mini|hochkant=1.5|Seehäfen mini|Lage der Häfen in Bremerhaven Die Häfen in Bremerhaven spiegeln die komplizierte Stadtgeschichte Bremerhavens, die Umbrüche in der Fischerei und den industriellen Wandel wider. Im Eigentum der Stadt Bremerhaven stehen nur der Alte und der Neue Hafen; beide haben vorwiegend museale und touristische Bedeutung. Viele Arbeitsplätze bieten die Betriebe in den stadtbremischen Überseehäfen und im Fischereihafen, der dem Land Bremen gehört. Zugleich arbeiten viele Bürger Bremerhavens in den Bremischen Häfen.

Die verschiedenen Häfen sind nicht unter chronologischen Gesichtspunkten nach dem Zeitpunkt ihrer Eröffnung, sondern nach Stadtteilen unter geografischen Gesichtspunkten von Süd nach Nord aufgeführt.

Fischereihafen mini|Fischereihäfen I (links) und II mit Seedeich mini|Fischereihafen

Die beiden Fischereihäfen gehören inzwischen zum eigenständigen Stadtteil Fischereihafen. Beide Häfen haben wirtschaftliche Hochzeiten und Niedergänge miterlebt. Zeitweise war der Fischereihafen Bremerhaven der größte Fischereihafen auf dem europäischen Festland. Der Niedergang der deutschen Hochseefischerei und die Werftenkrise in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben ihre Spuren hinterlassen. Heute ist die Firmenstruktur im Fischereihafen deutlich breiter aufgestellt. Außerdem haben sich namhafte Forschungsinstitute im Fischereihafen angesiedelt, beispielsweise das Fraunhofer IWES oder die beiden Thünen-Institute. Teile um den Fischereihafen I wurden auch für eine touristische Nutzung hergerichtet (Schaufenster Fischereihafen). Auch der südliche Teil des Handelshafens (siehe unter Geestemünde) liegt heute im Stadtteil Fischereihafen.

Fischereihafen I 1896 wurde der Fischereihafen Geestemünde eröffnet und die Fischereihafen-Betriebsgenossenschaft (heute: Fischereihafen-Betriebsgesellschaft) gegründet. Das Hafenbecken hat eine Länge von 1200 m und eine Breite von 60 m. Bis zum Bau der Fischereihafen-Doppelschleuse und des Seedeiches in den 1920er Jahren war es tideabhängig.

Fischereihafen II 1928 konnte der etwa 4 km lange Fischereihafen II komplett in Betrieb genommen werden. Bereits 1925 waren die Fischereihafen-Doppelschleuse, der Seedeich und Teile des Fischereihafens II einsatzfähig. Diese Baumaßnahmen machten aus dem zuvor Ebbe und Flut ausgesetzten Gebiet tideunabhängige Hafenanlagen. Das südliche Ende des Fischereihafens II teilt sich in den Labradorhafen im Osten und den Luneorthafen im Westen. An der Spitze der dazwischen befindlichen Halbinsel liegen die Schwimmdocks der BREDO.

In den 2010er Jahren hatte sich im Labradorhafen und auf der Luneplate Industrie für Bau, Betrieb und Versorgung von Offshore-Windparks angesiedelt. In der Spitze waren hier etwa 3.000 Menschen beschäftigt. Die Marktbereinigung in dieser jungen Branche, politische Entscheidungen zu den Ausbauzielen der Offshore-Windenergie aber auch vereinzelt Managementfehler führten zum Niedergang dieser jungen Industrie in Bremerhaven. Im sogenannten Blexer Bogen der Weser sollte der Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) errichtet werden. Das Vorhaben scheiterte vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Geestemünde 80px|rechts

1847 vom Königreich Hannover als Konkurrenz zum erfolgreichen Bremerhaven gegründet, erlangte Geestemünde eine gewisse Bedeutung als Einfuhrhafen für Holz und Petroleum. 1862 entstanden der Bahnhof Geestemünde und unmittelbar daneben das erste Hauptzollamt Geestemünde. Für den Güterverkehr blieb Geestemünde unbedeutend. Allerdings entwickelte sich ein äußerst lebhafter Fischhandel.

