mini|Titelblatt der gedruckten Speyerer Bischofschronik des Philipp Simonis, 1608 Philipp Simonis (* 1532 in Weinolsheim, Rheinhessen; † 12. September 1587 in Speyer) war ein Jurist und Speyerer Chronist im Dienste des Hochstifts Speyer.

Leben Philipp Simonis war bürgerlicher Herkunft und studierte an der Universität Trier. Um 1552 arbeitete er als einer der Notare (notarius substitutus) des Wormser Domstifts. 1553 berief ihn der damalige Speyerer Domscholaster und nachmalige Bischof Marquard von Hattstein, ohne dass er sich darum beworben hatte, zum Notar und Sekretär des Speyerer Domkapitels bzw. Domstifts. Er war der erste Laie, der dieses Amt bekleidete.Geschichte der Stadt Speyer, Band 3, S. 383, Kohlhammer Verlag, 1983, ISBN 3-17-008037-7; (Ausschnittscan 1), (Ausschnittscan 2)

In seiner Funktion wird Simonis als fleißig und gewissenhaft beschrieben, weshalb er wohl auch zusätzlich zum kaiserlichen Notar avancierte, in welcher Eigenschaft er sich öfter in Trier aufhielt. Überdies verstand er sich auf die Herstellung von Pergament, wodurch er sich einen Nebenverdienst sichern konnte.

Am 8. September 1561 fand in der Stiftskirche Bruchsal die feierliche Weihe des Speyerer Fürstbischofs Marquard von Hattstein statt. Sie wurde gespendet durch Weihbischof Jakob Eliner von KonstanzZu Weihbischof Jakob Eliner unter Assistenz der Weihbischöfe Georg Schweicker aus Speyer und Johannes Delphius von Straßburg.Franz Xaver Remling: Geschichte der Bischöfe zu Speyer. Band 2, S. 365 (Digitalisat) Bei der Konsekration war auch Philipp Simonis anwesend und den Ablauf der Feier beschreibt der Diözesanhistoriker Franz Xaver Remling gestützt auf dessen Aufzeichnungen sehr anschaulich:

Simonis scheint kränklich gewesen zu sein und besuchte deshalb öfter Bäder zur Kur, wozu man ihm wegen körperlicher Schwäche manchmal den Reisewagen des Domkapitels zur Verfügung stellte. Er starb 1587 und wurde im Kreuzgang des Speyerer Domes bestattet. Nach seinem Tod berief man den Sexpräbendar Rutger Edinger zum Amtsnachfolger.

Historische Tätigkeit Philipp Simonis ging als Chronist in die Speyerer Bistumsgeschichte ein. Geschichtlich interessiert verfasste er die „Historische Beschreibung aller Bischoffen zu Speyr“, die zu seinen Lebzeiten als Manuskript und 1608, in Freiburg/Breisgau, im Druck erschien. Eine zweite, unveränderte Auflage kam 1773 in Speyer heraus. Er benutzte dazu chronologische Aufzeichnungen, die von einem unbekannten Geistlichen handschriftlich zusammengetragen waren,Johannes Emil Gugumus: Der Erbauer der großen Speyerer Domorgel vom Jahre 1454. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 8 (1956), S. 371–378, hier S. 373 (Digitalisat). sowie die Bischofschroniken der Domvikare Johann von Mutterstadt († 1472) und Wolfgang Baur († 1516).Stefan Benz: Zwischen Tradition und Kritik: katholische Geschichtsschreibung im barocken Heiligen Römischen Reich, Matthiesen Verlag, 2003, S. 137, ISBN 3-7868-1473-2; (Ausschnittscan) Das Werk ist besonders in seinen älteren Teilen oft sehr fehlerhaft. Es schließt 1584, stellt aber für die neuere Epoche, die Simonis noch selbst erlebte, eine wertvolle Quelle dar. Überdies beschreibt er darin alle zu seiner Zeit vorhandenen Domaltäre, sowie die Stifte und Kirchen von Speyer.

Familie Simonis ehelichte eine Tochter des Joachim Kegel, kaiserlicher Advokat am Reichskammergericht. Sie hatten drei Söhne und zwei Töchter. Die Söhne waren: Philipp Christoph, Pfennigmeister am Reichskammergericht, Markus, Kanoniker am Stift St. German und Mauritius Speyer, sowie Philipp, bischöflicher Ausfauth im Oberamt Kirrweiler. Philipp Christoph hatte Anna geb. Seiblin geheiratet, die Tochter von Georg Seiblin († 1591), dem Kanzler des Hochstiftes Worms.Johannes Mötsch: Regesten des Archivs der Grafen von Sponheim, 1065-1437: 1400-1425, S. 1698, Verlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 1995, ISBN 392201870X;ebenda, S. 1698; (Ausschnittscan 1); (Ausschnittscan 2)

Philipps Bruder Rufus Simonis († 1573), amtierte als letzter Dekan des Stiftes Kaiserslautern.Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des königlich Bayerischen Rheinkreises, Band 3, S. 31, Speyer, 1837; (Digitalscan)Ludwig Stamer: Kirchengeschichte der Pfalz, Band 3, Teil 1, Speyer, 1955, S. 76; (Ausschnittscan)

Literatur Johann Michael Anton Loebel: Von den Speierischen Urkundenbüchern, Chronic-Schreibern und anderen Schriftstellern, in: Historia et commentationes Academiae Electoralis Scientiarum et Elegantiorum Litterarum Theodoro-Palatinae, Band 6, S. 406–415, Mannheim, 1789; (Digitalisat). Karl-Albert Zölch: Die Bischöfe von Speyer zur Zeit Kaiser Friedrichs II., Dissertation, Universität Heidelberg, 2014, S. 6. u. 7 (online).

Weblinks Digitalisat der „Historischen Beschreibung aller Bischoffen zu Speyr“, 1608

Einzelnachweise

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