Die Straßenbahn Footscray verkehrt seit dem 6. September 1921 in der Industrie- und Hafenstadt Maribyrnong City fünf Kilometer westlich von Melbourne und ist betrieblich mit dessen Straßenbahnnetz verbunden. Bis zur Privatisierung waren die Melbourne and Metropolitan Tramways Board und ihr Nachfolger Metropolitan Transit Authority Gesellschafter. Aktuell ist für den Betrieb Yarra Trams zuständig.
Die einzige Straßenbahnlinie 82 fährt innerhalb der Tarifzone 1. Die insgesamt 9,2 Kilometer lange Strecke zwischen dem Bahnhof Footscray und der nördlichen Endhaltestelle Moonee Ponds Junction wird mit Z3-Class Straßenbahnen des Essendon Straßenbahndepots betrieben. Wegen kurzer Wendegleise kommt nur der Einsatz dieser Wagen in Frage. Im Bereich von Maribyrnong teilt die Linie 82 sich die Strecke mit der Linie 57.
Geschichte Vorgeschichte Erste Überlegungen für eine Straßenbahnlinie in Footscray wurden bereits 1885 durch Charles Lovett getroffen, der als Künstler lokale Bekanntheit erzielt hatte. Sein Vorschlag plädierte für eine Kabelstraßenbahn, die nach dem System von in Melbourne verkehrenden Linien erbaut und betrieben werden sollte. Dies konnte jedoch nicht in die Tat umgesetzt worden, da sich ein solches Projekt für eine kleine Stadt wie Footscray als unrentabel erwies. Ausschlaggebend war auch die Tatsache, dass sich mangels öffentlichen Interesses kein geeigneter Investor für die Straßenbahn finden ließ. Daher gerieten die ersten Pläne zunächst in Vergessenheit.
Dies änderte sich jedoch mit dem Aufkommen der elektrischen Straßenbahn in Melbourne. Durch die neuen technischen Möglichkeiten wurde nach Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts das öffentliche Interesse an der Errichtung einer Straßenbahn geweckt. Verschiedene Interessensgruppen erarbeiteten bis zum Jahr 1914 erste detaillierte Pläne, um mögliche Kosten und Nutzen zu untersuchen. Einige Gruppen bevorzugten, das Straßenbahnnetz an dasjenige der Stadt Essendon im Nordosten anzuschließen, während sich andere für eine lokale Straßenbahn in den Bereichen westlich und südlich des Bahnhofs einsetzten. Als größeres Problem stellte sich jedoch heraus, die Behörden zu überzeugen, da diese einen Omnibusbetrieb bevorzugten, welcher kaum Investitionen gefordert hätte. Weiteren Aufschub leistete ein einwöchiger Testbetrieb mit Omnibussen, die aber bei der Bevölkerung keinen Anklang fanden.
Erste Planungen In der Bevölkerung bestand die Befürchtung, dass die öffentliche Hand langfristig keinen öffentlichen Verkehr subventionieren würde, wenn nicht vorher Investitionen getätigt worden wären. Um eine größere Vereinigung bilden zu können, fusionierten die einzelnen Gruppen von Befürwortern der Straßenbahn zur Footscray & District Tramways League. Der Druck der Öffentlichkeit zahlte sich 1915 aus, als das Stadtrat die Ausarbeitung von Studien für ein Straßenbahnnetz genehmigte. Als erster Investor stellte die North Melbourne Electric Tramways & Lighting Company eine Strecke mit einer neuen Brücke über den Maribyrnong River vor, welche Unterstützung durch die Royal Agricultural Society erhielt. Die Behörden lehnten jedoch den Vorstoß ab unter der Begründung, keine hohen Summen für den Bau einer neuen Brücke aufwenden zu wollen, deren zuführende Trasse durch noch unbebautes Land führen würde. Die Strecke, die von dieser neuen Brücke aus weiter nach Essendon geführt worden wäre, wurde insgesamt als nur für jene Gemeinde vorteilhaft abgelehnt. Dennoch wurde das Ingenieurbüro, welches für die Planung einer Brücke für den Straßenverkehr nach Essendon zuständig war, beauftragt, Bauvorleistungen für einen nachträglichen Einbau von Straßenbahngleisen einzuplanen.
