mini|Außenansicht von Südwesten mini|Außenansicht von Westen Die St.-Trinitatis-Kirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche in Bad Elster im Vogtlandkreis, Sachsen. Sie wurde in den Jahren 1889 bis 1892 erbaut und befindet sich am Kirchplatz 2.
Geschichte Um 1289 hatte der Deutsche Ritterorden ein Deutsches Haus in Adorf von Asch (in Böhmen) aus gegründet.Walter Schlesinger: Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter, Köln/Graz 1962, Bd.II, S. 346 Die Rittergutsbesitzer, die Herren von Neuberg (heute Podhradí u Aše) und später die Herren von Zedtwitz übten in Elster das Kirchenpatronat aus. Aus vorhandenen Kirchenchroniken vermutet man, dass die älteste Kirche St. Peter und Paul als Frühmess- und Wallfahrtskirche vor der Besiedlung auf dem Kirchberg stand.Johannes Göhler: Die Parochie Bad Elster. In: Neue Sächsische Kirchengalerie. Leipzig 1912, S. 30. Beim Abriss der alten Kirche nach dem Kirchneubau entdeckte man Mauerreste aus romanischer Zeit, Elster wurde am 3. Oktober 1324 urkundlich genannt und somit befand sich im Dorf Elster bereits in dieser Zeit eine Kirche.
Vorgängerkirche St. Peter und Paul mini|Alte Dorfkirche St. Peter und Paul mit alter Schule Nachdem um 1533 in Bad Elster die Reformation eingeführt worden war, ist aktenkundig belegt, dass es die Dorfkirche St. Peter und Paul gab.Traugott Steudel: Sachsens Kirchen-Galerie. Verlag von Hermann Schmidt, Leipzig 1843, Band 11, S. 122, 129ff. Elster war über 300 Jahre eine Filiale der Pfarre Adorf. Johannes Göhler: Die Parochie Bad Elster. In: Neue Sächsische Kirchengalerie. Leipzig 1912, S. 24. Michael Schädel wurde im Jahr 1540 von Martin Luther als erster lutherischer Pfarrer ordiniert.Traugott Steudel: Parochie Elster. In: Sachsens Kirchengalerie. Das Vogtland. Dresden 1843, S. 168
Alte Kirchenrechnungen aus dem Jahr 1581 zeugen von baulichen Veränderungen der Kirche. Das Gotteshaus wurde mehrmals innen umgebaut, erweitert und es wurden Reparaturen durchgeführt. Im Außenbereich wurden Anbauten angefügt und es erfolgten sonstige Veränderungen entsprechend der Zeit und den Bedürfnissen. Im Jahr 1683 wurden die Treppenhäuser angefügt, um einen Zugang von außen zu den Emporen und zum Turm zu ermöglichen. Handwerkerrechnungen belegen, dass um 1639 am Altar Reparaturen durchgeführt wurden, im Jahr 1644 wurde er erhöht und 1734 von Tischlermeister Simon Zeitler aus Grün (heute Doubrava, Tschechische Republik) neu aufgesetzt und eine geschnitzte Christusfigur angebracht. Martin Schwarzenberg: Chronik der Kirchgemeinde Bad Elster. Bad Elster 2002, S. 13, 17, 19. Aus dieser Zeit stammt auch das Altarbild, die heilige Dreieinigkeit, von einem unbekannten Künstler. 1656 wurde der Turm angebaut und 1753 mit vergoldeter Spindel, Fahne und Stern abgeschlossen. Bereits seit 1617 war eine kleinere Glocke vorhanden. 1625 wurde eine große Glocke angeschafft mit der Inschrift: Vult populum campana sonans ad sacra venire. Anno 1625 (dt. etwa „Komme das Volk beim Laut der Glocke zum Heiligtum“). Auf der Rückseite stand: „Gabriel und Zacharias Hillger zu Freibergk gossen mich“.
Um 1716 wurde die erste Orgel für 110 Taler eingebaut. Eine neue Orgel mit zwölf Registern wurde um 1770 vom Orgelbauer Johann Paul Trampeli und Söhne aus Adorf angeschafft.Ulrich Dähnert: Historische Orgeln in Sachsen. Leipzig 1983, S. 181. Es erfolgten weitere Um- und Anbauten an der Kirche, ebenso im Innenbereich. Im Jahr 1743 entstand eine neue Sakristei und im Jahr 1807 baute der Großuhrmacher Erdmann Karl aus Gefell eine Kirchenuhr ein.Traugott Steudel: Sachsen Kirchen-Galerie. Verlag von Hermann Schmidt, Leipzig 1843, Band 11, S. 129ff.
Durch Erweiterungen der Emporen wurde der Altarraum sehr verengt. Dieser Zustand und eine Verschlechterung der Bausubstanz veranlasste den Kirchenvorstand am 24. Oktober 1887, den Neubau einer Kirche zu beschließen.Johannes Göhler: Die Parochie Bad Elster. In: Neue Sächsische Kirchengalerie. Leipzig 1912, S. 33.
