Zvi Rix (geboren als Franz Rix 18. April 1909 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 11. Januar 1981 in Rechovot, Israel) war ein österreichisch-israelischer Arzt und Autor.
Leben Der Sohn des Theodor Rix (1871–1952) und seiner Frau Miriam geb. Hirsch (11. August 1882–1969)Duplikat der Geburts-Matrikel der Israelitischen Gemeinde Prerau ÚŘEDNÍ KNIHY kn 1718 Seite 168 badatelna.eu, dort ganz unten unter lfd. Nr. 19 als Marie Hirsch wuchs mit einer fünf Jahre jüngeren Schwester vermutlich bei den Eltern auf. Der Vater handelte mit Seilerwaren und unterhielt dafür ab 1914 ein Geschäftslokal in der Zollergasse 29.Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger 1914, Band 2, S. 1100 wienbibliothek.at; Industrie-Compass 1931 S. 1374 books.google: „Rix Theodor, Spagate- [= Bindfäden-] und Seilerwarenniederlage, VII. Zollergasse 29 (1907)“; Lehmann 1938, Band 2, S. 335 wienbibliothek.at Seit 1917 wohnte man in der gleichfalls zum VII. Wiener Gemeindebezirk gehörenden Stiftgasse 27.Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger 1917, Band 2, S. 1076 wienbibliothek.at
Im selben Haus hatte Franz Rix, nachdem er 1933 in Medizin an der Universität Wien promoviert hatte, eine eigene Wohnung. Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger verzeichnet ihn dort 19341934, Band 1, S. 1101 wienbibliothek.at und 1935 als „Rix Franz, MDr., Arzt“ und von 19361936, Band 1, S. 1071 wienbibliothek.at bis 19381938, Band 1, S. 1058 wienbibliothek.at als „Rix Franz, MDr., Spit.Arzt“. Die Stellung als Spitalarzt dürfte Rix spätestens mit dem „Anschluss Österreichs“ sofort verloren haben, und er verließ Österreich vermutlich noch im selben Jahr. Im Lehmann 1939 ist nur noch – und letztmals – „Rix Theodor, Kaufm., VII., Stiftg. 27“, nun ohne sein Seilerwarengeschäft, verzeichnet.1939, Band 1, S. 1055 wienbibliothek.at
Renate Feikes’ Sammlung Emigration Wiener jüdischer Ärzte ab 1938 in die USA, speziell nach New York (Ärzte. Crd. 1-314) vermerkt: „Rix Franz Jude/E geb. 18.4. 1909, Wien 7, Stiftgasse 27/19 Prom.Wien 1933 […]“.S. 205 (Digitalisat). Ob er die USA tatsächlich erreichte, ist unklar. Im Januar 1941 wurde jedenfalls „Franz Rix, Tel Aviv“ von der britischen Mandatsverwaltung für Palästina als Arzt zugelassen.The Palestine Gazette Nr. 1078, 13 February 1941, p. 142 Seiner erhaltenen Korrespondenz mit dem umstrittenen Psychoanalytiker und Chronologiekritiker Immanuel VelikovskyThe Rix-Velikovsky Correspondence 1962–1977, Varchive.org, 1999 ist zu entnehmen, dass er spätestens 1962, nunmehr als Zvi Rix, in Jerusalem lebte und sich als Privatgelehrter mit der Untersuchung des psychologischen Erbes früherer Katastrophen in der menschlichen Kultur befasste. Ende der 1970er Jahre übersiedelte er mit seiner Frau Melitta geb. Gutwirth (1912–1998) nach Rechovot, wo er sich nicht nur durch das Fehlen von Bibliotheken „sehr abgeschnitten“ und einsam fühlte.Neujahrsgruß an Alfred de Grazia vom 9. Januar 1980 und Brief der Ehefrau Melitta vom 23. Januar 1981
Werk Durch Übertragung psychoanalytischer Methoden auf ganze Gesellschaften und Massenbewegungen versuchte Rix die Mechanismen zu ergründen, mit denen vergangene Traumata von Generation zu Generation übertragen werden. Die Kräfte der Menschheitsgeschichte hielt er für nicht zufällig, sondern einer Deutung zugänglich. Er suchte nach Belegen für die Theorie, dass eine durch Kometen verursachte Zerstörung der Zivilisationen vor ca. 3500 Jahren den Geist der Menschen im Nahen Osten verwirrt und Zerstörungswut, religiöse Exzesse und sexuelle Abweichungen ausgelöst habe.Alfred de Grazia: Cosmic Heretics, Metron, 1984, S. 116
Am 12. April 1964 sandte er Velikovsky ein erstes Manuskript seines Essays über die Sphinx zu.Brief von Zvi Rix an Immanuel Velikovsky, 12. April 1964, Reprint In der vom Werk Velikovskys beeinflussten Zeitschrift Kronos. A Journal of Interdisciplinary Synthesis wurde Rix zunächst als „contributing editor“ und ab Frühling 1979 als Mitherausgeber („associate editor“) geführt. Rix und der Basler Chronologiekritiker Christoph Marx (1931–2016)Uwe Topper et al.: Christoph Marx zum Gedenken, Berlin 2016 ilya.it reisten gemeinsam zu einer Konferenz mit dem Thema „Zeitalter im Chaos? Wie gültig sind Velikovskys Ansichten zur Frühgeschichte“, die am 7. bis 8. April 1978 in Glasgow stattfand.Alfred de Grazia: Cosmic Heretics, Metron, 1984, S. 87Ages in Chaos? How Valid are Velikovsky's Views on Ancient History? Proceedings of the Residential Weekend Conference, Glasgow, 7th to 9th April 1978 (S.I.S. Review VI:1–3)
Rix’ Schriften gelten als schwer lesbar. Er hinterließ ca. 25 unveröffentlichte Manuskripte und ein umfangreiches Archiv. Sein Nachlass wurde von Christoph Marx zur Verwahrung übernommen. Es spricht für sich, dass davon – abgesehen von 59 Seiten Mitteilungen zur Sphinx – bisher noch nichts veröffentlicht wurde.
