mini|Albrecht Glaser (2015) Albrecht Heinz Erhard Glaser (* 8. Januar 1942 in Worms)Jutta Rippegather: FDP-Abgeordneter tritt zur AfD über. Frankfurter Rundschau, 6. Mai 2013. ist ein deutscher Politiker (AfD) und Jurist. Er wurde als CDU-Kommunalpolitiker und Stadtkämmerer in Frankfurt am Main durch den Kauf der umstrittenen „Glaser-Fonds“ bekannt. Nach seinem Austritt aus der CDU trat er 2013 der Alternative für Deutschland (AfD) bei und war von 2015 bis 2019 einer der drei stellvertretenden Parteisprecher. Für diese trat er als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten 2017 an. Von 2017 bis 2025 war er Mitglied des Deutschen Bundestags.
Bei der konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestags am 24. Oktober 2017 kandidierte Glaser für den Posten eines der Bundestags-Vizepräsidenten, erhielt jedoch in allen drei Wahlgängen nicht die dafür nötige Anzahl Stimmen.spiegel.de: AfD-Kandidat Glaser fällt auch im dritten Wahlgang durch Leben Glaser besuchte von 1952 bis 1963 das Altsprachliche Gymnasium Worms, studierte dann Rechts-, Staats- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Heidelberg, der Universität Tübingen und der Verwaltungshochschule Speyer und schloss als Assessor juris (Volljurist) ab. In Heidelberg wurde er Mitglied der pflichtschlagenden Burschenschaft Allemannia Heidelberg und war 1968 auch Sprecher des Verbandes Deutsche Burschenschaft.Markus Gail: Studentenverbindungen in Frankfurt am Main: Berühmte (und berüchtigte) Korporierte; dort als Quelle angegeben: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26. März 2000, S. 3.
Glaser war persönlicher Referent des Rektors der Universität Heidelberg und hauptamtlicher Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.
Mit Ausscheiden aus dem Amt als Frankfurter Stadtkämmerer beendete Glaser unter anderem auch die Tätigkeit im Aufsichtsrat der FRAPORTFraport AG bekommt vier neue Aufsichtsräte. APA-OTS, 29. Januar 2002. und der Mainova AG. Mainova AG, 2003. S. 25. Ab 2001 war er Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding.Albrecht Glaser geht in den Ruhestand, Schelleklobbe – Ihre Mieterzeitung Nr. 41, Dezember 2006. S. 26.Albrecht Glaser, Hellerhof GmbH. moneyhouse.de Zum 31. Dezember 2006 ging er in den Ruhestand.
Glaser ist in zweiter Ehe verheiratet, hat vier Kinder und gehört keiner Konfession an. Er lebt im hessischen Niedenstein.
Politik Glaser trat 1970 der CDU bei. CDU-Stadtverband Niedenstein, 2010. Als Kommunalpolitiker war er zunächst Erster Beigeordneter (Bürgermeister) in Bretten und danach von 1980 bis 1987 Bürgermeister von Waldbronn. Waldbronn. 1991 wurde er zum Ersten Beigeordneten des Landeswohlfahrtsverbands Hessen für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt und war an der Seite der hauptamtlichen Beigeordneten Barbara Stolterfoht für die Finanzen verantwortlich. , Landeswohlfahrtsverband Hessen.
Im 19. Deutschen Bundestag war Glaser stellvertretender Vorsitzender und Obmann des Finanzausschusses. Zudem gehörte er als stellvertretendes Mitglied dem Haushaltsausschuss sowie dem Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung an. Im 20. Deutschen Bundestag war er erneut Mitglied des Finanzausschusses und des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung. Im August 2024 gab Glaser bekannt, nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren.
Stadtkämmerer in Frankfurt und „Glaser-Fonds“ Ab 1995 war er im Stadtrat von Frankfurt am Main zuständig für Wirtschaft und Gesundheit.Peter Scherer: Petra Roth entmachtet grünen Kämmerer. Die Welt, 7. März 1997. 1997 übernahm er von Tom Koenigs (Bündnis 90/Die Grünen) das Amt des StadtkämmerersVon Weber: Tom Koenigs. Der Spiegel 16/1997, 14. April 1997. und wurde als solcher bekannt.
