Das Landschaftsschutzgebiet Salzachsee-SaalachspitzSo die Kennzeichnung lt. Naturschutzbuch des Landes Salzburg. Von der Stadt Salzburg ist dieses Gebiet auch in der ursprünglichen Namensgebung als Landschaftsschutzgebiet Salzachsee ausgewiesen (vgl. , abgerufen am 15. August 2015). ist ein Landschaftsschutzgebiet im Nordwesten der Stadt Salzburg im Stadtteil Liefering. Für die Bevölkerung bedeutende geografische Objekte sind darin das Gebiet um den Salzachsee mit weiteren kleinen Seen sowie der sogenannte Saalachspitz, die nach Norden zulaufende Landspitze am Zusammenfluss von Saalach und Salzach, den beiden Hauptflüssen des Bundeslandes Salzburg.
Geografie Lage und Ausdehnung mini|Begrenzung des Landschaftsschutzgebiets Salzachsee-Saalachspitz in Salzburg Das Landschaftsschutzgebiet befindet sich am nordwestlichen Ende der Stadt Salzburg im Norden des Stadtteils Liefering am linken Ufer der Salzach, die somit die gesamte ostseitige Begrenzung bildet. Grenze des Schutzgebiets im Südosten und Süden sind die Theodostraße, die in nördliche Richtung verlaufende Schmiedingerstraße bis Höhe des Karlsbader Weihers sowie anschließend die wieder nach Süden führende Fischergasse bis etwa auf Höhe der Altglan, danach führt die Begrenzung weiter quer durch die sogenannten Lehenauen bis zum Forellenweg. Im Südwesten begrenzt sich das Schutzgebiet durch den Forellenweg bis nördlich der Forellenwegsiedlung und anschließend hin zur Saalach, die in der Folge bis zu ihrer Einmündung in die Salzach den gesamten westseitigen Abschluss bildet.
Am südlichen Rand des Schutzgebiets befindet sich die Salzachseesiedlung. Ausgespart vom geschützten Areal ist im Westen eine bebaute Enklave in der sogenannten Herrenau.
Das Schutzgebiet hat eine Fläche von 184,4 Hektar (ha) und liegt in der Katastralgemeinde Liefering II auf rund Der nördliche Teil, die nach Norden zulaufende Landspitze an der Mündung der Saalach in die Salzach, ist örtlich als Saalachspitz bekannt. Die östliche Begrenzung durch die Salzach bildet im äußerst nördlichen Abschnitt gleichzeitig die Stadtgrenze zur Gemeinde Bergheim, die Saalach im Westen ist über die gesamte Länge auch Staatsgrenze zu Bayern; gegenüber liegt die Stadt Freilassing.
Bodennutzung und Gewässer mini|Am Karlsbader Weiher Das geschützte Gebiet liegt auf einer Schotterebene über Seeton und Flyschgestein aus der Zeit der Oberkreide. Im Bereich des Landschaftsschutzgebiets besteht die heutige Bodennutzung zum überwiegenden Teil in Form von Wiesen und einigen Äckern sowie einem unterschiedlich breiten Waldsaum entlang von Saalach und Salzach. Der Saalachspitz ist weitgehend bewaldet. Zudem existieren in dem geschützten Gebiet eine rund 4,6 ha große Kleingartensiedlung sowie eine 2014 von einer örtlichen Initiative angelegte 4000 m² große Streuobstwiese.Vgl. , abgerufen am 16. August 2015.
In der Herrenau ist ein Teil des Landschaftsschutz-Areals mit Sporteinrichtungen verbaut.
mini|Die Altglan Durch das Gebiet fließt in nördliche Richtung in einem weitgehend natürlichen Bett die Altglan, das ist der unterste Abschnitt der Glan, die knapp 800 m südlich der Saalacheinmündung ebenfalls in die Salzach mündet. Bereits im südlichsten Bereich des Schutzgebietes mündet in die Altglan der Lieferinger Mühlbach.
Im südöstlichen Teil des Landschaftsschutzgebiets befindet sich der Salzachsee mit einigen weiteren Seen, die oft gemeinsam als Salzachseen bezeichnet werden. Von Bedeutung sind von diesen hauptsächlich der Badesee Liefering und der Karlsbader Weiher. Es handelt sich dabei um Baggerseen, die im 20. Jahrhundert entstanden sind.
