Ausländerfeindliche Proteste in Dresden 2014 und 2015 traten in dieser Zeit gehäuft auf, nachdem sich das islam- und fremdenfeindliche, völkische, rassistische sowie weithin als rechtspopulistisch klassifizierte Bündnis der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) infolge verstärkter Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland gegründet hatte. 2014 lag der Ausländeranteil in der Bevölkerung der Stadt Dresden noch bei 5,1 % und somit über dem sächsischen (weniger als 4 %), jedoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (ca. 10 %). Bis 2022 verdoppelte sich der Anteil an Ausländern in Dresden auf über 11 %. Dieser Artikel beschreibt daher nur den Beginn und den Ausschnitt dieser Art der Proteste der Jahre 2014 und 2015 in Dresden. Die Anführung durch PEGIDA, die 2024 endete, der schrittweise Übergang dieser Proteste an die AfD ab 2015, die sich zunehmend radikalisierte, sowie an offen rechtsextremistische Gruppierungen bis heute (2026) wird hierdurch nicht erfasst.
2014 Verhinderung des Asylbewerberheims in Laubegast Bewohner des Dresdner Stadtteils Laubegast hatten 2014 die Einrichtung eines Asylbewerberheims verhindert. Der Eigentümer des Hotels, welches als solches dienen sollte, hatte sein Angebot „überraschend zurückgezogen“, teilte die Stadt Dresden mit. Er begründete seine Entscheidung mit dem „massiven Widerstand der Bevölkerung“. Der Mann war in sozialen Netzwerken bedroht worden, es gab Hakenkreuzschmierereien, Handzettel wurde in die Briefkästen verteilt. Die Wände seines Hotels Prinz Eugen wurden mit „asylkritischen Sprüchen“ besprüht.
In das Hotel sollten bis zu 94 Flüchtlinge einziehen. Der Dresdner Stadtrat hatte den Standort des Übergangswohnheims am 11. Dezember 2014 per Beschluss bestätigt und kurz vor Weihnachten gab die Bauaufsicht grünes Licht. Die Stadtteilinitiative „MeinLaubegast.de“, abgerufen am 31. Juli 2015 hatte daraufhin eine Petition gegen die Umwidmung des Hotels ins Internet gestellt, welche von 5700 Menschen unterschrieben wurde. Die Hälfte der Unterzeichner stammte nach Angaben der Gegeninitiative „Laubegast ist bunt“Offizielle Website der Initiative „Laubegast ist bunt“, abgerufen am 31. Juli 2015 nicht aus Dresden. Der Wahlkreis Leuben/Laubegast sei ein „politisches Risikogebiet“ schrieb „MeinLaubegast.de“ in der Petition. Der Wahlkreis hat die zweithöchste NPD-Wählerrate in der Stadt.Protest gegen Asylbewerber: Dresdner verhindern Einrichtung eines Flüchtlingsheims, Der Spiegel vom 14. Januar 2015
Zu dem Vorfall bemerkte Jens Hoffsommer, migrationspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Stadtrat: „Es ist kein gutes Signal, dass verantwortungsvolle Bürger auf Grund von Druck und Angst ihre Unterstützung zurückziehen.“ Er mahnte an, vor dem Hintergrund der Pegida-Bewegung positive Zeichen zu setzen.Unterkunft für Flüchtlinge scheitert an Dresdner Bürgern Die Zeit-online vom 14. Januar 2015 (abgerufen am 8. Oktober 2015)
Im September 2015 gab es unter dem Druck der notwendigen Auflösung der Zeltstadt nach Angaben des Dresdner FDP-Stadtrates Jens Genschmar eine Begehung des Objektes durch das Liegenschaftsamt mit einem Ausländerbeauftragten und dem Eigentümer. Eine diesbezügliche Anfrage von Genschmar an den Sozialbürgermeister Martin Seidel wollte dieser prüfen. Stadtsprecher Karl Schuricht machte Genschmar den Vorwurf, dass dieser „mit unwahren Behauptungen nach Außen geht“. Dresdner Neueste Nachrichten-online vom 9. September 2015 (abgerufen am 7. Oktober 2015)