In dieser Funktion war er im Jahr 2000 für die in einem Fonds angelegten 100 Millionen DM verantwortlich, die in der Finanzkrise ab 2007 für ein deutliches Minus der Stadtkasse sorgten.Tobias Rösmann: Glaser verteidigt Fondskauf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Dezember 2008. Weitere 100 Millionen DM legte er mit ähnlich negativem Ergebnis für die städtische Zusatzversorgung der Bediensteten an.Thomas Remlein: , Usinger Neue Presse, 3. Juli 2013. An- und Verkauf der beiden sogenannten „Glaser-Fonds“ verbanden Medien noch 2013 mit seiner Person.Thomas Remlein: , Frankfurter Neue Presse, 13. September 2013., Frankfurter Neue Presse, 14. September 2013. Kritiker bemängelten auch, dass die Transaktionen an Magistrat und Stadtverordnetenversammlung vorbei erfolgt seien. Die Hessische Gemeindeordnung sah für solche kommunalen Geldanlagen damals allerdings noch keine Zustimmung der beiden Gremien vor.Thomas Remlein: Höchster Kreisblatt, 12. Februar 2013.
Die Summe, die Glaser insgesamt in spekulative Anlageformen gesteckt hatte, wurde 2012 mit 279 Millionen Euro beziffert. Die Stadt stieß den ersten „Glaser-Fonds“ im Herbst 2013 für 43,2 Millionen Euro (84,5 Millionen DM) ab. Damit machte sie laut Bund der Steuerzahler einen Verlust von 9 Millionen Euro.Bund der Steuerzahler klagt an: So verschwendet Hessen Geld. Journal Frankfurt, 17. Oktober 2013. Während des Anlagezeitraums waren Ausschüttungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro in den Fonds reinvestiert worden. Die Stadt Frankfurt zog Glaser nicht zur Verantwortung.Pitt von Bebenburg: Hessen will Spekulationsverbot. Frankfurter Rundschau, 7. April 2015. Der zweite Fonds für die städtische Zusatzversorgung der Bediensteten wurde offensichtlich noch nicht abgestoßen. Den Schaden, der der Stadt durch das Halten beider „Glaser-Fonds“ entstanden ist, bezifferte Lothar Reininger (Die Linke) 2013 auf 80 Millionen Euro.Thomas Remlein: , Frankfurter Neue Presse, 13. September 2013.
In seiner Amtszeit war Glaser auch an der Ausschreibung für den Bau der Commerzbank-Arena beteiligt. stadionwelt.de, 22. April 2004. In den Medien tauchten Berichte auf, wonach Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bereits 2000 beabsichtigte, wegen vorhandener schwarzer Kassen und Zerwürfnissen mit der SPD Glaser mit dem Sozialdezernat zu beauftragen. Focus Nr. 9 (2000), 28. Februar 2000. 2001 setzte sie ihn als Finanzdezernenten letztendlich ab.Ulrich Adolphs: Stühlerücken hinter den Römer-Kulissen: Bei der CDU wankt Glasers Position, aber die Alternative fehlt. Rhein-Main-Zeitung, 11. August 2001. S. 70., Frankfurter Neue Presse, 24. September 2011. Im Amt als Kämmerer folgte ihm im Januar 2002 Horst Hemzal, ebenfalls CDU.Prüfbericht mit herber Kritik an Finanzpolitik und Etatreform. Frankfurter Allgemeine, 21. Oktober 2004. Bis Anfang 2004 blieb Glaser Vorsitzender des CDU-Stadtbezirksverbands Frankfurt-Innenstadt.Neuwahlen bei der CDU Innenstadt; in: CDU Frankfurt am Main (Hrsg.), Februar 2004. S. 14.
Parteiübertritt und Wirken in der AfD Im Herbst 2012 trat Glaser nach 42 Jahren aus der CDU ausTobias Rösmann: Das CDU-Gerippe stützt sich nur noch auf Merkel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. April 2013. und im März 2013 in die neugegründete AfD ein. Mit der Mitgliedsnummer 30 ist er eigenen Aussagen zufolge Gründungsmitglied der Partei. Er ist Vorsitzender der Satzungskommission.Tim Rahmann: . In: Wirtschaftswoche. 21. November 2014. Glaser ist Mitglied im AfD-Kreisverband Schwalm-Eder-Kreis.Website des AfD-Kreisverbands Schwalm-Eder-Kreis Beitrag von Albrecht Glaser vom 19. Mai 2015.