Kirchenbau Am 1. November 1889 erfolgte die Grundsteinlegung für eine neue Kirche neben der alten.Johannes Göhler: Die Parochie Bad Elster. In: Neue Sächsische Kirchengalerie. Leipzig 1912, S. 30. Die Pläne für den Neubau lieferte der Dresdner Architekt Christian Gottfried Schramm. Dieser hatte bereits die Gutachten über die alte Kirche erstellt und war mit der Situation vertraut. Er übernahm die bauliche Leitung des Neubaus, der Pfarrer Freiherr von Bernewitz war der kirchliche Bauherr. Ihm ist ein Porträt unterhalb der Südempore gewidmet.
Die Hallenkirche im neogotischen Stil hat eine Länge von 35 und eine Breite von 20 Metern. Der mächtige Westturm ist 54 Meter hoch, der Dachfirst über dem Kirchenschiff befindet sich in 25 Meter Höhe. Das Mauerwerk besteht aus Natursteinen. In Ziegelmauerwerk wurden die umlaufenden Simse, die Fenster- und Türöffnungen sowie weitere Schmuckelemente hergestellt. Der hölzerne Dachstuhl ist mit Schiefer gedeckt. An den beiden Längsseiten befinden sich vier im unteren Drittel geteilte Spitzbogenfenster mit jeweils dreibahnigen langen Buntglasfenstern unter einem Rundfenster. Im dreiseitigen Chorabschluss sind nochmals zwei Spitzbogenfenster mit jeweils zwei seitlichen zweibahnigen langen Buntglasfenstern unter einem Rundfenster und ein mittig angeordnetes Spitzbogenfenster angebracht. Alle Fensterachsen sind durch Pfeilervorlagen geteilt.
Der Bau mit seinen betonten Naturformen in der architektonischen Darstellung ist ein bedeutender Kirchenbau auf einer kleinen Geländeerhebung. Innerhalb von zwei Jahren und sieben Monaten war der Kirchenbau bereits fertig gestellt und das Gotteshaus wurde am 1. Juni 1892 unter Mitwirkung von Pfarrer von Bernewitz und Kantor Voit als St. Trinitatiskirche geweiht.Johannes Göhler: Die Parochie Bad Elster. In: Neue Sächsische Kirchengalerie. Leipzig 1912, S. 47ff.
Kircheninneres
mini|Innenansicht zum Altarraum mini|Innenansicht zur Orgel Das Innere der Saalkirche ist einfach gestaltet mit klaren Elementen und vermittelt insgesamt ein harmonisches Bild. Die Kirche bietet bis zu 800 Sitzplätze, bei Konzertveranstaltungen zirka 650.Archiv der Kirchgemeinde, Martin Schwarzenberg Längsseits befinden sich zwei Emporen aus Holz mit abstützendem Holztragwerk auf acht Sandsteinsäulen. Die Bestuhlung besteht ebenfalls aus Eichenholz. Den oberen Abschluss bildet eine mit Schnitzwerk versehene gewölbte Holzdecke. Der Altar und die Kanzel wurden von der Dresdner Firma Weißbach aus Eichenholz geschnitzt. Der Kanzeldeckel stammt aus der neugotischen Ausstattung der Johanniskirche in Plauen und wurde Anfang der 1950er Jahre durch den Architekten Johannes Höra aus Bad Elster ergänzt.Archiv der Kirchgemeinde, Martin Schwarzenberg. Der Altarraum wird durch Gewölbebogenrippen in fünf Teile gegliedert. Das Ölbild stammt noch von der alten Kirche Peter und Paul und ist von Géza Németh im Archiv wiederentdeckt worden. Seit der Restaurierung im Jahr 2014 befindet sich das originale historische Altarbild oben links im Altarraum. Es stellt die Heilige Dreieinigkeit dar und ist um 1734 bei der damaligen Umgestaltung durch Simon Zeitler von einem unbekannten Künstler gemalt worden. Ebenfalls von der alten Kirche wurden die gotischen Apostelfiguren und die barocke Christusfigur übernommen. Aus einer Werkstatt aus Oberammergau stammt das Altarkruzifix. Die Dresdner Firma Bruno Urban fertigte die drei Buntglasfenster für den Altarraum. Sie bedeuten: Rechtes Fenster: Die Bergpredigt. Mittleres Fenster: Christi Himmelfahrt. Linkes Fenster: Das Abendmahl.Archiv der Kirchgemeinde, Martin Schwarzenberg Der gewölbte Chorabschluss zeigt zwischen den Gewölberippen einen gemalten, mit Sternen bestückten Himmel. An der gegenüberliegenden Seite befindet sich auf Emporenhöhe eine Orgel der Firma Eule.
