Mit dem Begriff Strelasundquerung werden sowohl die beiden Brückenverbindungen zur Insel Rügen über den Strelasund vom vorpommerschen Festland bei Stralsund aus, als auch die regelmäßig betriebenen Fährverbindungen zwischen Stralsund und Altefähr sowie die Glewitzer Fähre zwischen Stahlbrode und Zudar bezeichnet. mini|Neue und alte Brücke (2013) mini|Die beiden Brücken über den Strelasund (2011) mini|Blick von der Brücke auf die Stadt Der Rügendamm ist die erste feste Strelasundquerung; über ihn führen sowohl die alte Bundesstraße 96, die Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz als auch ein kombinierter Fuß- und Radweg. Er wurde 1936/1937 fertiggestellt. Zu ihm gehört eine relativ kurze Brücke zwischen Stralsund und der ihm vorgelagerten kleinen Insel Dänholm.
Rügenbrücke ist der Name der im Jahr 2007 fertiggestellten, ausschließlich dem Kraftfahrzeugverkehr dienenden Hochbrücke zwischen Stralsund und Altefähr. Sie liegt parallel zum und nahe des Rügendammes und ist gleich lang wie dieser. Über sie führen die Bundesstraße 96 und die Europastraße 22.
Brückenbauwerke über den Strelasund Rügenbrücke
Die ausschließlich dem Kraftfahrzeugverkehr dienende Rügenbrücke ist eine Hochbrücke mit einer dreistreifigen Fahrbahn, deren mittlerer Fahrstreifen bedarfsgerecht genutzt wird. Das Kernstück der insgesamt 4100 m langen Querung bildet der 2831 m lange Brückenzug über den Strelasund.
Die Strecke setzt sich insgesamt aus sieben Abschnitten zusammen, fünf davon sind Brückenbauwerke: Damm auf der Festlandseite in Stralsund zwei Vorlandbrücken in Stralsund Hochbrücke über den Ziegelgraben Vorlandbrücke Dänholm Vorlandbrücke Strelasund Strelasundbrücke Damm auf der Insel Rügen
mini|Auffahrt zur Rügenbrücke von Stralsund mit den markanten Y-Stützenpaaren
Südliche Brückenrampe Die südliche Brückenrampe beginnt hinter dem Anschluss der Ortsumgehung Stralsund (Bundesstraße 96) und besteht bis zum Widerlager der ersten Vorlandbrücke aus einem 85,53 m langen Dammbauwerk. Anschließend folgen die zwei Vorlandbrücken Stralsund mit einer Gradiente von bis zu 4 %. Das Bauwerk 1.1 ist eine 327,5 m lange Brückenkonstruktion mit zehn Feldern und einem zweistegigen Spannbeton-Plattenbalken als Überbau. Das Bauwerk 1.2 ist eine 317 m lange Brücke mit sechs Feldern und einem einzelligen Stahlverbundkasten als Überbau, der im Werk in Neumarkt-Sengenthal vorgefertigt wurde. Eine architektonische Besonderheit bilden an der Zufahrt der B 96 die beiden Y-Stützenpaare, die den großen Stützenabstand von 72 m bei konstanter Überbauhöhe ermöglichen. Die Vorlandbrücken besitzen 0,7 m hohe Innenverkleidungen der Geländer mit Verbundsicherheitsglasscheiben als Windabweiser und Spritzschutz ausgeführt. Die Bauwerke sind auf Ortbetonrammpfählen gegründet.
