mini|U-Bahn- und Straßenbahnnetz der MBTA Die Massachusetts Bay Transportation Authority, kurz MBTA, ist der Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Boston und Umgebung. Die MBTA betreibt in der Region Massachusetts Bay elf Eisenbahn-, drei U-Bahn-, vier Straßenbahn-, sechs Oberleitungsbus- und 150 Omnibus-Linien. Umgangssprachlich wird das Verkehrsunternehmen meist T genannt. Die MBTA ist zudem das größte Unternehmen im Bereich des ÖPNV in der gesamten Metropolregion Greater Boston.

Geschichte mini|Karte der Dampfeisenbahnen in Boston aus dem Jahr 1880 des U.S. Census Bureau mini|Das geplante West-End-Street-Schienennetz im Jahr 1885; die Konsolidierung dieser Linien wurde 1887 abgeschlossen. Der Bostoner ÖPNV wurde bis zur Schaffung der Metropolitan Transit Authority (MTA) im Jahr 1947 von privaten Unternehmen organisiert, denen vom Bundesstaat häufig besondere Befugnisse einschließlich der Ermächtigung zu Enteignungen zur Schaffung begrenzter Monopole sowie zur Erlangung eines Wegerechts erteilt wurden. Die Entwicklung des Massentransports folgte dabei sowohl ökonomischen als auch auf die Bevölkerung bezogenen Kriterien und gestaltete dabei die Ausprägung dieser Kriterien zugleich mit.

Eisenbahn Kurz nachdem die Dampflokomotive für den Massentransport von Gütern und Menschen praktisch nutzbar wurde, gründete sich im Jahr 1830 die private Bahngesellschaft Boston and Lowell Railroad. Sie verband insbesondere die Städte Boston und Lowell über eine der ältesten Eisenbahnstrecken in Nordamerika miteinander. Dieser Zeitpunkt markiert den Beginn der Entwicklung des US-amerikanischen Schienenpersonennahverkehrs, die in Massachusetts in der Etablierung des Commuter-Rail-Systems der MBTA und der Einrichtung der Linie Green Line D mündete.

Straßenbahn

Am 26. März 1856 nahm mit der Cambridge Railroad die erste Bostoner Straßenbahnlinie ihren Betrieb auf, und eine Vielzahl weiterer Gründungen folgte. Später gab es mehrere Phasen der Konsolidierung, und die zunächst als Pferdewagen konzipierten Fahrzeuge wurden durch elektrische Straßenbahnwagen ersetzt.

U-Bahnen und aufgeständerte Schienenwege links|mini|Die MBTA-Station Park Street der Green Line kurz nach ihrer Eröffnung, ca. 1898 Die beständig zunehmende Verkehrsbelastung und die Vielzahl an Straßenbahnen im Stadtzentrum von Boston führte ab 1897 zum Bau von U-Bahnen und ab 1901 auch zur Errichtung von Hochbahnen. Der Bostoner Tremont Street Subway war der erste U-Bahn-Tunnel in den Vereinigten Staaten. Die neuen Bahnstrecken boten zum einen zusätzliche Transportkapazitäten und zum anderen waren die darauf verkehrenden Züge regelmäßig pünktlich, da sie kreuzungsfrei fahren konnten.

Die erste Hochbahn und die erste Rapid-Transit-Linie in Boston wurden zwar drei Jahre vor der New York City Subway errichtet, jedoch 34 Jahre nach den ersten Linien der London Underground. Im Laufe der Zeit wurde der erste U-Bahn-Tunnel verlängert und es entstanden neue Abzweigungen. Auch die Hochbahnen wurden beständig ausgebaut. Parallel dazu wurden häufig Straßenbahnlinien verkürzt oder eingestellt.

Busse

Im Jahr 1922 begann die Boston Elevated Railway damit, Straßenbahnlinien durch Busse zu ersetzen. Im Jahr 1930 fuhr zum letzten Mal ein Straßenbahnwagen der Middlesex and Boston Street Railway, und 1936 wurden erstmals Oberleitungsbusse eingesetzt.