Geeste Da die Fischdampfer keinen eigentlichen Hafen hatten, machten sie am südlichen Ufer der Geeste fest. Hier begann am 7. Februar 1885 die deutsche Hochseefischerei, woran das Busse-Denkmal erinnert. Als der Platz nicht mehr reichte und Bremerhaven den Alten Hafen zum Fischereihafen machte, baute Preußen in der Provinz Hannover den tideabhängigen Fischereihafen (Bremerhaven). Erst als er 1896 in Betrieb genommen wurde, verlagerte sich die Fischanlandung vom Geesteufer in den heutigen Fischereihafen I. Auf dem südlichen Geesteufer war die Bebauung sehr verschachtelt. Lagerhallen waren die Reste der Fischerei. Kneipen und kleine Firmen waren dort untergebracht. Kennedybrücke und Sturmflutsperrwerk trennen das Ufer in zwei Abschnitte. Als im östlichen Teil zur Alten Geestebrücke hin das Morgenstern-Museum entstand, wurden die ersten Gebäude abgerissen. Im westlichen Teil zur Weserfähre hin landeten Schuten und Binnenschiffe Kies von der Mittelweser an. Als das alteingesessene Baugeschäft Rathjen Anfang der 1980er Jahre in die Insolvenz ging, wurde der Kiesumschlag eingestellt. Die Pier wurde zum Liegeplatz für Segelyachten. Heute befinden sich dort moderne Wohngebäude. Wirtschaftlich geringe Bedeutung hat der Elbe-Weser-Schifffahrtsweg.

Da infolge des Klimawandels mit immer höher werdenden Sturmfluten gerechnet werden muss, soll in Höhe des Fähranlegers ein neues, höheres Sperrwerk gebaut werden und das bestehende Sperrwerk unter der Kennedybrücke ablösen. Kalkuliert wird mit Kosten von etwa 100 Mio. Euro, die sich der Bund und die Länder Bremen und Niedersachsen teilen sollen. Mit der Fertigstellung des Baus ist Mitte der 2030er Jahre zu rechnen.Klaus Mündelein: Blick auf das neue Geestesperrwerk In: Nordsee-Zeitung (Bremerhaven) vom 9. März 2024 S. 13

Handelshafen

Ein Vorteil des 1863 eröffneten Handelshafens war, dass er mit den Bahnanlagen des Bahnhofs Geestemünde direkt an der Zollgrenze lag und Güter nur einmal (nicht wie in Bremerhaven zweimal) umgeladen werden mussten. Das unmittelbar benachbarte Hauptzollamt Geestemünde war auch für Bremerhaven zuständig und die Zufahrt zum Neuen Hafen reichte nicht mehr aus. Deshalb schickten immer mehr Reeder ihre Schiffe nach Geestemünde. Schon 1866 kamen 462 Segelschiffe von 15 Reedereien in den Handelshafen.Harry Gabcke: 150 Jahre Bremerhaven. Nordwestdeutscher Verlag Ditzen, 1976. Bis Ostern 1930 war er mit dem Geestehafen durch eine Kammerschleuse verbunden. Mit dem Hafenkanal zum Schleusenhafen der Fischereihäfen war sie überflüssig geworden. Das äußere Tor am Geestehafen wurde zugeschüttet. Die Kammer und das Binnentor blieben erhalten, so dass die ehemalige Schleuse noch heute als Trockendock genutzt werden kann. Im Handelshafen war die Seebeckwerft beheimatet. Nach Plänen von Theodor Hoebel entstand 1875 am Südende des Handelshafens Deutschlands größter Petroleumhafen. Östlich der Drehbrücke über den Geestemünder Hauptkanal liegt der Yachthafen des Weser Yacht Clubs Bremerhaven. Der dahinter nach Norden abgehende Querkanal wurde 1962 weitgehend zugeschüttet. Der südlich des Hauptkanals und des Hafenkanals gelegene Teil des Handelshafens gehört heute nicht mehr zum Stadtteil Geestemünde, sondern zum Stadtteil Fischereihafen. Am Handelshafen hat sich das Alfred-Wegener-Institut angesiedelt. Am westlichen Rand befindet sich der AWI-Campus und am östlichen der noch junge AWI-Campus Klußmannstraße.

Holzhafen Ebenfalls nach Plänen von Theodor Hoebel wurde 1877 am östlichen Ende des Hafenkanals der Holzhafen für die Flößerei gebaut. Zur Nordseite führte ein Anschlussgleis, das hinter dem Holzhafenkanal von der Stichbahn nach Bremerhaven abzweigte.Laut Bollen war dort eine feste Brücke, ein gemauerter Durchlass. Das flache Bassin diente der Zwischenlagerung und Verarbeitung von Holz. 1937/1938 wurde es vom Stichkanal abgetrennt, verkleinert und das Umfeld parkähnlich gestaltet. bremerhaven.de Der Holzhafen ist einer der schönsten Plätze in Geestemünde und erfreut sich bei Schiffsmodellbauern von jeher großer Beliebtheit. Handelshafen, Elbinger Platz und Holzhafen wurden in den letzten Jahren städtebaulich geöffnet und zusammengefügt. bremerhaven.de, 2012.