Orgel Bereits zur Kirchweihe war eine neue Orgel der Firma Kreutzbach aus Borna mit 22 Registern und mechanischer Traktur fertiggestellt. 1911 erfolgte ein Umbau durch die Firma Jehmlich aus Dresden. Sie erweiterte die Orgel auf 25 Register mit pneumatischer Traktur. Im Jahr 1973Archiv Orgelbau Eule, Archivar Herr Kammbach, Schriftstück vom 7. September 1961, vgl. baute die Firma Hermann Eule Orgelbau Bautzen eine neue Orgel in das Gehäuse von 1892 ein. Neue Prospektpfeifen aus besonders hellem Zinn (Oktavbass 8′ und Prinzipal 8′) wurden zum besseren Aussehen eingefügt. Die Anordnung der Teilwerke wurde verändert und neu positioniert. Damit war eine Rückversetzung der Gehäusefront um etwa einen Meter möglich. Die Abnahme der Orgel mit 27 Registern erfolgte am 15. Dezember 1973, und einen Tag später fand die Orgelweihe statt.Archiv Orgelbau Eule, Archivar Herr Kammbach, Schriftstück vom 3. Juli 1974. Seit der Installation wird die Orgel regelmäßig von der Erbauerfirma gewartet.Archiv Orgelbau Eule, Geschäftsführerin Anne-Christin Eule, Schriftstück vom 16. Juni 2015. mini|Die Orgel I Hauptwerk C– 1. Quintadena 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Rohrflöte 8′ 4. Octave 4′ 5. Spitzflöte 4′ 6. Blockflöte 2′ 7. Sifflöte ′ 8. Rauschpfeifel II 9. Mixtur IV 10. Trompete 8′ II Schwellwerk C– 11. Weitgedackt 8′ 12. Trichterflöte 8′ 13. Prinzipal 4′ 14. Gedacktflöte 4′ 15. Nassat ′ 16. Oktave 2′ 17. rep. Terz ′ 18. Oktave 1′ 19. Zimbel III 20. Rohrschalmei 8′ Tremulant Pedal C– 21. Subbass 16′ 22. Oktavbass 8′ 23. Gedacktbass 8′ 24. Choralbass 4′ 25. Nachthorn 2′ 26. Mixtur V 27. Posaune 16′ Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: Pleno, Zungen ab, 2 freie Kombinationen
Geläut Im Jahr 1889 befand sich das Geläut aus drei Bronzeglocken während der Bauphase in einem Ersatzglockenturm und läutete zum Palmsonntag das erste Mal. Diese Glocken wurden im Ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke eingezogen. Das im Jahr 1922 neu beschaffte Bronzegeläut wurde 1942 wiederum zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Das dritte Geläut wurde im Jahr 1946 von der Glockengießerei Otto Schilling und Gottfried Lattermann in Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland (Firmensitz in Apolda) aus Stahlhartguss angefertigt.Johannes Göhler: Die Parochie Bad Elster. In: Neue Sächsische Kirchengalerie. Leipzig 1912, S. 47. und im gleichzeitigen erneuerten Glockenstuhl in eine Stahlträgerkonstruktion eingebaut.Archiv der Kirchgemeinde, Martin Schwarzenberg
Im Folgenden eine Datenübersicht: Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Hrsg.: Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsens. EVA, 2011. Nr. Name Gussdatum Gießer Durchmesser(mm) Masse(kg) Schlagton 1 Kleine Glocke 1946 Glockengießerei Schilling & Lattermann 880 250 c″ 2 Mittlere Glocke 1946 Glockengießerei Schilling & Lattermann 990 350 h′ 3 Große Glocke 1946 Glockengießerei Schilling & Lattermann 119 620 gis′
1989 In der überfüllten St.-Trinitatis-Kirche wurde am 25. Oktober 1989 mit einem Volksforum die Wende in Bad Elster eingeleitet. Der Pfarrer Eberhardt Schwarzenberg vermittelte zwischen aufgebrachten Bürgern und dem damaligen SED-Bürgermeister der Stadt.Sigrun Lange: Herbst 1989 in Bad Elster – Eine Chronik. In: Elsteraner Stadtanzeiger. Nr. 5, 1991, S. 2. Anschließend erfolgte ein Demonstrationszug zum Haus am See, dem gerade erst fertiggestellten Neubau des Sanatoriums für das Zentralkomitee der SED. Bereits zur zweiten Demonstration am 2. November 1989 mit Pfarrer Günter Rogowsky wurde die SED aufgefordert, ihren Führungsanspruch aufzugeben.G. Brunner, M. Schwarzenberg: Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Staatsbades Bad Elster. 1998, S. 33.
In der St.-Trinitatis-Kirche fanden mehrere Sonderkonzerte statt. Die Einnahmen wurden für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gestiftet.Stifterbrief der Dresdner Frauenkirche vom 6. Mai 2005.
Reparaturarbeiten 2015 mini|St. Trinitatiskirche 2022 Eine im Jahr 2013 durchgeführte Inspektion an der Kirche stellte folgenden größeren Reparaturbedarf fest: Dachdeckung, Neueindeckung der Hauptkehlen, der Walmgauben und der Turmerker. Aufarbeitung der Bleiglasfenster. Restaurierung der Bekrönung des östlichen Kirchenschiffs. Restaurierung der Turmlaterne und Instandsetzen der Schallläden.