mini|Brombachsee und Georgensgmünd mini|Fränkische Rezat bei Georgensgmünd mini|Eisenbahnviadukt Georgensgmünd
Georgensgmünd (fränkisch: SchoschlasgmindE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 21. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „šǫəšlɒsgmìnd“.) ist eine Gemeinde im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Der gleichnamige Ort bildet mit Friedrichsgmünd und Petersgmünd eine zusammenhängende Siedlung am Zusammenfluss von Fränkischer und Schwäbischer Rezat, die ein Unterzentrum und den Hauptort der Gemeinde mit Sitz der Gemeindeverwaltung darstellt.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt im Fränkischen Seenland am Zusammenfluss von Fränkischer Rezat und Schwäbischer Rezat zur Rednitz und ist Teil der Metropolregion Nürnberg. Westlich erhebt sich das Spalter Hügelland.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind von Norden aus im Uhrzeigersinn: Büchenbach (Roth), Heideck, Röttenbach, Spalt und Abenberg. Zwischen Georgensgmünd und Abenberg befindet sich das 3,16 km² große gemeindefreie Abenberger Wald in der gleichnamigen Gemarkung.
Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöden Hammerschmiede, Obere Papiermühle, Untere Papiermühle und Ziegelhütte sind mittlerweile allesamt Wüstungen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Georgensgmünd, Mäbenberg, Petersgmünd, Rittersbach (Gemarkungsteil 0), Obersteinbach ob Gmünd (Gemarkungsteil 1) und Wallesau (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Georgensgmünd hat eine Fläche von 13,274 km². Sie ist in 4643 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2858,83 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Friedrichsgmünd, Hämmerleinsmühle, Hauslach und Oberheckenhofen.
Geschichte Mittelalter Der Ort wurde im Jahre 1304 als „Gmündt“ erstmals urkundlich erwähnt, seit 1410 wurde er als „Jorgengemund“, ab 1531 als „Georgesgemundt“ bezeichnet. Der Ortsname leitet sich vom gleichnamigen Flurnamen ab, dem das althochdeutsche Wort gimundi (Mündung) zugrunde liegt. Zur Unterscheidung von gleichlautenden Orten in nächster Umgebung wurde der Name des heiligen Georg (Jörg) als Bestimmungswort hinzugefügt.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 80 f.E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 21 f. Da Georgensgmünd an wichtigen Handelsstraßen lag, zogen Gewerbetreibende und Reisende durch den Ort. Ende des 16. Jahrhunderts kam eine stattliche Zahl Juden in den Ort. Die Synagoge und der jüdische Friedhof sind Zeugnisse aus dieser Zeit.
Die Herren von Hausen, ein niederes Adelsgeschlecht aus Weiboldshausen, waren seit 1292 Lehensmänner der Nürnberger Burggrafen. Ihnen gehörten bis 1548 etliche Güter in und um Georgensgmünd. Zudem besaßen sie das Patronatsrecht der Kirche St. Georg. Ihr Wappen ist ein roter Steinbock mit schwarzen Hörnern auf goldenem Grund. Von 1548 bis 1792 gehörte Georgensgmünd zum Fürstentum Ansbach.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Georgensgmünd mit Ziegelhütte eine Realgemeinde bestehend aus 74 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Roth aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Richteramt Georgensgmünd. Grundherren waren das Richteramt Georgensgmünd (64 Anwesen: 3 Ganzhöfe, 12 Köblergüter, 5 Gütlein, 1 Tafernwirtschaft, 1 Zapfenwirtschaft, 39 Leerhäuser, 1 Schmiede, 1 Mahl-, Säg- und Ölschlagmühle, 1 Ziegelhütte), das Hochstift Eichstätt (Kastenamt Abenberg: 1 Ganzhof, 4 Halbhöfe; das Kastenamt Spalt, das Kollegiatstift St. Emmeram und St. Nikolaus: 1 Ganzhof), das Landesalmosenamt der Reichsstadt Nürnberg (1 Halbhof, 1 Leerhaus) und der Nürnberger Eigenherr von Mohr (1 Ganzhof, 1 Leerhaus). Neben den Anwesen gab es als kommunale Gebäude das Schulhaus und das Hirtenhaus und als kirchliche Gebäude die Pfarrkirche, das Pfarrhaus und die Synagoge.F. Eigler: Schwabach, S. 391.
