John Donkin Dormand, Baron Dormand of Easington (* 27. August 1919 in Haswell, County Durham; † 18. Dezember 2003 in Peterborough, Cambridgeshire), bekannt als Jack Dormand, war ein britischer Pädagoge und Politiker der Labour Party. Er stammte aus dem Kohlenbergbaugebiet Easington in der County Durham in Nordostengland und war Parlamentsabgeordneter des Wahlkreises Easington von 1970 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1987.

Dormand wurde als „Mitte-rechts-Sozialist alter Schule“ beschrieben. Er war ein Arbeiterkind und brachte es über den Besuch des Gymnasiums zum Studium in Oxford und Harvard sowie zu einer Karriere als Schulleiter, bevor er im Alter von 50 Jahren in das Parlament einzog, wo er als Anwalt für Bildung und die Bergbaureviere auffiel. Zwar erreichte er nie ein Ministeramt, spielte aber als geschickter Verwaltungsbeamter in den 1970er Jahren eine bedeutende Rolle als Whip (in etwa die Funktion eines parlamentarischen Geschäftsführers) der damals regierenden Labour Party sowie in den 1980er Jahren als Fraktionsvorsitzender seiner nun in der Opposition befindlichen Partei. Er war ein Atheist und entschiedener Republikaner. Nur widerstrebend akzeptierte er seine Erhebung zum Life Peer, als er sich aus dem House of Commons zurückzog, und er arbeitete dann als Peer engagiert bis zu seinem 16 Jahre später erfolgten Tod.

Frühes Leben Dormand wurde nahe Easington im Arbeiterverein des Dorfes Haswell geboren, wo sein Vater Bernard, ein früherer Bergmann, Aufseher war. Er besuchte die in dieser Gegend gelegene Wellfield Grammar School. Obwohl er später Rugby spielte, war er in seiner Jugend ein sehr guter Fußballer, sodass er Probetrainings bei Manchester United und Charlton Athletic absolvieren konnte. Sport nahm während seines ganzen Lebens einen bedeutenden Stellenwert ein. So blieb er bis zu seinem Tod Mitglied des Houghton-le-Spring Rugby Club sowie des Burnmoor Cricket Club und spielte beide Sportarten noch bis zu einem Alter von 63 Jahren.

Nach seiner Ausbildung zum Lehrer am Bede College der University of Durham wurde Dormand während des Zweiten Weltkriegs nicht zum Militärdienst einberufen, weil der Lehrberuf eine Unabkömmlichkeitsstellung bedeutete. Nach dem Kriegsende steigerte er seine Qualifikation, indem er 1947 das Postgraduate Certificate in Education (PGCE) am Loughborough College erwarb. In den 1950er Jahren studierte er am St Peter’s College der University of Oxford. Er erlangte dort ein Diplom der öffentlichen und der Sozialverwaltungslehre mit Auszeichnung und gewann in seinem zweiten Studienjahr (1954) ein Fulbright-Stipendium für die Harvard University, wobei er ein Freund des späteren US-amerikanischen Senators Edward Kennedy wurde.

Von 1940 bis 1948 arbeitete Dormand als Lehrer in der Bergbaugemeinde Easington und unterrichtete an der Hordern Modern School sowie an seiner alten Schule, die nun Wellfield A.J. Dawson Grammar School hieß.Andrew Roth, "Parliamentary Profiles A-D" (Parliamentary Profile Services Ltd, 1984), S. 169–170. 1948 gab er die Lehrtätigkeit auf und nahm eine Stelle als Bildungsberater des Rats der County Durham sowie anschließend 1957 als Berater des National Coal Board (NCB) an. Letztgenannten Posten behielt er nur zwei Jahre und kehrte dann nach Durham zurück, um als Erwachsenenbildungsveranstalter zu fungieren. 1963–70 bekleidete er das Amt eines Direktors für Bildung des Easington Rural District Council. Er war auch Präsident des für die Region Easington zuständigen Zweiges der englischen Lehrergewerkschaft.

Politische Laufbahn Dormand war bereits im Alter von 18 Jahren der Labour Party beigetreten. Als 26-Jähriger wurde er in den Gemeindevorstand von Haswell gewählt und als 30-Jähriger in den Easington Rural District Council.

