mini|Blick in den Innenpark vom Herrmannsberg aus, im Hintergrund die Landpyramide mini|Schloss Branitz mit dem umgebenden Pleasureground (2021)

Der Branitzer Park ist ein von Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) ab 1846 auf seinem Besitz, dem Majorat Branitz, nahe der Stadt Cottbus angelegter Landschaftspark mit unterschiedlich gestalteten Parkbereichen. Die Parklandschaft ist die bedeutendste der Cottbuser Parkanlagen und einer der letzten großen Englischen Landschaftsparks, die im 19. Jahrhundert auf dem europäischen Kontinent angelegt wurden.

Das Besondere am Branitzer Park ist, dass Fürst Pückler hier aus einer ebenen Agrarlandschaft ein künstliches Relief aus Hügeln und Tälern sowie Gewässern schuf und den Park mit gezielten Gehölzpflanzungen, Wegen und Architekturen zu einer idealisierten, natürlich anmutenden Landschaft gestaltete.

Im Zentrum des 622 Hektar großen Areals befindet sich Schloss Branitz, in dem Pückler mit seiner von ihm 1826 geschiedenen Frau Lucie von Pückler-Muskau (1776–1854) lebte. Wahrzeichen des Parks sind die Seepyramide, in der Lucie und Herrmann von Pückler beigesetzt wurden, und die in der Nähe liegende Landpyramide.

Geschichte mini|hochkant|links|Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) mini|Transport großer Bäume mit einem Großbaumverpflanzwagen um 1828 mini|Nachbau des von Fürst Pückler-Muskau zum Verpflanzen großer Bäume verwendeten Großbaumverpflanzwagens mini|hochkant|Baumpflanzung nach historischem Vorbild mit dem Nachbau eines Großbaumverpflanzwagens

Das Majorat Branitz gelangte 1696 in den Besitz der Grafenfamilie Pückler. 1785 zog die Familie nach Muskau; Branitz wurde verpachtet. 1845 musste Hermann von Pückler-Muskau die Standesherrschaft Muskau, darunter sein Wohnsitz Schloss Muskau und die angrenzenden Muskauerer Parkanlagen, aufgrund finanzieller Probleme verkaufen. Er legte in Branitz ab 1846 nach englischem Vorbild einen Landschaftspark an und bezog 1852 mit Fürstin Lucie sein um- und ausgebautes Branitzer Schloss. Bis heute ist der von Pückler geschaffene Branitzer Landschaftspark zu einer Größe von über 620 ha angewachsen.

Durch seine Parkschöpfungen, insbesondere in Muskau und Branitz, zählt Hermann Fürst von Pückler-Muskau neben Peter Joseph Lenné und Friedrich Ludwig Sckell zu den bedeutendsten deutschen Gartenkünstlern des 19. Jahrhunderts. Nach Pücklers Tod durchliefen Schloss und Park eine wechselvolle Geschichte, die sich in zwei Hauptphasen gliedert: Die Zeit bis 1945, in der sich Pücklers Erbe in den Händen seiner Nachfahren befand, und daran anschließend die als öffentliches Eigentum.

Der Pflichterbe des Majorats Branitz, Pücklers Stiefcousin Heinrich von Pückler, nahm am Branitzer Landschaftspark weitreichende Um- und Ausgestaltungen vor; dabei setzte er auch eigene Ideen um.Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Stadt Cottbus/Chóśebuz, abgerufen am 1. September 2023. Da Heinrich Graf von Pückler meist nicht vor Ort war, betraute er den von ihm weiterbeschäftigten Obergärtner Georg Bleyer mit der Leitung der im Park anstehenden Arbeiten. Unter dem darauf folgenden Erben August von Pückler (1864–1937) wurden kaum Veränderungen vorgenommen, auch nicht nach dem Ersten Weltkrieg, als das Schloss wieder Hauptwohnsitz der Pücklers wurde; eine hinreichende Parkpflege unterblieb. Wirtschaftliche Probleme führten ab 1931 zu umfangreichen Landverkäufen und ab 1933 zur Fremdverwaltung des Besitzes. In einem 1934 geschlossenen Vertrag verpflichtete sich die Stadt Cottbus, die Hälfte der Kosten zur Unterhaltung des Branitzer Parks zu übernehmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie von Pückler im Rahmen der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet; Park und Schloss Branitz wurden in Volkseigentum überführt.PARK UND SCHLOSS BRANITZ NACH FÜRST PÜCKLER/4.1.3 Enteignung der Familie von Pückler im Rahmen der Bodenreform (PDF)

Seit 1995 gehören der Innenpark mit dem umgebenden Pleasureground und dem Branitzer Schloss sowie den fast 30 Branitzer ParkbautenParkbauten. Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss, abgerufen am 8. September 2023. und Brücken zu der von der Stadt Cottbus gegründeten kommunalen Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz, die 2018 in eine Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Brandenburg umgewandelt wurde. Nach und nach wurden Teile der früheren Gutsökonomie sowie die ehemalige Schlossgärtnerei saniert.

