mini|Die Flagge der Asala rahmenlos|rechts|Logo der Asala mini|Das von der Asala beanspruchte Gebiet. Die Armenische Geheimarmee zur Befreiung Armeniens (, ), kurz Asala, war eine marxistisch-leninistische Untergrundorganisation, die von 1975 bis in die frühen 1990er Jahre operierte.Roy Olivier: Turkey today. A European country? Anthem Press, 2005, ISBN 1-84331-172-0, S. 170. Während die Asala von sich selbstJürgen Gottschlich: Beihilfe zum Völkermord: Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier. Christoph Links-Verlag, 2015. ISBN 978-3-86153-817-2. Digitalisat und anderen QuellenHenry W. Degenhardt, Alan John Day: Political dissent: an international guide to dissident, extra-parliamentary, guerrilla, and illegal political movements. Gale Research Company, 1983, S. 489.Pico Iyer: Remembering with Vengeance. In: Time. magazine, № 32, 8. August 1983.Frederik Coene: The Caucasus: an introduction. 2009, S. 221.Douglas Arthur Howard: The history of Turkey. 2001, S. 161. als Guerilla eingestuft wurde, haben andere Autoren,Yağmur Atsız: Terror gegen die Türken. In: Die Zeit, 7. Dezember 1984Colleen Sullivan: Armenian Secret Army for the Liberation of Armenia. In: Encyclopædia Britannica die Außenministerien Aserbaidschans und der Vereinigten Staaten ebenso wie das türkische Kulturministerium sie als terroristisch und bewaffnetAmy Singer, Christoph Neumann, Selcuk Somel: Untold Histories of the Middle East. 2010, S. 27. aufgelistet.United States Department of State. Patterns of Global Terrorism Report: 1989., S. 57.

Als Ergebnis von 84 dokumentierten Anschlägen der Asala wurden 46 Personen getötet und 299 verwundet. Die Absicht der Asala war es, „die türkische Regierung zum Eingeständnis ihrer Verantwortung für den Völkermord an den Armeniern ab 1915, die Zahlung von Reparationen und Gebietsabtretungen an das armenische Heimatland zu zwingen“. Das wichtigste Ziel der Asala war es, das historische Armenien wieder zu etablieren, welches nach ihrer Auffassung Westarmenien und Sowjetarmenien umfasste.Terrorist Group Profiles. DIANE Publishing, 1989, S. 32–35. Digitalisat Das beanspruchte Gebiet entspricht dem, welches den Armeniern 1920 von US-Präsident Woodrow Wilson im nicht ratifizierten Vertrag von Sèvres versprochen wurde (Wilsonsches Armenien).Paul M. Pitman: Turkey: A Country Study. The Federal Research Division of the Library of Congress, Washington, D.C., , S. 283, 354–355. Stattdessen wurde die Grenze zwischen der Türkei und der Sowjetunion im Vertrag von Kars am 13. Oktober 1921 festgelegt und am 11. September 1922 in Jerewan ratifiziert.

Der Anführer der Gruppe war von 1975 bis 1988 Hagop Agopjan; weitere wichtige Mitglieder waren Hagop Tarakdschijan, Ara Yenikomoushian und Monte Melkonian (gestorben während des Krieges in Bergkarabach im Juni 1993). Die Gruppe war mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und seit den 1980er-Jahren der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbündet und erhielt heimliche Unterstützung aus der armenischen Diaspora in Europa und den Vereinigten Staaten.Harvey W. Kushner: Encyclopedia of terrorism. SAGE, 2003, S. 47. Da sie unter inneren Streitigkeiten litt, wurde die Gruppe in den 1990er Jahren relativ inaktiv, obwohl sie 1991 ein gescheitertes Attentat auf den türkischen Botschafter in Ungarn für sich reklamierte. Die Organisation engagierte sich seitdem in keinerlei militärischen Aktivitäten.Armenian Secret Army for the Liberation of Armenia (ASALA). GlobalSecurity.org Das Motto war „Es lebe die revolutionäre Solidarität der unterdrückten Völker!“ und „Der bewaffnete Kampf und die richtige politische Linie sind der Weg nach Armenien“.G. Yazchian: Thirty years ago this day was born ASALA. In: Azg. (Zeitung), Jerewan, 20. Januar 2005.