Emanuel Shinwell, der damals bereits 85-jährige Labour-Parlamentsabgeordnete für den Wahlkreis Easington, kündigte 1969 an, dass er bei der nächsten Unterhauswahl nicht mehr kandidieren werde. Dormand, der während der gesamten 1960er Jahre als Sekretär der Constituency Labour Party Easingtons fungiert und als Shinwells mutmaßlicher Nachfolger gegolten hatte, wurde als neuer Labour-Kandidat für den praktisch vollkommen sicheren Parlamentssitz aufgestellt. (Shinwell war 1966 mit über 80 % Stimmenanteil wiedergewählt worden.) Bei den Unterhauswahlen vom Juni 1970, die Harold Wilsons Labour-Regierung verlor, konnte Dormand mit einer kaum geringeren Zustimmung von 79,8 % ins House of Commons einziehen.

Bildung Dormands Antrittsrede vom 8. Juli 1970 stellte das Thema der Bildung, die Bedürfnisse Durhams als „Ausnahmegebiet“ und insbesondere die als „langsame Lerner“ klassifizierten Personen in ihren Mittelpunkt. Diese Rede fand viel Anklang und die damalige Bildungsministerin Margaret Thatcher machte sich dazu eigene Notizen. Der frisch gekürte Parlamentarier befürwortete eine Gesamtschulerziehung und im Juli 1973 verlangte er die Abschaffung von Privatschulen, wobei er insbesondere diejenige Labour-Abgeordneten attackierte, die ihren Kindern Privatschulunterricht angedeihen ließen.

Dormand lehnte Großbritanniens Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ab und trat zur Zeit des im Juni 1975 abgehaltenen Referendums über diese Mitgliedschaft für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EWG sowie dessen Wiedereintritt in die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) ein. Seine Hauptarbeit in der Opposition leistete er als Mitglied des sich mit der verstaatlichten Industrie befassenden Sonderausschusses. Seine hierbei unter Beweis gestellten Kenntnisse und inquisitorischen Fähigkeiten verschafften ihm die Achtung des im Ausschuss sitzenden linksgerichteten Abgeordneten Ian Mikardo. Im Februar 1972 forderte er Arbeitsplätze für entlassene Bergarbeiter. 1973 wurde er Sekretär der Nördlichen Gruppe der Labour-Fraktion.

Republikanismus Dormand beschrieb sich später als „Republikaner, solange ich mich zurückerinnern kann, an Politik interessiert gewesen zu sein“, und er war ein altgedienter Sekretär der parteiübergreifenden parlamentarischen republikanischen Gruppe. Als Gegner der Monarchie äußerte er 1971, dass „das gesamte königliche Establishment von der Königin abwärts schon morgen vollkommen verschwinden könne“. Im Februar 1973 dehnte er seine Kritik auf die erbliche Baronie aus. 1974 legten Dormand und der Labour-Abgeordnete Willie Hamilton den vorgeschriebenen Treueeid auf die Königin ab, gaben dann aber zu, dass sie es nicht ernst gemeint hatten. Im gleichen Jahr tadelte Dormand die Zahl der Hofbediensteten, die auf den halbjährlichen Vorschlagslisten für Ordensverleihungen aufgeführt wurden; stattdessen verlangte er, dass auch Bergmänner geehrt werden sollten, weil sie dessen ebenfalls genügend würdig wären.Labour MP wants miners in the honours list. In: The Times, 30. Januar 1974, S. 7.

Whip der Labour Party als Regierungspartei Die Labour Party kam durch die Unterhauswahlen vom Februar 1974 wieder an die Regierung und Dormand wurde zum stellvertretenden Whip unter Bob Mellish ernannt. Nach einer Umbesetzung im Gefolge der Wahlen vom Oktober 1974 stieg er zum Lord des Schatzamtes (vollwertigen Whip) auf.David Butler, Gareth Butler: Twentieth Century British Political Facts. Palgrave Macmillan, 2000, S. 37.

