mini|300px|Oberviechtach mit Blick auf Burg Murach (2018) mini|300px|Industriegebiet Oberviechtach, im Hintergrund Hof (2017)
Oberviechtach ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf und ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Oberviechtach liegt im Naturpark Oberpfälzer Wald am Steinbach.
Nachbargemeinden Oberviechtach grenzt an folgende Gemeinden: Teunz, Niedermurach, Dieterskirchen, Winklarn, Schönsee, Eslarn, Moosbach.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde hat 42 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Weitere Orte: Schieberberg, zu Pirkhof
Wüstungen: Falzhäusl Greiner (Pullenried), auch Greinerschleif Stangenberg (Langau)
Geschichte mini|300px|Eisenbarth- und Stadtmuseum, neues Stadtarchiv (2022) Bis zur Gemeindegründung Der Name des im bayerischen Nordgau gelegenen Ortes wurde zum ersten Mal 1237 als „Viehta“ urkundlich erwähnt.Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz. München 2006, Seite 197. Im Jahr 1272 wurde er als „Vichta“ bezeichnet, um etwa 1285 als „Vihtach“, kurz nach 1301 als „Viehtach“, 1326 als „Vihtah“ und 1360 als „Viechtach“. Mit dem Namenszusatz „Ober“ wurde er zum ersten Mal 1488 genannt, als er als „Obern Viechtach“ bezeugt wurde. Es folgten weitere Nennungen in ähnlicher Form, bis schließlich 1665 die heute gültige Schreibweise zum ersten Mal verwendet wurde. Der Ortsname geht auf den mittelhochdeutschen Begriff „viehtach“ zurück, der „Fichtenwald“ bedeutet. Das Adjektiv „Ober“ dient dazu, um den Ort von der im Landkreis Regen gelegenen niederbayerischen Stadt Viechtach zu unterscheiden.
Im Jahr 1337 erhielt der Ort als „Viechtach“ Marktrechte. In den Hussitenkriegen wurde die Stadt zweimal zerstört, 1420 und erneut 1432. 1580 wurde im Zuge einer Landesvisitation erstmals eine Schule erwähnt, mit negativem Urteil. Der Ort gehörte zum Rentamt Amberg und zum Landgericht Murach im Kurfürstentum Bayern.
Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
20. Jahrhundert Im Jahre 1913 wurde eine Bahnstrecke von Nabburg über Oberviechtach nach Schönsee fertiggestellt. 1952 wurde Oberviechtach zur Stadt erhoben und 1961 Garnisonsstadt durch den Einzug des Panzergrenadierbataillons 122.
Bis zur Gebietsreform in Bayern vom 1. Juli 1972 war die Stadt Sitz des Landkreises Oberviechtach. Mit der Kreisreform verlor die Stadt das Landratsamt und weitere wichtige Ämter. Der Landkreis Oberviechtach war mit etwa 15.000 Einwohnern der zweitkleinste Landkreis der Bundesrepublik Deutschland sowie der kleinste Landkreis Bayerns und einer mit geringem Einkommensdurchschnitt. Er wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern aufgelöstAlois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, Gleiritsch 2018, S. 6 und zusammen mit den damaligen Landkreisen Burglengenfeld, Nabburg und Neunburg vorm Wald sowie der bis dahin kreisfreien Stadt Schwandorf im Landkreis Schwandorf zusammengefasst.
Eingemeindungen Im Jahr 1946 wurden die Gemeinden Eigelsberg und Hof sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Nunzenried eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kamen am 1. Januar 1972 Lind und Obermurach hinzu. Am 1. Juli 1972 folgten Pullenried und Wildeppenried mit den 1945 oder 1946 eingegliederten Gebietsteilen von Pirkhof. Am 1. Juli 1976 kam Langau hinzu.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 4732 auf 5030 um 298 Einwohner bzw. um 6,3 %. Einwohnerentwicklung in der Gemeinde Oberviechtach unter Berücksichtigung der Eingemeindungen:
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Oberviechtach von 1840 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner 1840 3935 1871 3835 1900 3531 1925 3251 1939 3179 1950 3935 1961 3960 1970 5014 1987 4698 Jahr Einwohner 1991 4906 1995 5061 2005 5057 2010 4840 2015 4948 2017 4967 2022 4994 2023 4936 2025 4908
Politik Stadtrat Nach den Kommunalwahlen seit 2014 ergaben sich folgende Sitzverteilungen im Stadtrat:
SPD JW1 PWG2 PWG-OT3 Aktive CWG4 CSU JU Bayern GesamtSitze 2014Website Oberviechtach 1 1 4 2 1 2 5 – 16Sitze 2020 1 1 6 2 – 2 6 2 20 1 Junge Wähler 2 Parteilose Wählergemeinschaft 3 Parteilose Wählergemeinschaft-Ortsteile 4 Christliche Wählergemeinschaft
Nach den Kommunalwahlen 2026 ergab sich folgende Sitzverteilung im Stadtrat:
SPD JW1 PWG2 PWG-OT3 AfD CWG4 CSU Junges Oberviechtach2 GesamtSitze 2026Website Oberviechtach 1 1 6 3 1 2 4 2 20 1 Junge Wähler 2 Parteilose Wählergemeinschaft 3 Parteilose Wählergemeinschaft-Ortsteile 4 Christliche Wählergemeinschaft
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2020 Rudolf Teplitzky jun. Seine Vorgänger waren ab 2008 Heinz Weigl (Parteilose Wählergruppe) und ab 1989 Wilfried Neuber (Parteilose Wählergruppe).