Bei der Bundestagswahl 2013 war Glaser Kandidat der AfD auf Platz 3 der Landesliste Hessen. Vom 4. Mai 2013 bis zum 23. November 2013 war er zusammen mit dem im Juli 2015 aus der AfD ausgetretenen Eberhard Clamor Freiherr von dem Bussche Vorstandssprecher der AfD Hessen.Thomas Remlein: . In: Frankfurter Neue Presse. 7. Mai 2013. In: Handelsblatt. 24. November 2013.https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Politik-10/Sechs-Austritte-bei-Frankfurter-AfD-Gegroele-statt-Diskussion-24894.html Am 30. Mai 2015 wurde er erneut in den Vorstand der AfD Hessen gewählt und ist seitdem einer der drei Sprecher des Landesverbandes Hessen.
Auf dem Bundesparteitag in Essen am 4. Juli 2015 wurde er zu einem von drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt.Keine massiven Parteiaustritte nach Wechsel an AfD-Spitze. In: Focus Online. 6. Juli 2015. Auf dem Bundesparteiprogrammtag der AfD am 30. April 2016 in Stuttgart wurde Glaser als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten 2017 benannt. Bei der Wahl durch die Bundesversammlung erhielt Glaser mit 42 von 1253 der abgegebenen Stimmen die drittmeisten. Es gab mindestens sieben Abweichler aus anderen Parteien, die zusätzlich zu den 35 AfD-Delegierten für Glaser stimmten.
Am 5. November 2016 wurde er auf Platz 5 der hessischen AfD-Landesliste gewählt und zog damit bei der Bundestagswahl 2017 in den Bundestag ein. Zudem kandidierte er im Bundestagswahlkreis Schwalm-Eder für das dortige Direktmandat, unterlag jedoch Edgar Franke.
Im September 2021 zog Glaser bei der Bundestagswahl erneut über die hessische Landesliste in den Deutschen Bundestag ein.
Bei der Bundestagswahl 2025 trat er nicht erneut an.
mini|Albrecht Glaser im Bundestag, Oktober 2020
Politische Positionen Zum Klimawandel erklärte Glaser im Januar 2017: „Die gesamte CO2-Hypothese ist falsch und demnach auch alle Schlussfolgerungen daraus. Es gibt keine physikalische Erkenntnisse und seriöse Informationen, welche diese Annahme belegen.“
Im Frühjahr 2017 forderte Glaser, der sich selbst als „Musterdemokrat“ bezeichnet, den Entzug des Grundrechts auf Religionsfreiheit bezüglich des Islam: „Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und diese nicht respektiert. Und da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen.“ Der Islam sei keine Religion, sondern eine politische Ideologie. Zudem könne man zwischen Muslimen und Islamisten „nicht unterscheiden“.
Vor dem Hintergrund dieser Aussagen kündigten Bundestagsabgeordnete von SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und der Linken vor der Konstituierung des neuen Deutschen Bundestages im Oktober 2017 an, den für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten kandidierenden Glaser nicht zu wählen. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, erklärte dazu, Kandidaten für dieses Amt müssten auf dem Boden des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland stehen und insbesondere die Grundrechte respektieren. Glaser erhielt in keinem der drei Wahlgänge eine Mehrheit und wurde somit nicht zum Vizepräsidenten gewählt.https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-kandidat-albrecht-glaser-als-bundestagsvizepraesident-endgueltig-gescheitert-a-1188652.html
Im Juni 2024 war er einer von nur vier AfD-Abgeordneten, die der Rede Selenskyjs im Deutschen Bundestag zuhörten., alternative Bezugsquelle:
Weblinks
Website von Albrecht Glaser FAZnet: Artikelliste zu Albrecht Glaser Tilo Jung: Albrecht Glaser, Bundespräsidentschaftskandidat der AfD Jung & Naiv, Folge 298 (Interview, 2017) Albrecht Glaser auf abgeordnetenwatch.de
Einzelnachweise
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