Weitwörth ist eine Ortschaft und gleichzeitig eine der drei Katastralgemeinden der Gemeinde Nußdorf am Haunsberg im Norden des Bundeslandes Salzburg im Bezirk Salzburg-Umgebung. Ab etwa dem 11. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts befand sich im Raum Weitwörth der Sitz eines Pfleggerichts bzw. zuletzt Bezirksgerichts. Das insgesamt gering besiedelte Gebiet ist, abgesehen von einem von der Baubranche genutzten Gewerbegebiet, überwiegend Naturraum.

Geografie Lage, Ausdehnung und Besiedelung Die Katastralgemeinde (KG) Weitwörth liegt am untersten Abschnitt der Oichten südlich des Flusses und nimmt größtenteils die Weitung des Oichtentals und den Nordhang des Haunsbergs ein. Sie hat eine Ausdehnung von knapp 16,2 km² und bedeckt knapp mehr als das südliche Drittel der Fläche der sich von Nordost nach Südwest erstreckenden Gemeinde Nußdorf am Haunsberg. Dazu gehören folgende Ortschaften:

+ Ortschaften der KG Weitwörth Ortschaft Siedlungsform Gebäude(Stand 2001) Einwohner(Stand ) Gastein Rotte 10 Hochberg Zerstreute Häuser 12 Kroisbach Rotte 13 Lukasedt Rotte 11 Olching Rotte 22 Pabing Zerstreute Häuser 7 Schlößl Rotte 42 Schröck Weiler 6 Weitwörth Rotte 30 Bezüglich politischer Wahlen ist die KG Weitwörth ident mit dem Nußdorfer Wahlsprengel III.Mitteilungsblatt der Ortsgemeinde Nußdorf am Haunsberg, Ausgabe 2/2009; abgerufen am 29. Juli 2015.

Im Norden des KG-Gebiets bildet ausschließlich die Oichten die Grenze zur Gemeinde Göming sowie zur Stadtgemeinde Oberndorf bei Salzburg, im Westen wird Weitwörth begrenzt durch die Salzach, auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Stadtgebiet von Laufen im bayrischen Landkreis Berchtesgadener Land. Im Süden grenzt Weitwörth an das zur Gemeinde Anthering gehörende Acharting und im Osten an die zu Obertrum gehörende KG Schönstraß; die Grenzlinien folgen zu weiten Teilen den Anhöhen des Haunsbergs. Im Nordosten von Weitwörth folgt die KG Nußdorf mit dem gleichnamigen Hauptort der Gemeinde.

Die Nord-Süd-Ausdehnung von Weitwörth beträgt etwa 3 bis 4 Kilometer, von West nach Ost sind es zwischen 4 und 5 Kilometer. Der tiefste Punkt liegt mit Angaben laut Geographischem Informationssystem des Landes Salzburg (). im äußersten Nordwesten bei der Mündung der Oichten in die Salzach an der Grenze zu Oberndorf; der höchstgelegene Punkt befindet sich südlich an der Gemeindegrenze zu Anthering und ist mit 835 Metern Seehöhe gleichzeitig der Gipfelpunkt des Haunsbergs. Der Ortschaftspunkt Weithwörth liegt auf 422 Höhenmetern.

Gewässer mini|Der Reitbach in der Salzachau im November In den Ortschaften Pabing und Weitwörth fließt nahe der Salzach parallel zu ihr der aus der Gemeinde Anthering kommende Reitbach. Des Weiteren fließen mehrere kleine Bäche vom Haunsberg herab generell Richtung Norden und münden in die Oichten. Diese sindBezeichnungen für die nachfolgend gelisteten Fließ- und stehenden Gewässer lt. Wasserbuch des Landes Salzburg, online Layer auf SAGIS (Salzburger Geografisches Informationssystem), abgerufen am 25. Juli 2015; Längen- und Flächenangaben lt. dortiger Messung. (von West nach Ost) der 4,0 km lange Weitwörthbach (Ortschaften Pabing und Weitwörth) der etwa 3,2 km lange Oberdorferbach (Ortschaft Weitwörth; in den Weitwörthbach mündend)Der Bach ist benannt nach dem anliegenden Gut Oberdorfer; nicht zu verwechseln mit der in Flussrichtung nahegelegenen Gemeinde Oberndorf. der knapp 2,8 km lange Gasteinerbach (amtlich: Gasteinergraben; Ortschaften Gastein, Schröck, Lukasedt) der knapp 3,1 km lange Schlößlbach (amtlich: Schlösslbach-Nußdorf; Ortschaften Hochberg, Gastein, Schlößl, Kroisbach) der rund 1,8 km lange Kroisbach (Ortschaften Hochberg, Kroisbach) der rund 1,8 km lange Olchingerbach (Ortschaften Olching, Kroisbach)