Neue Ziegelgrabenbrücke (Hochbrücke) Die neue, als Hochbrücke ausgeführte Ziegelgrabenbrücke (BW 2) überspannt den Ziegelgraben, der als Nebenzug des Strelasunds Stralsund und die Insel Dänholm trennt. Sie hat eine Länge von 583,3 m. Die beiden Hauptfelder mit 126 m (zum Festland hin) und 198 m (zum Dänholm hin) Länge sind als Schrägseilbrücke und einem dreizelligen Stahlhohlkasten ausgeführt, der im Werk in Neumarkt-Sengenthal vorgefertigt wurde. Die Brücke ermöglicht dem Schiffsverkehr eine Durchfahrtshöhe von 40 m.Amtliche Karten für die Klein- und Sportschifffahrt, Satz 3006, Blatt 22 (Ausgabe 2017/2018 vom 13. Januar 2017) sowie Amtliche Seekarten 1579 (5. Ausgabe vom 27. Mai 2016) und 1622 (11. Ausgabe vom 13. November 2015), BSH, Hamburg und Rostock
Der in einem hellen Blau gehaltene, 128 m hohe Pylon ist zweigeteilt, mit einem ungefähr 40 m hohen Sockel aus Stahlbeton und einem Oberteil aus Stahl. Der Überbau ist vom Unterbau durch Brückenlager getrennt. Die Gründung des Hauptpfeilers besteht aus 40 Bohrpfählen mit 1,5 m Durchmesser. Vom tropfenförmigen Pylon aus tragen 32 harfenförmig schräg gespannte Stahlseile die beiden Hauptöffnungen. Die Rügenbrücke ist mit einem für Deutschland einmaligen Verfahren mit Seilzügen versehen, die gegen Korrosion dreifach geschützt sind: Die Seile sind verzinkt, mit einer Hülle aus Polyethylen und zusätzlich mit Spezialwachs überzogen. Ein Jahr lang wurden die Seile in der Technischen Universität München geprüft und schließlich vom Bundesbauministerium zugelassen. Die Stahlseile mit einer Gesamtmasse von bis zu 135 Tonnen bestehen aus 34 Einzellitzen, die in einem Hüllrohr zu einem Kabel mit einem Durchmesser von 180 mm gebündelt sind. Sie sind für eine aufnehmbare Zugkraft von 4000 kN ausgelegt.
Die neue Ziegelgrabenbrücke hat eine 1,5 m hohe Innenverkleidung des Geländers mit Verbundsicherheitsglas als Windabweiser.
Nördliche Brückenrampe Die nördliche Brückenrampe besteht aus drei Brücken, einem Damm- und einem Streckenabschnitt. Nach der Hauptbrücke folgt die Vorlandbrücke Dänholm (BW 3), eine 532,3 m lange Konstruktion und die Vorlandbrücke Strelasund (BW 4) mit einer Länge von 532,2 m. Beide Bauwerke besitzen einen 10-feldrigen einzelligen Spannbeton-Hohlkasten als Überbau und sind auf Ortbetonbohrpfählen gegründet. Die Brücke Dänholm ist mit einer 0,7 m hohen Innenverkleidung des Geländers mit Verbundsicherheitsglas als Windabweiser ausgeführt.
Das Brückenbauwerk über den Strelasund ist die 539,0 m lange Strelasundbrücke (BW 5), die nach Norden hin die Höhe der Ziegelgrabenüberfahrt verringert. Die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt auf dem Strelasund liegt an der für die Durchfahrt vorgesehenen Stelle nur noch bei 8 Metern. Das Brückenbauwerk hat auch einen einzelligen Spannbeton-Hohlkasten als Überbau.
Der nördlichste Abschnitt der Strelasundquerung wird auf einem Damm geführt. Die Länge des Dammes beträgt 455,95 m, es folgt noch 732,0 m Strecke. Mit 225.000 m³ Erdmaterial wurde der Damm aufgeschüttet, dazu bilden 20.690 m² Spundwände die Uferwand des Dammes, der bis zum Anschluss des Verkehrsknotens Altefähr führt. In diesem Bereich ist eine Radwegunterführung vorhanden.
Rügendamm
Rügendamm ist der Name der seit 1935 bestehenden Strelasundquerung, die mit einem Straßenbrückenzug für eine zweistreifige Fahrbahn der Bundesstraße 96 und einen Gehweg sowie in paralleler Lage für einen eingleisigen Eisenbahnbrückenzug im Verlauf der Strecke nach Bergen–Sassnitz errichtet wurde. Sie besteht aus drei Abschnitten, die in der Reihenfolge beschrieben sind, wie sie von Stralsund, also vom Festland kommend, passiert werden.
mini|Straße und Eisenbahn über die Ziegelgrabenbrücke (hinten), links die Hochbrücke
Ziegelgrabenbrücke Die alte, als Klappbrücke ausgeführte Ziegelgrabenbrücke ist 133 Meter lang und verbindet das Festland mit der noch zu Stralsund gehörenden Insel Dänholm. Der Eisenbahn- und Straßenbrückenzug besteht aus je drei Überbauten: Zwei festen mit jeweils 52 Metern Stützweite und einem beweglichen mit einer Stützweite von 29 Metern. Die Brücke mit einer Masse von 370 Tonnen wird täglich zu festgelegten Zeiten für den Schiffsverkehr geöffnet. Das Öffnen der Brücke ermöglicht der Schifffahrt auf der Ostansteuerung des Hafens Stralsund das Passieren des Rügendamms; die Öffnung geschieht täglich jeweils um 2:30 Uhr (Bedarfsöffnung), 5:20, 8:20, 12:20, 15:20, 17:20 und 21:30 Uhr für je 20 Minuten. Diese Zeiten liegen in fahrplanmäßigen Zugpausen, damit behindern die Brückenöffnungen den Eisenbahnbetrieb normalerweise nicht. In geschlossenem Zustand beträgt die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt 6 Meter.