Das Amt des Whips erforderte normalerweise die Bewahrung von Stillschweigen im House of Commons, aber Dormand sah sich im Februar 1976 mit einer schwierigen Situation konfrontiert, die ihn zur Abgabe einer Erklärung nötigte. Die konservative Opposition hatte ein Tadelsvotum gegen den Wirtschaftsminister Eric Varley anberaumt und die Reduzierung von dessen Gehalt auf 1000 Pfund gefordert. Dormand wurde als einer der Stimmenzähler nominiert, doch sowohl er als auch sein konservativer Gegenspieler verzählten sich. Als Mellish dieses Missgeschick dem Präsidenten des Unterhauses meldete, billigte Letzterer die Abhaltung einer neuen Abstimmung. Zur Bestürzung Dormands waren viele Labour-Parlamentarier nicht bis zur Verkündigung des Wahlergebnisses geblieben und daher nicht mehr bei der zweiten Abstimmung anwesend, sodass diese von den Konservativen mit einer Mehrheit von fünf Stimmen gewonnen wurde.‘Not a true vote’-Government Chief Whip, The Times, 12. Februar 1976, S. 6. Die Regierung entschied indessen, dass das Ergebnis nicht die wahre Meinung des Unterhauses widerspiegle und kippte das Votum einige Tage später.

Als James Callaghan 1976 Wilson als Premierminister nachfolgte, trat Mellish zurück und wurde durch Michael Cocks ersetzt. Innerhalb der Funktionen des Whips erhielt Dormand nun das Amt des Pairing Whip. In dieser Rolle hatte er mit Mitgliedern gegnerischen Parteien zu vereinbaren, dass sie im Fall notwendiger Abwesenheiten einzelner Abgeordneter vom Parlament gemeinsam Abstimmungen fernblieben, um die Mehrheitsverhältnisse nicht zu verfälschen. Der Innenminister Merlyn Rees hätte lieber Dormand als Cocks zum Chief Whip (ersten parlamentarischen Geschäftsführer) ernannt gesehen.

Da die geringfügige Regierungsmehrheit schließlich durch Niederlagen bei Nachwahlen verlorenging, spielte Dormand in seiner Eigenschaft als Pairing Whip eine Schlüsselrolle und trug wesentlich dazu bei, dass die Regierung sich dennoch an der Macht halten konnte. Er erzählte Wilson, dass er „am Ende des Tages zu todmüde war“, um die sich bei den spätabendlichen Abstimmungen abspielenden Szenen zu vermerken. Laut einem Bericht der Sergeant-at-Arms vom Januar 1978 half Dormand bei der Vereitlung der Durchführung einer der Voten im Hammelsprung mit, um die Abstimmung über eine von der Regierung eingebrachte Gesetzesvorlage, die eine Übertragung von Vollmachten an Schottland vorsah, zu verhindern.Michael Hatfield, Ministers plan moves to salvage Scotland Bill as Tories prepare for battle in the Lords, The Times, 28. Januar 1978, S. 2.

Bei freien Abstimmungen ohne Fraktionszwang stand Dormand nicht immer auf der Seite der Regierung. So votierte er im Juli 1977 gegen den eine Direktwahl des Europäischen Parlaments vorsehenden Gesetzesentwurf.Michael Hatfield, Six Cabinet ministers among vote rebels, The Times, 8. Juli 1977, S. 1.

Oppositionsrolle Als die Labour Party die Unterhauswahlen 1979 verlor, fungierte Dormand zwei Jahre lang als Whip seiner nun in der Opposition befindlichen Partei. Er war ein sehr dynamischer führender Oppositionspolitiker, der besonders lautstark die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik der Premierministerin Margaret Thatcher auf die Fertigungsindustrie des nördlichen Landesteiles kritisierte: im Juni 1980 sagte er, dass Thatchers Politik diese Region „martere“, die zu einem „Schauplatz der Verödung“ würde.PM refuses to tax more, borrow more or print more money, The Times, 27. Juni 1980, S. 14. Er appellierte ausdrücklich an den Schatzkanzler Sir Geoffrey Howe, den Monetarismus nicht weiterzuverfolgen.Chancellor says he is following same monetary policy as his predecessor, The Times, 7. November 1980, S. 9.

Fraktionsvorsitzender der Labour Party als Oppositionspartei