Hintergrund Die Überlebenden des Völkermordes an der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich im Jahr 1915 fanden Zuflucht in Ländern des Nahen Ostens, Westeuropas sowie in den Vereinigten Staaten. Rädelsführer und Schlüsselfiguren des Völkermordes wurden in den 1920ern von Armeniern wie Soghomon Tehlirian (Operation Nemesis) ermordet. Der Nachfolger des Osmanischen Reiches, die Republik Türkei, behauptete jedoch nach wie vor, dass es sich bei den Ereignissen von 1915 nicht um einen Völkermord gehandelt habe; im Gegenteil führte der türkische Staat Kampagnen gegen jegliche Versuche, diese Ereignisse ans Tageslicht zu bringen, und verhinderte eine Anerkennung im Westen. Tatsächlich behauptete die Regierung, dass Armenier Gewalt angezettelt hätten, und bezichtigte die armenische Minderheit des Reiches, angeblich Hunderte von Türken massakriert zu haben, was die Ursache für die Deportation der gesamten armenischen Zivilbevölkerung sei. Im Jahre 1965 gedachten Armenier auf der ganzen Welt des 50. Jahrestages des Völkermordes und begannen, für die weltweite Anerkennung des nicht aufgearbeiteten Völkermordes zu drängen. Als friedliche Märsche und Demonstrationen von der unnachgiebigen Türkei ignoriert wurden, strebte die jüngere Generation der Armenier – aufgrund der Leugnung durch die Türkei und des Versagens der Elterngeneration, Veränderungen zu bewirken – nach neueren Annäherungsweisen, um Anerkennung und Reparationen zu erwirken. 1973 wurden in Los Angeles zwei türkische Diplomaten, der Generalkonsul Mehmet Baydar und der Konsul Bahadır Demir, von einem Überlebenden des Völkermordes, Kurken Yanikian, ermordet. Dieses Ereignis hätte schrittweise vergessen werden können, hätte es nicht eine Kette von Vorfällen eingeleitet, die das Ereignis und seinen Täter in ein Symbol verwandelten, welches das Ende der Verschwörung des Schweigens repräsentierte, das seit 1915 den Völkermord an den Armeniern umgab.

Gründung und Anfänge Die Asala wurde am 20. Januar 1975, zu Beginn des Libanesischen Bürgerkrieges von Angehörigen der armenischen Diaspora in Libanons Hauptstadt Beirut gegründet, wo es besonders im Vorort Bourj Hammoud eine starke armenische Gemeinde aus Nachkommen des Völkermords gab. Zu den wichtigsten Gründungsmitgliedern zählten Hagop Agopjan (eigentlicher Name Harutiun Tokaschian) und Hagop Tarakdschian und möglicherweise der Schriftsteller Kevork Adschemian. Zu Beginn trug die Asala den Namen „Gruppe des Gefangenen Kurken Yanikian“.Near East / South Asia Report by United States Foreign Broadcast Information Service. United States Joint Publications Research Service, 1987, S. 3. Sie bestand hauptsächlich aus im Libanon geborenen Armeniern der Diaspora, deren Eltern und/oder Großeltern Überlebende des Völkermords an den Armeniern waren. Die Organisation folgte einem auf der linken Ideologie basierenden theoretischen Modell.Roy Olivier: Turkey Today. A European country? Anthem Press, 2005, S. 169. Die Asala stand ihren Vorgängern und den Diasporaparteien kritisch gegenüber und beschuldigte sie, dass sie es nicht verstanden, mit den Problemen des armenischen Volkes umzugehen.Vered Amit Talai, Vered Amit: Armenians in London: The Management of Social Boundaries. Manchester University Press, 1989, S. 27. Die Spitze der Strukturgruppe war das Generalkommando der Volks von Armenien (VAN).David H. Partington (Hrsg.): The Middle East Annual: Issues & Events. 1984, S. 155.

Die Aktivitäten der Gruppe bestanden vor allem aus der Ermordung von türkischen Diplomaten und Politikern in Westeuropa, den Vereinigten Staaten und im Nahen Osten.Political Interest Groups. In: Helen Chapin Metz (Hrsg.): Turkey: A Country Study. The Federal Research Division of the Library of Congress, Washington, D.C., , S. 283, 354–355. Ihr erstes anerkanntes Attentat war die Ermordung des türkischen Diplomaten Daniş Tunalıgil in Wien am 22. Oktober 1975. Ein gescheiterter Angriff in Genf am 3. Oktober 1980, bei dem zwei armenische Milizionäre getötet wurden, führte zu einem neuen Spitznamen der Gruppe, die Organisation des 3. Oktober. Das Acht-Punkte-Manifest der Asala wurde 1981 veröffentlicht.

