250px|mini|Blick durch den Rechov Rav-Aluph David Elʿazar (vormals Christophstraße) Sarona (; zwischen 1948 und 2013 umschrieb die Bezeichnung haQiryah [auch haKirya; ] räumlich das gleiche Viertel) ist ein Restaurant- und Ausgehviertel in Tel Aviv-Jaffa, Israel, umrahmt von neuen vielgeschossigen Büro- und Wohnbauten. Die aufgelockerte Bebauung und der Baumbestand in Saronas Zentrum gehen auf seine Entstehung als Kolonie von Anhängern der Tempelgesellschaft (so genannte Templer) zurück,Marina Choikhet: Ein Stück Deutschland: Stadtgeschichte – Die Templersiedlung Sarona in Tel Aviv wird renoviert. In: Jüdische Allgemeine, 9. August 2012, S. 5. die zumeist Auslandsdeutsche waren, aber auch Auslandsschweizer und -dänen. Ab 1940 gesperrter militärischer Sicherheitsbereich wird Sarona seit 2006 sukzessive renoviert und steht wieder der Allgemeinheit offen.
mini|Blick nach Sarona um 1900 Geschichte Sarona war eines der ersten modernen Dörfer in Palästina. Vier Kilometer nordöstlich von Jaffa, am Südende der Ebene S(ch)aron, wurde 1871 Sarona nach Flur- und Straßenplänen Theodor Sandels angelegt.Ejal Jakob Eisler: Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850–1914: Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03928-0, Fußnote 378 auf S. 95 (=Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins, Band 22). Die Kolonisten kamen aus der 1869 von Templern gekauften,Einige Häuser kauften die Templer direkt von amerikanischen Kolonisten, andere von Missionar Peter Metzler, der sie zwischenzeitlich schon erworben hatte. Vgl. Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824): deutsch]. / . Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 46 und (Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert, Band 2)Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 376. drei Jahre zuvor gegründeten amerikanischen Siedlung namens American-German Colony (, , George Jones Adams und Abraham McKenzie sowie weitere Kolonisten aus Maine hatten am 22. September 1866 Jaffa erreicht und noch im gleichen Jahr die American Colony gegründet. Die Siedlung, darin auch Tel Avivs lutherische Kirche, die Immanuelkirche, liegt zwischen den heutigen Straßen Rechov Eilat () und Rechov haRabbi miBacharach () in Tel Aviv-Jaffa.), die am nordöstlichen Rande Jaffas liegt. Mit Zeichnungen von G. Bauernfeind, S. 379–382 und 385. Da den Templern dort landwirtschaftliche Flächen unerschwinglich waren, gründeten sie weiter nordöstlich ihre dritte Kolonie, Sarona, wohin achtzig der insgesamt 200 Templer aus Jaffa übersiedelten.
mini|Ehemals große Kellerei der Weinbau-Genossenschaft Sarona-Wilhelma, 1892 erbaut, 1948–2004 Druckerei des Staates Israel und ab Ende der 1960er Jahre der israelischen Armee Mit Gründung Saronas wurde auch ein Templerfriedhof angelegt.Vic Bentleigh: Denen, die uns vorangegangen sind, zum Gedenken: Deutsche Friedhöfe Haifa und Jerusalem / In memory of those who have gone before us: German cemeteries in Haifa and Jerusalem. Tempelgesellschaft, 1974, S. 47. Das Gelände des ehemaligen Templerfriedhofs ist seit Umbettung der Toten 1952 eine Freifläche östlich des südlichen Endes des Rechov Saʿadiah Ga'on. Die vor 1870 verstorbenen Templer aus Jaffa wurden anfangs auf dem Friedhof von Mount Hope bestattet, einer 1852 von Clorinda Minor aus Philadelphia und bergischen Siedlern um Friedrich Großsteinbeck (1821–1858) und Johann GroßsteinbeckBeide waren Großonkel und -vater John Steinbecks. Ejal Jakob Eisler (): Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850–1914: Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03928-0, S. 54 f. und Fußnote 203 auf S. 50 (=Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins, Band 22). gegründeten sabbatianischen Siedlung.Die Siedlungsstätte Mount Hope am Rechov haMasger 7 nimmt heute die Schevach-Moffet-Schule ein, einschließlich einer alten Platane aus der Gründungszeit, darunter ehemals der Friedhof von Mount Hope. Avraham Lewensohn: Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen [Israel Tourguide, 1979; dt.]. Miriam Magall (Übs.). Tourguide, Tel Aviv / Yapho 1982, S. 375.
Saronas Böden und Klima erwiesen sich insbesondere günstig für den Weinbau, im „Herbst 1892 wurden im Centralkeller zu Sarona etwa 3000 Hektoliter gekeltert.“ Mit Zeichnungen von G. Bauernfeind, S. 379–382 und 385. Bekannte Weine waren Sarona rot, Perle von Jericho und Jaffa Gold.Hans-Christian Rößler: Ein deutsches Dorf in Tel Aviv. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Dezember 2014, S. 7. 1895 wurde der deutsche Diplomat Eberhard Friedrich von Mülinen als Sonderkommissar nach Sarona entsendet, um den umstrittenen Grundbesitz der dortigen deutschen Kolonie zu sichern.
