mini|Rathaus von Moritzburg Moritzburg ist eine Gemeinde in Sachsen, die bis 1934 den Namen Eisenberg-Moritzburg trug. Der Ort ist vor allem durch das Jagd- und Barockschloss und als Sterbeort von Käthe Kollwitz bekannt.

Geographie Geographische Lage Moritzburg liegt in der Mitte Sachsens und ist in nordwestlicher Richtung etwa 13 Kilometer vom Stadtzentrum der Landeshauptstadt Dresden entfernt. Der Ort befindet sich im Landkreis Meißen und bildet eine Gemeinde mit den umliegenden Ortschaften. Moritzburg liegt inmitten des Landschaftsschutzgebietes Friedewald und Moritzburger Teichgebiet. Dieses Gebiet umfasst 22 Moritzburger Teiche mit etwa 418 Hektar Wasserfläche. Naturräumlich wird der Ort dem Westlausitzer Hügel- und Bergland zugeordnet. Das Hügelland liegt zwischen 124 m und 312 m über NN. Es gehört zur Lausitzer Platte und dem Meißener Massiv. Ein mäßig trockenes Klima herrscht vor.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung Die folgende Tabelle gibt die Ortsteile der Gemeinde Moritzburg mit ihrer Einwohnerzahl zum 31. Dezember 2010 an:

Ortsteil Einwohner Auer 199 Boxdorf 2050 Friedewald mit Buchholz und Dippelsdorf 1087 Moritzburg mit Eisenberg 2552 Reichenberg 1414 Steinbach 927

Geschichte mini|Schloss Moritzburg mit Eisenberg auf einer Karte aus dem 19. Jahrhundert Die Gemeinde Moritzburg entstand aus der Landgemeinde Eisenberg, der auch ein Ortsteil namens Moritzburg angehörte. Dabei handelte es sich um das Schloss Moritzburg, die Gebäude in dessen näherer Umgebung und den dazugehörigen Gutsbezirk, also Ländereien und Wälder vom Fasanenschlösschen bis zum Ortsteil Auer. Schon vor 1900 erhielt die Gemeinde den Doppelnamen Eisenberg-Moritzburg. Im Jahr 1934 wurde die Gemeinde in Moritzburg um- und damit endgültig nach dem Schloss benannt.

Zu DDR-Zeiten wurde Moritzburg bekannt durch eine Ausbildungshilfe für das sozialistische Vietnam. Die DDR bot den Vietnamesen an, eine Zahl von Kindern hier ausbilden zu lassen. Im Juli 1955 begann dieses Ausbildungsprogramm zunächst für 149 vietnamesische Kinder im Alter zwischen neun und fünfzehn Jahren. Insgesamt wurden in Dresden und Moritzburg etwa 350 Kinder und Jugendliche ausgebildet und bis zum Facharbeiter- und Hochschulabschluss gebracht. Diese vietnamesischen „Moritzburger“ gingen zurück in ihr Land und unterhalten bis in die Gegenwart einen kulturellen Traditionsverein.Freytag, Mirjam: Die „Moritzburger“ in Vietnam. Lebenswege nach einem Schul- und Ausbildungsaufenthalt in der DDR – Vermitteln in interkulturellen Beziehungen. IKO-Verlag, Frankfurt/Main 1998

Von 1945 bis 1996 war im Wald bei Moritzburg der sogenannte „Schatz der Sachsen“ versteckt.

Die Gemeinde Moritzburg vergrößerte sich am 1. Januar 1996 um die Gemeinde SteinbachStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996 und am 1. Januar 1999 um ReichenbergStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999, das außerdem die am 1. Januar 1994 eingegliederten Ortsteile Friedewald und BoxdorfGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt mit einbrachte. alternativtext=Emil-Höhne-Straße|mini|Die Emil-Höhne-Str. erinnert an den Begründer diakonischer Arbeit in Moritzburg Die Emil-Höhne-Str. erinnert an den Begründer diakonischer Arbeitsgebiete in Moritzburg und daran, dass die diakonische Ausbildung und Arbeit ein wichtiger Standortfaktor ist. alternativtext=Erinnerung an Euthanasieopfer|mini|Ein Findling als „Stein des Anstosses“, Foto August 2025 Seit Juni 2001 erinnert ein Findling, ein „Stein des Anstoßes“, auf der Rasenfläche neben dem Gästehaus Moritzburg, Bahnhofstraße 9, daran, dass auch aus Moritzburg Menschen zur Ermordung im Rahmen der sogenannten Euthanasie abgeholt wurden.

