Barchfeld ist ein Ortsteil der Gemeinde Barchfeld-Immelborn im thüringischen Wartburgkreis und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geografie Der Ort liegt im Südwesten von Thüringen im Tal der Werra zwischen Thüringer Wald und Rhön. In Barchfeld mündet die Schweina in die Werra.

Nachbarorte sind Immelborn im Westen, Bad Salzungen im Nordwesten und sein Stadtteil Witzelroda im Norden, die Stadt Bad Liebenstein und deren Stadtteil Schweina im Nordosten sowie Breitungen/Werra (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) im Süden.

Geschichte Älteste Belege für die Besiedlung der Barchfelder Flur stammen aus der Bronzezeit. Bei Arbeiten in einer Kiesgrube am Linsenkopf wurden zerscherbte Urnen und Grabbeigaben freigelegt, eine bronzene Spange wurde dem damaligen Pfarrer geschenkt, weitere Funde gelangten in das Ortsmuseum von Bad Liebenstein.Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). 1933, S. 7. Mit der Ausdehnung der fränkischen Herrschaft unter Karl dem Großen auf sächsisch-thüringisches Stammesgebiet kamen auch die ersten christlichen Missionare ins Werratal. Im Anschluss an die Errichtung des Bistums Erfurt und des Klosters Fulda durch den angelsächsischen, päpstlich autorisierten Bischof Winfrid, besser bekannt als Bonifatius, begann im 8. Jahrhundert die ununterbrochene Arbeit der Kirche. Barchfeld erhielt zunächst eine kleine Holzkirche, der mehrere Nachfolgebauten folgten, sie waren wahrscheinlich der Jungfrau Maria geweiht.

Hochmittelalter Der heutige Ort Barchfeld entstand am rechten Werraufer und lag im Schutz einer Niederungsburg, die sich in der Talaue der Werra befand und deren Hauptaufgabe der Schutz des östlich benachbarten Königsgutes Königsbreitungen war. Dessen Besitzungen wurden um 1250 auf das Prämonstratenser-Doppelkloster Herrenbreitungen und Frauenbreitungen übertragen. mini|Die Ersterwähnungsurkunde aus dem Jahr 933: Tauschvertrag der Orte Breitungen, ... und Barchfeld gegen die Dörfer Wiehe und Burgdorf an der Unstrut Um 915 wurde die königliche Pfalz Breitungen durch die Ungarn bei ihren Einfällen in das Frankenreich zerstört.

Im Jahr 933 wurden Barchfeld und Breitungen das erste Mal urkundlich in der sogenannten Königsurkunde Heinrich I. als „Barcuelda“ und „Bretinga“ erwähnt. Das in der königlichen Kanzlei vervielfältigte Schriftstück beschreibt die Grenzen der Mark Breitungen, die an einer wichtigen Werra-Furt lag und ein Gebiet von etwa 280 Quadratkilometern umfasste.1075 Jahre Breitungen (Werra). . (Festschrift)

Alt-Barchfeld Die ursprüngliche Siedlung Barchfeld lag, nach Auswertung von Archivalien (Katasterkarte von 1772), im Bereich des späteren Schlossparks und um die Barchfelder Kirche. Ein Großbrand im Jahre 1749 zerstörte weite Teile dieses Ortes einschließlich der Kirche und des Pfarrhauses. Der ursprüngliche Ort war von einer Befestigung aus Wall, Zäunen und Gräben umgeben und besaß zwei Tore – das Schenkentor befand sich neben dem Gasthaus „Zur Sonne“, durch das Fischertor gelangte man zur Nürnberger Straße, der alten Heerstraße im Werratal. Im Ort gab es ein Brauhaus, die Dorfschule und zwei Freihöfe. Die durch Lehnsverträge an den Grundherren belegbaren Bauernhöfe waren Hopfen Gut, Witzels Gut, Perlets Gut, Hünisches Gut, Schmidts Gut, Stockhauser Gut, Vintzen Gut, Heringer Gut und Langen Gut. Auch außerhalb der Ortslage befanden sich Höfe und Mühlen: Das bereits 1330 erwähnte Gehöft Grimmelbach und der am Scherfstedter Berg gelegene Scherfstedter Hof existierten bis in das 16. Jahrhundert, die Fluren der beiden Wüstungen wurden später aufgeteilt. Am Werraufer befand sich zeitweise ein Fährhaus, in der Nähe des Ortes lagen die beiden Schneidhöfe – vermutlich als Sägemühlen genutzt.Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). 1933, S. 20–23.