Neuzeit Im Jahre 1792 wurde das Fürstentum Ansbach und damit auch Georgensgmünd zunächst preußisch und 1806 bayerisch. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Roth. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Georgensgmünd gebildet, zu dem Bernlohe, Eisenhammer, Friedrichsgemünd, Hauslach, Oberheckenhofen, Obere Papiermühle, Petersgmünd und Ziegelhütte gehörten. 1811 entstand die Ruralgemeinde Georgensgmünd mit Eisenhammer, Friedrichsgemünd, Hauslach, Oberheckenhofen, Obere Papiermühle und Ziegelhütte gebildet. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Pleinfeld (1858 in Landgericht Roth umbenannt) zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Spalt (1919 in Finanzamt Spalt umbenannt). Ab 1862 gehörte Georgensgmünd zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Roth (1879 in Amtsgericht Roth umbenannt), seit 1970 ist das Amtsgericht Schwabach zuständig. Am 1. April 1910 wurde die Hämmerleinsmühle von Mäbenberg nach Georgensgmünd umgemeindet. 1932 wurde das Finanzamt Spalt aufgelöst. Seitdem untersteht Georgensgmünd in der Finanzverwaltung dem Finanzamt Schwabach.F. Eigler: Schwabach, S. 472.
Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 13,337 km².
Historische Einwohnerzahlen Gemeinde Georgensgmünd (jeweiliger Gebietsstand) Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 Einwohner 961 1020 1109 1249 1301 1314 1323 1386 1529 1519 1531 1580 1607 1660 1693 1675 1811 1850 2853 3051 3298 3844 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 187 155 231 252 263 272 300 379 583 Quelle Für die Gemeinde Georgensgmünd zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Eisenhammer (S. 22), Friedrichsgemünd (S. 27), Hauslach (S. 37), Oberhöckenhofen (S. 66) und Papiermühle (S. 70). Georgensgmünd: 775 Einwohner; Bahnwärterhaus: 1 E. Georgensgmünd: 745 Einwohner; Bahnhof: 4 E. Georgensgmünd: 807 Einwohner, 140 Wohngebäude; Bahnhof: 25 E., 5 Wgb. Georgensgmünd: 825 Einwohner, 142 Wohngebäude; Bahnhof: 24 E., 4 Wgb. Georgensgmünd: 748 Einwohner, 156 Wohngebäude; Bahnhof: 12 E., 1 Wgb.
Ort Georgensgmünd Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 585 606 776 749 832 849 760 2832 3143 3710 3529Häuser 112 94 145 146 157 348 551 936Quelle Eingemeindungen Am 1. Juli 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern der Gemeindeteil Untersteinbach der aufgelösten Gemeinde Obersteinbach ob Gmünd eingegliedert. Am 1. Januar 1972 wurden Teile der aufgelösten Gemeinde Wallesau eingegliedert. Am 1. Juni 1972 kamen Mäbenberg und Petersgmünd hinzu. Am 1. Mai 1978 folgte der größere Teil der aufgelösten Gemeinde Rittersbach. Die 1978 gegründete Verwaltungsgemeinschaft Georgensgmünd wurde 1980 wieder aufgelöst.
Besondere Ereignisse Auf dem Friedhof der Gemeinde liegt Ewald Marx, das letzte Opfer des Soldatenmord von Lebach vom 20. Januar 1969, der seinen schweren Verletzungen später erlag, im Familiengrab.
Am 19. Oktober 2016 erschoss ein Einwohner von Georgensgmünd, der behauptete, Reichsbürger zu sein, den Polizisten Daniel Ernst und verletzte drei weitere Polizisten."Reichsbürger" galt als ungefährlich
Einwohnerentwicklung Dargestellt wird hier die summarische Entwicklung der Hauptwohnsitze aller heutigen Ortsteile Georgensgmünds. Zwischen 1987 und 2024 wuchs die Einwohnerzahl der Gemeinde Georgensgmünd von 5167 auf 6907 um 1740 Einwohner bzw. um 33,7 %. Quelle: 1840–2015 / 2020–2024
Gebäudeverteilung Gebäude- und Wohnungsbestand am 31.12.2024Anzahl der Wohngebäude2.188Anteil der Gebäude mit 1 Wohnung74,6 %Anteil der Gebäude mit 2 Wohnungen17,2 %Anteil der Gebäude mit 3 oder mehr Wohnungen8,2 %Anzahl der Wohnungen in Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden3.249Durchschnitt Einwohner je Wohnung2,13Durchschnittl. Wohnfläche je Wohnung117,9 m²
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 20 Mitgliedern und dem ersten Bürgermeister. Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Sitzverteilungen: CSU SPD Grüne FUW * WG ** Gesamt 2026 6 4 3 7 – 20 Sitze 2020 5 5 3 4 3 20 Sitze 2014 6 5 3 3 3 20 Sitze * FUW= Freie unabhängige Wähler / ** WG= Wir Gmünder
Bürgermeister Seit 1. August 2023 ist Friedrich Koch (FUW) berufsmäßiger Erster Bürgermeister. Bei der Wahl am 23. Juli 2023 erreichte er 61,6 Prozent der gültigen Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 61,9 Prozent. Die Mitbewerberin Doris Braun Zimmermann (CSU) errang 24,7 % der gültigen Stimmen. Auf Gerd Berghofer (Bündnis 90 / Grüne) entfielen 13,7 % der Stimmen.
