mini|Firmenlogo der Heinrich Lanz AG mini|Späteres Firmenlogo mini|Präsentation für die Weltausstellung Paris 1900 mini|Lanz Bulldog D4016, Bj. 1957–60, Volldiesel, 40 PS, Hubraum: 4.222 cm³ Einzylinder-Zweitakt-Mitteldruckmotor mini|Alte Dreschmaschine angetrieben von einem Lanz-Bulldog alt=|mini|Lanz-Dampfmaschine von 1911 auf dem 12. Bulldogtreffen in Burkhardtsdorf mini|Aktie der Heinrich Lanz AG über 1000 RM von 1925
Die Heinrich Lanz AG in Mannheim war ein deutscher Landmaschinenhersteller. Die Aktienmehrheit des 1859 gegründeten Unternehmens wurde 1956 vom US-amerikanischen Landmaschinenhersteller John Deere übernommen. Der Verkaufsname „Bulldog“ der von Lanz zwischen 1921 und 1960 hergestellten Ackerschlepper wurde zum synonymen Gattungsnamen für Traktoren aller Anbieter. Seit 1967 verwendet John Deere die Marke „Lanz“ nicht mehr für Produkte seiner deutschen Tochtergesellschaft, im gleichen Jahr wurde der Zusatz auch aus ihrem Firmennamen entfernt.
Geschichte 1859 bis 1918 Heinrich Lanz begann 1859 mit dem Vertrieb und der Entwicklung landwirtschaftlicher Maschinen. Nach dem Eintritt von Heinrich Lanz in den väterlichen Betrieb in Mannheim importierte das Unternehmen landwirtschaftliche Maschinen wie Göpel, Futterschneidmaschinen und Dreschmaschinen und reparierte sie, bevor die eigene Herstellung begann. So wurden 1878 die ersten Lokomobilen gefertigt. Sie hatten noch einen stehenden Kessel und einen Arbeitsdruck von 3,43 bar (= 3,5 atü). Damit leisteten sie 2,5 DIN-PS (1,8 kW). Außerdem stellte Lanz Langstroh-Pressen und Selbstbinder-Pressen her. alt=|mini|Ansicht der Lanz-Werke (um 1910) alt=|mini|Lanz Dreschmaschine Maschinen von Lanz erhielten bis zu diesem Zeitpunkt über 70 Auszeichnungen auf europäischen AusstellungenAuszeichnungen für Lanz & Cie. Mannheim bei der Ausstellung in Strassburg: 4 × Gold, 5 × Silber und 3 × Bronze, praktisches Journal für Agrarkultur, Gartenbau und Heimwirtschaft, 1866, Bibliothèque nationale de France (Archiv). und über 70.000 Stück waren verkauft. Nach einer Erweiterung des Sortiments durch eine Dampf-Dreschmaschine, die von einer Lokomobile betrieben wurde, sank der noch immer große Anteil an Importware, der vor allem aus englischen Dreschmaschinen bestand, in der Folge immer mehr. Das Unternehmen wurde die größte Landmaschinenfabrik auf dem europäischen Kontinent und beschäftigte mehr als tausend Arbeiter.
Nachdem 1885 die tausendste Dampf-Dreschmaschinen-Garnitur verkauft worden war, erhielten ab 1887 alle Lanz-Maschinen Schutzvorrichtungen, um Unfälle zu vermeiden. Dies stellte eine Pionierleistung dar, der zwischen 1888 und 1899 die ständigen Erweiterungen des Werkes mit der Aufnahme zusätzlicher Produkte folgten. Die „Lanzsche Fabrik“ hatte zunächst ihren Standort in der Mannheimer Schwetzingerstadt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Aus Platzgründen wurde sie ab 1888 in den benachbarten Stadtteil Lindenhof verlagert.
Auf der Weltausstellung 1900 in Paris konnte Lanz bereits auf eine vierzigjährige Geschichte zurückblicken und war der größte Hersteller der Branche. So wurden über 10.000 Lokomobilen für Landwirtschaft und Industrie, 7000 große und mehr als 120.000 kleinere Dreschmaschinen, 180.000 Futter-Zubereitungsmaschinen, 60.000 Göpel für ein bis sechs Pferde und etwa 16.000 verschiedene andere Maschinen ausgeliefert. Die 10.000ste bei Lanz produzierte Maschine leistete 260 PS (191 kW) und war bis 450 PS (330 kW) überlastbar.
Zwei Jahre später folgte die Umstellung der Lokomobilentechnik von Sattdampf auf Heißdampf, was eine höhere Leistung bei geringerem Verbrauch brachte. Am 1. Februar 1905 starb Heinrich Lanz und hinterließ ein Unternehmen mit fast 3000 Arbeitern, dessen Jahresproduktion 900 Dampfdreschsätzen und 1400 Lokomobilen entsprach. Sein letzter Wunsch war die Fertigung von Straßenlokomotiven (Dampftraktoren). Sein Sohn Karl Lanz übernahm danach die Unternehmensleitung und erreichte, dass bis 1906 Lanz-Dreschmaschinen immer größer und leistungsfähiger wurden und zu den besten der Welt gehörten.