Spätmittelalter Kaum fünf Kilometer westlich von Barchfeld befand sich auf einem steil zur Werra abfallenden Bergsporn die Burg Frankenstein, Stammsitz der Dynasten von Frankenstein, die auch als Schutzvögte der angrenzenden Klöster in Erscheinung traten. Die Versuche der Frankensteiner, sich gegen die stärksten Mächte in der Region – das Kloster Fulda und die Thüringer Landgrafen – durchzusetzen, führten zu ihrem Niedergang. 1265 wurde die Burg Frankenstein von Abt Bertho II. von Fulda belagert und teilweise zerstört. 1295 gelang dies ebenfalls König Adolf, wobei die Burg wohl erneut schwer beschädigt wurde. Als unmittelbare Folge gewann die Barchfelder Burg weiter an Bedeutung und wurde ausgebaut. Die durch die Kämpfe finanziell ruinierten Frankensteiner veräußerten 1330 den Großteil ihrer Besitzungen an ihre Vettern, die Grafen von Henneberg.

Im Umfeld der Frankensteiner war das dem Dienstadel zugehörige Geschlecht der Herren von Stein-Liebenstein zu Barchfeld als Burgmannen der Barchfelder Wasserburg tätig. Spätestens ab 1318 und bis 1387 erhielten die Herren von Stein Burg und Ort Barchfeld als Lehen der Henneberger und wurden zunächst alleinige Gerichtsherren von Barchfeld. Die 1350 erfolgte Verpfändung an das Kloster Fulda war nur von kurzer Dauer, denn das Kloster lag zu dieser Zeit in Fehde mit den Landgrafen von Hessen: mit Unterstützung der Landgrafen von Thüringen wurden viele der Klosterbesitzungen militärisch erobert, darunter auch der Splitterbesitz in Barchfeld. Den Burgmannen von Stein gelang es rechtzeitig, die Fronten zu wechseln und behielten deshalb das Burggut.

Hennebergisch-hessische Doppelherrschaft mini|Steinsches Schloss (Mai 2012) mini|Schloss Wilhelmsburg (Mai 2012) mini|Rathaus Als Teil der Herrschaft Schmalkalden gehörte Barchfeld ab 1360 teilweise, ab 1583 vollständig, zur Landgrafschaft Hessen. Im Jahr 1387 verkauften die in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Wetzel von Stein der Ältere und sein Sohn Wetzel der Jüngere drei Viertel ihres Besitzes in Barchfeld an den Landgrafen Hermann von Hessen. Ein Burgfrieden wurde mit den Hennebergern geschlossen, auch um die Verwaltung des nun unter geteilter Herrschaft stehenden Ortes Barchfeld zu regeln. Als Folge der hessischen Teil-Übernahme mussten die Herren vom Stein Teile ihrer Burg an hessische Burgmannen (von Buchenau, von Herda) übergeben. Durch Heirat und Erbschaft gelangte 1527 der landgräflich hessische Hofrichter Ludwig von Boyneburg zu Gerstungen in den Besitz der Herren von Herda. An Stelle der bereits sehr verfallenen Wasserburg wurden in der Folge zwei Schlösser errichtet. Die Herren von Stein-Liebenstein zu Barchfeld ließen 1571 bis 1581 das Steinsche Schloss im Stil der Renaissance errichten; es befand sich unmittelbar neben dem einstigen Burggraben. Die Boyneburger hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Schlösser in Stadtlengsfeld und Weilar fertiggestellt und versahen dort die nötigen Amtsgeschäfte; in Barchfeld diente ihnen lediglich noch ein Gutshof als Amtssitz.Freiherr von Boineburg: Schloss Lengsfeld. In: Album der Residenzen, Schlösser und Rittergüter Thüringens, insbesondere der Sächsischen Lande Ernestinischer Linie. Heft 1. Werl, Leipzig 1858.

Offenbar in dieser Zeit entstand eine erste hölzerne Werrabrücke, deren Bestand aber aufgrund von Hochwasser und Eisgang nur von kurzer Dauer war. Erst 1738 wurde ein Neubau der Werrabrücke in Auftrag gegeben.