Ende Oktober 2015 wurde bekannt, dass die Dresdner Stadttochter STESAD das Laubegaster Hotel „Prinz Eugen“ gekauft hat, damit dort zum Jahresende nun doch bis zu 115 Asylbewerber einziehen können. Sofort regte sich erneut Bürgerprotest hiergegen. Des Weiteren beantragte die AfD eine Aktuelle Stunde im Stadtrat zum Asylthema, in welcher die Grünen ihre Redezeit Claus Dethleff überließen, dem Koordinator des Netzwerks „Laubegast ist bunt“. Dieser nutzte seinen Vortrag am 30. Oktober 2015 zur eindeutigen Werbung für die geplante Unterbringung: „Es sind keine Kriminellen, es sind keine Heiligen die ins Prinz Eugen einziehen. Es sind Menschen“.Juliane Richter: Asylfrage spaltet Stadtrat. Oberbürgermeister Hilbert plant Containerstandorte, um Flüchtlinge unterzubringen. In: Sächsische Zeitung, 30. Oktober 2015 (abgerufen am 31. Oktober 2015)
Bürgerinitiative „Klotzsche sagt Nein zum Heim“ Am 3. November 2014 sprach sich der Ortsbeirat (seit 2018: Stadtbezirksrat) Klotzsche unter dem Eindruck der rapide steigenden Flüchtlingszahlen für den Bau eines Übergangswohnheimes für 60 alleinstehende männliche Asylbewerber in der Klotzscher Karl-Marx-Straße bis Dezember 2016 aus.Klotzscher demonstrierten am Rathaus. In: Sächsische Zeitung, 11. November 2014 (kostenpflichtig online). „Zahlreiche Bürger“ artikulierten sich während dieser Sitzung „lautstark gegen die Einrichtung“ dieser Asylunterkunft. Der Standort in unmittelbarer Nähe von zwei Schulen und eines Kindergartens sei „nicht akzeptabel“.Ortsbeirat Klotzsche stimmt gegen Integrationskonzept. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 19. März 2015 Nach Angaben der Sächsischen Zeitung formierte sich in der Folge ab dem 8. November 2014 die Bürgerinitiative „Klotzsche sagt NEIN zum Heim“, welche als erste Aktion am 10. November eine Mahnwache mit über 500 Teilnehmern vor dem Klotzscher Rathaus durchführte. An einer Gegendemonstration beteiligten sich knapp 100 Personen. Eine Woche später nahmen am 17. November 700 Personen an der Mahnwache teil, am 24. November dann 800 Personen. Des Weiteren wurden Fackelumzüge organisiert.
Am 11. Dezember bestätigte der Dresdner Stadtrat in einer turbulenten Sitzung den Plan zum Bau des Klotzscher Asylbewerberheimes sowie elf weitere Objekte für Asylbewerber. Daraufhin organisierten die Anwohner eine permanente Demonstration. Um die Situation wieder zu beruhigen, setzten die gesellschaftlich Verantwortlichen für Montag, den 15. Dezember einen Gesprächstermin in der Klotzscher Christuskirche an. Vertreter des Sozialamtes, des Planungsamtes, der Polizei, des Ausländerbeirates, der Landeszentrale für politische Bildung und ein Schuldirektor stellten sich den Fragen der etwa 450 Anwesenden. Über 100 Anwohner fanden keinen Platz mehr in der überfüllten Kirche. Dabei kam es zu keiner wirklichen Annäherung. Die Kritiker verließen zumeist recht früh diese Versammlung, auf der sie aus ihrer Sicht vor vollendete Tatsachen gestellt worden waren.Lenz Jacobsen, Anne Hähnig: Wenn der Tunesier nach Klotzsche kommt. In: Zeit Online, 16. Dezember 2014 (abgerufen am 7. Oktober 2015)
Nach den montäglichen Mahnwachen Ende 2014 verlegte die Bürgerinitiative ab 2015 aufgrund der montäglichen Pegidademonstrationen ihre Treffen auf den Donnerstag. TagesWoche vom 9. Januar 2015 (abgerufen am 7. Oktober 2015) Am 21. Januar 2015 versammelten sich zwischen 160 (laut Sächsischer Zeitung) und 250 (laut dem Veranstalter) Personen an der Ecke von Königsbrücker Landstraße und Karl-Marx-Straße und zogen mit einem Fackelzug durch den Ort. Sie protestierten gegen die neueste Entwicklung in den Asylangelegenheiten. Das Airport-Hotel in der Karl-Marx-Straße hatte angeboten, Asylbewerber zu beherbergen. Dies wurde von der Stadtverwaltung geprüft. Parallel dazu gab es auch ein Angebot aus dem Festspielhaus Hellerau, zwanzig Asylbewerber aufzunehmen.Klotzscher demonstrieren wieder. In: Sächsische Zeitung, 22. Januar 2015 Am 28. Januar 2015 wurde die 13. Mahnwache der Bürgerinitiative am Rathaus mit etwa 150 Beteiligten durchgeführt. Ein Sprecher der Initiative äußerte sich: „Wir sind nicht gegen Ausländer, sondern kritisieren die Asylpolitik“.Klotzscher wollen weiter demonstrieren. In: Sächsische Zeitung, 31. Januar 2015
