Anton Josef Franz Lukesch (* 29. Dezember 1912 in Graz; † 5. Juni 2003 in Lima, PeruDer Standard, 11. Juni 2003, Missionar Lukesch verstorben) war ein österreichischer Theologe und ebenso wie sein jüngerer Bruder Karl Missionar und Südamerikaforscher.

Leben Anton Lukesch wurde am 20. Dezember 1912 als Sohn des Kaufmanns Anton Lukesch (* 17. Mai 1874; † 1949) und dessen Ehefrau Josefine (geborene Zahradnik; * 1. Februar 1889; † 1950) in Graz geboren und am 12. Jänner 1913 auf den Namen Anton Josef Franz getauft.Taufbuch Graz-St. Peter, tom. XXI, fol. 223 (Faksimile), abgerufen am 13. Oktober 2025 Die Familie, bestehend aus den Eltern, Anton und zwei Geschwistern – Anna (1910–1981)Taufbuch Graz-St. Peter, tom. XXI, fol. 106 (Faksimile), abgerufen am 13. Oktober 2025 und Karl (1917–1991)Taufbuch Graz-St. Peter, tom. XXII, fol. 21 (Faksimile), abgerufen am 13. Oktober 2025 –, lebte zu dieser Zeit am Mannagettaweg 19 am Ruckerlberg am östlichen Grazer Stadtrand. Die Eltern hatten am 6. Jänner 1910 geheiratet. Im Jahr 1923 erhielt er seine Firmung.

Nach abgeschlossener Schulausbildung studierte Lukesch Jus und Theologie an der Universität Graz. Nach der Subdiakonatsweihe am 14. April 1948 erhielten die beiden Brüder am 11. Juli 1948 ihre Priesterweihe und waren danach als Kaplan in mehreren steirischen Orten tätig. Anton Lukesch trat dann in den Orden der Missionare vom Kostbaren Blut in Salzburg ein. 1952 brach er zu seinem ersten Missionseinsatz nach Brasilien auf. Zwischen 1959 und 1965 war er steirischer Caritasdirektor, ging aber bald wieder nach Südamerika. Er wurde schließlich Professor für Missionswissenschaft und Völkerkunde an den Universitäten Graz und Wien, betrieb aber zwischendurch immer Forschungen im Amazonasgebiet.

15 Jahre lang lebte er ausschließlich als Missionar unter den Indianern am brasilianischen Rio Xingu und entdeckte zusammen mit seinem Bruder Karl Lukesch den Stamm der Asurini do Xingu, die bis dahin völlig isoliert gelebt hatten. 1985 zog er sich als Pensionist endgültig nach Südamerika zurück, um sich den verarmten Indigenen in den Anden zu widmen. Am 5. Juni 2003 starb Lukesch 90-jährig in der peruanischen Hauptstadt Lima; sein Leichnam wurde nach Österreich überführt und im Familiengrab am Grazer Zentralfriedhof (Grab: Z-6B-4-3) bestattet.Anton Lukeschs Grab in der Verstorbenen- und Gräbersuche Caelum, abgerufen am 13. Oktober 2025, abgerufen am 13. Oktober 2025

Während seiner Jahre in Südamerika hatte er gemeinsam mit seinem Bruder eine Sammlung an Kulturobjekten (Keramiken, Werkzeuge, Waffen, Schmuck) zusammengetragen.Unterwegs in Deutschlandsberg: Originalobjekte aus der Sammlung Lukesch gehen nach Rio. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 12, Jahrgang 2020 (20. März 2020) 93. Jahrgang. . Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2020, S. 3.

Diese Sammlung wurde 1982 vom Land Steiermark erworben und teilweise auch ausgestellt. Das Geld aus dem Verkauf wurde für den Aufbau einer Krankenstation in Südamerika verwendet. Die Sammlung von Anton Lukesch und dessen Bruder Karl wurde auch als Indianermuseum in das Stadtmuseum Köflach integriert.Kleine Zeitung, 29. Oktober 2013, Indianermuseum: Neue Heimat in Köflach Mitte März 2020 wurde die Sammlung an Vertreter Brasiliens geschenkt. Kleine Zeitung, 9. März 2020, Steiermark: Indigenen-Kunst kehrt nach Brasilien heim Anlass der Schenkung war, dass das Nationalmuseum in Rio de Janeiro 2019 einem Brand zum Opfer gefallen war, es erhielt damit einige neue Exponate. An die Schenkung war die Bedingung geknüpft, dass die ursprünglichen Besitzer am Rio Xingu über die Schenkung informiert wurden.

Ehrungen Ehrendoktorat (Dr. phil. h. c.) der Universität Wien am 13. November 1991Ehrendoktorat für Anton Lukesch an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. Abgerufen am 19. Juli 2015.

Publikationen 1963: Religionsbuch der Kayapó-Indianer: ein Beitrag zur Akkommodation und Akkulturation bei Naturvölkern. St. Gabriel-Verlag: Mödling. 1972: Josef Haekel, Anton Lukesch: Einführung in die Ethnologie Südamerikas. Institut für Völkerkunde der Universität Wien: Engelbert Stiglmayr Verlag. 1976: Bearded indians of the tropical forest. The Asurini of the Ipiacaba: notes and observations on the first contact and living together. Akademische Druck- und Verlagsanstalt: Graz. ISBN 3201009687. 1980: Spannungsfeld Südamerika. Verlag Styria: Graz. ISBN 3222112606. 1990: Schamanen am Rio Xingu: Neuentdeckte Indianerstamme im brasilianischen Urwald. Graz: Verlag Böhlau. ISBN 3205052889. 1994: Der Tapir, der an der Himmelsstütze nagt. Mythos und Leben der Kayapo-Indianer. Graz: Verlag Böhlau. ISBN 3-205-98160-X. 1994: Der Missionar und die Kulturen. Internationale katholische Zeitschrift Communio, Heft 6, S. 556–576.

Literatur H. & W. Senft (1999): Aufbruch ins Unbekannte. Graz: Stocker Verlag.

Weblinks

Biographie von Anton Lukesch

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Katholischer Missionar Kategorie:Ethnologe Kategorie:Ethnographikasammler Kategorie:Hochschullehrer (Universität Graz) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Wien Kategorie:Absolvent der Universität Graz Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 2003 Kategorie:Mann