Die jüdische Gemeinde Barchfeld entstand im 16. Jahrhundert und bildete ein Zentrum jüdischen Lebens in der Region. Die Reformation wurde im 16. Jahrhundert eingeführt. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Bevölkerung des durch Erbgang zu Hessen-Darmstadt gehörenden Gebiets von Barchfeld besonders 1634 und 1635 unter Übergriffen beider Kriegsparteien zu leiden. Als Folge der Pest und anderer eingeschleppter Krankheiten überlebten nur sechs Familien im Dorf. 1640 bemerkte der Schreiber der Kirchenchronik, dass viele der Überlebenden sich in die Fremde begeben hatten.Karl Volkmar: Tausend Jahre Barchfeld (Werra). 1933, S. 18–19.

1721 wurde Barchfeld Sitz der paragierten Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, einem 1721 aus der Nebenlinie Hessen-Philippsthal hervorgegangenen Zweig der hessischen Landesfürsten, die das Schloss Wilhelmsburg zwischen 1690 und 1732, direkt an das Steinsche Schloss angrenzend, als ein im Grundriss dreiflügeliges Barockschloss errichteten. Hessen-Philippsthal-Barchfeld ist eine der beiden noch bestehenden Linien des einstigen hessischen Fürstenhauses.Hans Patze, Peter Aufgebauer (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 9: Thüringen (= Kröners Taschenausgabe. Band 313). 2., verbesserte und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 40.

Ein von einem Glockengießer verursachter Großbrand im September 1753 zerstörte fast alle Höfe und Gebäude des Ortes einschließlich der Kirche und des Pfarrhauses. Die Kirche wurde innerhalb von drei Jahren im Stil des Spätbarocks wieder aufgebaut. Die evangelisch-lutherische Gemeinde änderte später ihren Namen in evangelische Gemeinde.

Schulen Bereits um 1600 erhielt Barchfeld eine erste Schule. Erster Lehrer war der Gerichtsschreiber Johann Weiß. Im 18. Jahrhundert wurden bis zu 120 Schüler in einer Elementarschule unterrichtet. Die Besoldung der Lehrer erfolgte nach dem Großbrand auch in Naturalien, für das Jahr 1771 standen dem Schulmeister 191 Brote als Schulgeld zu. Im 19. Jahrhundert erhielt der Ort musikalisch begabte Lehrer zugeteilt, die auch das Orgelspiel beherrschten und dem Gesangsverein vorstanden. Der Lehrer Xylander betätigte sich auch als Komponist und gründete den Barchfelder Musikverein. 1849 wurde das neue Schulgebäude mit drei Sälen und zwei Wohnungen eingeweiht – heute ist es das Rathaus der Gemeinde. Mit der wachsenden Einwohnerzahl wurde 1891 ein weiteres Schulgebäude (Alte Schule) benötigt, die Lehrerzahl erhöhte sich 1893 auf fünf. Die heutige Heinrich-Heine-Schule – eine staatliche Regelschule – wurde 1912 eingeweiht und hatte in diesem Jahr 521 Schüler. Nach der Schulzeit benötigten viele Jugendliche eine kaufmännische oder technisch orientierte Berufsschulausbildung. 1927 weihte die Gemeinde die erste hauswirtschaftliche Berufsschule im Kreis Herrschaft Schmalkalden ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Gemeinde Barchfeld durch den Zuzug von Umsiedlern und Heimatvertriebenen. Erneut mussten die Schulgebäude erweitert werden und im NAW-Einsatz wurde eine Schulsporthalle erbaut. Die relativ modernen Unterrichtsräume wurden auch durch die Schüler der Nachbarorte Immelborn und Moorgrund genutzt. In den 1960er Jahren wurde ein provisorischer Schulhort eingeführt, um die berufstätigen Mütter zu entlasten. Am Ort der ehemaligen Gastwirtschaft Klosterbräu war in der DDR-Zeit eine Landwirtschaftsschule eröffnet worden, die man später als Ausweichquartier für Hort und Unterrichtskabinette umbaute. Das nach der Generalsanierung im Jahr 2000 wiedereröffnete Gebäude wird jetzt als Grundschule genutzt. Im Schuljahr 2000/2001 wurden in der Staatlichen Regelschule Barchfeld 440 Schüler in 24 Klassen von 30 Lehrern unterrichtet.

Wiederaufbau und Industrialisierung In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Großbrand brach der Siebenjährige Krieg aus und hemmte die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.In einer zeitgenössischen Familienchronik eines Barchfelder Müllers Ebert steht geschrieben, welche Lasten er zu ertragen hatte: