mini|Evangelische Stadtkirche
Lauscha ist eine Landstadt im thüringischen Landkreis Sonneberg. Der durch das Glasbläserhandwerk bekanntgewordene Ort liegt im fränkisch geprägten Süden des Freistaates.
Geografie Lauscha liegt im Thüringer Schiefergebirge zwischen den Städten Sonneberg, Ilmenau und Saalfeld. Die Stadt befindet sich in einem nordöstlichen Seitental der Steinach unterhalb des Gebirgskamms. Der Bahnhof Lauscha liegt , der südlichste Punkt an der Mündung der Göritz in die Steinach 515 m ü. NN. Der Pappenheimer Berg erhebt sich 834,5 m ü. NN.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten: Neuhaus am Rennweg, Sonneberg, Steinach
Stadtgliederung Das nordöstlich der Stadt gelegene Ernstthal ist seit 1994 ein Ortsteil von Lauscha. Das eigentliche Stadtgebiet weist keine administrative Gliederung auf, aufgrund der geografischen Gegebenheiten werden gelegentlich das rund um die Oberlandstraße und den Berg Köpplein gelegene Oberlauscha, der Ortskern um den Hüttenplatz (dos Duurf) und das im Süden der Stadt im unteren Lauschatal gelegene Unterlauscha unterschieden.
Gewässer Jahr Schreibweise 1366 lutzscha 1549 lauschnitz 1555 Lautzschaw 1569 Lautzsche 1597 Lauschaw 1601 in der Lauscha 1608 in der Lauschen 1615 die Laußnitz 1621 in der lauschaw 1659 in der Lauscha 1703 die Lausche 1781 Lausche Namensgebend für das Tal und die Ansiedlung war das Gewässer Lauscha, das als lutzscha (nach dem Deutschen Wörterbuch (Jacob Grimm) wahrscheinlich etwa „Wildbach“ oder „Bach am Ansitz“ von althochdeutsch lūzēn, mittelhochdeutsch lûzen, im 16. Jahrhundert lauszen, im Lauschner Dialekt lunzen, hochdeutsch lugen, lauern, lauschen) 1366 in einem Schwarzburgischen Amtsbuch erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das klare Gebirgswasser war als Trinkwasser und Energieträger im ausgehenden Mittelalter Voraussetzung für die Glasmacherei. Der Gründersage nach war es auch der Grund, warum sich die ersten Glasmacher hier niederließen (Lausch’, a Bach!). Daneben sprachen die Erreichbarkeit der Rohstoffe Quarzsand in zwei unterschiedlichen Qualitäten, einer relativ schlufffreien, für vergleichsweise helles Glas geeigneten und einer ein dunkleres, aber UV-Strahlung absorbierendes Glas („Waldglas“) erzeugenden Sorte aus den nahegelegenen Steinbrüchen des Steinheider Sandberges, des Flussmittels und Glasbinders Soda (wurde aus gebranntem Tuffstein aus den Steinbrüchen um Weißenbrunn gewonnen, auch das Härtemittel Kalk wurde dorther bezogen) und Pottasche (Flussmittel und zum Absenken des Schmelzpunktes, aus Buchenholz selbst gesotten, ab 1755 durfte in den Ortschaften Sonneberg, Bettelhecken, Mürschnitz, Hämmern und Steinheid Asche gesammelt werden) sowie ein großes Brennholzvorkommen für die Ansiedlung der Glasindustrie im Lauschatal. mini|links|Dorfmühle, im Kern von 1601 mini|Hauptgebäude der ehemaligen Wiesleinsmühle von 1824, 2023 abgebrochen mini|Lauschatal vom Kirchhügel am Köpplein Blickrichtung Süden, links Kleiner und dahinter Großer Tierberg, rechts Teufelsholz, der Hang vorne rechts führt zum Steinigen Hügel mini|Blick ins Lauschatal vom Teufelsholz auf das Köpplein, dahinter verdeckt die Igelskuppe, Bildmitte der Brehmenstall, rechts der Pappenheimer Berg mit dem Ernstthaler Steig am Horizont, rechts vorne Kleiner Tierberg
Der Lauschabach bildet sich unterhalb von Ernstthal aus dem Igelshieber und dem Ernstthaler Wässerlein. Sein Weg talwärts wird durch charakterisierende Beinamen beschrieben: Die Faule Lauscha fließt noch auf der Hochfläche langsam über einen Wiesengrund, die Muntere Lauscha zwängt sich durch das enge Lauschatal. Ihre Wasserkraft wurde mehrfach genutzt: Durch die Obermühle, im 19. Jahrhundert „Ernstthaler Mühle“ oder „Finstergundmühle“ genannt, 1856 eine Glashütte und seit 1969 Standort der Turnhalle, durch die Dorfmühle gegenüber dem Hüttenplatz, ab 1601 gleichzeitig Schneide- und Mahlmühle, ab 1644 durch die Wiesleinsmühle, ursprünglich eine Mahlmühle, 1733 Brauerei und Schankwirtschaft, ab 1743 durch die Glasschleifmühle des Glasschleifers Georg Friedrich Knye (* 1674; † 1764)Annegrete Janda: Der Thüringer Glasschnitt im 17. und 18. Jahrhundert. Diss. Universität Leipzig, 1962. unterhalb der Wiesleinsmühle, durch die Untermühle („Engelhardtsmühle“), eine Märbelmühle, und die Göritzmühle, als „Heubachsmühle“ eine Mahl-, Masse- und Schneidemühle, später eine Fabrik für Pharmaglas, also Behältnisse für Medikamente. Die beiden letztgenannten Mühlen liegen unterhalb der Mündung des Lauschabachs an der Steinach. Oberhalb der Mündung der Lauscha entstand 1604 ein Hochofen, der Gründungskern von Unterlauscha.