mini|Widmungstafel zur Erinnerung an die Euthanasieopfer aus Moritzburg, Foto August 2025

Politik

Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Moritzburger Gemeinderats wie folgt auf die einzelnen Wahlvorschläge:

+letzte GemeinderatswahlenWahlvorschlag202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU634,3528,1840,4AfD526,9525,3––SPD422,1422,6523,5Freie Wähler Moritzburg16,619,8211,4Pro Steinbach15,716,716,2Ortsforum Moritzburg14,4––––Linke––17,519,4FDP––––16,3FUW–––––2,8Wahlbeteiligung77,2 %72,7 %56,9 %

Bürgermeister Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 22. März 2026 wurde Katrin Sontag mit 78,2 % der gültigen Stimmen zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Ihr Vorgänger Jörg Hänisch hatte im Oktober 2025 bekanntgegeben, ein Jahr vor dem regulären Ablauf seiner Amtszeit in den Ruhestand zu gehen. Die Amtsübergabe findet am 1. Juni 2026 statt.

+ Letzte Bürgermeisterwahlen Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)2026 Katrin Sontag Sontag 78,22020 Jörg Hänisch Hänisch 78,62013 SPD 53,52006 Georg Reitz CDU 94,3[…]1994Andreas TimmlerF.D.P.93,5

Städtepartnerschaften Cochem (Rheinland-Pfalz)

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pferdekutsche und Postmeilensäule an der Moritzburger Brücke mini|Fasanenschlösschen mini|Schloss Moritzburg mini|Evang.-lutherische Kirche

Bauwerke Bekannteste Sehenswürdigkeit von Moritzburg ist das Jagdschloss Moritzburg. Weitere Sehenswürdigkeiten sind Fasanenschlösschen Haus des Pferdes Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg Evang.-Luth. Moritzburger Kirche Leuchtturm am Fasanenschlösschen Rotes Haus, Dippelsdorf Landgestüt Moritzburg Lößnitzgrundbahn Wildgehege Moritzburg Boxdorfer Windmühle

Veranstaltungen Es gibt eine Reihe von regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen. Hochzeitsmesse Hengstparade Moritzburg Festival Moritzburger Fisch- und Waldfest (Abfischen des Schlossteichs Ende Oktober) Schloss-Triathlon Moritzburg Carnevals Club Moritzburg e. V.

Kulturlandschaft Moritzburg GmbH Die Kulturlandschaft Moritzburg GmbH ist eine 100%ige Tochter der Gemeinde Moritzburg. Die Aufgaben der Kulturlandschaft Moritzburg sind in mehrere Bereiche aufgeteilt:

Betrieb des Ferienparks & Campingplatz Bad Sonnenland, mit Bungalows, Zelt- und Wohnwagenplätzen, Betrieb der Tourist-Information Moritzburg, Betrieb der Parkplätze in und um Moritzburg, Organisation und logistische Unterstützung von Großveranstaltungen in Moritzburg sowie touristische Vermarktung der Gemeinde Moritzburg

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Moritzburg ist über Staatsstraßen mit Dresden (mit Anbindung an die Bundesautobahn 4), Radeburg (mit Anbindung an die Bundesautobahn 13) und Meißen verbunden. Die schmalspurige Lößnitzgrundbahn verbindet Moritzburg mit Radebeul und Radeburg. Den Anfang der dammartigen Schlossauffahrt flankieren zwei verkehrsgeschichtlich interessante, teilweise noch originale kursächsische Postdistanzsäulen von 1730, die sonst nur vor den Stadttoren oder auf dem Marktplatz der Städte aufgestellt wurden, mit Entfernungsangaben in Wegstunden (1 St. = 4,531 km) zu Städten, Poststationen, aber auch damals sächsischen Burgen und Schlössern.

Wirtschaft Die örtliche Wirtschaft ist zu großen Teilen vom Tourismus geprägt. In Moritzburg ist das Gestüt Moritzburg, ein Wirtschaftsbetrieb des Freistaates Sachsen, ansässig. Die Ursprünge des Gestütes gehen auf die Jagdleidenschaft Augusts des Starken (1670–1733) und den durch ihn veranlassten Umbau des Schlosses zum Jagdschloss zurück. Mit der Pferdezucht wurde 1828 in den nunmehr königlichen Jagdstallungen begonnen.