Wappen
Städtepartnerschaften Paten- und Partnerstädte von Oberviechtach sind: Nabburg in der Oberpfalz, seit 1952 Hann. Münden in Niedersachsen (Sterbeort von Dr. Eisenbarth), seit 1978 Raschau-Markersbach im Erzgebirge, (Partnerschaft seit 1990 mit der bis 2007 selbständigen Gemeinde Raschau) Bronnyky (Riwne) (Ukraine), seit 1991 (seit 2006 mit Riwne)Partnerschaften auf oberviechtach.de. Abgerufen am 20. April 2023.
Weiterhin besteht seit 1984 eine Patenschaft zur 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 122, das in Oberviechtach seinen Standort hat.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|300px|Eisenbarth-und-Stadtmuseum mit neuem Stadtarchiv (2022) Doktor-Eisenbarth-Brunnen Dr.-Max-Schwarz-Brunnen Brunnen am Rathaus mit der Geschichte der Stadt Denkmäler (Zahlwein, Pater Knellinger, Dr. Eisenbarth) Stadtarchiv Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum (ehemalige Marktmühle)Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Ein verkannter Medicus, doch populär und sehr geschickt. (Das Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum in Oberviechtach) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, S. 138–140, ISBN 978-3-7776-2511-9. Katholische Pfarrkirche „St. Johannes der Täufer“ aus dem Jahr 1689, Umbau 1775/76 St.-Ägidius-Kirche (Hof) Burgruine Murach
9-11–WTC–Mahnmal Oberviechtach Am 8. Oktober 2011 wurde in Oberviechtach ein Mahnmal zur Erinnerung an die Terroranschläge am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York City enthüllt. Es besteht aus dem Artefakt # H-0031a, einem 650 Kilogramm schweren Stück eines Stahlträgers aus den Überresten der zerstörten Zwillingstürme. Dieses Stahlteil liegt auf einem Block Oberpfälzer Granits. Davor steht eine Nachbildung der Zwillingstürme aus Glas. Bei der Einweihung des Mahnmals hielt Regierungspräsidentin Brigitta Brunner eine Rede. Sie erklärte, dass dieses Denkmal für die Ablehnung jeglicher ideologischer Radikalität und politischem Extremismus steht und ein Bekenntnis zu gesellschaftlicher Toleranz und sozialer kultureller Vielfalt ist.http://www.oberviechtach.de/index.php?article_id=148
Bereits die Einweihungsveranstaltung des Denkmals wurde durch Neonazis gestört. Sie riefen in der Folge mehr oder weniger unverhüllt zur Sprengung des Denkmals auf.
Baudenkmäler
Musik Der 1963 gegründete Kolping-Spielmannszug nahm 2007 und 2008 am Deutschen Orchesterwettbewerb teil. 2019 wurde der Kolping-Spielmannszug Oberviechtach bei der „Bayerischen Meisterschaft für Spielleute“ Sieger in der Kategorie „Kombinierte Spielmannszüge“. Im Jahr 2025 wurde bei der Deutschen Meisterschaft Spielleutemusik der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände in Ulm der Titel „Deutscher Meister“ in den Besetzungen „A5 – Gemischte Besetzungen“ und „A5 – Gemischte Besetzungen / Jugend“ errungen.
In der Stadt gibt es eine Stadtkapelle, die 1988 auf Initiative des Stadtrats Ludwig Berger wiedergegründet wurde. Im Jahr 2007 nahm das Orchester mit mehr als 40 Musikern an der traditionellen Steubenparade in New York City teil.