Mit der Fertigstellung der Bahnstrecke und der Straßenverbindung von Steinach nach Neuhaus durch das enge und sumpfige Tal Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Lauschabach größtenteils in einen unterirdischen Kanal durch die Ortsmitte verlegt. Vor der Verrohrung des mittleren Lauschabachs führten die Verbindungswege am Hang entlang, worauf die Straßennamen Alter Weg (heute Bahnweg) und Alte Chaussee hinweisen. Weil das flickwerkartig mit dem ortsüblichen Baumaterial, großen Schieferplatten, überbaute Bachbett wiederholt durch Hochwasser während der Schneeschmelze in Mitleidenschaft gezogen worden war, wurde der Bach von 2002 bis 2007 vollständig in einem Neubau aus Stahlbeton gefasst. Im Unterland mündet der Lauschabach, wieder offen geführt, in die Steinach.
Seit 1729 gehört auch das obere Tal der Steinach zum Lauschaer Revier. Es ist weitgehend unbewohnt und heute dem Tourismus vorbehalten. Hier befindet sich das 1923 erbaute und 1962 erweiterte Schwimmbad, das nach der Wende zum beheizten Erlebnisbad umgebaut wurde. Mit dem Haushaltsjahr 2016 gab die Stadt Lauscha den Betrieb des Bades auf, schloss jedoch am 28. November 2016 einen Betreibervertrag mit dem am 18. August 2016 gegründeten Schwimmbadförderverein.
Nahebei liegt die ehemalige Gastwirtschaft Rosenburg, heute ein Privathaus. Die Besitzer der ca. 500 m talaufwärts gelegenen Ebermannsmühle, einer ehemaligen Massemühle, erhielten 1909 die Erlaubnis zum Verkauf von Flaschenbier, 1929 für den Bierausschank und 1953 zum Verkauf von Butter, Eiern und Kuhkäse. 1957 wurde das Objekt nach der Enteignung der Familie Ebermann ein Ferienheim des VEB Mansfeld Kombinat „Wilhelm Pieck“, von 1990 bis 1993 war es ein Asylbewerberheim. 2003 entstand an seiner Stelle das Ferienobjekt „Wanderparadies im Steinachtal“. Vom Steinachtal zweigt der Totenweg nach Steinheid ab, auf dem bis zur Einrichtung einer Filialgemeinde 1732 die Verstorbenen transportiert werden mussten.
Bis zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert wurden durch das Tal vom Wächtersteich bis zur Alten Mutter, einem weiteren Quellbach der Steinach, Baumstämme zum Transport in ein Sägewerk geflößt. Ganz im Süden, an der Göritzmühle an der Grenze zu Steinheid und Steinach, ergießt sich der Göritzbach in die Steinach. In einem klammartigen Seitental nahm die Stadt Lauscha 1995 ein neues Wasserwerk in Betrieb, das verschiedene Quellen im Göritzgrund für die Trinkwasserversorgung der Stadt erschließt. Mit Außerbetriebnahme des Tiefbrunnens zum Jahresende 2006 wurde die Trinkwasserschutzzone im Göritzgrund aufgehoben.
Berge Typisch für das Thüringer Schiefergebirge umgeben hochflächenartige, meist mit dichtem Fichtenwald bestandene Bergrücken das tief eingeschnittene Lauschatal, an deren steil abfallende Hänge sich die engen Straßen und kleinen Gassen des Städtchens schmiegen. Dies sind im Uhrzeigersinn: unterhalb des Rennsteigs östlich des oberen Lauschabachs der Brehmenstall () im Ortsteil Ernstthal, weiter östlich der Pappenheimer Berg (834,5 m ü. NN), südlich daran anschließend der Kleine (769 m ü. NN) und der Große Tierberg (806 m ü. NN) mit dem Schnitzerskopf (760 m ü. NN) hoch über dem Lauschaer Ortszentrum.