Die Branitzer Parklandschaft steht als Gartendenkmal auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg. Darüber hinaus gibt es Bestrebungen, die Anlage in das UNESCO-Weltkulturerbe aufnehmen zu lassen.Christian Taubert: Branitzer Park kämpft ums Weltkulturerbe. Der Fürst-Pückler-Park Branitz wurde 2010 eines von vier Gründungsmitgliedern im Europäischen Parkverbund Lausitz. Weitere Mitglieder sind der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, der Ostdeutsche Rosengarten Forst und der Schlosspark Brody/Pförten. Seit 2017 gehören fünf weitere Parks dazu.Regina Weiß: Parkverbund zieht größere Kreise in: Lausitzer Rundschau 14. Juni 2017, Ausgabe Weißwasser, abgerufen am 3. März 2018Rolf Ullmann: in: Sächsische Zeitung 26. Februar 2018, abgerufen am 3. März 2018(hnr.): Lausitzer Parkverbund wächst von vier auf neun. In: Der Märkische Bote, 3. März 2018, Ausgabe Senftenberg und Umland; abgerufen am 3. März 2018 Am 27. Mai 2019 wurde der Branitzer Park in das European Garden Heritage Network aufgenommen.Michael Helbig: Branitz ist jetzt Mitglied im europäischen Gartennetzwerk. In: Lausitzer Rundschau, 27. Mai 2019, abgerufen am 9. Juni 2019.

Für 2012 wurden rund 200.000 Besucher der Parkanlagen und 63.000 Besucher der Museen und sonstigen Veranstaltungen ermittelt; 2021 waren es ca. 400.000 Parkbesucher. Ende August 2015 wurde die Restaurierung der Seepyramide abgeschlossen.Anna Ringle: In: Sächsische Zeitung, 26. August 2015. Die als Stufenpyramide errichtete Landpyramide erhielt anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Branitzer Parklandschaft im Jahr 2021 ihre ursprünglich vorhandenen 12 Stufen zurück. Im Frühjahr 2024 wurde die historische Zaunanlage des Parks wiederhergestellt. Im April 2026 wurde eine der Parkstiftung gehörende, ehemalige Gärtnerei nördlich des Branitzer Parks abgerissen. Die Pückler-Stiftung plant auf dem Gelände die Anlage einer sogenannten Baumuniversität.Antje Herkt: Was hinter dem Abriss der alten Gärtnerei in Branitz steckt. Lausitzer Rundschau, 10. April 2026, abgerufen am 15. April 2026.

Gliederung und Gestaltung mini|links|Plan vom zonierten Branitzer Landschaftspark mit Pleasureground um Schloss Branitz, Innenpark und Außenpark mini|Pyramidensee mit Blick auf die Seepyramide – Begräbnisstätte von Fürst Pückler und Fürstin Lucie mini|links|Teil des Innenparks – vorne die Landpyramide, rechts im Hintergrund der Herrmannsberg mini|Orangerie und ehem. Schlossgärtnerei

Einführung

Nachdem Fürst Pückler die Standesherrschaft Muskau im April 1845 verkauft hatte, hielt er sich zunächst längere Zeit in Preußen und in Thüringen auf. Dort war er maßgeblich an der Gestaltung der Parkanlagen um Schloss Babelsberg beteiligt und wirkte parallel dazu bei befreundeten Auftraggebern mit an der Gestaltung von Englischen Landschaftsparks bei Schloss Ettersburg, Schloss Tiefurt, Schloss Wilhelmsthal sowie in Eisenach und Altenstein.Stefanie Krihning, Angelika Schneider: Von fürstlichen Wünschen und gärtnerischen Realitäten. Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach, Eduard Petzold, Hermann von Pückler-Muskau und der Ettersburger Schlosspark. In: Die Gartenkunst. Band 24, Nr. 2, 2012, S. 169–189.Karl Eisbein: Pücklers Arbeiten in Babelsberg. In: Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz (Hrsg.): 150 Jahre Branitzer Park. Garten-Kunst-Werk, Wandel und Bewahrung. Kolloquium der Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloß Branitz. Cottbus/Branitz, 10. – 12. Oktober 1996. Edition Branitz, Band 3. Cottbus 1998, Seite 195.