+ Geplante Linienverläufe Linie Linienweg 1 Footscray, Bahnhof – Irving Street – Hopkins Street – Barkly Street – Tottenham, Ashley Street 2 Footscray, Bahnhof – Irving Street – Hopkins Street – Droop Street – Ballarat Road – Maidstone, Rosamond Road 3 Footscray, Bahnhof – Irving Street – Nicholson Street – Buckley Street – Victoria Street – Charles Street – Gamon Street – Sommerville Road – Kingsville, Williamstown Road 4 Footscray, Irving Street – Nicholson Street – Footscray Park – Maribyrnong River Bridge – Langs Road – Ascot Vale, Epsom Road (Bahnhof der NMETL) 5 Footscray, Hopkins Street – Nicholson Street – Yarraville, Francis Street
Am 13. August 1915 informierte sich Alexander Peacock, der damalige Premierminister von Victoria, vor Ort über die Planungen für das lokale Straßenbahnnetz. Er besuchte die geplanten Streckenverläufe, und auch von der geplanten Strecke nach Essendon wurde ihm berichtet, wodurch er sehr beeindruckt gewesen sein soll. Laut seiner Aussage sei die Entscheidung zum Projekt sehr fortschrittlich für die sich entwickelnde Stadt. Zudem lobte er, dass die Straßenbahn als Zubringer für die Eisenbahn konzipiert sei und nicht durch eine parallele Streckenführung mit dieser in Konkurrenz stünde, wie es bei anderen Projekten vorkomme. Aus diesem Grund falle auch die offizielle Genehmigung für die Straßenbahn leichter, da keine Einsprüche von Vertretern der Eisenbahn eingegangen wären. Auch der Verantwortliche Mr. E. C. Ward, welcher zum Besuch eingeladen hatte, argumentierte für die Straßenbahn, dass der prognostizierte jährliche Verlust des Betriebs von 231 £ um Weiten durch die steigenden Steuereinnahmen aus der resultierenden Stadtentwicklung gedeckt werden könnten.
Politische Entscheidungen Am 26. August reichte der Stadtrat eine Anfrage auf die Genehmigung der Straßenbahn sowie der Kreditaufnahme zur Deckung der Baukosten in Höhe von 150.000 £ beim Parlament ein. Am 13. Dezember teilte die Eisenbahnkommission mit, dass keine Bedenken gegenüber dem Projekt vorlägen. Dem schloss sich auch der Minister für öffentliche Bauarbeiten an. Jedoch stand dies unter der Bedingung, dass die Stadt die Baukosten von 798 £ für die Querung der Bendigo-Linie und Williamstown-Line der Eisenbahn sowie die Hälfte der Betriebskosten der Bahnübergänge von jährlich £ 64 übernimmt. Am 21. Dezember trug Minister Membrey einen Gesetzesentwurf vor, welcher die Stadt dazu ermächtigte, die Straßenbahngesellschaft Footscray Tramways Trust (FTT) zum Aufbau und Betrieb der Straßenbahn einzurichten. Als Baukosten für die Straßenbahn wurden 98,435 £ veranschlagt. 30 Meilen der Strecken sollten doppelgleisig und 5 Meilen eingleisig gebaut werden. Die Anlagen und das Rollmaterial sollte bevorzugt innerhalb der Commonwealth of Nations hergestellt werden. Das Gesetz wurde mit nur einer Gegenstimme verabschiedet. Gegen den Beschluss stimmte nur der Abgeordnete McLachlan, welcher in der Zukunft Probleme fürchtete, wenn der kommunalen Ebene zu viele Befugnisse eingeräumt werden. Denn für den Fall, dass eine zentrale Straßenbahngesellschaft in Melbourne eingerichtet wird, hätte die Stadt Anspruch auf eine Aufnahme und könnte in dieser Gesellschaft weiterhin in finanziellen Angelegenheiten mitbestimmen, falls dies durch die Politik gefordert würde.