mini|Saroner 1898 in Erwartung Wilhelms II., Photo im Besucherzentrum Sarona Auf seiner Reise durchs Heilige Land erreichte Wilhelm II. mit Entourage am 27. Oktober 1898 Sarona. Der deutsche Vizekonsul in Jaffa Edmund Schmidt (1855–1916) empfing den Kaiser und begrüßte ihn freundlich im Auftrag der gesamten Kolonie. In Sarona sprach der Kaiser seine Hoffnung aus, dass seine freundschaftliche Politik gegenüber dem Osmanischen Reich dazu dienen werde, dass deutsche Siedlungen in der Levante sich gut entwickeln könnten. Von Sarona geleitete Vizekonsul Schmidt das Kaiserpaar weiter in die (Amerikanisch-)Deutsche Kolonie vor Jaffa, wo das Paar in Plato von Ustinovs Hôtel du Parc einlogierte.Alex Carmel (): Die Siedlungen der württembergischen Templer in Palästina (1868–1918) 1. Auflage. 1973, [התיישבות הגרמנים ; deutsch]. 3. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-016788-X, S. 161 (=Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg: Reihe B, Forschungen, Band 77).
mini|Ehemaliges Gemeindehaus für die Tempelgesellschaft, 1911 erbaut, 1947–48 diente es der Basis als Synagoge, bis 2004 als Cafeteria, jetzt dem Einzelhandel Am 17. November 1917 nahmen britische Streitkräfte Sarona ein, und die meisten Männer deutscher oder anderer Feindstaatsangehörigkeit wurden in Wilhelma als feindliche Ausländer interniert.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 134 und 136 (=Missionswissenschaftliche Forschungen; [N.S.], 25). 1918 wurden die Internierten in ein Lager südlich von Ghaza gebracht, während die verbliebenen Einwohner Saronas, meist Frauen und Kinder und nur wenige Männer, strenger Polizeiaufsicht unterstellt wurden.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 137 (=Missionswissenschaftliche Forschungen; [N.S.], 25). Auf dem neuen Soldatenfriedhof Sarona, unweit des Templerfriedhofs, fanden indische Gefallene der für die Triple Entente erfolgten Eroberung 1917 eine Ruhestätte. Das Gelände des ehemaligen Soldatenfriedhofs ist seit Umbettung der Toten 1952 eine Freifläche auf der westlichen Straßenseite im mittleren Abschnitt des Rechov Esriel Carlebach.
Im August 1918 wurden die Internierten von Gaza nach Sidi Bishr und Helwan in der Nähe Alexandrias verlegt.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins, Almut Nothnagle (Hrsg.) im Auftr. des ‚Jerusalemsvereins‘ im Berliner Missionswerk. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 193. Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 137 (=Missionswissenschaftliche Forschungen; [N.S.], 25). Mit dem Frieden von Versailles, der am 10. Januar 1920 in Kraft trat, wurden die ägyptischen Lager aufgelöst, und Eitel-Friedrich von Rabenau wurde Auflösungsbeauftragter der Lagerinsassen.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 143 (=Missionswissenschaftliche Forschungen; [N.S.], 25). Die meisten Internierten kehrten ins Heilige Land zurück, ausgenommen diejenigen, die laut einer schwarzen Liste der britischen Streitkräfte als unerwünscht galten.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins, Almut Nothnagle (Hrsg.) im Auftr. des ‚Jerusalemsvereins‘ im Berliner Missionswerk. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 196.
Die Besatzungsverwaltung Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South) beschlagnahmte alles Eigentum der Einwohner deutscher und anderer feindlicher Nationalität. Mit der Einrichtung eines regulären britischen Amtsapparats im Jahre 1918 übernahm Edward Keith-Roach als Public Custodian of Enemy Property die Verwaltung des beschlagnahmten Eigentums und vermietete es, bis die Gebäude 1925 schließlich an die eigentlichen Eigentümer restituiert wurden.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 138 (=Missionswissenschaftliche Forschungen; [N.S.], 25). Der Frieden von Versailles, der am 28. Juni 1919 unterzeichnet worden war und nach allseitiger Ratifikation am 10. Januar 1920 in Kraft trat, legalisierte den bestehenden britischen Gewahrsam des Vermögens der Auslandsdeutschen im Heiligen Lande.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 142 (=Missionswissenschaftliche Forschungen; [N.S.], 25).
Auf der Konferenz von Sanremo im April 1920 einigten sich die Entente-Mächte darauf, Palästina in britische Obhut zu geben, woraufhin am 1. Juli 1920 offiziell die britische Zivilverwaltung die OETA ablöste. Von diesem Zeitpunkt an überwies Keith-Roach die erzielten Mieteinnahmen für Immobilien in seiner Verwahrung an die eigentlichen Eigentümer. Der Völkerbund legitimierte das Übereinkommen der Entente von San Remo, indem er Großbritannien 1922 das Mandat für Palästina erteilte. Die Türkei, die Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches, legalisierte schließlich das britische Mandat durch den Vertrag von Lausanne, der am 24. Juli 1923 unterzeichnet wurde und nach den Ratifikationen am 5. August 1925 in Kraft trat.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins, Almut Nothnagle (Hrsg.) im Auftr. des ‚Jerusalemsvereins‘ im Berliner Missionswerk. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 189. Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 150 (=Missionswissenschaftliche Forschungen; [N.S.], 25).
mini|Friedhof Sarona mit Tor vorn, im Hintergrund Sarona