mini|Der Weitwörther Badesee im November Im südlichen Teil der Weitung im Mündungsbereich der Oichten gibt es östlich des Reitbachs mehrere kleine Seen (von Nord nach Süd): Ausee (9,1 ha; Ortschaft Weitwörth) Pabingersee, amtlich: Weitwörth Badesee (13,5 ha; Ortschaft Pabing) namenloses Gewässer (Ortschaft Pabing)Das Gewässer östlich des Pabingersees im Ausmaß etwa des Baggersees ist auf der OpenStreetMap auf dieser Position eingetragen, im amtlichen Geografischen Informationssystem des Landes Salzburg (SAGIS) zwar angedeutet, aber nicht als Gewässer verzeichnet (Stand: 17. Mai 2024). Baggersee Weitwörth 3 (1,4 ha; Ortschaft Pabing) Auersperg-Teich (4,9 ha; Ortschaft Pabing) namenloses Gewässer (Ortschaft Pabing; ein im Zuge von Renaturierung angelegtes BiotopDas Gewässer etwa im Ausmaß des Pabingersees ist auf der OpenStreetMap (auf dieser Position) eingetragen, im amtlichen Geografischen Informationssystem des Landes Salzburg (SAGIS) zwar angedeutet, aber nicht als Gewässer verzeichnet (Stand: 17. Mai 2024).) Erdbeerteich (0,9 ha; Ortschaft Pabing) Rund zwei Kilometer nördlich von diesen allen liegt der Hürdenteich (3,8 ha; im Grenzbereich der Ortschaften Weitwörth, Schröck, Lukasedt)

Bodennutzung und Naturschutz Der Raum der KG Weitwörth ist nur gering verbaut. Es dominieren die Waldflächen an den Hängen des Haunsbergs, entlang der Salzach, um den Hürdeneich und entlang der Oichten sowie die Äcker und Wiesen in der Talungen. Siedlungsbauten gibt es in erster Linie entlang der Hauptstraße durch das Oichtental und entlang einer Nebenstraße (Ortschaft Schröck).

mini|Vogelschutzgebiet Salzachauen Als geschützte Naturobjekte sind in der KG Weitwörth zu finden: Weutwörther Au – Teil des Natura 2000-Schutzgebiets Salzachauen Salzburg, ein über den gesamten Bereich der Ortschaften Pabing und Weitwörth sich erstreckender Augürtel entlang der Salzach, unter der Nummer AT3209022 ausgewiesenes Vogelschutzgebiet (darin enthalten sind sämtliche Seen mit Ausnahme von Erdbeerteich und Hürdenteich); gleichzeitig als flächenmäßig kleineres FFH-Gebiet unter der Nummer AT3223000 ausgewiesenes Flora-Fauna-Habitat (darin enthalten ist nur der Ausee) Weitwörther Allee – eine als geschützter Landschaftsteil ausgewiesene Baumreihe in der Ortschaft Pabing (GLT00011) Frauengrube – eine geologische Diskordanz, Naturdenkmal in der Ortschaft Kroisbach (NDM00257) Kroisbachgraben – eine bedeutende Fossilienfundstätte, Naturdenkmal in der Ortschaft Kroisbach (NDM00119) Quellgruppe St.-Pankraz-Quellen – ein kleines Wasserschutzgebiet in den Ortschaften Schlößl und Hochberg

Geschichte Eine Besiedelung des Oichtentales ist aufgrund von mehrfachen Funden bereits in der Bronzezeit anzunehmen (im Bereich der KG Weitwörth Scherbenfunde in Pabing und Schlössl sowie Fund eines Ringbarrens 1967 in Weitwörth).Zur Geschichte von Nußdorf am Haunsberg vgl. Veronika Mayregg: Geschichte und Vorgeschichte. In: Nußdorfer Geschichte und Geschichten, hrsg. von Veronika Mayregg und Wolfgang Mayregg. 2. Auflage, Eigenverlag Veronika Mayregg, Nußdorf 2003.

Ab etwa 200 v. Chr. gehörte diese Gegend zum keltischen Königreich Noricum, das durch Eroberung 15 v. Chr. zu einer römischen Provinz wurde. In der Folge siedelte sich von Süden her romanische Bevölkerung an. Auch im Gemeindegebiet von Nußdorf zeugen noch wenige Spuren von ihren Bauten. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs im 5. Jahrhundert kamen die Bajuwaren ins Land.

mini|hochkant|Grundriss der ehemaligen Burg Haunsberg, Sitz der Haunsberger Vom 8. bis zu 11. Jahrhundert war das Gebiet des Oichtentals und des Haunsbergs im Besitz verschiedener kirchlicher Regentschaften. Ab dem 11. Jahrhundert traten die Edelfreien von Haunsberg in Erscheinung, die zunehmend an Macht gewannen und auch Gerichtsbarkeit ausübten, was damals eine Grundlage für die Landeshoheit war. Sitz war die (heute nur noch in wenigen Resten vorhandene) Burg Haunsperg in der Ortschaft Schlößl. Im Herrschaftsbereich der Haunsberger im nördlichen Flachgau und den angrenzenden Gebieten im heutigen Bayern und Oberösterreich gab es zahlreiche befestigte Höfe, auf dem Gebiet der heutigen KG Weitwörth einen in Pabing.

