Die Übertragung oder übertragene SchwangerschaftVgl. etwa Gustav Döderlein: Der heutige Stand der abdominalen Schnittentbindung. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 56–61, hier: S. 58. bedeutet in der Geburtshilfe die fortgesetzte Schwangerschaft über den erwarteten „üblichen“ Geburtstermin hinaus.

Etwa vier von zehn Kindern kommen in den 14 Tagen nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Erst wenn diese zwei Wochen überschritten sind (Schwangerschaftswoche 42+0), spricht man von einer Übertragung. Dies betrifft ca. ein Prozent aller Schwangerschaften.

Bei Übertragung über die 42. Woche hinaus wurde eine erhöhte Sterblichkeit beobachtet.

Ungeachtet der Art der Übertragung steigt die perinatale Sterblichkeit der Kinder an, je länger die Übertragung fortdauert. Beispielsweise erhöhte sich in einer Metaanalyse von über 15 Millionen Schwangerschaften das Risiko einer Totgeburt von 0,11 pro 1.000 bei 37 SSW auf 3,18 pro 1.000 bei 42 SSW; zudem war die Neonatalsterblichkeit bei Entbindungen in der 42. SSW höher als in der 41. SSW (RR 1,87).Muglu J, Rather H, Arroyo-Manzano D et al. Risks of stillbirth and neonatal death with advancing gestation at term: A systematic review and meta-analysis of cohort studies of 15 million pregnancies. *PLOS Med*. 2019;16(7):e1002838. doi:10.1371/journal.pmed.1002838Risks of stillbirth and neonatal death with advancing gestation at term: A systematic review and meta-analysis of cohort studies of 15 million pregnancies. In: journals.plos.org Eine medikamentöse Geburtseinleitung oder eine Schnittentbindung können bei der übertragenen Schwangerschaft indiziert sein.Gustav Döderlein: Der heutige Stand der abdominalen Schnittentbindung. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. 1953, S. 58–59.

Ein Neugeborenes, das übertragen worden ist, wird als Risikoneugeborenes eingestuft.

Übertragungszeichen (Runge-Zeichen) Objektive Kriterien für die Diagnose, ob ein Neugeborenes übertragen ist, sind die so genannten Runge-Zeichen: gelbe Haut, gelbe Eihäute bzw. Nabelschnur; Waschfrauenhände mit Abschilfern/Abschälen der Epidermis; roter Hodensack bzw. rote Schamlippen; keine Vernix caseosa (Fruchtschmiere, Käseschmiere); Dystrophie (relativer Entwicklungsrückstand).

Die Runge-Zeichen wurden erstmals 1954 von Claus Runge beschrieben und gelten seither als klassische klinische Merkmale übertragen geborener Neugeborener.Runge, C.: Die Übertragungszeichen beim Neugeborenen. Monatsschrift für Kinderheilkunde, 1954. Heute haben sie vor allem orientierenden Charakter, da die Diagnose überwiegend auf Schwangerschaftsdauer und pränatalen Untersuchungsbefunden basiert.Rosenfeld, J. A. et al.: Postterm pregnancy: management and outcome. American Journal of Obstetrics & Gynecology, 2012.

Clifford-Syndrom Als eine Folgeerkrankung der Übertragung (chronischen Plazentainsuffizienz) beim Neugeborenen kann das dreigradige Clifford-Syndrom auftreten: Grad I: keine Käseschmiere, kaum ausgeprägte Fettpolster und Hautatrophie; Grad II: dazu grüne Farbe von Haut und Eihäuten wegen mekoniumhaltigen Fruchtwassers Grad III: Haut in hellem Gelb mazeriert, Fruchtwasser gelb-braun.

Die Prognose gilt bei rechtzeitiger medizinischer Versorgung als insgesamt günstig; schwere Ausprägungen sind jedoch mit einem erhöhten Risiko für perinatale Komplikationen verbunden.Resnik, R. et al.: Management of postterm pregnancy. In: Williams Obstetrics, 25th Edition, McGraw-Hill, 2018.

Einzelnachweise

Ubertragung (Geburt)