Geschichte Das Gebiet des heute geschützten Areals war noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts gekennzeichnet von den weitläufigen Nebenarmen von Saalach und Salzach. Die zahlreichen dazwischen befindlichen Kiesbänke wurden alljährlich zu Hochwasserzeiten überschwemmt, und das Gelände veränderte sich immer wieder. Nachdem 1816 eine neue Grenze zwischen dem Königreich Bayern und dem nun Österreich zugeteilten Herzogtum Salzburg beschlossen worden war, wurde aus militärischen Gründen die Festlegung einer fixen Grenzlinie fällig. Diese sollte in der Mitte der Saalach liegen und nach deren Einmündung in die Salzach sich mittig dieser fortsetzen. So beschloss man Regulierungsmaßnahmen zur Herstellung eines fixen Bettes dieser Flüsse. Auch die Aussicht auf Eindämmung der Hochwasserschäden sowie auf die Gewinnung trockenen Landes zu landwirtschaftlichen und baulichen Zwecken trug nicht zuletzt aus fiskalischen Gründen das Ihrige zur Entscheidung mit bei. Die Trasse wurde nach einer bereits von Juli bis November 1817 vorgenommenen Kartierung festgelegt. Durch die in den nächsten Jahrzehnten folgende Eintiefung der Hauptgerinne erfolgte eine sukzessive Austrocknung der Nebenarme der Flüsse. Eine letzte Vermessung der Grenzlinie erfolgte in den 1950er Jahren.Zur Flussregulierung und Grenzziehung vgl. Der Lieferinger Kulturwanderweg, hrsg. vom Verein Stadtteilmuseum Salzburg-Liefering. [o. V.] Salzburg 2006, S. 174ff. sowie Liefering. Das Dorf in der Stadt, hrsg. vom Kuratorium der Peter-Pfenninger-Schenkung Liefering, [o. V.] Salzburg 1997, S. 413.
Unmittelbar nördlich des Zusammenflusses von Saalach und Salzach existierte noch um 1930 ein Fährbetrieb zwischen dem heute zu Freilassing gehörenden Salzburghofen und dem zu Bergheim gehörenden Ort Muntigl.
Bald nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland im Jahr 1938 fing man mit dem Bau der geplanten Reichsautobahn nach Wien, der heutigen Westautobahn (A 1), an. Im Zuge dessen begann man im östlichen und südöstlichen Bereich des heutigen Schutzgebiets mit der Rodung und dem Aushub von Erdmaterial für die Autobahnböschung. Größter der dabei entstandenen Baggerseen, die schon bald zum Baden genutzt wurden, war der Salzachsee, dessen Name ein Provisorium war, das bestehen blieb. Unter dem Titel „Der Salzach-See. LeopoldskronGemeint ist der damals auch als Badesee genutzte Leopoldskroner Weiher neben dem Schloss Leopoldskron im Süden Salzburgs. hat Konkurrenz bekommen“ wird in der Presse berichtet: Bereits zu dieser Zeit wird von einem zukünftigen Naherholungsgebiet mit Badestrand, Spielplätzen, Sonnenterrassen und einem eventuellen Hotel gesprochen.
Den Saalachspitz als abgelegenen Treffpunkt von Kriegsflüchtlingen aus dem Osten thematisiert der Salzburger Autor Wolfgang Kauer in seiner Erzählung Treibgut am Saalachspitz.vgl. Kauer 2010: Treibgut am Saalachspitz In: Wolfgang Kauer: Funken regen. Prosa. Verlag arovell, Gosau 2010, ISBN 9783902547088, S. 4–15
In den 1950er Jahren erfolgte in diesem Raum auch Schotterabbau für Wohnbauzwecke. Das heutige Schutzareal wurde in den folgenden zwei Jahrzehnten an verschiedenen Stellen auch als Mülldeponie genutzt. Vorkehrungen betreffend den Umweltschutz, im Besonderen der Wasserverunreinigung, sind unterblieben, sodass diese Stellen heute teilweise als Altlasten beobachtet werden. Bezüglich der ohnehin begrenzten Bautätigkeit im Bereich des Landschaftsschutzgebietes sind daher zusätzliche Richtlinien einzuhalten.
Altlasten Hinsichtlich des Umweltschutzes stehen zwei Areale als Altlasten unter Beobachtung:
Die Altlast Salzachsee-Nord ist das Gebiet nördlich des Badesees Liefering bis zum Saalachspitz. Auf rund 138.000 m² wurden ab 1959 in erster Linie Hausmüll und Bauschutt abgelagert sowie von 1977 bis 1985 Gartenabfälle, Straßenkehricht und Erdaushub. Die über 10 m mächtigen Ablagerungen wurden ohne Vorkehrungen zum Grundwasserschutz vorgenommen. Stellenweise kommt es – mit abnehmender Tendenz – zu Deponiegasbildung und zur Beeinträchtigung der Grundwasserqualität. Das hier vorhandene Grundwasser wird nicht genutzt. Im Herbst 2003 wurde das Gebiet zur Altlast erklärt.Detaillierte Ausführungen in: Umweltbundesamt: , 2003, abgerufen am 15. August 2015. Das Gelände ist heute Grüngebiet.