Die Asala, die in den Beiruter Lagern der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ausgebildet wurde, ist die bekannteste Guerillagruppe, die für die Ermordung von mindestens 36 türkischen Diplomaten verantwortlich ist. Seit 1975 wurde ein Dutzend türkischer Diplomaten oder Familienmitglieder von Politikern zur Zielscheibe von Angriffen – mit dem Ergebnis, dass die armenische Revanche, sowie der Hintergrund des armenischen Befreiungskampfes, durch die Weltpresse gingen. Diese erwähnenswerten Angriffe waren erfolgreich beim Anprangern des Völkermordes und seines Stillschweigens vor der internationalen Öffentlichkeit, obwohl sie von einer sehr kleinen Gruppe durchgeführt wurden.

Politische Ziele Das von der Asala beanspruchte Gebiet gemäß dem Vertrag von Sèvres 1920

Die politischen Ziele der Asala waren das Ende des türkischen Kolonialismus, des NATO-Imperialismus und des Zionismus mittels Anwendung von revolutionärer Gewalt zu erzwingen. Zu diesem Zweck griff sie Institutionen und Vertreter der Türkei sowie Staaten, welche die Türkei unterstützen, an. Als Hauptideologie der Asala kann der wissenschaftliche Sozialismus angesehen werden Dennoch wird die Ideologie der Organisation auch als eine Art von Kompromiss zwischen Marxisten und Nationalisten angesehen.

Aktivitäten

Gemäß dem National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism gab es 84 Asala-Vorfälle, die zu 46 Toten und 299 Verwundeten führten., MIPT Terrorism Knowledge Base

1970er Jahre Am 22. Oktober 1975 wurde der türkische Botschafter in Österreich Daniş Tunalıgil von drei Asala-Mitgliedern in seinem Arbeitszimmer getötet.Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten: abgerufen am 26. November 2013. Zwei Tage später werden am 24. Oktober 1975 auf dem Weg zurück zur Türkischen Botschaft der türkische Botschafter İsmail Erez und sein Fahrer Talip Yener während eines Attentats in Paris getötet. Am selben Tag noch bekannten sich auch die Gerechtigkeitskommandos des armenischen Völkermords (JCAG) bei der Nachrichtenagentur AFP zum Anschlag.

Am 16. Februar 1976 wurde der Generalsekretär der türkischen Botschaft Beirut, Oktay Cirit, von der Asala getötet. Am 9. Juni 1977 erlag in Rom der türkische Botschafter Taha Carım einem auf ihn verübten Mordanschlag.Aydogan Vatandas: ASALA Operasyonlari aslinda ne oldu? (deutsch: Was war mit den ASALA Operationen?). 1. Auflage. Alfa Yayinlari, 2005, ISBN 975-297-641-7. Am 12. Juni 1978 wurde in Madrid die Ehefrau des türkischen Botschafters Necla Kuneralp und der Botschafter a. D. Beşir Balcıoğlu von der Asala getötet.

Am 12. Oktober 1979 starb in Den Haag Ahmet Benler, der Sohn des türkischen Botschafters in den Niederlanden, an den Folgen eines Schusswaffenanschlages. Zu diesem Anschlag bekannten sich sowohl die Asala als auch die Gerechtigkeitskommandos.

1980er Jahre Am 6. Februar 1980 verübte die Asala in Bern einen Anschlag auf den türkischen Botschafter Doğan Türkmen. Türkmen überlebte den Anschlag. Am 17. April 1980 verübte die Asala in Rom einen Anschlag auf den türkischen Botschafter Vecdi Türel, der dabei zusammen mit seinem Leibwächter Tahsin Güvenç verwundet wurde.

Am 31. Juli 1980 starben in der Türkischen Botschaft Athen Galip Özmen, Verwaltungsattaché der türkischen Botschaft, und seine 14 Jahre alte Tochter Neslihan Özmen bei einem Anschlag auf die Familie. Die Ehefrau Sevil Özmen und ihr gemeinsamer Sohn Kaan Özmen konnten verletzt entkommen.

Die ersten beiden (am 3. Oktober 1980) festgenommenen Asala-Milizionäre waren Alex Yenikomshian und Suzy Mahserejian, die nach der versehentlichen Explosion einer Bombe in einem Genfer Hotel verwundet wurden.Armand Gaspard: Le Combat armenien: entre terrorisme et utopie : Lausanne, 1923–1983. Age d'homme, 1984, S. 72. Am 10. November 1980 wurden in Rom bei zwei Anschlägen der Asala auf ein Schweizer Reisebüro und ein Büro der Swissair 5 Menschen verletzt.

Am 17. Dezember 1980 wurden bei einem Anschlag in Sydney der Generalkonsul der türkischen Botschaft Şarık Arıyak und sein Leibwächter Engin Seven getötet.