Im 13. Jahrhundert kam es zum Niedergang der Haunsberger, und das Gebiet kam zum Erzbistum Salzburg. In dessen Folge wurde hier das Pfleg- und Landgericht Haunsberg geschaffen, das weiterhin von Pflegern aus verschiedenem Kleinadel geführt wurde. Um das Jahr 1600 kam es zu einem Zusammenschluss der Pfleggerichte Haunsberg, Anthering, Laufen und Lebenau, Sitz wurde Laufen. Die Gegend um Weitwörth blieb aber weiterhin bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts unter der Gerichtsbarkeit vom Pfleggericht Haunsberg, das – zusammen mit dem Amt Oberlebenau, Amt Unterlebenau und dem Landgericht Anthering – weiterhin als eine der vier Abteilungen des Pfleg-, Stadt- und Landgerichts Laufen Bestand hatte.

1748 wurde in St. Pankraz (Ortschaft Schlößl) eine (heute nicht mehr betriebene) Schule eingerichtet.

Im sogenannten Hieronymus-Kataster, einem vom Salzburger Erzbischof Hieronymus von Colloredo um 1780 angelegten Steuerkataster, sind im „Schloß Viertl“, also im Bereich des Schlosses Weitwörth, 26 landwirtschaftliche Besitzungen eingetragen. Genau die Hälfte von ihnen war in erzbischöflichem Besitz, fast der gesamte Rest gehörte zu anderen kirchlichen Besitzungen.Nußdorfer Geschichte und Geschichten, hrsg. von Veronika Mayregg und Wolfgang Mayregg. 2. Auflage, Eigenverlag Veronika Mayregg, Nußdorf 2003, S. 83.

1805 wurden in Salzburg Katastralgemeinden eingeführt, und seither besteht Weitwörth als eine solche.

mini|Schloss Weitwörth, Sitz des Pfleggerichts und späteren Bezirksgerichts Weitwörth Nachdem Salzburg nach kurzer Zeit bei Bayern 1816 mit etlichen Gebietsverlusten links der Salzach dem Kaisertum Österreich zugeteilt worden war, wurde auch eine neue Aufteilung der Gerichtsbarkeit fällig. 1821 wurde das im 17. Jahrhundert errichtete Schloss Weitwörth Sitz des neuen Pfleggerichts Weitwörth. Seine Gerichtsbarkeit über politische, rechtliche und steuerliche Angelegenheiten erstreckte sich auf das Gebiet der 15 Katastralgemeinden Anthering, Acharting, St. Georgen, Dorfbeuern, Holzhausen, Jauchsdorf, Göming, Oberndorf, Schwerting, Lamprechtshausen, St. Alban, Arnsdorf, Nußdorf, Weitwörth und Pinswag, mithin des gesamten heutigen nördlichen Flachgaus. Infolge der Revolution von 1848 kam es zu bedeutenden Umstrukturierungen der Verhältnisse im Grundbesitz sowie in der politischen und judikativen Verwaltung. Weitwörth blieb auch 1850 Sitz des in diesem Jahr neu eingerichteten Gerichtsbezirks und bildete bis 1867 den Gerichtsbezirk Weitwörth, der danach in den bis 2023 bestehenden Gerichtsbezirk Oberndorf (heute Gerichtsbezirk Seekirchen) überging.

In Benedikt Pillweins Beschreibung des Landes Salzburg von 1839 wird die Ortschaft Weitwörth (damalige Schreibvarianten Weitwerd, Weitwörd, Weidwerth) beschrieben als „ein Dorf mit 7 Häusern, 9 Wohnparteyen, 50 Einwohnern, 1 St. von Laufen, 1 von Nußdorf“.

Am 18. Jänner 1849 kam es in Weitwörth zu einem Auflauf gegen die örtlichen Forstbehörden. Im Zusammenhang mit den Forderungen der Revolution von 1848 wurde von vielen Salzburger Bauern fälschlicherweise angenommen, dass im Zuge der errungenen Grundentlastung das Wild in den Wäldern allgemeines Gut wäre, und wollten dieses Recht einfordern.

Mit der Errichtung von politischen Gemeinden im Land Salzburg im Jahr 1850 wurde Weitwörth Teil der Gemeinde Nußdorf am Haunsberg.

Namensgebung