mini|hochkant=0.9|Stolpersteine für Familie Müller Die Liste der Stolpersteine in Wiener Neustadt enthält Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig in der niederösterreichischen Statutarstadt Wiener Neustadt verlegt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz des Opfers.
Die erste Verlegung in Wiener Neustadt erfolgte am 24. Juli 2010. Die Verlegungen erfolgen durch die Initiative Stolpersteine für Wiener Neustadt.
Liste der Stolpersteine Flugfeld Im Stadtbezirk Flugfeld wurden acht Stolpersteine an vier Adressen verlegt. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEJOHANN FINKJG. 1897VERHAFTET 1939DACHAUERMORDET Nittnergasse 4Flugfeld wurde am 12. Oktober 1897 in Wolfsberg bei Leibnitz geboren. Er war Maschinenformer, beteiligte sich aktiv in der Wiener Neustädter Arbeiterbewegung und bekannte sich öffentlich zum Kommunismus. 1937 fuhr er nach Paris, er wollte sich den Internationalen Brigaden anschließen um gegen die Franco-Putschisten zu kämpfen. Auf Grund seines steifen Armgelenkes wurde er abgelehnt. Wieder in Österreich angekommen wurde er verhaftet, kam aber aus Mangel an Beweisen wieder frei. Im November 1939 erfolgte seine erneute Verhaftung, laut Gestapobericht vom 4. November 1939 „wegen öffentlichen Bekenntnisses zum Kommunismus“. Johann Fink wurde nach Dachau deportiert, wo er noch im selben Jahr ermordet wurde.
Seiner wird auch auf einem Denkmal für die Opfer des Faschismus in der Wiener Straße 108, ebenfalls Wiener Neustadt, gedacht.Stolpersteine Wiener Neustadt: Johann Fink, abgerufen am 27. August 2023 120px HIER WOHNTEKAROLINE FORMANNJG. 1929EINGEWIESENHEILANSTALT GUGGING1941 ARNSDORF'VERLEGT' 23.6.1941LEIPZIG-DÖSENKINDERFACHABTEILUNGERMORDET 23.8.1941 Flugfeldgürtel 13/15Flugfeld wurde am 14. Oktober 1929 in Wiener Neustadt geboren (laut Häupl am 28. September 1925 in Wien). Sie war von Geburt an behindert. Ihre Eltern suchten in der Heilanstalt Gugging um Aufnahme ihres Kindes an, welche bewilligt wurde. Am 15. März 1941 wurde sie (wie auch Rudolf Müller) von Gugging abtransportiert. Ursprüngliche Destination ihrer Reise war Schloss Hartheim, doch weil in der deutschen Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ein Propagandafilm für die Euthanasie gedreht werden sollte, dort aber keine Kinder mehr waren, wurde der Transport kurzerhand nach Arnsdorf umgeleitet. Nach Abschluss der Dreharbeiten wurden die Kinder nicht mehr benötigt, Formann wurde am 23. Juni 1941 in die Kinderfachabteilung Leipzig-Dösen verlegt und dort am 23. August selben Jahres mit Medikamenten getötet.Stolpersteine Wiener Neustadt: Karoline Formann, abgerufen am 27. August 2023 120px HIER WOHNTEALFRED HALBAUERJG. 1915VERHAFTET 9.11.1939KERKERWIENER NEUSTADT'SCHUTZHAFT'KZ DESSAU, STEIN/DONAUTOT AN HAFTFOLGEN28.12.1944 Matthias Schönerer-Gasse 10Flugfeld wurde am 11. Januar 1915 in Wiener Neustadt geboren. Am 9. November 1939, kurz nach einem missglückten Attentat auf Hitler, traf sich Alfred Halbauer mit Freunden, um seinen Abschied zu feiern, er sollte am nächsten Tag zur Wehrmacht einrücken. Auf dem Nachhauseweg und unter Einfluss von Alkohol rief er Dies hörte der Hitlerjunge Franz Hauser, der sofort die Polizei verständigte. Halbauer wurde sofort verhaftet und blutig geschlagen. Bei der Übergabe an die Gerichtsbehörden wurde vermerkt, dass er nach Verbüßung seiner Strafe an die Gestapo Außendienststelle Wiener Neustadt zu übergeben sei. Er sollte also danach in ein Konzentrationslager. Am 8. Dezember 1939 wurde er zu drei Monaten schweren Kerkers verurteilt. Halbauer kam in das Zuchthaus Stein, danach in ein Konzentrationslager nach Dessau, wo er in ein Arbeitskommando kam. Anschließend kam er, schon schwer krank, in ein Moorlager. Man gab ihm den Rat, vor dem Moorlager zu flüchten, da er dieses nicht überleben würde. Die Flucht misslang und man schlug ihn und trat auf ihn ein. Danach wurde er wochenlang in Ketten gelegt. Die Tortur überlebte er, da er aber jetzt arbeitsunfähig war, wurde er zurück nach Stein geschickt. Angehörigen gelang es, ihn dort zu besuchen und mit Hilfe eines Anwaltes seine Freilassung zu erwirken. Eine ärztliche Untersuchung ergab, dass der Magen funktionsunfähig war. Am 28. Dezember 1944 starb Alfred Halbauer zu Hause an den Folgen der Haft.
