Die Schlacht um Narvik fand vor und im bis dato neutralen Norwegen ab dem 9. April 1940 infolge der wetterbedingt nahezu gleichzeitig ausgelösten britischen Operation Wilfred und dem deutschen Unternehmen Weserübung hauptsächlich in Form von zwei verlustreichen Seegefechten statt. Dabei verlor die deutsche Kriegsmarine alle zehn vor dem wichtigen Eisenerz-Hafen Narvik eingesetzten Zerstörer gegen die überraschend eingreifende Royal Navy. Die Kämpfe an Land waren weniger blutig, aber länger. Die angelandeten Landstreitkräfte der Deutschen, verstärkt durch die Besatzungen der versenkten Schiffe („Gebirgsmarine“) sowie später mit Luftlandetruppen, nahmen zwar die Stadt ein, waren aber auf Dauer zahlenmäßig unterlegen, denn die Alliierten konnten bei Narvik weitgehend ungehindert Verstärkung anlanden und wurden zusammen mit den Norwegern in der Region etwa fünffach so stark. Allerdings waren in südlichen Teilen Norwegens die deutschen Offensiven erfolgreich, so dass der Zweite Weltkrieg zu Lande bis zum 10. Mai 1940 nur um Narvik zwischen Briten, Franzosen, Polen und Norwegern sowie Deutschen ausgefochten wurde. Diese mussten sich Ende Mai zwar entlang der Erzbahn ins Landesinnere bis Bjørnfjell an der schwedischen Grenze zurückziehen, aber nach Beginn des Westfeldzuges und der sich bei Dünkirchen abzeichnenden Niederlage beschlossen die Verbündeten am 24. Mai neben der Operation Dynamo auch die Operation Alphabet, mit der bis zum 8. Juni 1940 die Expeditionskräfte aus Nordnorwegen abgezogen wurden. Narvik wurde wieder von den Deutschen besetzt, Norwegen kapitulierte am 10. Juni.Rolf-Dieter Müller: Der Zweite Weltkrieg 1939–1945. Klett-Cotta, Stuttgart 2004 (= Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 21), ISBN 978-3-608-60021-6, S. 75 f.

Vorgeschichte

Um die Transportwege für die wichtigen Eisenerzlieferungen aus Schweden zu sichern, wurde im deutschen Oberkommando (OKW) schon lange vor Kriegsbeginn die Besetzung Norwegens erwogen. Konkrete Pläne dafür legte der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, bereits im Oktober 1939 vor. Die Alliierten hatten mit der Operation Wilfred ebenfalls Pläne entwickelt, Norwegen zu besetzen und das Deutsche Reich so vom Erznachschub aus Schweden abzuschneiden. Als die deutsche Führung hiervon Kenntnis erlangte, sah sie sich Anfang April 1940 genötigt, entgegen den ursprünglichen gegen die Sowjetunion gerichteten Kriegsplanungen kurzfristig und schlecht vorbereitet die Besetzung Norwegens durchzuführen, was sich in den improvisierten Transportkapazitäten und in hohen Verlusten unter den eingesetzten Kriegsschiffen niederschlug. Anscheinend kamen die deutschen Truppen einer alliierten Landung nur um Stunden zuvor. Offiziell war das Eingreifen des britisch-französischen Korps an die Bedingung einer deutschen Invasion geknüpft gewesen.

Die norwegische Hafenstadt Narvik war besonders wichtig, da sie einen ganzjährig eisfreien Hafen hat, über den ein Großteil des Eisenerzes verschifft wurde. Das Erz wurde aus den Minen im nahegelegenen schwedischen Kiruna per Eisenbahn nach Narvik transportiert.

Die deutsche Besetzung Narviks Die Besetzung Narviks war die Aufgabe der Kriegsschiffgruppe 1, bestehend aus zehn Zerstörern unter Kommodore Friedrich Bonte mit 2000 eingeschifften Gebirgsjägern des durch Artillerie- und Aufklärungseinheiten der Division verstärkten Gebirgsjäger-Regiments 139 (Oberst Alois Windisch) der 3. Gebirgs-Division unter dem Kommando von Generalmajor Eduard Dietl an Bord. Sie erreichte gegen 4:00 Uhr am 9. April den Eingang des Ofotfjordes, wo sich die Gruppe aufteilte: Drei Zerstörer wurden zur Niederkämpfung von Befestigungsanlagen abgestellt, vier weitere zur Besetzung des Truppenübungsplatzes Elvegårdsmoen bei Bjerkvik am Nordostende des Herjangsfjords. Kommodore Bonte hielt mit den restlichen drei Schiffen auf Narvik zu.