Theater Das OVIGO Theater, das sich 1979 am Ortenburg-Gymnasium als Schulspielgruppe formte und sich 2012 verselbständigte, kommt aus Oberviechtach und bespielt mit Produktionen aus allen Sparten den gesamten Landkreis Schwandorf. 2015 gewann der Verein den Bayerischen Amateurtheaterpreis, 2018 den Zukunftspreis im Landkreis Schwandorf. Der OVIGO Theater e. V. hat über 200 Mitglieder und begrüßte seit der Neugründung 2012 bereits über 20.000 Besucher.
Regelmäßige Veranstaltungen Jährlich wird am Marktplatz das Doktor-Eisenbarth-Festspiel aufgeführt, in dem die Geschichte des in Oberviechtach geborenen Johann Andreas Eisenbarth erzählt wird.
Ganzjährig kann die Burgruine Murach bei den „Zeitreisen“ des OVIGO Theaters (geführte Erlebniswanderungen) besichtigt werden.
Bilder
Wirtschaft und Infrastruktur Die Stadt ist staatlich anerkannter Erholungsort. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde in Oberviechtach Goldbergbau betrieben.
Verkehr Schienenverkehr
Der nächstgelegene Bahnhof ist heute Nabburg an der Bahnstrecke Regensburg–Weiden.
Von 1904 bis 1976 fuhren Personenzüge von Nabburg nach Oberviechtach und ab 1913 weiter nach Schönsee. 1995 wurde auch der Güterverkehr eingestellt, nachdem die Bundeswehr in Oberviechtach auf den Bahnanschluss verzichten konnte. Die Bahnstrecke Nabburg–Schönsee ist heute ein Rad- und Wanderweg. Das Bahnhofsgebäude ist erhalten und renoviert. Vor dem Gebäude erinnert eine Denkmallokomotive an den Bahnbetrieb.
Straßenverkehr Der nächstgelegene Autobahnanschluss liegt ebenfalls in Nabburg an der A 93. Er ist etwa 20 km entfernt. Nach Oberviechtach führt die Bundesstraße 22 - oft als „Ostmarkstraße“ bezeichnet. Heute wird die Stadt in Nord-Süd-Richtung umfahren. Die Staatsstraße 2159 verläuft in Ost-West-Richtung. Nach Süden Richtung Dieterskirchen führt die Staatsstraße 2398. Die Kreisstraße SAD 42 verläuft nach Norden Richtung Teunz.
Öffentliche Einrichtungen Oberviechtach ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oberviechtach. Sie umfasst die umliegenden Gemeinden Gleiritsch, Niedermurach, Teunz und Winklarn (Oberpfalz) mit zusammen rund 5500 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2003). Oberviechtach ist Sitz der Grundbuchumschreibungsstelle des Amtsgerichts München.
In Oberviechtach befindet sich seit 1961 der für die Stadt bedeutsame Standort des Panzergrenadierbataillons 122 der Bundeswehr. Oberviechtach war bis zum 31. Dezember 2002 Sitz einer Standortverwaltung für die Bundeswehrstandorte in den Landkreisen Schwandorf und Cham mit 700 zivilen Mitarbeitern für 5000 Soldaten.
Bildung Oberviechtach hat ein für die Region zentral gelegenes Gymnasium, das Ortenburg-Gymnasium, eine Grundschule, eine Mittelschule mit M-Zug und Ganztagsbetreuung, die Doktor-Eisenbarth-SchuleRudolf Teplitzky, Doktor-Eisenbarth-Schule Oberviechtach, 50 Jahre (1965–2015), S. 8, Oberviechtach 2015, ISBN 978-3-00-049802-2, eine Förderschule und eine staatlich anerkannte Berufsfachschule.
Sport und Freizeit Oberviechtach hat mehrere Tennisplätze, eine Mehrzweckhalle, eine Dreifachturnhalle, das Jahn-Stadion und ein Freibad. Der TSV Oberviechtach e. V. hat auf seinem Gelände einen Fußballplatz und eine Bogenschieß-Anlage. In der Stadt und in einigen Ortsteilen gibt es Kinderspielplätze.
Der TSV Oberviechtach ist ein Mehrspartensportverein der u. a. Fußball und Bogenschießen anbietet. Der HV Oberviechtach ist ein Handballverein, der mit zwei Herren, zwei Damenteams und 15 Nachwuchsmannschaften am Spielbetrieb des Bayerischen Handballverbandes (BHV) teilnimmt. Das Frauenteam des HVO nimmt nach der Ostbayerischen Meisterschaft an der Bayerischen Oberliga 2024/25 teil.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Balthasar Knellinger (1634–1696), Prediger Johann Andreas Eisenbarth (1663–1727), Handwerkschirurg, Wundarzt und Starstecher, bekannt durch das Spottlied Ich bin der Doktor Eisenbarth