Die Altlast Herrenau befindet sich im Westen des Schutzgebietes. Die frühere Deponie Herrenau umfasste ein Gelände von rund 114.000 m², in dem von 1973 bis 1979 Bauschutt, Sperrmüll sowie Gewerbe- und Industriemüll abgelagert wurde. Es wird eine geringe Deponiegasbildung und auch eine Beeinträchtigung des Grundwassers verzeichnet, das allerdings nicht genutzt wird. Das Gebiet wurde im Februar 1999 zur Altlast erklärt.Vgl. Umweltbundesamt: Altlast S 11 Deponie Herrenau, abgerufen am 15. August 2015. Auf dem Areal befindet sich heute unter anderem die Lieferinger Kleingartenanlage.
mini|Am Lieferinger Fischteich – das heutige Landschaftsgepräge im Gebiet der früheren salzachnahen Mülldeponie und Altablagerung Salzachsee-Süd Bei der Altablagerung Salzachsee-Süd handelt es sich um eine ehemalige rund 114,00 m² große Schottergrube, in die von 1959 bis 1977 Hausmüll, Bauschutt und Aushubmaterial abgelagert wurden. Das unter Beobachtung stehende Gebiet wurde Mitte 2010 vom Umweltbundesamt aus dem Verdachtsflächenkataster gestrichen, ist aber weiterhin als Registrierte Altablagerung gelistet. Für das Gelände, auf dem sich heute unter anderem der Lieferinger Fischteich und der Salzachsee befinden, gelten aus Sicherheitsgründen weiterhin die auch für die Altlastengebiete gültigen Vorsichtsmaßnahmen.
Die Oberflächengewässer im gesamten Landschaftsschutzgebiet befinden sich außer- bzw. oberhalb der Altablagerungen.
Unterschutzstellung Große Bereiche der salzachnahen Mülldeponie wurden 1966 geschlossen und ab 1967 allmählich rekultiviert und schrittweise in eine Erholungslandschaft umgestaltet. Mit 1. Juli 1967 wurde das Landschaftsschutzgebiet Salzachsee eingerichtet. Die Wiederherstellung der staubigen und großflächig devastierten Landschaft feierte man damals als Großtat. Nach der Unterschutzstellung wurde der Druck der Bevölkerung nach einem raschen Ende der Deponierung immer größer, sodass die Deponie 1977 endgültig geschlossen wurde.
Eine wesentliche Bereicherung erhielt das Schutzgebiet mit 1. Mai 1982 durch Einbeziehung der westlich an die Salzachseen angrenzenden, naturnahen Wiesen- und Auwaldlandschaft. Diese beinhaltete allerdings auch das Gebiet der heutigen Altlast Herrenau, das bis 1979 zur Müllentsorgung gedient hatte. Seit dieser Erweiterung heißt das Gebiet „Landschaftsschutzgebiet Salzachsee-Saalachspitz“ und ist im Naturschutzbuch des Landes Salzburg unter der Nummer LSG 00055 verzeichnet.
Zweck des Schutzes ist „die Erhaltung 1. der besonderen landschaftlichen Schönheit […] (Wiesenlandschaft mit ihren Bachläufen und Gehölzsäumen, Parklandschaft mit Seen und Weihern, Auwaldsaum); 2. des bedeutenden Erlebnis- und Erholungswertes der für den Stadtbereich Salzburg charakteristischen Kulturlandschaft, die an den dicht verbauten Siedlungsraum Lehen/Liefering angrenzt“.
Die Stadt Salzburg ist einerseits seit Jahrzehnten bemüht, einen möglichst großen Grünraum im Stadtgebiet und an der Peripherie zu den Nachbargemeinden zu erhalten; das Landschaftsschutzgebiet Salzachsee-Saalachspitz ist neben dem ebenfalls 1967 begründeten Landschaftsschutzgebiet Hellbrunn (heute Teil des Landschaftsschutzgebiets Salzburg-Süd) eines der ältesten Schutzgebiete der Stadt. Andererseits gibt es Ausnahmeregelungen beim Bau von Gebäuden und Anlagen in Schutzgebieten. Im Landschaftsschutzgebiet Salzachsee-Saalachspitz wurde entgegen Protesten seitens der BevölkerungVgl. , abgerufen am 15. August 2015. Ende 2008 dem Bau einer Profifußball-Akademie seitens des Red Bull-Konzerns zugestimmt, welche in der Folge auf dem Gelände der früheren Trabrennbahn in der Herrenau auch errichtet wurde. Eine Erweiterung für den Bereich Eishockey erfolgte wenige Jahre später.
Umgestaltung des Saalachspitzes 2014