Im Süden des Stadtgebietes gegenüber dem Großen Tierberg bildet westlich des Tals der Steinach der Göritzberg (793 m ü. NN) die Grenze zu Steinach und Steinheid. Er erstreckt sich entlang der oberen Steinach wie der nordwestlich anschließende Eisenberg (852,5 m ü. NN) bis nach Steinheid. Zwischen dem Quellbach Steinach und dem nordöstlichen Zufluss Alte Mutter erheben sich der Große Zigeunerberg (820 m ü. NN) und östlich anschließend der Kleine Zigeunerberg (791 m ü. NN). In ihrem Nordwesten führen der Mittelberg (807 m ü. NN) und im Norden der Bornhügel (846 m ü. NN) zum Rennsteig. mini|Felsenhäuschen über dem Lauschenstein Gegenüber der Nordostflanke des Göritzberges, westlich des dort vom Steinachgrund abzweigenden Lauschatals erhebt sich das Teufelsholz (745 m ü. NN) mit dem Lauschenstein, einem mächtigen Schieferfelsen, auf dem 1886 die Schutzhütte Felsenhäuschen errichtet wurde, über Unterlauscha. Hoch über der Lauschaer Ortsmitte, an der seit dem Dreißigjährigen Krieg so genannten Kroatenwacht, schließt sich die Eller an, ein Sattel (um 696 m ü. NN) mit einem Skihang („Bocksrangen“) in das Tal der Steinach, der zum Steinigen Hügel (765 m ü. NN) herüberführt. Hier befand sich zu DDR-Zeiten ein Kinder-Ferienlager, das der VEB Sachsenring Zwickau errichtete und unterhielt. Den nördlichen Abschluss zum Rennsteig bildet die Igelskuppe (800 m ü. NN) im Westen des oberen Lauschabachs. Südlich davon ragt das Köpplein (die Kupp, 781 m ü. NN, bis in das 19. Jahrhundert auch „Ahorn“ genannt) im Oberland mitten in das Lauschaer Stadtgebiet hinein.
Geschichte Die Ära der Hüttengründungen mini|hochkant|Hüttenplatz 3, Wohnhaus des Glasmachers Christoph Müller Lauscha wurde durch den Bau einer Glashütte gegründet. Die Glasmacher Hans Greiner und Christoph Müller erhielten am 10. Januar 1597 vom Herzog Johann Casimir zu Sachsen-Coburg die erbliche Konzession zum Betreiben einer Glashütte im Multertiegel, d. h. dort, wo sich heute der danach benannte Hüttenplatz befindet, nachdem ein erster Ansiedlungsversuch ab 1589 etwa 600 m talaufwärts unweit der heutigen Farbglashütte im Marktiegel noch an den Ansprüchen des dortigen Grundherren, des alternden Reichserbmarschalls Christoff Ullrich von Pappenheim zu Gräfenthal, gescheitert war. Für 12 Gulden Erbzins alljährlich auf Michaelis (29. September), 1 Schock Trinkgläser jährlich zur Hofhaltung und einen Preisnachlass von einem Pfennig auf alle weiteren vom Hofe gewünschten Gläser erhielten die Glasmacher Platz für die Glashütte und zwei Wohnhäuser, den Grund unterhalb der Hütte bis zur Mündung der Lauscha in die Steinach, zusammen 42 Acker Wiesenrod, und den Grund zu beiden Seiten der Faulen Lauscha (unterhalb des Marktiegels), zusammen 30 Acker Bauland, Acker- und Wiesenrod (insgesamt ca. 21 ha), das Fischwasser Lauscha und das Recht, eine Schneidemühle anzulegen, Vieh zu halten und im Wald zu hüten und drei weitere Wohnhäuser zu bauen, dazu Steuerfreiheit für den Tischtrunk. Das zum Betrieb der Hütte notwendige Holz bekamen sie für 4 Groschen Waldmiete für den Klafter aus 42 zugeteilten Geräumen, dazu Holz als Schneideblöcher zu 3 Hellern bzw. jedes zwölfschuhige Bloch für 18 Pfennige. Der Hüttenknecht Bock erwarb eine Hofstätte neben der Hütte am Tierberg, 1 Acker Rodeland und 5 Acker Wiesenrod. Sollte ein Glasmeister oder ein Hüttenknecht sein Haus zu verkaufen wünschen, sollte er es nicht an Fremde verkaufen, die keine Glasmacher sind. Der Forstmeister in Franken und der Schösser zu Neustadt und Sonneberg wurden angewiesen, die Glasmeister und Hüttenknechte in ihren Rechten zu schützen.
mini|Ein holzbefeuerter Hüttenofen Der Glasofen der Hütte hatte auf jeder Seite jeweils 6 Stände, die an der Westseite hatte die Familie Müller inne, die auf der Ostseite die Familie Greiner. Durch Vererbung und durch das Einheiraten der Familie Böhm 1691 wuchsen die Anteile an den Werkstätten aber schnell an. Das ungewöhnliche genossenschaftliche Betreibermodell war begleitet von einer strengen zunftmäßigen Abschottung und tiefer religiöser Gemeinschaft. Jeder Arbeitstag begann mit einem Choral.