„Auschwitz werden uns die Deutschen nie verzeihen.“ In seinem Buch Was ist Antisemitismus? schrieb Gunnar Heinsohn 1988:
Henryk M. Broder hatte 1986 noch ohne Namensnennung einen „klugen Israeli“ als Urheber der Sentenz bezeichnet.„Und Auschwitz, sagte mal ein kluger Israeli, 'Auschwitz werden uns die Deutschen nie verzeihen'.“ Henryk M. Broder: Der ewige Antisemit. Kapitel 5: Der Täter als Bewährungshelfer oder Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen. Erstausgabe Fischer-Taschenbuch-Verlag Frankfurt/Main 1986, S. 130; Ausgabe btb Berlin 2005, S. 158 books.google Ab 1997 wurde dieser „kluge Israeli“ meist, auch von Broder selbst, „Zvi Rex [sic!], israelischer Psychoanalytiker“ genannt.Andrei S. Markovits, Simon Reich: The German Predicament. Memory and Power in the New Europe, 1997, p. 203; Henryk M. Broder: Halbzeit im Irrenhaus, im Tagesspiegel vom 24. November 1998; wieder abgedruckt in Frank Schirrmacher (Hrsg.): Die Walser-Bubis-Debatte, Suhrkamp-Verlag 1999, und Henryk M. Broder: Jedem das Seine, Ölbaum-Verlag 1999, dort auf S. 213 bzw. S. 146 mit der Angabe „Zvi Rex, israelischer Psychoanalytiker“. Zvi Rix habe „seinen Hobbes gelesen“, schrieb Heinsohn 2005 in seinem Buch Söhne und Weltmacht,Gunnar Heinsohn: Söhne und Weltmacht. Terror im Aufstieg und Fall der Nationen. Orell Füssli, Zürich 2003, S. 139 (Digitalisat). und zitierte aus dem Leviathan: „Einem Menschen mehr Schaden zugefügt zu haben, als man wiedergutmachen kann […], veranlaßt den Täter, den Geschädigten zu hassen.“Thomas Hobbes: Leviathan. Aus dem Englischen von Jutta Schlösser. Meiner, Hamburg 1996, S. 83 (Digitalisat). Original: “To have done more hurt to a man than he can or is willing to expiate inclineth the doer to hate the sufferer.” (online). Diese Weisheit Thomas Hobbes’ von 1651 münze „Zvi Rix, Israeli aus der Wiener Leopoldstadt und mit viel mehr Leidenschaft Forscher als Arzt […] – nach Auskunft seiner Witwe Melitta – in die Sentenz: Auschwitz werden uns die Deutschen niemals verzeihen.“Gunnar Heinsohn: Wie man die Jugend über Antisemitismus aufklärt. Die Welt, 22. Januar 2013.
Allerdings waren darauf wohl schon andere vor Rix gekommen. Leo Katcher zitierte in seinem Bericht Post Mortem. The Jews in Germany--now, den er, nach einem neunmonatigen Aufenthalt in Deutschland, 1968 veröffentlichte, die jüdische Remigrantin Hilde Walter wie folgt:
mini|Brasserie La Coupole, 102 Boulevard du Montparnasse Georg Stefan Troller schrieb zum 100. Geburtstag Stefan Heyms 2013:
1956 schrieb Friedrich Dürrenmatt in einer Würdigung zu Walter Mehrings 60. Geburtstag in Die Weltwoche: »Genauer auf sein Leben eingehen, hieße eine moderne Odyssee schreiben [...]. Odysseus hat entweder heimzukommen oder umzukommen, beides ist für den Ruhm gleich dankbar, gleich verwendbar. Mehring ist nur davongekommen.«Hier nach Friedrich Dürrenmatt: Literatur und Kunst - Essays, Gedichte und Reden. Diogenes Verlag 1998, PT50 books.google 1982 veröffentlichte Christoph Buchwald in seinen „Notizen zur Rezeption Walter Mehrings nach 1950“ mit dem Titel Odysseus hat entweder heimzukommen oder umzukommenIn: die horen, Band 27, Ausgaben 125–126, S. 15, 17 (Digitalisat). folgende Zeile, die der 1981 verstorbene Mehring, der sich ebenfalls aus Nazi-Deutschland in die USA geflüchtet hatte, schon 1948 an Hans Sahl geschrieben hatte: „Man wird uns nie verzeihen, daß wir uns nicht haben erschlagen oder ein bißchen vergasen lassen.“In: die horen, Band 27, Ausgaben 125–126, S. 15 (Digitalisat).
Schriften The Great Terror, in: Kronos: A Journal of Interdisciplinary Synthesis, Bd. I, Nr. 1, 1975, S. 51–64 Notes on the Androgynous Comet, in: S.I.S. Review. Journal of the Society for Interdisciplinary Studies, Bd. I, Nr. 5, Summer 1977, S. 17–19, Online-Version Mitteilungen zur Sphinx, bearbeitet von Angelika Müller, Podium Akademische Freiheit (PAF), Basel 1983, (Beiträge zur Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte nach der Ereignisanalyse, Heft 4)
Literatur Martin Sieff: Zvi Rix, Obituary, in: S.I.S. Review, Bd. V, Nr. 2, 1980/81, S. 34 Martin Sieff: Dr Zvi Rix, 1909–1981 An Appreciation. http://saturniancosmology.org/files/.cdrom/journals/review/v0502/34focus.htm
Einzelnachweise
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