Entwicklung der MTA zur MBTA Die alten aufgeständerten Schienenwege waren mit der Zeit sehr unansehnlich geworden und erforderten aufgrund der verworrenen Bostoner Straßen an verschiedenen Stellen sehr scharfe Kurven, was das Ansehen der Hochbahnen insgesamt sinken ließ. 1938 musste die Atlantic Avenue Elevated aufgrund sinkender Passagierzahlen den Betrieb einstellen und wurde 1942 schließlich abgerissen. Mit der Zeit wurde der Passagiertransport über Schienenwege vor allem durch die aufkommende Verbreitung von Automobilen zunehmend unprofitabel, und so übernahmen lokale Behörden die noch bestehenden Strecken, um weiterem Verfall und Abriss vorzubeugen. Die MTA übernahm in diesem Zuge im Jahr 1947 alle U-Bahnen, Hochbahnen, Straßenbahnen und Buslinien der Boston Elevated Railway. In den 1950er Jahren baute die MTA die U-Bahn-Strecken weiter aus und ersetzte die letzten beiden über das Pleasant Street Portal in den Tremont Street Subway führenden Straßenbahnlinien in den Jahren 1953 und 1962 durch Busse.

Am 3. August 1964 wurde die MBTA als offizieller Rechtsnachfolger der MTA gegründet und war seitdem auch für ein größeres Gebiet zuständig – der ursprüngliche Zuständigkeitsbereich der MTA von 14 Städten und Gemeinden wurde in diesem Zuge auf 78 ausgedehnt. Die MBTA wurde teilweise auch deshalb gegründet, um bereits bestehende Strecken des Schienenpersonennahverkehrs zu subventionieren. Sie erwarb von 1973 bis 1976 in mehreren Schritten weitere Strecken und bewahrte sie vor der endgültigen Schließung. Bis 1999 wurde die Zuständigkeit der MBTA auf insgesamt 175 Städte und Gemeinden ausgeweitet.

Im Jahr 1965 wies die MBTA ihren vier Straßen- und U-Bahn-Linien Farben zu und fügte den Zweigen der Green Line von Nord nach Süd aufsteigende Buchstaben zu. Neben anderen Faktoren führte ein Mangel an Fahrzeugen dazu, dass bei der Green Line Einschnitte erforderlich wurden. Die Green Line A stellte ihren Betrieb 1969 ein und wurde durch die Buslinie 57 ersetzt, während das ehemalige Teilstück der Green Line E von der Station Heath Street bis zum Arborway seit dem Jahr 1985 durch einen Schienenersatzverkehr bedient wird.

Die MBTA kaufte darüber hinaus im Jahr 1968 Buslinien der Eastern Massachusetts Street Railway in den nördlichen und südlichen Vororten hinzu, von denen die meisten der Routen an den äußeren Rändern des Streckennetzes jedoch aufgrund geringer Passagierzahlen und hoher Betriebskosten kurz vor bzw. kurz nach der Übernahme eingestellt werden mussten.

In den 1970er Jahren erhielt die MBTA eine große Unterstützung durch das Programm Boston Transportation Planning Review, mit dem im gesamten Einzugsgebiet die Rolle des Massentransports im Vergleich zu den Highways neu bewertet wurde. Aufgrund der Ergebnisse des Programms wurden ein Moratorium zum Bau neuer Highway-Abschnitte auf der Massachusetts Route 128 eingesetzt und die Erweiterung mehrerer ÖPNV-Linien geplant. Zugleich wurde der Abriss der Hochbahnstrecken fortgesetzt, wobei die Schließung der Washington Street Elevated zugleich das Ende der ÖPNV-Anbindung zum Stadtteil Roxbury bedeutete. Von 1971 bis 1985 wurde die Red Line sowohl in nördlicher als auch in südlicher Richtung ausgebaut, was neben einer Ausdehnung des U-Bahn-Netzes auch die Errichtung von großen Parkhäusern an den größeren Haltestellen und Bahnhöfen zur Folge hatte. Somit wurde zugleich die prekäre Parkplatzsituation etwas entschärft.

Schmiergeldaffäre Am 30. April 1981 fand der damalige Generaldirektor der MBTA James O’Leary auf seinem Schreibtisch einen Briefumschlag mit der Beschriftung . Da er nur einen kurzen Blick auf den Adressaten geworfen hatte, war er der Meinung, dort stehe und öffnete den Umschlag, der jedoch eigentlich für den Staatssekretär für Verkehrswesen Barry Myles Locke gedacht war, der zugleich Vorsitzender der MBTA war. Im Inneren des Umschlags befanden sich vier weitere, immer kleiner werdende Umschläge. Der kleinste von ihnen enthielt zehn Einhundert-Dollar-Scheine und eine anonym verfasste Nachricht an Locke, die ihn anwies, bei der Bestimmung des Preises, den ein Anwohner aus Belmont für ein ehemaliges MBTA-Grundstück zahlen muss, einen geringeren Wert als üblich anzusetzen. Noch am selben Abend ging O’Leary zum Haus des Generalstaatsanwalts von Massachusetts Francis Bellotti und übergab ihm die Umschläge und das Geld.

