mini|Johann Melchior VerdriesKupferstich von Jacob Hering, Nürnberg
mini|Johann Melchior VerdriesGemälde im Besitz der Universität Gießen
Johann Melchior Verdries (* 26. Juni 1679 in Gießen; † 25. Juli 1735 ebenda) war ein deutscher Arzt und Professor für Physik und Medizin in Gießen.
Leben Johann Melchior, war der Sohn der Gießener Bürgermeisters, Gerichtsschöffen, Kirchenältesten und Kaufmanns Johann Christoph Verdries (* 19. August 1652 in Gießen; † 2. März 1729 ebenda) und dessen Frau Anne Elisabeth (geb. Stumpf, * 16. Januar 1654 in Gießen, † 28. Juli 1719 ebenda). Nach dem Besuch des Pädagogiums seiner Geburtsstadt, bezog er 1694 die Universität Gießen, wo er seine philosophischen Studien bei dem Mathematiker Balthasar Mentzer und Augustin Vagetius, bei dem Physiker Michael Bernhard Valentini und die Vorlesungen zum Naturrecht bei Johann Reinhard Hedinger absolvierte. Sich zu dem Studium der medizinischen Wissenschaften hingezogen, frequentierte er erste Vorlesungen von Andreas Julius Bötticher. 1698 wechselte er an die Universität Jena und von dort zog er am 25. Mai 1699 an die Universität Halle Fritz Juntke, Franz Zimmermann: Matrikel der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Bd. 1, 1690–1730. Halle (Saale), 1960, S. 144.. In Halle frequentierte er die philosophischen Vorlesungen von Christian Thomasius, Christoph Cellarius und Johann Franz Buddeus, sowie medizinische Vorlesungen bei Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl. Nach Gießen zurückgekehrt, erlangte er sich am 26. Januar 1702 den medizinischen Grad eines Lizentiaten.
Im Frühjahr des gleichen Jahres, begann er eine Kavaliersreise, welche ihn zunächst nach Sachsen führte. Einige Zeit hielt er sich bei Christian Maximilian Spener in Berlin auf und gelangte über Hamburg, Bremen und Ostfriesland in die Niederlande. Hier frequentierte er die Universität Groningen, war in Leuwarden, an der Universität Franeker, war in Harlingen und Amsterdam. Weitere Bildung verschaffte er sich an der Universität Leiden und der Universität Utrecht. Zurückgekehrt nach Gießen, arbeitete er als praktischer Arzt. Nebenbei hielt er an der Gießener Hochschule physikalische und mathematische Vorlesungen. Am 23. Oktober 1704 wurde er Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaftler Leopoldina, mit dem akademischen Beinamen Anaximens I. 1706 übernahm die mathematische Ausbildungen der Kinder des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. Am 28. Mai 1707 wurde Verdies außerordentlicher Professor für Physik an der Gießener Alma Mater. Am 20. Oktober 1707 promovierte er zum Doktor der Medizin, erhielt am 18. September 1710 die ordentliche Professur der Physik, 30. Mai 1714 wurde er außerordentlicher Professor der Medizin und 1720 ordentlicher Professor der medizinischen Fakultät. 1727 wurde er zum hessischen Rat und Leibarzt ernannt. 1728 und in seinem letzten Lebensjahr ernannte man ihn zum Rektor der Gießener Bildungseinrichtung, in welcher Funktion er verstarb.
Er veröffentlichte ein Physiklehrbuch.
Schriften (Auswahl) Disputatio Physico-Mechanica, De Vacuo In Vacuo / Quam ... In Inclyta Ludoviciana, Sub Praesidio D. Michaelis Bernhardi Valentini, Med. & Phil. Nat. Prof. P. Ordin. Palaestrae Academicae committit Joh. Melchior Verdries, Giessensis, Philiater. Ad diem 28. Maii, L. H. Q. C. Heinrich Müller, Gießen, 1698, (Digitalisat) Dissertatio Medica Inauguralis De Pinguedinis Usibus Et Nocumentis In Corpore Humano. Johann Reinhard Vulpius, Gießen, 1702, (Digitalisat) Physica sive in naturae scientiam introductio. Gießen 1728 ( Ausgabe 1755).
Literatur Andreas Elias Büchner: Academiae Sacri Romani Imperii Leopoldino-Carolinae Natvrae Cvriosorvm Historia. Litteris et impensis Ioannis Iustini Gebaueri, Halae Magdebvrgicae 1755, De Collegis, S. 485 Digitalisat Johann Daniel Ferdinand Neigebaur: Geschichte der kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Friedrich Frommann, Jena 1860, S. 203 Digitalisat Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeiten. Marburg, 1812, Bd. 16, S. 289 (Digitalisat)
Weblinks
Verdries, Johann Melchior bei Digitales Porträtarchiv Johann Melchior Verdries im Internet Archive
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (18. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (18. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Justus-Liebig-Universität Gießen) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (18. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 1679 Kategorie:Gestorben 1735 Kategorie:Mann Kategorie:Absolvent der Justus-Liebig-Universität Gießen