Verkehrsanbindung Autobahnen: Bundesautobahn 13 und Bundesautobahn 4 Anbindung an überregionale Verkehrsnetze durch S 80, S 81 und S 179 Bus nach Dresden, Coswig, Radeburg, Großenhain Schmalspurbahn Radebeul Ost–Radeburg mit Anschluss zur S-Bahn 1 nach Dresden

Bildung In Moritzburg befindet sich die Evangelische Fachhochschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie.

Persönlichkeiten In Moritzburg geborene Persönlichkeiten Samuel Locke (1710–1793), Architekt Albert Kasimir von Sachsen-Teschen (1738–1822), Kunstmäzen Carl Ludwig Alfred Fiedler (1835–1921), Mediziner Bruno Adam (1846–1918), Architekt Fritz Krause (1881–1963), Ethnologe und Hochschullehrer Curt Trepte (1902–1990), Schauspieler, Theaterleiter Wilhelm Rühle (1906–1993), Orgelbauer Inge Brüx-Gohrisch (* 1939), Grafikerin und Illustratorin

Mit dem Ort in Verbindung stehende Persönlichkeiten Moritz von Sachsen (1521–1553), Kurfürst Janko Peranski († 1689), Kommandant der Kroatischen Reiter von Johann Georg II. und örtlicher Amtshauptmann August der Starke (1670–1733), Kurfürst von Sachsen Johann Gottlob Horn (1680–1754), Hofhistoriograph Friedrich August I. (1750–1827), erster König von Sachsen Käthe Kollwitz (1867–1945), Bildhauerin und Grafikerin Theodor Meentzen (1875–1963),Das Geburtsjahr auf dem Familien-Grabstein (Friedhof Moritzburg) ist fälschlich mit 1874 angegeben. Schriftsteller, Publizist Ernst Heinrich von Sachsen (1896–1971), Wettiner Walter Schumann (1901–1957), Ev. Pfarrer, Bekennende Kirche, von 1946 bis zu seinem Tod Rektor der Diakonenhauses. Gertrud Seltmann-MeentzenEntgegen vielen Publikationen und Quellenangaben lautet der korrekte Vorname nicht Gertrude, sondern Gertrud (Siehe Sächsisches Staatsarchiv Dresden, Akte 11384, Nr. 4524) (1901–1985), Unternehmerin, Pionierin der Herstellung und Anwendung von Naturkosmetik Charlotte Meentzen (1904–1940), Unternehmerin, Pionierin der Herstellung und Anwendung von Naturkosmetik Karl Timmler (1906–1996), Maler, Grafiker und Keramiker Erik Mailick (1907–1990), Maler, Grafiker, Aktivist des Wildtierschutzes, Ehrenbürger Horst Paul (1910–1997), Arzt, Ehrenbürger Walter Henn (1912–2006), Architekt und Hochschullehrer Kurt Ströer (1921–2013), Diakon und Jugendwart der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Wilhelm Knabe (1923–2021), Rekultivierungsforscher und Mitbegründer von Bündnis 90/Die Grünen, lebte von 1936 bis 1952 in Moritzburg Karlheinz Blaschke (1927–2020), deutscher und sächsischer Archivar und Historiker Hans Georg Anniès (1930–2006), Druckgraphiker und Bildhauer Roland Adolph (1946–1997), evangelischer Pfarrer, Rektor des Diakonenhauses, Michael Muster (* 1946), Rechtsanwalt und Politiker (Die blaue Partei, zuvor AfD) Kirsten Muster (* 1960), Rechtsanwältin und Politikerin (Die blaue Partei, zuvor AfD) Jan Vogler (* 1964), Cellist und künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals Stephan Grossmann (* 1971), Schauspieler, aufgewachsen in Moritzburg Martin Dulig (* 1974), Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und stellvertretender Ministerpräsident Walther Hultsch (1890–1983), Baureferent der Landeskirche Sachsen, Denkmalpfleger, Jurist Erich Karl Knabe (1882–1940), deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher, Gegner der Euthanasie Magdalena Kupfer (1910–2011) war von 1951 bis 1976 Dozentin für Pädagogik und Psychologie am Evangelisch-Lutherischen Diakonenhaus Moritzburg

Literatur Dresdner Geschichtsverein (Hrsg.): Die Moritzburger Kulturlandschaft. In: Dresdner Hefte. Nr. 42. Dresden 1995, .

Weblinks

Website der Gemeinde

Kulturlandschaft Moritzburg

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Ort im Landkreis Meißen Kategorie:Kategorie:Region Dresden