Ab 1846 begann er seinen Landbesitz in Branitz in einen Englischen Landschaftsgarten umzugestalten. Er unterteilte das Areal zunächst nach dem Zonierungsprinzip in unterschiedlich gestaltete Bereiche. Damit folgte er dem Gestaltungskonzept des englischen Landschaftsarchitekten Humphry Repton (1752–1818) bei der Gestaltung von Landschaftsgärten im englischen Stil. Der entsprechend „zonierte Landschaftspark“ ist gegliedert in den Pleasureground, den Innenpark sowie den Außenpark. Die Intensität der Gestaltung nimmt in der als „vollkommen künstliches Relief aus Hügeln und Tälern sowie Gewässern“ angelegten Parklandschaft von außen nach innen zu; im Zentrum befindet sich der Pleasureground.Park Branitz. Stadt Cottbus/Chóśebuz, abgerufen am 1. September 2023. Dieser das Schloss umschließende Bereich des Parks ist, so Pückler selbst: „… ein an das Haus stoßendes, geschmücktes und eingezäuntes Terrain, von weit größerem Umfang als Gärten zu haben pflegen, gewissermaßen ein Mittelding, ein Verbindungsglied zwischen dem Park und den eigentlichen Gärten.“Hermann Fürst von Pückler-Muskau: Andeutungen über Landschaftsgärtnerei. Fünfter Abschnitt: Park und Gärten. Stuttgart 1834, S. 48 (Fußnote).

Nachdem in den 1850er Jahren der Pleasureground fertiggestellt worden war, ließ Pückler als Reminiszenz an seine Orientreise (1834–1840) in einem als Pyramidenebene bezeichneten Areal des Innenparks zwei Grabhügel in Form von Pyramiden für sich und Fürstin Lucie errichten.Der Branitzer Park — Pücklers Meisterwerk. Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, abgerufen am 15. September 2023. Das ursprünglich ebene Gelände des Branitzer Parks ist im Bereich der Pyramidenebene nicht durch Aufschüttungen überformt. Stattdessen wurden auf dem flachen, allseitig von Wald umgebene Gelände große Rasenflächen und gewundene Wasserläufe angelegt, die den gesamten Innenpark durchziehen und im Pyramidensee, in dessen Mitte die Seepyramide liegt, münden. Für das Gewässersystem nutzte Fürst Pückler den anstehenden hohen Grundwasserstand und die in der Nähe gelegene Spree.Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, abgerufen am 5. Oktober 2024.

Pleasureground um Schloss Branitz mini|Pergolagarten, angelegt nach Beseitigung der Italienischen Mauer – die Pergola im Hintergrund markiert deren früheren Verlauf mini|links|Henriette-Sontag-Kiosk – in dessen Mitte die Büste der von Fürst Pückler-Muskau verehrten Henriette Sontag

Am Schloss legte der Fürst einen mit Blumenbeeten, Plastiken und Ziergehölzen ausgestatteten Pleasureground an, der zu Fürst Pücklers Lebzeiten der am intensivsten und repräsentativsten ausgestaltete Bereich des „zonierten“ Branitzer Landschaftsparks war. Wie er in seinem Fachbuch Andeutungen über Landschaftsgärtnerei von 1834 schreibt, wurde dieser mit mehreren Sondergärten (Bürger- oder Theegarten, Rehgarten, Pergolagarten, Pleasureobstgarten) als Fortsetzung der Räume des Schlosses unter freiem Himmel gestaltet.Hermann Fürst von Pückler-Muskau: Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung. Stuttgart 1834, S. 52 f. Samtartiger Rasen, zahlreiche prächtige Blumenbeete und Skulpturen zierten einst den im Zentrum des Parks gelegenen Bereich, den eine vielgestaltige, heute nur teilweise vorhandene Einfriedung umgab.

Im Randbereich des Pleasuregrounds steht der Henriette-Sontag-Kiosk. In dem auch als Rosenlaube bezeichneten Kiosk – sog. Kioske kamen im 18. Jahrhundert mit den Englischen Landschaftsgärten in Mode – steht die vergoldete Büste der Primadonna Henriette Sontag. Zuerst stand diese im Muskauer Park; Pückler ließ sie von dort 1861 nach Branitz holen und stellte sie in dem mit Rosen umrankten Kiosk auf. Zur Büste der Primadonna und zur ebenfalls vergoldeten Büste der Gräfin Jeanette Caroline von Alopäus (1783–1869), die noch im Muskauer Schloss steht, äußerte er sich in der „zweiten Abtheilung der Andeutungen“ (Beschreibung des Parks zu Muskau und seiner Entstehung):