Hitlerjunge Franz Hauser musste sich vor dem Volksgericht Wien 1946 verantworten. Wegen des Verbrechens der Denunziation wurde er zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt, musste die Kosten des Strafverfahrens zahlen und sein gesamtes Vermögen verfiel.Stolpersteine Wiener Neustadt: Alfred Halbauer, abgerufen am 27. August 2023 120px HIER WOHNTELORENZ HALBAUERJG. 1907DEPORTIERTDACHAU1938 MAUTHAUSENERMORDET 15.4.1940 Matthias Schönerer-Gasse 10Flugfeld wurde am 29. Juli 1907 in Sigleß geboren. Er war politisch interessiert und äußerte sich über die politische Situation und was man dagegen unternehmen könnte. Er wurde deswegen denunziert, und als es bei einer Wirtshausrauferei wiederum zu politischen Äußerungen gekommen sein soll, bekam er eine Vorladung zur Polizei in Wiener Neustadt. Seine Lebensgefährtin Barbara Gerdenitz bekam die Auskunft, dass es länger dauern würde, und sah ihn nie wieder. Er wurde ins KZ Dachau deportiert und am 8. August 1938 mit dem ersten Transport, der ins KZ Mauthausen ging, einem Transport von „Berufsverbrechern“, überstellt. Mit diesen 300 Häftlingen wurde Mauthausen in Betrieb genommen. Am 25. April 1940 wurde Lorenz Halbauer hier ermordet. Laut eines überlebenden Mithäftlings wurde er erschlagen.Stolpersteine Wiener Neustadt: Lorenz Halbauer, abgerufen am 27. August 2023 120px HIER WOHNTEFRANZ KASTEINERJG. 19051937 SPANISCHERBÜRGERKRIEGAUSLIEFERUNG GESTAPOHINGERICHTET 1942GROSS-ROSEN Flugfeldgürtel 13/15Flugfeld , der am 17. Jänner 1905 in Dunkelstein geboren wurde, begab sich im Jahr 1937 in den Spanischen Bürgerkrieg, wo er auf Seiten der Republikaner kämpfte. Schon 1934 kämpfte er als „Schutzbündler“ für eine demokratische Bewegung und wurde wegen dieses Einsatzes auch längere Zeit inhaftiert. In Spanien durch Franco-Truppen festgenommen, wurde er an die SS übergeben und von dieser nach Groß-Rosen (Schlesien) deportiert, wo er in der Krematoriumsabteilung die Leichen seiner Mithäftlinge verbrennen musste. Vermutlich wurde Kasteiner erschossen, zumindest gab SS-Gruppenführer Richard Glücks üblicherweise Befehl dazu, die Arbeiter in jener Abteilung in einem Abstand von drei Wochen zu exekutieren. In der Nachricht an Kasteiners Bruder Karl vom 24. November 1942 steht geschrieben: Stolpersteine Wiener Neustadt: Franz Kasteiner, abgerufen am 27. August 2023 120px HIER WOHNTEHEINRICH SAUERJG. 1893VERHAFTET 1941ERMORDET 1945STEIN A.D. DONAU Flugfeldgürtel 13/15Flugfeld wurde am 10. April 1892 in Wernig geboren und arbeitete ab seinem 17. Lebensjahr bei der Südbahn. Er war Vater zweier Kinder und heiratete 1919. In einfachen Verhältnissen lebte er in der Feldgasse in Wiener Neustadt. Kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges trat Sauer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Österreich bei, und engagierte sich als Teil des „Republikanischen Schutzbundes“ auch aktiv gegen den Austrofaschismus. Als das Hitlerregime sich politisch festzusetzen drohte, sammelte Heinrich Sauer kampfbereite Kollegen aus Wiener Neustadt und beriet sich mit diesen, wie der Gefahr Nationalsozialismus entgegenzuwirken sei. Sein Haus stellte er einem illegalen kommunistischen Jugendverband zum Druck der Zeitung „Der Kämpfer“ zur Verfügung. Unter den Widerständlern sammelte Sauer Beträge, um den inhaftierten Eisenbahner Leopold Huber zu unterstützen, welcher zu drei Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt wurde. Seine Gruppe weitete sich bald auf größere Teile der Südbahn aus, beispielsweise auf Neunkirchen, Leobersdorf und Vöslau. Zwischen August und November 1941 wurden er und seine Kollegen verhaftet, Heinrich Sauer wurde zu zwölf Jahren im Zuchthaus verurteilt, was ihm aufgrund der immer winziger werdenden Nahrungsmittelrationen schließlich das Leben kosten sollte. Sauer starb am 2. Jänner 1945 im Zuchthaus Stein an der Donau, und konnte die von ihm ersehnte Befreiung seines Österreichs nicht mehr miterleben.