Im Folgejahr waren bereits über 20.000 Lokomobilen gefertigt. Über 550.000 Maschinen insgesamt hatten seit 1859 das Werk verlassen. Heinrich Lanz letzter Wunsch ging posthum in Erfüllung: Die ersten Lanz-Straßenlokomotiven wurden ausgeliefert.
Beim 50-jährigen Firmenjubiläum von 1909 war bereits die Zahl von 4000 Beschäftigten überschritten. Ein Jahr später folgte die Weltausstellung in Brüssel, auf der Lanz wie bereits in Paris die größte Lokomobile der Welt ausstellte, diesmal mit einer Leistung von 1000 PS (735 kW) netto. Die Maschine erhielt drei Goldmedaillen. Ein Inserat im Jahr 1913 warb für Lokomobile mit Ventilsteuerung „System Lentz“.Inserat von Heinrich Lanz Mannheim, auf S. 37 in Der Bautechniker vom 21. Februar 1913, Österreichische Nationalbibliothek (Archiv).
Im Jahre 1911 schloss Lanz mit Johann Schütte einen Vertrag zum Bau von Luftschiffen, der zu 22 Luftschiffen führte, die unter dem Firmennamen Schütte-Lanz produziert wurden. Im selben Jahr wurden auch die Rechte an der selbstfahrenden Bodenfräse System Köszegi erworben, deren Produktion im Folgejahr anlief. Der Antrieb bestand aus einem Vierzylinder-Ottomotor mit 70–80 PS (51–59 kW). Dieses Gerät wurde über mehrere Jahre weiterentwickelt. Im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 verlor das Unternehmen viele Beschäftigte, sodass bei Kriegsende von den ehemals 5000 am Ende nur noch 3800 übrig waren.
1918 bis 1945
Ab 1921 begann eine neue Ära: Traktoren mit Verbrennungsmotoren sollten die schwerfälligen Dampfmaschinen ablösen. Nach dem Tod von Karl Lanz 1921 im Alter von 48 Jahren stellte der bis dahin unbekannte Ingenieur Fritz Huber einen Rohölmotor mit 12 PS (8,8 kW) und Glühkopfzündung vor.Lanz Bulldog: abrufbar bei Lanz Bulldog Homepage, www.lanz-bulldog-homepage.de, abgerufen: 8. Februar 2018 . Dieser Glühkopfmotor war der erste Bulldog und lief mit nahezu jedem Treibstoff – vom billigen Rohöl bis zum heimischen Pflanzenöl.Lanz Bulldog: Kraftstoffübersicht. abrufbar bei Lanz Bulldog Homepage, www.lanz-bulldog-homepage.de, abgerufen: 8. Februar 2018 .Schnitt durch einen LANZ-Bulldog., abrufbar bei Lanz Bulldog Homepage, www.lanz-bulldog-homepage.de, abgerufen: 8. Februar 2018 . Dem „Ur-Bulldog“ folgte 1923 mit dem Typ HP, einem Bulldog mit Allradantrieb und Knicklenkung, eine Maschine, die ihrer Zeit technisch um Jahrzehnte voraus war.
Der Feldmotor, ein Benzintraktor mit 38 PS (28 kW) in Rahmenbauweise, sowie der Felddank, der gleiche Schlepper wie der Feldmotor, jedoch mit einem stehend montierten 2-Zylinder-Glühkopfmotor und 38 PS, sowie die Bulldog-Typen HL und HP waren in den Jahren zwischen 1924 und 1929 in der Herstellung zu teuer. Sie wurden aufgrund von Inflation und Weltwirtschaftskrise ersetzt durch den kostengünstiger zu fertigenden Bulldog Typ HR (zuerst HR2, später wurde hochnummeriert bis HR8). Dieser zuerst mit Verdampfungskühlung, später mit Thermosiphonkühlung ausgerüstete Schlepper mit Hinterradantrieb wurde zum Standardprodukt von Lanz.Lanz Bulldog: Systematischen Übersicht der Lanz Typen von Glühkopf-Bulldogs von 1921–1945. abrufbar bei Lanz Bulldog Homepage, www.lanz-bulldog-homepage.de, abgerufen: 8. Februar 2018 .Lanz Bulldog: Sammlung von LANZ-Glühkopfbulldog-Prospekten. Anzahl der Prospekte: 228, abrufbar bei Lanz Bulldog Homepage, www.lanz-bulldog-homepage.de, abgerufen: 8. Februar 2018.
