Der Landkreis Ravensburg ist ein Landkreis in Baden-Württemberg. Er ist gemessen an seiner Fläche nach dem Ortenaukreis der zweitgrößte Landkreis im Land und bildet zusammen mit dem Bodenseekreis und dem Landkreis Sigmaringen den Regionalverband Bodensee-Oberschwaben im Regierungsbezirk Tübingen.
mini|Oberschwäbische Landschaft mit Waldburg in der Bildmitte Geographie Lage Der Landkreis Ravensburg hat Anteil am Oberschwäbischen Hügelland, welches sich von ihm aus weiter nördlich (Biberach) und südlich (Friedrichshafen) erstreckt. Er beinhaltet im Osten Teile des Westallgäuer Hügellands, im Westen den Linzgau. 60,2 Prozent der Gesamtfläche werden als landwirtschaftliche Flächen genutzt.Quelle: Statistik für die EUREGIO-Bodensee. In: Aufgelistet! Die zehn Landkreise der Bodenseeregion, … In: Südkurier vom 25. Februar 2011 und in: Ders. vom 2. Juli 2011 Im Landkreis verläuft die Grenze des Allgäus, genauer des Westallgäus, etwa vom bayerischen Scheidegg über Wangen, Leutkirch ins bayerische Legau. Die Gemeinden Wolfegg, Vogt und Amtzell liegen auf der Grenze zwischen Schussental und Westallgäu und sehen sich als Tor zum Allgäu. Höchste Erhebung ist mit der Schwarze Grat, der tiefste Punkt wird mit beim Austritt der Schussen aus dem Kreisgebiet gemessen.
Orte Im Landkreis Ravensburg liegen etwa 2365 Ortschaften.
Nachbarkreise Der Landkreis Ravensburg grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an den Landkreis Biberach (in Baden-Württemberg), an den Landkreis Unterallgäu, an die kreisfreie Stadt Memmingen und an die Landkreise Oberallgäu und Lindau (Bodensee) (alle in Bayern) sowie an den Bodenseekreis und an den Landkreis Sigmaringen (beide wiederum in Baden-Württemberg).
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2015
Geschichte Der Landkreis Ravensburg geht zurück auf das württembergische Oberamt Ravensburg, das nach dem Übergang der ehemals freien Reichsstadt Ravensburg und deren Umland an das Königreich Württemberg 1810 errichtet wurde. Schon 1806 waren die Oberämter Altdorf, Isny und Waldsee errichtet worden. Ab 1810 hatten auf dem heutigen Kreisgebiet neben Ravensburg noch die Oberämter Leutkirch, Saulgau, Tettnang, Waldsee und Wangen Anteil. Ab 1810 gehörten die Oberämter zur Landvogtei am Bodensee und ab 1818 zum Donaukreis. Die Grenzen der Oberämter wurden 1842 geringfügig verändert. 1924 wurde der Donaukreis aufgelöst und 1934 wurden die Oberämter in Landkreise umbenannt. 1938 wurden die Landkreise Leutkirch und Waldsee aufgelöst, wobei der Großteil des Landkreises Waldsee zum Landkreis Ravensburg (der Rest zum Landkreis Biberach) und der Großteil des Landkreises Leutkirch zum Landkreis Wangen kam.
Der Landkreis Ravensburg kam 1945 mit dem südlichen Teil des alten Landes Württemberg zur Französischen Besatzungszone und in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. Nach der Länderneugliederung 1952 im Südwesten gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern im Land Baden-Württemberg.
Bei der Kreisreform wurde der Landkreis Ravensburg am 1. Januar 1973 mit dem Landkreis Wangen vereinigt. Ferner wurden einige Gemeinden des Landkreises Saulgau und die Gemeinde Unterschwarzach des Landkreises Biberach dem neuen Landkreis Ravensburg angeschlossen.
Am 1. Mai 1973 wurden die Ortsteile Höhreute, Niederweiler und Tafern der zum Landkreis Sigmaringen gehörenden Gemeinde Illmensee in die Gemeinde Wilhelmsdorf umgegliedert.
Am 1. Januar 1976 wurden die Orte Gensenweiler, Hagnaufurt, Hervetsweiler und Wattenweiler aus der Stadt Bad Waldsee aus- und in die im Landkreis Biberach gelegene Gemeinde Ingoldingen eingegliedert.
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Ravensburg noch 39 Gemeinden, darunter acht Städte und hiervon wiederum fünf Große Kreisstädte (Bad Waldsee, Leutkirch im Allgäu, Ravensburg, Wangen im Allgäu, Weingarten). Größte Stadt des Kreises ist Ravensburg, kleinste Gemeinde ist Guggenhausen.