Um den anhaltenden Konflikt zu entschärfen, wurde am 18. März 2015 eine weitere Bürgerversammlung, diesmal im Klotzscher Airporthotel, durchgeführt. „Mehr als 70 Anwohner hatten sich dort versammelt, um mit Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos), dem Landtagsabgeordneten Christian Hartmann (CDU) und mit Ortsbeirat Steffen Sickert (CDU) zu diskutieren.“ Auch der Leiter des Polizeireviers Nord, Thomas Wurche, stellte sich den Anliegen der Bürger. Diese forderten eine Abstandnahme der Stadt von den Plänen, Asylbewerber mitten im Wohngebiet unterzubringen, sowie abgelehnte Asylbewerber umgehend abzuschieben. Die politischen Vertreter versuchten, die aktuelle Asylpolitik zu erklären. „Zum Ende der Versammlung weigerten sich jedoch viele Klotzscher, ihnen weiter zuzuhören und verließen schimpfend den Saal“.Klotzsche. Debatte um Asylbewerberheim geht weiter. In: Sächsische Zeitung, 23. März 2015
Die Initiative ist auch weiterhin aktiv und vereint mittlerweile fast 2500 Bürger. Im Oktober 2015 war sie maßgeblich an den Protesten gegen die neue Erstaufnahmestelle für Asylbewerber auf dem Dresdner Flughafen beteiligt.
2015 Rechte Proteste gegen eine Zeltstadt für Asylbewerber Proteste und NPD-Demonstration am 24. Juli 2015 Am 24. Juli 2015 errichtete das DRK Sachsen als Betreiber binnen 24 Stunden eine Zeltstadt im Dresdner Stadtteil Friedrichsstadt, weil das Land Sachsen mit der Ankunft von bis zu 1100 Flüchtlingen rechnete. Im Notaufnahmelager Chemnitz war bereits vier Wochen zuvor zum wiederholten Male eine Zeltstadt mit einer Kapazität bis zu 850 Personen errichtet worden. Der Vorsitzende des Vorstands des DRK-Landesverbandes Sachsen, Rüdiger Unger, gab an, dass Mitarbeiter der Hilfsorganisation schon beim Aufbau von Schaulustigen daran gehindert worden waren, Vorbereitungen für das Lager zu treffen. Sie wurden angegriffen, bedroht und als „Verräter“ und „Schweine“ angepöbelt.Rechter Terror in Dresden und Freital. Wie sich Fremdenhass in Sachsen ungebremst zuspitzt, Berliner Zeitung vom 27. Juli 2015 Zwei Dutzend junge Männer spazierten nachts über die Fläche und mussten schließlich von der Polizei vertrieben werden., Handelsblatt vom 28. Juli 2015 (abgerufen am 29. Juli 2015) In einem Fall sei jemand sogar mit einem Auto auf einen DRK-Helfer zugefahren. „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, äußerte sich Unger gegenüber der FAZ.Gewalttätige Demonstranten attackieren Zelte für Flüchtlinge, FAZ vom 24. Juli 2015
Nach Angaben von Sachsens Innenstaatssekretär Michael Wilhelm waren Mitarbeiter des Innenministeriums attackiert worden, als sie Informationsmaterial in die Briefkästen der Nachbarn verteilten. Er nannte die Ereignisse „beschämend“. „Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes hätten aus Angst vor Steinewerfern Helme mitgebracht.“Dresden: Flüchtlinge erreichen Zeltstadt nach gewalttätigen Protesten, Die Zeit vom 25. Juli 2015
Bereits am Mittag des 24. Juli hatte der NPD-Kreisverband Dresden zu einer Demonstration gegen das Zeltlager aufgerufen. Die Pegida-Bewegung appellierte an ihre Anhänger via Facebook, der NPD-Veranstaltung fernzubleiben. Es kamen etwa 200 NPD-Demonstranten, welche auf die Gegendemonstration trafen.Rechtsextreme attackieren Asylbefürworter, Liechtensteiner Vaterland vom 25. Juli 2015 (abgerufen am 2. August 2015)
Illegales ausländerfeindliches Flugblatt