Neben dem Bulldog wurden aber weiterhin Dampfmaschinen entwickelt und verkauft, so z. B. die 1922 vorgestellte PE 14, die selbstfahrend und stationär erhältlich war. Die PE 14 lieferte bei einem Betriebsgewicht von 6850 kg rund 14 PS und fuhr maximal 6 km/h.
Aber auch die Landmaschinen-Entwicklung setzte sich fort: 1929 wurde der Stahl-Lanz präsentiert, die erste Dreschmaschine in Ganzstahlbauweise, der 1931 die Schwingkolben-Strohpresse folgte. Lanz stattete mit dem Eilbulldog die Spediteure mit einem zugstarken und schnelllaufenden Transportschlepper aus. Die Luftbereifung wurde eingeführt und ersetzte zunehmend die Elastikbereifung auf der Straße sowie die bis dahin übliche Eisenbereifung auf dem Acker. 1933 wurde der erste Schleuderrad-Kartoffelroder vorgestellt. Ab 1934 wurden Raupen-Bulldogs angeboten.
Die meisten Lanz-Traktoren besaßen eine kuppelbare Riemscheibe, die im Stationärbetrieb zum Treibriemenantrieb einer Vielzahl von Zusatzgeräten (wie Großmahlwerk, Dreschmaschine, Windfege, Ballenpresse, Heu- und Erntegutförderer, Feldhäcksler (Ernteguthäcksler), Steinbrecher, (Brennholz)-Kreissäge, Kegeldornspalter, Wasserpumpe, Werkstattmaschinen etc.) genutzt werden konnte. Somit vereinte der Bulldog die Vorteile einer Acker- und Zugmaschine und eines stationären Antriebsmotors zum Betrieb von Zusatzgeräten.Stationärbetrieb von Zusatzgeräten mittels Transmissionsriemen über die Riemscheibe des Lanz Bulldog: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5, Bild 6, (Quelle: Lanz Bulldog Homepage, www.lanz-bulldog-homepage.de), Bild 7, Bild 8, (Quelle: fahrzeugbilder.de), (Quelle: Schaumburger Nachrichten vom: 17. März 2013), Lanz-Bulldog mit mobilem Mahlwerk (Quelle: willi-winsen.de), Kreissäge mit Transmissionsantrieb (Quelle: Wikipedia), Kieler Nachrichten vom: 20. August 2012 . Aus: schlepperfreunde-nordbaden.de.LANZ Bauern-Bulldog – Der grosse Helfer: Im Kampf um die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes schneller und wirksamer arbeiten, mehr und besseres leisten. LANZ Firmenzeitschrift von 1938 (PDF, 24 Seiten, 2,2 MB). Auf: www.lanz-bulldog-homepage.de, abgerufen am: 8. August 2016
Im Jahre 1938 erwarb Lanz das Unternehmen Hofherr-Schrantz-Clayton-Shuttleworth (HSCS) mit Werken in Wien und in Prag. Das Wiener Werk wurde in den Jahren nach der Übernahme zur größten Fertigungsstätte für Dreschmaschinen des Lanz-Konzerns ausgebaut. 1943 wurden große Teile der Produktionsfläche für die Rüstungsproduktion beschlagnahmt. Es wurden Akkumulatoren für U-Boote und Teile der V2-Raketen gebaut. Das Wiener Werk wurde nach dem Krieg erst von der sowjetischen Armee und anschließend vom Staat Österreich beschlagnahmt.Kurt Häffner, Lanz – Kühler Bulldogs von 1928 bis 1942, Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart, 2001, Seite 23
Ab 1942 war es Lanz verboten, Traktoren zu verkaufen, die mit flüssigen Brennstoffen angetrieben wurden. Es wurden Holzgas-Traktoren gebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurden rund 90 % des Lanz-Werkes zerstört.Kurt Häffner, Lanz – Firmenchronik, Dampfmaschinen, Benzinzugmaschinen, Verdampfer-Bulldogs von 1859 bis 1929, Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart, 2001, Seite 58 Doch in den Trümmern ging es weiter: Aus noch vorhandenen Teilen wurden Bulldogs zusammengebaut und bestehende Traktoren und Landmaschinen repariert.
Der Personalbestand entwickelte sich über die Jahre wie folgt. Die Gefolgschaft, wie das Personal früher in Geschäftsberichten bezeichnet wurde, ist den Aktionärsberichten der Heinrich Lanz AG entnommen. 1905 – ca. 3000, 1909 – ca. 4000, 1914 – ca. 5000, 1918 – ca. 3800, 1932 – 2389, 1933 – 3534, 1934 – 4263, 1935 – 5548, 1936 – 6679, 1937 – 8171, 1938 – 10.478.
1945 bis zur Übernahme durch John Deere mini|Lanz Alldog A 1806, Bj. 1956– 60, 18 PS, Hubraum: 1250 cm³, Zweizylinder-Viertakt-Dieselmotor mini|Aktie der John Deere-Lanz AG über 100 DM von 1963