Einwohnerentwicklung mini|230px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Ravensburg (Datenquelle: Zensus 2011)
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Datum Einwohner 31. Dez. 1973 225.058 31. Dez. 1975 225.327 31. Dez. 1980 230.685 31. Dez. 1985 233.644 25. Mai 1987 (¹) 233.635 31. Dez. 1990 247.674 Datum Einwohner 31. Dez. 1995 261.446 31. Dez. 2000 268.770 31. Dez. 2005 275.677 31. Dez. 2010 276.965 31. Dez. 2015 279.296 31. Dez. 2020 285.888 Datum Einwohner 15. Mai 2022 (¹) 285.423
Politik
Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet.
Kreistag Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Die Wahl am 9. Juni 2024 führte zu den in den Diagrammen dargestellten Ergebnissen.https://wahlergebnisse.komm.one/lb/produktion/wahltermin-20240609/08436000/praesentation/ergebnis.html?wahl_id=2180&stimmentyp=0&id=ebene_-8057_id_13215
Ergebnisse der Kreistagswahlen seit 1989 Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Ergebnis der Kreistagswahl 2024 Sitze2024 %2019 Ergebnis der Kreistagswahl 2019 Sitze2019 %2014 Ergebnis der Kreistagswahl 2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 Sitze1999 %1994 Sitze1994 %1989 Sitze1989 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 32,49 23 33,47 24 41,08 30 41,13 31 44,8 34 48,9 38 44,1 39 50,4 40 FW Freie Wählervereinigung 21,97 17 21,87 17 19,76 15 23,09 18 — — — — — — — — SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 7,81 5 8,17 6 10,61 7 9,26 6 11,4 7 13,0 8 16,2 11 15,7 10 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 15,48 11 21,93 15 16,07 11 13,56 9 12,1 7 9,3 6 9,5 7 7,6 5 FDP Freie Demokratische Partei 5,23 4 5,48 4 3,43 2 4,78 3 2,1 1 0,7 0 1,8 1 2,3 1 ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 5,18 4 7,53 5 6,72 5 6,37 4 — — — — — — — — LINKE Die Linke — — 1,44 1 2,33 2 1,80 1 — — — — — — — — AfD Alternative für Deutschland 9,58 8 — — — — — — — — — — — — — — BBM Bürger-Bauern-Mittelstand und die Basis-Bewegung Kreis Ravensburg 2,25 2 — — — — — — — — — — — — — — WG Wählervereinigungen — — — — — — — — 23,4 19 21,6 16 19,4 15 16,7 13 Sonst. Sonstige — — 0,1 0 — — — — 6,2 4 6,4 4 8,9 6 7,4 5 Gesamt 100 74 100 72 100 72 100 72 100 72 100 72 100 79 100 74 Wahlbeteiligung 62,45 % 59,66 % 49,86 % 51,8 % 52,6 % 53,1 % 66,4 % 59,8 % WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1989 bis 2004 nicht auf einzelne Wählergruppen und kleine Parteien aufschlüsseln lassen.
Landrat mini|Landratsamt in Ravensburg Der Kreistag wählt den Landrat für eine Amtszeit von acht Jahren. Dieser ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, hat aber in den Gremien kein Stimmrecht. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises.
Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse.
Die Landräte des Landkreises Ravensburg seit 1937: Amtszeit Landrat Partei 1937–1945 Theodor Kreeb - 1945–1947Hermann Alfred Bendel Zentrum 1947–1978Oskar Sailer - 1978–1999Guntram Blaser CDU 1999–2015Kurt Widmaier CDU seit 2015Harald Sievers CDU
Die Oberamtmänner des früheren Oberamts Ravensburg von 1810 bis 1936 sind im Artikel Oberamt Ravensburg dargestellt. Die Landräte des früheren Landkreises Wangen von 1938 bis 1972 sind im Artikel Landkreis Wangen dargestellt.
Stellvertreterin des Landrats ist die Erste Landesbeamtin (ELB), die von der Landesregierung im Benehmen mit dem Landrat ernannt wird. Die Ersten Landesbeamten des Landkreises Ravensburg seit 2002: Amtszeit Erster Landesbeamter 2002–2020 Eva-Maria Meschenmoser 2020–2025Andreas Honikel-Günther seit 2025Anna Maria Ostermeier
Wappen mini|hochkant|Landkreis Ravensburg Das Wappen des Landkreises Ravensburg zeigt in Blau einen rot bezungten und rot bewehrten goldenen Löwen. Das Wappen wurde am 6. November 1952 und nach der Kreisreform am 20. Januar 1975 neu verliehen.