Rügendamm Auf dem Dänholm beginnt der eigentliche Rügendamm, d. h. der Verlauf der Strelasundquerung als Damm. Dieser ist die Verbindung zwischen Ziegelgrabenbrücke und Rügendammbrücke und reicht noch über den eigentlichen Dänholm hinaus in den Strelasund.
Rügendammbrücke (Strelasundbrücke) mini|Brücke über den Dänholm und Strelasundbrücke Die Rügendammbrücke ist eine 10-feldrige Stahlkonstruktion mit einer Länge von 540 m über den Strelasund. Das Bauwerk, bestehend aus je einem Überbau für die eingleisige Eisenbahnstrecke und den Straßenverkehr, verbindet die Insel Dänholm mit der Insel Rügen und endet bei der Ortschaft Altefähr. Die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt auf dem Strelasund liegt mit 8 Metern 2 Meter höher als bei der Ziegelgrabenbrücke im geschlossenen Zustand.
Fährverbindung Zwischen Stralsund und Altefähr besteht eine Fährverbindung mit kleineren Passagierschiffen, die dem Personen- und Fahrradtransport dienen. Sie wird durch die Weiße Flotte betrieben.
Geschichte Der Strelasund trennt seit Jahrtausenden die Insel Rügen vom heutigen vorpommerschen Festland. Seit mindestens sieben Jahrtausenden siedelten Menschen auf der Insel, die hier auch ihre heiligen Stätten anlegten, wie die Swantevit-Stätte am Kap Arkona. Ab dem 12. Jahrhundert erfolgte die Christianisierung. Die heiligen Stätten verfielen oder wurden geschleift. Diese Stätten waren vordem Ziel vieler Pilger auch vom Festland. Zur Überquerung der Meerenge benutzten sie Boote, ebenso für den Handel zwischen Insel und Festland.
Alte Fähre Die Meerenge konnte an vielen verschiedenen Stellen überquert werden, da die Insel an einem langen Abschnitt der Festlandküste in Sichtweite liegt. Die kürzeste Entfernung wies allerdings die Querung zwischen der heutigen Stadt Stralsund und dem Dorf Altefähr auf. Zudem war sie durch die schützende Insel Stralow (später Dänholm genannt) sehr günstig gelegen. Von hier aus entwickelte sich ein regelrechter Fährbetrieb; um 1000 oder 1100 wurde hier bereits mit Heringen gehandelt; bei Grabungen auf der Insel Rügen wurden sogar arabische Münzen gefunden.
Die beiden Fähranlegestellen entwickelten sich nach der Christianisierung durch die Dänen zu größeren Ansiedlungen. Vor allem das Fährdorf Stralow („stral“ bedeutet im Mittelniederdeutschen und im Slawischen „Pfeil“) entwickelte sich rasch. Anfang des 13. Jahrhunderts kamen immer mehr Siedler u. a. aus Westfalen. Ihre Ansiedlung wurde durch die Rügenschen Fürsten gefördert und 1234 verlieh der Fürst Wizlaw I. dem Ort Stralow die Stadtrechte. Die Fährverbindung nach Alte Fähre, wie der Ort auf Rügen genannt wurde, wurde immer bedeutsamer, immer mehr Güter und Waren wurden auf dem Seeweg gehandelt. Stralsund wurde 1293 Mitglied der Hanse, der Warenverkehr zwischen der Insel Rügen und dem Festland nahm an Bedeutung und Umfang zu.
Dänholmfähre Zwischen dem Dänholm und der Festlandseite Stralsunds bestand eine überwiegend vom Militär genutzte Fährverbindung. Sie wurde Mitte Juli 1935 nach der Fertigstellung der Ziegelgrabenbrücke für den Straßenverkehr eingestellt.
Die schwedische Postlinie