Die Feldgasse, in der er damals wohnte, wurde 1970 auf Gemeinderatsbeschluss in „Heinrich-Sauer-Gasse“ umbenannt.Stolpersteine Wiener Neustadt: Heinrich Sauer, abgerufen am 27. August 2023 120px HIER WOHNTEEDUARD SCHALLERJG. 19191937 SPANISCHERBÜRGERKRIEGAUSLIEFERUNG GESTAPOERMORDET 1944DACHAU Flugfeldgürtel 13/15Flugfeld kämpfte zu Zeiten des Spanischen Bürgerkrieges an Seite der demokratischen Bewegung. Geboren wurde er am 9. Jänner 1919 in Wiener Neustadt. Er meldete sich freiwillig bei der „Roten Hilfe“ und zog mit einigen anderen Wiener Neustädter Männern 1937 in den Krieg. Nachdem der Krieg von den Achsenmächten, und dadurch dem Faschisten General Franco, gewonnen worden war, versuchte Schaller wieder in seine Heimat zu reisen. Bereits am Grenzübergang zu Frankreich wurde er aufgegriffen und an die Schutzstaffel übergeben, die ihn weiter in das Konzentrationslager Dachau deportierte. Ein guter Freund aus seiner Jugendzeit, und späterer Historiker mit Schwerpunkt Zweiter Weltkrieg, Karl Flanner, war später ebenfalls dort inhaftiert, doch konnten sich die Freunde nicht wiedersehen, denn Schaller befand sich schon in der Außenstelle Friedrichshafen. Im April 1944 fand Flanner, Blockhilfsschreiber, eine Karteikarte mit dem Namen seines Freundes, auf welcher der Tod seines Freundes durch eine amerikanische Fliegerbombe gemeldet wurde.
Über fünfzig Jahre später vertonte der Lehrer der Musikhauptschule Wiener Neustadt das Leben des Eduard Schaller in einem Melodram und trug es bei einer Gedenkfeier für die Spanienkämpfer öffentlich vor.Stolpersteine Wiener Neustadt: Eduard Schaller, abgerufen am 27. August 2023 120px HIER WOHNTEMARIA WOLFJG. 1910EINGEWIESEN 1943HEILANSTALT GUGGINGDEPORTIERT 29.2.1944MESERITZ-OBRAWALDEERMORDET 7.3.1944 Fischauergasse 100Flugfeld wurde am 28. Mai 1910 in Wiener Neustadt geboren. Sie lebte bei ihren Eltern in der Fischauergasse 100. Sie hielt sich mehrfach in Heilanstalten auf, aus denen sie entweder als geheilt entlassen wurde oder man sie in häusliche Pflege entließ. Für 1941 und 1942 gab es einen Erlass, dass Menschen, die sich schon einmal in Anstaltspflege befanden von Amtsärzten wieder einzuweisen seien. Am 14. November 1941 wurde Maria Wolf in Steinhof eingeliefert, am 19. November desselben Jahres wurde sie nach Mauer-Öhling überstellt. Da in Mauer-Öhling Platz für ein Reservelazarett geschaffen werden musste, wurden fast 300 Patienten mit sechs Transporten zwischen dem 9. Februar 1943 und 2. März 1943 auf Befehl aus Berlin nach Gugging überstellt. Anfang 1944 wurde durch den Gauleiter Jury die Räumung Guggings veranlasst, ein Krankenhaus der Gemeinde Wien sollte hier untergebracht werden. Alle Anstalten in Österreich waren inzwischen überfüllt. Herbert Linden vom Reichsministerium des Inneren nannte Meseritz als Ausweichmöglichkeit. Zwei Transporte mit je 50 Frauen gingen am 28. und 29. Februar 1944 nach Meseritz. Maria Wolf befand sich im zweiten Transport. Die Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde war die größte Tötungsstation für geistig Behinderte. Patienten mussten dort bis zur völligen Erschöpfung arbeiten und wurden dann mit Medikamenten getötet. Maria Wolf wurde hier am 7. März 1944 ermordet.Stolpersteine Wiener Neustadt: Maria Wolf, abgerufen am 27. August 2023
Die Verlegungen erfolgten 2011 für Franz Kasteiner, Heinrich Sauer, Eduard Schaller und Maria Wolf, 2012 für Karoline Formann (erneuert 2015) und Alfred Halbauer, 2013 für Johann Fink sowie 2015 für Lorenz Halbauer.
Gymelsdorfer Vorstadt Im Stadtbezirk Gymelsdorfer Vorstadt wurden zwölf Stolpersteine an vier Adressen verlegt.