen Dollar ersetzte Rogers den ehemals hochmodernen JumboTron-Monitor durch eine neue Leinwand von Daktronics und weitere Monitore. Außerdem tauschte man den alten Kunstrasen AstroTurf gegen den moderneren FieldTurf aus.Goodbye SkyDome, hello Rogers Centre. cbcsports.ca, 3. Februar 2005