Zum 2. Bürgermeister wurde Georg Schiffermüller (CSU) und zum 3. Bürgermeister Dr. Matthias Millian (SPD) gewählt.
Sein Vorgänger Ben Schwarz (SPD) wurde am 9. Oktober 2011 zum neuen Ersten Bürgermeister gewählt und am 12. Oktober vereidigt.Detlef Gsänger: Der Neue will „die Sache in den Vordergrund stellen“. In: Lokalteil der Hilpoltsteiner Zeitung. 14. Oktober 2011, S. 1. Dessen Vorgängerin Eva Loch (CSU) war am 28. Juni 2011 verstorben. Wahl Erster Bürgermeister Zweiter Bürgermeister 1946 Wilhelm Müller (SPD) Johann Andreas Maderholz 1948 Wilhelm Müller (SPD) Johann Katheder 1952 August Haarländer (GEL) Hans Aufhammer (SPD) 1956 August Haarländer (GEL) Hans Aufhammer (SPD) 1960 August Haarländer (SPD) Hubert Prim (BHE 1960–1965), Hans Aufhammer (SPD 1965/66) 1966 Fritz Schönwald (SPD) August Wunram (1966–1969), Manfred Pirner (1969–1972) 1972 Fritz Schönwald (SPD) Josef Baader (SPD) 1978 Fritz Schönwald (SPD) Karl Kolb (CSU) 1984 Fritz Schönwald (SPD) Wolfgang Boll (CSU) 1990 Klaus Wernard (SPD) Wolfgang Boll (CSU) 1996 Klaus Wernard (SPD) Wolfgang Boll (CSU) 2002 Klaus Wernard (SPD) Eva Loch (CSU) 2008 Eva Loch (CSU) Jürgen Richter (LB) 2011 Ben Schwarz (SPD) Jürgen Richter (LB 2011–2014), Georg Schiffermüller (CSU ab 2014) 2017 Ben Schwarz (SPD) Georg Schiffermüller (CSU)Axel Schwaiger: Georgensgmünd – 700 Jahre Geschichte am Zusammenfluß von Fränkischer und Schwäbischer Rezat. Gemeinde Georgensgmünd, 2002, ISBN 3-00-009312-5, S. 235. 2023 Friedrich Koch (FUW) Legende: GEL = Georgensgmünder Einheitsliste (CSU/FDP) BHE = Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (später „Gesamtdeutscher Block“) LB = Leben und Bewahren
Wappen und Flagge mini|Rathaus von Georgensgmünd Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist grün-weiß-blau.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Evangelische Kirche St. Georg (18. Jh.) von Nordosten St.-Georgs-Kirche
Weithin sichtbar erhebt sich der Turm von St. Georg mit seinen grün glasierten Ziegeln als Wahrzeichen über den Ort. Die Kirche, dem Schutzpatron der Burgen und Ritter geweiht, gab der Ortschaft ihren Namen. Das Gebäude wurde 1757/58 von dem Ansbacher Hofbaumeister Johann David Steingruber an Stelle der alten romanischen Kirche als typische Markgrafenkirche im spätbarocken schlichten Stil erbaut; den Turm schließt eine mansarddachartige Turmhaube mit aufgesetztem Spitzdächlein ab.Eugen Maria Hausladen: Der Kirchen- und Profanbau des 18. Jahrhunderts im Markgrafentum Ansbach. II. Der markgräfliche Baumeister Joh. David Steingruber und der evangelische Kirchenbau. Verlag von C. Brügel & Sohn, Ansbach 1930, S. 56, 59. 1364 wurde die St.-Georgs-Kirche („ecclesie in Gmund“) erstmals urkundlich erwähnt.
Katholische Kirche St. Wunibald