Am darauf folgenden Tag wurde Locke mit sofortiger Wirkung unbezahlt von seinem Amt suspendiert, nachdem der damalige Gouverneur Edward J. King erfahren hatte, dass Bellotti Untersuchungen im Hinblick auf den Verdacht der Korruption im Zusammenhang mit Vermietungen in der Boston South Station sowie mit der Vertragsgestaltung für Werbeflächen auf Fahrzeugen der MBTA durchführte. Die Ermittlungen führten zur Anklage von insgesamt 17 Personen – unter ihnen Locke – und einem Unternehmen aufgrund ihrer Verwicklungen in die systematischen Schmiergeldzahlungen.

Am 2. Februar 1982 wurde Locke in fünf Fällen der Konspiration zur Durchführung von Bestechung und Diebstahl schuldig gesprochen. Damit war er seit der Einführung des Kabinettsystems im Jahr 1970 der erste und ist bis heute der einzige Staatssekretär in Massachusetts, der während seiner Amtszeit wegen einer Straftat verurteilt wurde. Der Richter Rudolph Pierce beschrieb Locke als jemanden mit einem auf monetären Profit und verurteilte ihn zu 7 bis 10 Jahren Haft im Hochsicherheitsgefängnis Massachusetts Correctional Institution – Cedar Junction.

Entwicklung im 21. Jahrhundert mini|Innenansicht der Boston South Station, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt mit Anschlüssen an die Linien der MBTA, Amtrak und Greyhound Lines mini|Die Station Wickford Junction in Rhode Island wurde im April 2012 eröffnet. Im Jahr 2000 gab es in der Finanzierung der MBTA einen Wendepunkt. Bis zum 1. Juli 2000 wurden alle Verluste, die der MBTA nach Abzug aller Einnahmen entstanden, vollständig und automatisch durch den Staat Massachusetts ausgeglichen. Ab diesem Datum jedoch wurde der MBTA im Voraus ein gewisser Finanzrahmen zugestanden, der sich insbesondere an den erzielbaren Einnahmen in den bedienten Städten und Gemeinden orientierte. Hinzu kamen 20 % der vom Bundesstaat vereinnahmten Umsatzsteuer in Höhe von 5 %. Seitdem muss die MBTA mit diesem Budget haushalten.

Im Zuge des Big Dig wies der Staat Massachusetts die MBTA an, ihre Beförderungskapazitäten zu erhöhen, um die durch erhöhtes Straßenverkehrsaufkommen angestiegene Verschmutzung zu kompensieren. Die MBTA nutzte daraufhin die Bauarbeiten, um einen Teil der Green Line unterirdisch zu verlegen sowie die Stationen Haymarket und Boston North Station neu zu bauen. Allerdings musste sie dies aus den eigenen Mitteln finanzieren, da der Big Dig dafür keine Gelder vorsah, und geriet dadurch an die Grenze ihrer finanziellen Belastbarkeit. Seit 1988 ist die MBTA das am schnellsten wachsende Nahverkehrssystem, was auch zutraf, als die Metropolregion Greater Boston zu den am langsamsten wachsenden Metropolregionen der Vereinigten Staaten zählte, und geriet so an den Rand des Ruins. Als das Budget der MBTA im Jahr 2000 limitiert wurde, musste die Gesellschaft Schulden aufnehmen, um geplante Projekte sowie die obligatorischen Beteiligungen am Big Dig zu finanzieren. Dies führte dazu, dass die MBTA mit einem Betrag von geschätzten 9 Mrd. US-Dollar heute das ÖPNV-Unternehmen mit dem höchsten Schuldenstand in den USA ist.

Seit dem Ersatz der Causeway Street Elevated durch eine U-Bahn-Strecke im Jahr 2004 bilden einige Abschnitte der Red Line sowie ein kurzes Teilstück der Green Line die letzten noch existierenden Hochbahnstrecken in Boston.

Am 31. Oktober 2007 nahm die MBTA mit dem dritten Zweig der Old Colony Lines den Verkehr nach Scituate wieder auf.

Im Jahr 2008 gab der damalige Generaldirektor der MBTA Daniel Grabauskas bekannt, dass die bis dahin bereits seit Jahren übliche Praxis, in den Fahrplänen bereits veröffentlichte Fahrten ohne Information der Fahrgäste aus Kostengründen nicht durchzuführen, ab sofort beendet werde.

Unfälle