Mitte (Bremerhaven) rahmenlos|rechts|80px Alter Hafen

Die Versandung der Weser und die größer werdenden Schiffe zwangen Bremen zum Bau eines vorgelagerten Hafens. Am 11. Januar 1827 kaufte Johann Smidt vom Königreich Hannover 122 Hektar Land an der Nordseite der Geestemündung. Jacobus Johannes van Ronzelen leitete den Bau des Alten Hafens zwischen 1827 und 1830. Ronzelens berühmte Schleuse zur Geeste war die erste Hafen-Kammerschleuse des europäischen Kontinents. Anstelle normaler Ebbetore hatte das Binnenhaupt sogenannte Fächertore. Bei Niedrigwasser konnte aus dem Hafenbecken Wasser abgelassen und damit der Schlick aus Vorhafen und Schleuse herausgespült werden. Die Schleuse wurde bis 1928 genutzt. Etwa an ihrer Stelle steht heute der Richtfunkturm Bremerhaven. Der bogige Vorhafen zum Alten Hafen und das 1897 gebaute Zollhaus sind erhalten. Vor allem durch die Auswanderer nahm der Schiffsverkehr ständig zu. Nach der Fertigstellung des Neuen Hafens verlor der Alte Hafen seine Funktion als Auswandererhafen. Ab 1892 wurde er als Fischereihafen genutzt. Als die Bremerhavener Fischereiflotte mit den landseitigen Anlagen 1930 in den (preußischen) Fischereihafen verlegte, fiel der Alte Hafen in einen „Dornröschenschlaf“. Der Bau des Deutschen Schifffahrtsmuseums beendete ihn nach 40 Jahren.

Neuer Hafen

Für die aufkommenden Raddampfer war die Schleuse zum Alten Hafen zu klein. Deshalb entstand 1851/1852 der Neue Hafen. Bis 1937 war der Neue Hafen durch ein Fluttor und ein Hafensperrtor mit der Weser verbunden. 1944 wurde diese Zufahrt am Loschen-Turm zugeschüttet. Der Neue Hafen konnte nun nur noch durch den Kaiserhafen I und die damit über die Kaiserschleuse (oder die Nordschleuse) erreicht werden. Zwischen dem Neuen Hafen und dem Kaiserhafen existierte eine Schleuse, über die eine Straßen- und eine Eisenbahndrehbrücke führte. Diesen Brücken wurden 2002 durch die Klappbrücke Schleusenstraße ersetzt. Die Schleusentore wurden entfernt.

Mit einem Kanal, über den die Brücken zwischen Altem und Neuem Hafen führen, wurde 1928 die Verbindung zum Alten Hafen hergestellt. Markant sind die beiden Klappbrücken mit hochliegendem Gegengewicht. architekturbildarchiv.de Auf dem südlichen Westufer des Neuen Hafens lag das Werk 4 der Schichau Unterweser AG. Sie baute einige der weltweit größten Schlepper und Tonnenleger. Seit 2005 verbindet eine neue Sportbootschleuse die Weser mit dem Neuen Hafen.Neue Schleuse am Loschen-Turm. janvonbroeckel.de, Archivlink; abgerufen am 16. April 2023 Das Hafensperrtor wurde im Zuge des Neubaus entfernt.

Stadtbremisches Überseehafengebiet rahmenlos|rechts|80px Die heutigen Seehäfen liegen im Stadtbremischen Überseehafengebiet. Eine Ausnahme ist der Container Terminal IV im Stadtteil Weddewarden. Die Eingliederung der zuvor zu Bremerhaven gehörenden Überseehäfen in die Stadt Bremen erfolgte 1938. Ein Jahr später wurde Bremerhaven mit Wesermünde zur preußischen Stadt Wesermünde zusammengeschlossen. Wesermünde wurde 1947 in Bremerhaven umbenannt und ins Bundesland Bremen eingegliedert. Das Stadtbremische Überseehafengebiet ist ein Ortsteil des Stadtteils Häfen in Bremen, der wiederum zum Bremer Stadtbezirk Mitte gehört. Die Diskussion über die Berechtigung bzw. Sinnhaftigkeit dieser politischen Konstruktion flammt immer mal wieder auf. Oberster Kommunalbeamter für das stadtbremische Hafengebiet ist der Hafenkapitän. Die polizeilichen Aufgaben werden von der Bremerhavener Polizei wahrgenommen. Die Kfz-Kennzeichen aus dem Hafengebiet sind heute dem Bremerhavener Kennzeichen angepasst worden: HB mit einem Buchstaben und vier Ziffern. Früher HB mit zwei Buchstaben und drei Ziffern (Bremen-Stadt).

Die an der Weser liegenden Hafenanlagen sind von den Gezeiten abhängig. Es handelt sich dabei um die Columbuskaje und den (nach Wilhelm Kaisen benannten) Container-Terminal Bremerhaven. Die übrigen Häfen liegen als Dockhäfen hinter Schleusen. Das privatwirtschaftliche Hafenmanagement liegt bei Bremenports.

mini|Columbuskaje zwischen Nordschleuse (links) und Kaiserschleuse Columbuskaje