Die Wappenfigur stellt den welfischen Löwen dar. Die Welfen hatten ihr oberschwäbisches Zentrum in Ravensburg und Altdorf (heute Weingarten), bevor das Gebiet an die Hohenstaufen kam.
Flagge Die Flagge des Landkreises Ravensburg ist – entsprechend dem Wappen – gelb-blau.
Kreisfinanzen Der Landkreis Ravensburg (mit Eigenbetrieben) war zum Stichtag 31. Dezember 2015 mit 67.372.756 Euro verschuldet.
Die wichtigsten Kennzahlen des Kreishaushalts (Stand 31. Dezember 2014): Ordentliche Erträge: 341.181.889 Euro Ordentliche Aufwendungen: −313.761.798 Euro Ordentliches Ergebnis: 27.420.091 Euro Investitionsvolumen: −29.895.642 Euro Bilanzsumme: 311.516.051 Euro Sachvermögen: 174.237.479 Euro Finanzvermögen: 145.335.698 EuroLandratsamt Ravensburg, Haushaltsplan 2015
Medienangebot des Landratsamtes Neben verschiedenen Broschüren für die Bürgerschaft und Online-Medien verlegt das Landratsamt seit 1991 das halbjährlich publizierte Kulturmagazin Oberland mit landeskundlichen bzw. regionalhistorischen Beiträgen und Hinweisen zu kulturellen Angeboten im Kreisgebiet.
Das Kreismedienzentrum Ravensburg stellt Schulen und Bildungseinrichtungen moderne Medientechnik, digitale Bildungsmedien sowie Fortbildungen zur Verfügung. Neben der klassischen Medienausleihe unterstützt das Zentrum zunehmend innovative medienpädagogische Projekte, etwa durch die Produktion von Podcasts, Workshops zur Medienbildung und die Förderung kreativer Formate wie Robotik-Installationen oder Medienprojekte in Betreuungseinrichtungen und Schulen. Ziel ist es, Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu fördern und die Sichtbarkeit positiver Bildungsbeispiele im Landkreis zu stärken.
Wirtschaft und Infrastruktur Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Ravensburg Platz 110 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftschancen“.
Die Wirtschaftsförderung des Landkreises Ravensburg wird durchgeführt durch die WIR GmbH Wirtschaftsförderungs- und Innovationsförderungsgesellschaft Landkreis Ravensburg.
Verkehr mini|Urbanisierung im Landkreis Ravensburg von 1908 bis 2024
Straßen Durch das östliche Kreisgebiet verläuft die Bundesautobahn 96 Lindau–München. Darüber hinaus wird der Kreis durch Bundes-, Landes- und Kreisstraßen erschlossen. Die wichtigsten Bundesstraßen sind die B 30 Ulm–Friedrichshafen und die B 32 Sigmaringen–Ravensburg–Wangen.
Bahnverkehr Die Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen (Südbahn) durchquert das Kreisgebiet und schließt es so an das überregionale Schienennetz an. An der Bodensee-Oberschwaben-Bahn GmbH & Co. KG, die den Nahverkehr auf der Südbahn betreibt, hält der Kreis einen Anteil von 17,5 % des Kapitals. Der nördliche und östliche Teil des Landkreises wird zwischen Altshausen und Leutkirch durch die Württembergische Allgäubahn sowie die Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen erschlossen. In Kissleg zweigt eine Bahnverbindung über Wangen nach Lindau am Bodensee ab. Die beiden letztgenannten Abschnitte sind Bestandteil der Ausbaustrecke München–Lindau.
Radverkehr Durch den Landkreis verlaufen einige Alltagsrouten aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de: Von Biberach an der Riß kommend über Bad Waldsee, Weingarten und Ravensburg Richtung Friedrichshafen Von Bad Saulgau kommend über Altshausen nach Weingarten Von Memmingen kommend über Leutkirch und Wangen im Allgäu Richtung Lindau.
Überdies gibt es eine Radwegenetzkonzeption des Landkreises.www.rv.de
Durch den Landkreis verlaufen als Landes-Radfernwege: Der Donau-Bodensee-Radweg verbindet Ulm mit Kressbronn am Bodensee. Er verläuft von Biberach über Eberhardzell kommend nach Bad Waldsee und weiter über Kißlegg und Wangen Richtung Neukirch und Kressbronn.