Das 40 Jahre alte norwegische Küstenpanzerschiff Eidsvold legte sich der deutschen Flottille in den Weg, woraufhin Bonte einen Unterhändler zum norwegischen Kommandanten, Fregattenkapitän Odd Isachsen Willoch, schickte. Als Willoch sich weigerte, den deutschen Verband passieren zu lassen, schoss der Zerstörer Wilhelm Heidkamp zwei Torpedos, die die Eidsvold trafen und explodieren ließen. Nur sechs Besatzungsmitglieder überlebten. Das Schwesterschiff Norge, dessen Kommandant Per Askim noch von Willoch über das deutsche Eindringen informiert worden war, hielt aus einem Nebenfjord auf den Hafen zu und traf auf den deutschen Zerstörer Bernd von Arnim, der im Begriff war, zur Anlandung der auf ihm eingeschifften Truppen an der Pier anzulegen. Beide Schiffe eröffneten Artilleriefeuer aufeinander, erzielten aber keine Treffer. Die Bernd von Arnim schoss dann insgesamt sechs Torpedos auf die Norge, von denen zwei trafen und das Schiff in weniger als einer Minute sinken ließen. Nur etwa 90 Besatzungsmitglieder überlebten. Auf den beiden norwegischen Schiffen starben insgesamt etwa 300 Mann.

Die Besetzung des Hafens und der Stadt verlief danach kampflos. Der Standortkommandant von Narvik, Oberst Sundlo, war ein Sympathisant der Nasjonal Samling unter Quisling und übergab die Stadt ohne Gegenwehr. Einer norwegischen Einheit von ca. 250 Mann unter dem Kommando von Major Sverre Spjeldnes gelang, in Richtung Osten an den Bahngleisen entlang, die Flucht aus der Stadt.

Allerdings ging dennoch ein deutsches Schiff verloren: der Frachter Bockenheim, der, da nicht in die Planung der Kriegsmarine einbezogen, eher zufällig in Narvik lag, wurde von seiner Besatzung in Brand gesteckt und auf Grund gesetzt, da diese die einlaufenden Zerstörer für ein britisches Geschwader hielt.

Der erste Angriff der britischen Marine Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass Bonte mit seinen Zerstörern nach der Übernahme von Treibstoff noch am 9. April wieder auslaufen und nach Deutschland zurückkehren sollte. Der Tanker Kattegatt hatte sich verspätet, war von dem norwegischen Wachschiff Nordkap am 9. April am Eingang zum Narvik-Fjord beschossen worden und hatte sich selbst versenkt, so dass zum Betanken nur noch die Jan Wellem eingetroffen war.Günther Steinweg: Die deutsche Handelsflotte im Zweiten Weltkrieg – Aufgaben und Schicksal. Otto Schwartz, 1954, S. 21. Dadurch verzögerte sich die Versorgung des Verbandes bis zum nächsten Tag. Bonte ließ drei Zerstörer vorgeschobene Wachpositionen im Fjord einnehmen, einen davon direkt am Eingang.

Währenddessen erreichte am Abend des 9. April eine aus fünf Zerstörern bestehende britische Flottille den Eingang zum Ofotfjord. Ihre Aufgabe war es, den Hafen vor einem deutschen Zugriff zu bewachen. Als beim Befehlshaber Bernard Warburton-Lee unklare Meldungen über die Lage in Narvik eingingen, wartete er zunächst ab. Als er die Meldung erhielt, dass ein deutscher Zerstörerverband von sechs Schiffen sowie ein U-Boot im Hafen liege, entschloss er sich zum Angriff in den frühen Morgenstunden des 10. April.

Streitkräfte im ersten Gefecht vor Narvik BefehlshaberSchiffeBewaffnung (pro Schiff)BonteZerstörer Wilhelm Heidkamp, Hermann Künne, Hans Lüdemann, Diether von Roeder, Anton Schmitt, Bernd von Arnim, Erich Giese, Erich Koellner, Georg Thiele, Wolfgang Zenker5 × 12,7-cm-Geschütze,8 TorpedorohreWarburton-LeeZerstörer Hardy (Flottillenführer), Havock, Hostile, Hotspur, Hunter4 × (Hardy 5 ×) 12-cm-Geschütze, 8 Torpedorohre