Im Stadtrat kam es zu einer Großen Streitigkeit über die FTT. In der Sitzung am 23. Januar 1916 sollte der Auftrag des Gesetzes, eine Straßenbahngesellschaft, bestehend aus drei Ratsherren, zu gründen, bearbeitet werden. Zu einer Wahl kam es indes nicht, da einige Mitglieder des Rates nicht damit einverstanden waren, dass die Befugnisse zur Straßenbahn an nur drei Personen abgegeben werde. In erster Linie über die Finanzierung sollte noch durch die Vertreter im Stadtrat abgestimmt werden. Ratsherr McDonalds vermutete zudem, dass die Straßenbahngesellschaft durch die Einstellung weiterer Angestellter und Manager den Verlust der Straßenbahn bis hin zu 500 £ jährlich vergrößern könne. In der nächsten Sitzung am 27. Februar wurde schließlich über die Einführung der FTT abgestimmt. Durch die zweite Stimme des Bürgermeisters Pearce fiel die Abstimmung zu Gunsten der Einführung aus. Als Verantwortliche wurden neben diesem die Ratsherren Shillabeer und Johnson bestimmt. Den Vorsitz in der Gesellschaft nahm schließlich der Bürgermeister selbst an.
Kontroverse um die Linienführungen Aber weiterhin bestand auch die Kontroverse, welche Variante verwirklicht werden sollte. Die Strecke nach Essendon, welche im Februar 1916 auch die Unterstützung des dortigen Stadtrat erlangt hatte, wurde einzig durch die Stimme des Bürgermeisters von Footscray abgelehnt. Auf die junge Straßenbahngesellschaft FTT und den Stadtrat in Footscray kamen Probleme zu, da wegen der fehlenden Transparenz und Informationspolitik im Zusammenhang mit den Planungen Misstrauen in der Bevölkerung aufkam.
Zwei der offiziell geplanten Linien wurden besonders kritisiert: Die Streckenverläufe der Linien 3 und 5, welche in die südlichen Wohngebiete von Footscray führen sollten, standen in Yarraville in der Kritik, da sie fernab vom eigentlichen Zentrum der Gemeinde verlaufen geplant waren. Interessenvertreter fürchteten eine Verödung der Einkaufsstraßen und Abwanderung des Einzelhandels. Sie warfen dem Stadtrat vor, die Innenstadt Footscrays auf Kosten von Yarraville attraktiver anzubinden und forderten, die Linie 3 statt zur Williamstown Road durch das Ortszentrum zu führen und an der Francis Street an die Linie 5 anzuknüpfen. Sie vermuteten zudem, dass die Linien aufgrund langer Wege zu den Haltestellen von den meisten Bewohner kaum genutzt würden und daher nicht rentabel zu betreiben seien. Im April 1916 wurde die Lösung dieser Frage vom Stadtrat auf die Footscray Tramway Trust übertragen.
Durch die schlechte finanziellen Lage der North Melbourne Electric Tramways & Lighting Company, welche auf das kleine Netz der Gesellschaft zurückzuführen war, befürworteten immer mehr Stimmen in der Öffentlichkeit die Ausdehnung der Planungen auf eine Strecke nach Essendon. Die Begründung lag darin, dass die Prahran & Malvern Tramways Trust, welche in Melbournes östlichen Vororten Straßenbahnlinien betrieb, durch die Ausdehnung aus dem ursprünglichen Gemeindegebieten hinaus einen großen Gewinn erlangt hatte, was man auf das zukünftige Netz in Footscray übertragen wollte, um kein unrentables, kleines Stadtnetz aufzubauen. Die FTT konnte hiervon nicht überzeugt werden und hielt fest am Beschluss, keine Straßenbahnstrecke nach Essendon zu errichten. Die Befürworter der Strecke waren damit sehr unzufrieden, da sie befürchteten, dass dadurch überhaupt keine Straßenbahn gebaut werden würde.
Idee einer Strecke nach Melbourne Im Frühjahr begann man mit den Planungen der großen Hafenanlagen am nördlichen Flussufer des Yarra River, den Melbourne Docklands. Zur Erschließung des Gebietes beabsichtigte die Hafengesellschaft die Errichtung einer Straßenbahnlinie ins Stadtzentrum von Melbourne. Inspiriert von der Idee einer direkten Straßenbahnverbindung von Footscray in die Innenstadt stellte Ratsherr Harris im Stadtrat den Antrag, den Planungsbehörden in einer Anfrage die Verbindung ihrer Linie mit der Straßenbahn Footscray nahezulegen. Auch wenn die Verwirklichung seinerzeit als sehr unwahrscheinlich betrachtet wurde, nahm man den Vorschlag positiv auf. Aktuell steht die Verbindung wieder zur Diskussion.
Auswirkungen des Ersten Weltkriegs