Gefechtsverlauf Bei äußerst schlechten Sichtverhältnissen durch Schneefall liefen die fünf britischen Zerstörer, von dem den Eingang bewachenden deutschen Schiff unentdeckt, gegen 1:00 Uhr in den Fjord ein. Die beiden anderen deutschen Zerstörer bemerkten die Briten nicht, die gegen 4:45 Uhr den Hafen erreichten.Dickens 1996, S. 102 ff. Warburton-Lee detachierte zwei Einheiten zur Bekämpfung von vermuteten Landbatterien auf der Landzunge Framnes, die aber von den Norwegern bereits unbrauchbar gemacht worden waren; die drei übrigen (Hardy, Hunter und Havock) eröffneten um 4:20 Uhr das Feuer auf die deutschen Schiffe, die von dem Angriff völlig überrascht wurden. Die Wilhelm Heidkamp mit Kommodore Bonte und die Anton Schmitt (3. Zerstörerflottille) unter Korvettenkapitän Friedrich Böhme sanken in den ersten Minuten des Gefechtes durch Torpedotreffer. Die Hans Lüdemann (3. Zerstörerflottille) und die Hermann Künne (3. Zerstörerflottille), die gerade von der Jan Wellem Öl bunkerten, wurden wie die an der Pier liegende Diether von Roeder (3. Zerstörerflottille) durch Artillerietreffer beschädigt. Damit waren bei der 3. Zerstörerflottille unter Fregattenkapitän Gadow bereits alle Schiffe der Flottille entweder versenkt oder schwer beschädigt worden. Die britischen Zerstörer entgingen einem aus dem Hafen heraus geschossenen Torpedofächer nur deshalb, weil die Tiefeneinstellung dieser Torpedos nicht mehr geändert worden war (die Torpedos waren auf 4 m zur Bekämpfung feindlicher Großkampfschiffe eingestellt und nicht auf nur 2 m für Zerstörer) und die Torpedos daher unter den britischen Schiffen durchliefen.

Warburton-Lee glaubte, die deutsche Streitmacht entscheidend getroffen zu haben, da er zu diesem Zeitpunkt noch von der Anwesenheit von nur sechs deutschen Einheiten ausging. Er machte sich daher mit seinen unbeschädigten Schiffen auf den Rückweg, traf dabei aber auf die deutschen Zerstörer Wolfgang Zenker, Erich Giese und Erich Koellner, die zu Gefechtsbeginn im Herjangsfjord gelegen hatten, sowie die Georg Thiele und die Bernd von Arnim, die aus Richtung Ballangen kamen. Die deutschen Zerstörergruppen hatten erst nach 5:00 Uhr Meldungen über das Gefecht erhalten, waren daraufhin ausgelaufen und konnten den britischen Verband von zwei Seiten angreifen, wobei die beiden von Ballangen aus anlaufenden Zerstörer das Seekriegsmanöver „Crossing the T“ gegen die ablaufenden Briten durchführen konnten. Dabei konnten sie ihre gesamten Breitseiten von je fünf Geschützen gegen die beiden Buggeschütze des britischen Führungsbootes einsetzen. Der Flottillenführer Hardy war somit zunächst alleine diesem Feuer ausgesetzt und erhielt schwere Treffer, wurde manövrierunfähig und strandete in seichtem Wasser.Dickens 1996, S. 147 ff. 70 Besatzungsmitglieder kamen um, Warburton-Lee wurde schwer verwundet und verstarb kurz darauf. Das zweite Schiff in der britischen Linie, die Hunter, wurde in Brand geschossen, und die folgende Hotspur erhielt einen Treffer in die Ruderanlage und konnte nicht mehr ausweichen. Sie rammte ihr Schwesterboot Hunter, das daraufhin sank.Dickens 1996, S. 160 ff. Die beiden übrigen britischen Zerstörer Hostile und Havock konnten die Georg Thiele und die Bernd von Arnim durch ihre Artillerie beschädigen, bevor sie sich mit der schwer beschädigten Hotspur zurückzogen, wobei sie nur mit großem Glück den fünf in diesen Gewässern befindlichen deutschen U-Booten entgingen.Dickens 1996, S. 187 f. Die deutschen Schiffe brachen wegen Brennstoffknappheit das Gefecht ab.

Ergebnis Deutsche SchiffeSchicksalWilhelm HeidkampVersenktAnton SchmittVersenktDiether von RoederSchwer beschädigtBernd von ArnimBeschädigtHermann KünneBeschädigtHans LüdemannBeschädigtGeorg ThieleBeschädigtErich Koellnerkeine SchädenErich Giesekeine SchädenWolfgang Zenkerkeine SchädenBritische SchiffeSchicksalHMS HardyVersenktHMS HunterVersenktHMS HotspurBeschädigtHMS Havockkeine SchädenHMS Hostilekeine Schäden Auf ihrem Weg zum Fjordausgang trafen die Briten noch auf den deutschen Versorger Rauenfels, den sie enterten und sprengten, nachdem die Besatzung von Bord gegangen war. Das U-Boot U 51 griff den britischen Zerstörerverband beim Einlaufen in den Fjord an, später zusammen mit U 25 noch einmal die verbliebenen drei Zerstörer beim Auslaufen. Alle Angriffe schlugen aufgrund von Torpedoversagern fehl. Während des britischen Torpedoangriffes im Hafen von Narvik wurden unter anderem der deutsche Frachter Planet und die britische Blythmoor getroffen und sanken.

Die Tage nach dem Gefecht